Ausgabe 
11.10.1892 Zweites Blatt
 
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[8674

Vossius.

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Die Entleerung der Senkgruben rc. unserer Anstalt soll für die Zeit vom 15. d. M. bis 31. März 1893 aus dem Submissionswege vergeben werden. Die Submissionsbedingungen liegen Nachmittags von 35 Uhr aus dem Berwaltungsbureau offen. Offerten, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 12. d. M. auf dem genannten Bureau abzugeben.

Gießen, 6. October 1892.

Großherzogl. Verwaltungs - Direction der chirurg.-ophthalm. Univ.-Klinik.

Wohllhätigkeits-, Ausstellungs. und Pferde-Lotterien -mpfi-hll Heinrich Wallach.

Sepiemberwoche der Reichsbank gebracht batte. Die Bank wurde bri weitem stärker in Anspruch genommen als vergangenes Jahr, denn bte Notenresei oe fiel um 210 Millionen gegen 175 im Vorjahre. Es schemt indessen, daß der Vergleich mit dem Vorjahre diesmal nicht angebracht ist, weil die Bank gegen ihre sonstige Gewohnheit in diesem Jahre auch wahrend des Herbsttermins Käufer von Privat- disconten gewesen ist und dadurch jedenfalls viel mehr Wechsel an sich heranzog, als dies sonst der Fall zu sein pflegte. Jedenfalls ist von einer Anspannung im offenen Markte auch heute noch nichts zu bemerken Die Sätze sind nach der Liquidation wieder zurückgegangen, und es scheint auch für den Schluß dieses Jahres keine erhebliche Steigerung bevorzustehen.

Behufs Veräußerung des Restes der 3 0/0 Russischen Anleihe scheinen abermals Verhandlungen angeknüpft worden zu sein, die aber wiederum zu keinem Resultat geführt haben. Dagegen hat der Finanzminister wiederum zur Notenpresse greifen müssen, um seinen nicht enden wollenden Geldverlegenheiten zu begegnen. Diese Notenemissionen geschehen fortgesetzt gegen Hinterlegung von Gold, das aber natür­lich nur der Deckung für die bereits umlaufenden Noten entnommen werden kann und deren Werth daher ständig beschränken müßte. Daß dies zur Zeit nur in ge­ringfügigem Maße geschieht, ist ein Punkt, der noch nicht vollständig aufgeklärt tft. Die Börse hält fest an der Hoffnung, daß ein Handelsvertrag mit Deutschland zu Stande kommen werde, und sie zahlt von Monat zu Monat nicht unbeträchtliche Reportsätze für die Prolongation ihrer Rubelengagements. Es gehört doch aber ein gut Theil Optimismus dazu, um den Glauben aufrecht zu erhalten, Rußland könne bei seinen desolaten wirihschaftlichen Zuständen für die nächste Zeit irgend welchen Vortheil aus einem Handelsvertrag ziehen.

Recht ungünstig wirkte am Schluß der Woche ein scharfer Rückgang der 3O/o deutschen Fonds. Den Anlaß zu demselben gibt die neue Militärvorlage und die Vermehrung der Reichsschulden, welche dieselbe jedenfalls im Gefolge haben wird. Auch die Steuerprojecte, zu welchen die Militärvorlage den Anlaß gibt, machten recht ungünstigen Eindruck, denn unter denselben befindet sich auch eins, welches der Börse neue Lasten auslegen will. Das Schlimmste dabei ist, daß gar keine Aussicht besteht, daß die wahren Absichten der Regierung bald bekannt gegeben werden, so daß die Ungewißheit und damit die Beunruhigung noch geraume Zeit anbauern dürfte.

Die Cholera hat wenig Einfluß mehr geübt. In Hamburg hat sich der Gesundheitszustand wesentlich gebessert, und geordnete Verhältnisse scheinen allmälig zuruckzukehren. Dagegen hat in Budapest die Seuche ihren Einzug gehalten, und wenn sie auch bisher keinen großen Umfang gewonnen hat, so hat sie doch neue Sorgen wachgerufen.

Die Kohlensubmission in Karlsruhe hat den Nachweis gebracht, wie weit die Kohlenpreise eigentlich in der letzten Zeit zurückgegangen sind. Die Zechen haben etwa zu 70 loco Zeche angeboten, und die Kohlenpreise sind daher auf ein Niveau zurückgegangen, welches dasjenige vor dem 1889er Strike kaum überragt. Die Be­strebungen, das Kohlensyndicat zu Stande zu bringen, werden fortgesetzt, ob mit besserem Erfolg als bisher, ist zu bezweifeln, obgleich für die Betheiligung der Zechen eine neue Grundlage conftruht wurde.

Die Course selbst find per Saldo wohl etwas zurvckgegangen, obgleich dies nirgends sehr bedeutend ist. Von Banken erlitten nur die österreichischen Werthe größere Einbußen. Ebenso ist auch das Verbältniß bei Bahnen. Oesterreichische Werthe sind überwiegend abgeschwächt, während deutsche, schweizer und italienische Actien sich behauptet haben. Montanwerthe haben ihren vorwöchentlichen Rückgang noch etwas weiter sortgesetzt, aber auch hier sind die Differenzen unbedeutend.

Im Rentenmarkt war außer dem erwähnten Coursabschlag deutscher Fonds die Bewegung der Türkenwerthe auffallend, die während der Pariser Liquidation zum Rückgang neigten, dann aber wieder fest wurden und ihre Einbußen zum Theil einholten. Griechen und Portugiesen sind erholt. Oesterreich-ungarische Renten schwächten sich am Schluß der Woche mit den anderen nach Wien gravirenden Werthen ab.

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Unverdienter als in der Staatsbahnangelegenheit ist die Discontogesellschaft wohl noch niemals angegriffen worden und zu Schaden gekommen. Der ganze Antheil der Bank an den Bemühungen zur Wahrung der Rechte der Prioritäteninhaber hat sich auf einen rechtlich wohl ganz bedeutungslosen Protest beschränkt, während sie gelegentlich aller späteren Maßnahmen, welche in Deutschland fast lediglich von ikr Deutschen Genossenschaftsbank ausgingen, weder Hand noch Fuß gerührt hat, und doch scheint man sie in Wien für Alles das verantwortlich zu machen, was seither gegen den Steuerabzug geschehen ist, und der ganze Haß der Staatsbahn­verwaltung sowie dec enttäuschten Speculanten hat sich auf dieses Institut entladen. Die Preßanseindungen der vergangenen Woche wurden schon erwähnt, seitdem aber sind die Feindseligkeiten offen ausgenommen worden, und die Staatsbahnverwaltung hat sich dazu hinreißen lassen, der Discontogesellschaft die Berechtigung zu entziehen, als Zahlstelle für ihre Actien und eine Reihe von Prioritätmemissionen zu fungiren. Offenbar um diese Absage zu verschärfen und beleidigend zu gestalten, hat sie ihren diesbezüglichen Brief der Oeffentlichkeit übergeben. Dieser ganz unmotivirte Aus­bruch unverhaltenen Grolls hat die Börse einigermaßen überrascht. Man könnte ihn als Beweis dafür nehmen, daß die Verwaltung das Project des Steuerabzugs weniger zum Wohle der Gesellschaft, als in Berücksichtigung eigener Interessen gefaßt bat, und daß nur die Enttäuschung über entgangenen Gewinn aus diesem außerordenillch schroffen Vorgehen spricht. Da man aber in Wien über den Antheil, den die Discontogesellschaft an der Agitation gegen den Steuerabzug hat, unmöglich so schlecht unterrichtet sein kann, so scheinen noch andere Motive vorhanden zu sein, welche die maßgebenden Persönlichkeiten in Wien zu diesem Schritt gedrängt haben. Diese Motive sind es, welche dem Zwischenfall eine größere Bedeutung gegeben haben, als er wohl sonst verdient hätte. Man vermuthet, daß schon im Frühjahr dieses Jahres bet Gelegenheit der ersten Verhandlungen über die Valutaoperationen Differenzen entstanden seien, die bisher nicht beigelegt wurden, und die sich durch den neuesten Zwischenfall soweit zugespitzt haben, daß sie sehr leicht eine Aenderung in der Zusammensetzung der Rothschildgruppe zur Folge haben können. Für die Discontogesellschaft wäre dies natürlich ein empfindlicher Schaden, denn sie hat von jeher ihre größten Gewinne nur durch die Operationen dieser Finanzgruppe erzielt, und man begreift daher, daß die ersten auftretenden Befürchtungen einen Preisfall der Actien zur Folge batten. Die Bank hat sich indessen weder durch diese noch durch die nachfolgenden Anzapfungen der Wiener Presse aus ihrer passiven Haltung bringen lassen, und die allgemeine Meinung hat sie in der Folge auch dahin berichtigt, daß es ihr gelingen wird, ihre Stellung in dem Consortium zu behaupten. Keinesfalls ist die Sache indessen abgeschlossen, und man mag sich immerhin noch auf einige Überraschungen gefaßt machen.

Die Angelegenheit des Steuerabzugs selbst ist in ein neues Stadium getreten. Der Prozeß gegen die Gesellschaft ist eingeleitet worden, die Deutsche Genossenschafts­bank hat aber schon am Ende der vergangenen Woche die Guthaben, welche der Gesellschaft bei sämmtlichen größeren deutschen Eisendahndirectionen aus dem Ab­rechnungsverkehr zustehen, mit Arrest belegt, weil Gefahr im Verzüge war, daß diese Guthaben unangreifbar würden. Dadurch ist die Vollstreckung eines obsiegenden Erkenntnisses wenigstens für die eingeklagten Coupons gesichert und man kann daher fast mit Sicherheit annehmen, daß der Prozeß zu einem guten Ende geführt wird. Auch sonst haben sich die Chancen der Opponenten gegen den Steuerabzug nicht verschlechtert, denn es erscheinen nachträglich noch wichtige Actenstücke über die Berechtigung des Abzugs zum Vorschein zu kommen. Nach einer Darstellung hat bei Gelegenheit der letzten Prioritäten-Emission das betreffende Finanzconsortium die Forderung gestellt, daß die Steuerfreiheit auf den Obligationen selbst zugesichert werden solle, ist aber damit nicht durchgedrungen, weil eine Aenderung des Textes der Obligationen mit Rücksicht auf die bestehende Börsennotiz nicht angängig war. Die Verwaltung hat sich aber dazu verstanden, sich in der Generalversammlung über die Steuerfrage interpelliren lassen, und hat darauf die bekannte Erklärung abgegeben, auf welche schon jetzt der Protest über den Steuerabzug vornehmlich fußt. Trifft diese Darstellung indessen zu, so müßte dieser Erklärung ein noch viel größeres Gewicht beigelegt werden als bisher geschehen ist, und vermuthlich würden bann auch die österreichischen Gerichte dieselbe nicht unberücksichtigt lassen können. Jedenfalls ist zu wünschen, daß die Discontogesellschaft den diesbezüglichen Briefwechsel so bald als möglich bekannt giebt. Daß der Steuerabzug aber auch in Oesterreich-Ungarn lebhafte Opposition findet, das beweist der Vorgang in der Finanzcommission des ungarischen Abgeordnetenhauses, in welcher der Antrag gestellt wurde, die Regierung solle ihren Einfluß gegen die Zinsverkürzung geltend machen Der Finanzminister hat nun zwar ein direktes Eingreifen abgelehnt, hat aber keinen Anstand genommen, seine Mißbilligung des Steuerabzugs auszusprechen, und die Wiener'se war auf diese Aeußerung am Freitag bedenklich flau. Die Hausse­engagements scheinen dort überhaupt eine gefahrdrohende Höhe angenommen zu haben, besonders da in der letzten Zeit die deutschen Börsen viel Material abgestoßen haben, das dort willig Aufnahme gefunden hat. Enttäuschungen entweder in der Staatsbahnfrage ober in Sachen ber Valutaregulirung, bte beibe im Bereich ber Möglichkeit liegen, können baher sehr leicht starke Erschütterungen des Marktes zur Folge haben.

An den deutschen Börsen war die Tendenz die ganze Woche hindurch außer­ordentlich schwankend. Beeinflußt von den verschiedenartigsten Gerüchten wechselte dieselbe nicht nur von Tag zu Tag, sondern mehrfach selbst von Stunde zu Stunde. Sie war auch häufig nicht einheitlich, sondern bioergirenb auf verschiedenen Markt­gebieten, je nachbem Gerüchte und Meldungen sie beeinflußten. Im Anfang ber Woche brückte neben der zwischen der Staatsbahn und ber Discontogesellschaft entbrannten Fehbe namentlich bie unerwartet starke Anspannung, welche bie letzte

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94.70

94.70

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Gisettdadv-VrioriiLterr.

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104.60

(Bexbach) . . .

104.20

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4°/q do. do.

96.70

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3% do. do.

63.20

63.70

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107.10

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4°/o do. do.

100.85

100.90

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56 30

56.35

3°/o do. do.

3% Livorneser . . .

63 75

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92 90

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76.20

107.60

76.40

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91.50

78.35

91.50

78.30

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223.80

224 50

Galtz.CarlLudw.-B-Act.

1823/4

1823/g

Hessische Lndwigsbahn.

114 25

11405

Oeft. Nordw.-Bahn ßiLB.

1968/4

195.50

Pfälzische Nordbahn .

114.10

114.45

Gotthardt.....

155

155.

Lübeck-Büchner

145

144.20

Jtal. Mittelmeer . .

107 45

107.

Deutsche Reichsbank .

Sanf*Äcti<n.

149 70

149.75

Dresdener Bank. . .

139.75

140.60

Berlin. HondelSgesellsch.

135.75

135 45

Mitteldeutsche Creditb. .

97.40

97.50

Deutsche Bank . . .

158.10

159 40

Wiener Bank-Verein .

967/g

96 78

DeutscheGenoffenschftsb.

Württemb. Vereinsbank

123.80

124.25

o.Soergel.ParrtsiuSLCo.

117.70

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Deutsche Vereinsbank .

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97

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102 30

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1885 .....

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Oeftr. 1860rfl.500-Loose

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