Ausgabe 
11.12.1892 Zweites Blatt
 
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Neuerung im Fernsprechwesen. Im Fernsprechwesen der Stadt Berlin ist eine sehr angenehme und zweckmäßige Neuerung beabsichtigt. Dieselbe bezieht sich aus die Er­setzung der bisherigenBatterien", durch welche die Anruf- und Wecksignale hervorgebracht werden, durch einen kleinen und leicht zu handhabenden Magnetapparat. Letzterer fungirt viel exacter als die Batterie- er soll später in allen Orten des Reichspostgebietes mit Fernsprecheinrichtung eingesührt werden.

Berstadt, 8. December. Dahier starb in diesen Tagen der älteste Bewohner des Ortes, Wolf, im 94. Lebensjahre. Derselbe war aus Steinheim bei Hungen gebürtig.

' Vermischter.

* Die Doctorrechnung. In einem kleinen Hause des Wiener Stadtviertels Ottakring hatte sich vor Kurzem ein junger Arzt eingemiethet. Unter den wenigen Parteien des Hauses befand sich auch ein altes Fräulein, das vom Ertrage ihrer Klavier-Lectionen lebte und ein angenommenes Kind, ein Mädchen von 17 Jahren erhielt, eigentlich mit sich hungern ließ. DasKlavier-Fräul'n", wie die Leute Fräulein Cäcilie D. nannten, war nämlich ungemein sparsam und gönnte weder sich, noch ihrem Adoptivkind ein warmes Zimmer im Winter, ja sogar in Bezug aus die Kost wurde nur so viel aufgewendet, daß Beide nicht Hungers starben. Trotzdem oder gerade darum circulirte unter den Nachbarn das Gerücht von einem versteckt gehaltenen Geldbesitz der alten Jungfer. Bor wenigen Wochen erkrankte die Klavier­lehrerin. Sie verbot ihrem Pstegekinde, einen Arzt zu holen, weil derselbeviel Geld kosten" werde. Da der Zu­stand derTante" jedoch bedenklich wurde, entschloß sich das Mädchen, den im Hause wohnenden Doctor zu bitten, zu der Kranken zu kommen, ersuchte ihn aber zugleich, der Geizigen zu sagen, daß er sie nicht nur ohne Entgelt be­handeln, sondern auch die nöthigen Medicamente gratis aus der Apotheke beschaffen werde.Ich selbst werde von dem Erlöse meiner Handarbeiten Herrn Doctor bezahlen!" ver­sicherte ihm das Mädchen. DieKlavier-Fräul'n" starb, aber das ihr angedichtete Vermögen wurde nicht gefunden und die angenommene und jetzt verwaisteNichte" stand nun ohne Beschützerin, der vollständigsten Armuth preisgegeben da. Zwei Tage nach dem Begräbnisse derTante" sandte derDoctor vom Hause" der Waise seine Rechnung mit

dem Bedeuten, daß dieselbe sofort bezahlt werden müsse und er nicht warten wolle. Bestürzt eilte die mittellose Weiß­näherin in die Wohnung des Arztes.Sie kommen um­sonst", sagte derselbe.Ich kann Ihnen keine Frist ge­währen !". . . Das Mädchen antwortete unter Thränen, daß es keinen Kreuzer besitze und momentan nicht zahlen könne.O ja, Sie können mich bezahlen," erwiderte der junge Arzt,indem Sie meine Frau werden!" . . . Wirklich soll, schon in einigen Wochen die Vermählung der braven Waise mit dem Doctor stattfinden.

* Die Ernährung der Kinder. Man schreibt derFrks. Ztg.": Eine neuerdings in Kraft getretene gesetzliche Be­stimmung in Frankreich verbietet unter Anderem, ohne ärz- liche Anordnung Kindern unter einem Jahre in irgend einer Form feste Speisen zu geben. Der Gebrauch von Flaschen mit Gummiröhren ist gleichfalls untersagt. Man behauptet, daß unter 250.000 Kindern, die in Frankreich alljährlich sterben, 100,000 bei sorgfältiger Pflege erhalten werden könnten. Jene Verfügung ist namentlich den Bemühungen des zum Schutz der Kinder gegründeten Vereins zu danken, dessen Vorsitzender Rouckard ist.

* Würzburg. 6. December. Einen recht angenehmen Fund machte nach denM. N. N." der Bauer Schnabel in Bergtheim. Er fand in dem von ihm erkauften Hause des ermordeten Schimmel einen Centner und sieben Pfund alte Kron enthaler und verkaufte das Pfund zu 48 Mark.

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ttniversitcits - Nachrichten.

Berlin, 7. December. DerNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge ist der Cultusminifter mit dem Krtegsminister in Verbindung getreten, um zu bewirken, daß die Heranziehung von Docenten an Universitäten und technischen Hochschulen zu militärischen Dienstleistungen thunlichst in den Ferienmonaten März, April, August und September stsUfinde. Der Krtegsminister ersuchte die obersten Waffenbehörden, diese Wünsche in gleicher Weise zu berücksichtigen, wie es für die Uebungen der Studirenden bereits angeordnet ist.

- Universitätsstatistik. Freiburg: 1066 Hörer (998 Eingeschriebene und 68 Hospitanten) gegen 918 im Vorjahre. Hier­von entfallen auf die theologische Facultät 215, die juristische 195, die medicinische 349, die philosophische 239 Studenten. 919 ent­stammen Deutschland. 79 sind Ausländer. Würzburg: 1321 Studtrende, davon 740 Mediciner, 260 Juristen, 136 Theologen, 60 Pharmaceuten, 40 Philologen, 37 Philosophen, 34 Chemiker und 14 Studirende der Naturwissenschaften. Neuzugegangen sind in diesem

I Wintersemester 436 Zu den Jmmatriculirten kommen noch 100 Medi- ctner, die im Staatsexamen stehen und ihre Legittmattonskarte nicht zu erneuern brauchen, und ferner noch 20 Hörer, also tnsgesammt 1403 Studirende. Im vorigen Sommersemester waren es ebenfalls 1403, im vorigen Wintersemester 1514. Heidelberg: 973 Stu­dirende und 121 Hörer. Der theologischen Facultät gehören 65, der juristischen 302, der medictntschen 249, der philosophischen 174, der naturwissenschaftlichen 183 Studtrende an. Königsberg: 660 Studirende und 16 Hörer. Der theologischen Facultät gehören 126, der juristischen 160, der medictntschen 232, der philosophischen Facultät 132 Studtrende an. Greifswald: 778 Studirende, 251 Theologen, 69 Juristen, 382 Mediciner, 76 Philosophen. Göttingen: 715 Studirende und 39 Hörer, davon studiren 157 Theologie, 161 Rechtswissenschaft, 181 Medicin. Bonn: 1258 Studtrende. darunter 94 evangelische, 173 katholische Theologen, 290 Juristen, 271 Mediciner, 430 Philosophen. Zu ihnen kommen 28 Hörer. Halle: 1557 Studirende und zwar 596 Theologen, 200 Juristen, 263 Mediciner, 498 Philosophen. Die Zahl'der Hörer beträgt 72. Akademie Münster: 414 Studtrende, 264 der theo­logischen, 150 der philosophischen Facultät angehörend. Leipzig: 3307 Studirende und 111 Hörer, darunter Theologen 451, Juristen 1078, Mediciner 928, Philosophen 850. Straßburg: 969 im- matriculirte Studenten, genau so viel wie im vorigen Winter; davon sind 119 in der theologischen, 245 in der juristischen, 327 in der medictntschen, 119 in der philosopbischen und 159 in der mathemattsch- naturwissenschaftltchen Facultät inscribtrt.

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