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Samstax ’nen 11. Juni
Nr. 133
1892
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Amts- und AnzerKsdlutt füt? dcn l(ms
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Hratisbeilage: Hießener AamitienbläLLer
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Nach einer Meldung des „Bureau
Reuter"
erhielt daß Auswärtige Amt keine den Tod Emin i
Alle Lnnoncen-Bureaux de- und Luslandes nehmeu Anzeigen für den »Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- von 10 Uhr.
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Die Gießener WamitteuStLtter «erben dem Anzeiger «Schenllich dreimal beigelegt.
zuwirken.
London, 9. Juni.
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Paschas bestätigende Nachricht. Man bezweifelt die Wahr- i heit der Meldung von Emins Tod.
Petersburg, 9. Juni. Der „Regierungsbote" veröffent- i licht ein Communique, in welchem der jetzige Zustand in den
vierteljähriger -oonuemeutspreiAr 2 Mark 20 Pfg. mit Bcingerlohn.
Durch die Potz bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Lxpedili-n und Druckerei':
ZchutSraße Ar.1.
Fernsprecher 51.
Der
Otetzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.
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। Deutsches Reich.
Berlin, 9.^ Juni. Ein seltsames Spiel des — soll man wirklich sagen, Zufalls? — hat es nun gefügt, daß am Vorabend des Kieler Ereignisses in Nancy das durch die Anwesenheit des Präsidenten Carnot und anderer Größen der französischen Republik ausgezeichnete Turner- und Studentensest in Scene ging, dem man anfänglich eine antideutsche Spitze zuschrieb. Eine solche Absicht mag vorgelegen haben, sie ist aber durch das taktvolle Auftreten der osficiellen Festredner glücklich vereitelt worden und es werden also die Nancyer Festlichkeiten keine» diplomatischen Recriminationen zwischen Paris und Berlin nach sich ziehen. Aber es hat doch einen merkwürdigen Zwischenfall in Nancy gegeben, der eben in gewisser Beziehung zu der Kieler Monarchenbegegnung zu stehen scheint, das überraschende Auftauchen des G r o ß f ü r st e n Constantin von Rußl-and auf dem Feste. Welchen Zweck dieser Besuch, der die Franzosen selbstverständlich zu einem neuen Ausbruche ihres Russenenthusiasmus begeistert | hat, eigentlich verfolgt hat, das bedarf noch näherer Aufklärung. Vielleicht haben aber Diejenigen nicht Unrecht, welche meinen, Großfürst Constantin, welcher zur Zeit in einem französischen Vogesenbade weilt, sei mit Einwilligung des Czaren nach Nancy gekommen, um hierdurch die unveränderte Fortdauer der russisch-französischen Freundschaft ungeachtet der Entrevuc von Kiel zu bekunden. Es klingt dies gerade nicht unwahrscheinlich, aber dieser Zwischenfall von Nancy kann an der friedlichen Bedeutung der Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem Czaren doch gewiß mchhs herabmindern.
— DieVerschiebungdesitalienischenKönigß. besuches am Berliner Hose in Hinblick auf die ungewisse parlamentarische Lage in Italien soll dem Kaiser Wilhelm durch ein besonderes Handschreiben König Humberts mitgetheilt worden sein. Möglicher Weise wird der Besuch nun erst im Herbst stattfinden, namentlich in Erwägung dessen, daß Kaiser Wilhelm in den letzten Junitagen seine übliche große Nordlandsfahrt antritt.
— Emin Pascha tobt — diese schmerzliche Kunde übermittelt der electrische Draht aus Afrika! Zwar liegt noch keine osficielle Bestätigung der Todesnachricht vor, sie wird aber von verschiedenen Seiten gemeldet, so daß sie leider kaum mehr zu bezweifeln ist. Mit Emin Pascha oder Dr. Eduard Schnitzer ist demnach ein Mann nun dahingeschieden, der sich durch sein langjähriges civilisatorisches Wirken im Herzen des dunkeln Continents einen unvergänglichen Namen erworben hat, einen Namen, der für immer in der Geschichte der Asrikasorschung strahlen wird. Was Emin Pascha als Gouverneur der ehemaligen ägyptischen Aequatorialprovinz geleistet, wie er sich auf..diesem verlorenen Posten hiß zum letzten möglichen Augenblick behauptet hat, stets die Fahne der Menschlichkeit, der Civilisation und der Wissenschaft hoch haltend, das wird, unvergessen bleiben. — Ehre darum dem Andenken dieses deutschen Asrikahelden.
totales und provinzielles.
Gießen, 10. Juni 1892.
— Die für den verstorbenen Großherzog Ludwig IV. auf zwölf Wochen festgesetzte Landestrauer geht mir dem morgigen Tage zu Ende.
— Herr Rechtsanwalt Briel hat in Rücksicht aus sein hohes Alter am 1. Juni die Rechtsanwaltschaft nie berge legt- derselbe hat das 90. Lebensjahr bereits überschritten.
— Leichenländung. Gestern Nachmittag ist in der Lahn, ca. 200 Meter unterhalb der Militär - Schwimmanstalt, die Leiche eines alten Mannes gefunden und geländet worden. Die Nachforschungen haben ergeben, daß dieselbe die des Müllers Joh. Gg. Krombach von Krofdorf ist. Es liegt zweifellos ein Selbstmord vor.
— Verhaftet. Gestern wurde eine dahier in der Rod- heimerstraße wohnende Arbeiterin unter dem schweren Verdachte des Kind es mordes verhaftet.
— Berichtigung. Unsere gestrige, die Fahrplan-Veränderung aus der Main-Weser-Bahn betreffende Notiz ist dahin zu berichtigen, daß der OmnibuSzug 408 in Marburg 6 Uhr 55 Min. Vormittags, nicht Abends abgeht.
Netteste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 9. Juni. Es verlautet, der König von Schweden treffe am 13. Juni Abends im Neuen Palais ein und verweile daselbst bis zum 14. Juni Abends.
Potsdam, 9. Juni. Der Kaiser traf um 6 Uhr 50 Minuten in Spandau ein, bestieg dort den Dampfer „Alexandra" und begab sich nach Potsdam, wo er an der Matrosenstation von der Kaiserin empfangen wurde. Hierauf begab er sich zu Wagen nach dem Neuen Palais.
München, 9. Juni. Nach dem offiziellen Berichte steht in Gesammtbayern das Winterg etrcide durchgehends gut, vielsach vorzüglich. Sommergetreide, Hafer und Gerste, sind unbedeutend durch Regenmangel aufgehalten. Wiesen, Raps und Klee stehen meist befriedigend, Hopsen sehr gut, .Hülsen fr ächte und Rüben sehr aussichtsreich, Obst reichlich, Kartoffeln sind gut aufgegangen, die Weinstöcke zurückgeblieben.
London, 9. Juni. Der internationale Berg- arbeiter-Congreß beschloß, den beiden Resolutionen des Kölner Comites zuzustimmen, welche empfehlen, in allen internationalen Fragen gemeinsam vorzugehen und durch verfassungsmäßige Mittel auf die Einführung gesetzlicher Bestimmungen für die Bergarbeiter in allen Staaten hin-
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Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 9. Juni. Der socialdemokratische Stadtverordnete Sabor hat infolge der Angriffe seiner Partei anläßlich der Betheiligung bei der Leichenfeier Forckenbecks sein Mandat niedergelegt. Tutzauer und Höhne sollen das Gleiche beabsichtigen.
Osten a. O., 9. Juni. Eine Deputation des Kriegervereins Osten, dessen Ehrenmitgliedschaft Fürst Bismarck angenommen hatte, überreichte demselben am Pfingstsonntag das betreffende Diplom. Aus eine Ansprache des Führers der Deputation antwortete Bismarck: „Ich habe mich vor meinen Wählern zu entschuldigen, daß ich das Mandat bisher nicht erfüllte. Was nicht ist,^kann noch werden. Das Mandat währt noch drei Jahre und wenn ich im Verlaufe des letzten nicht Gelegenheit gefunden, auf einem für mich annehmbaren Booen im Parlamente mitzuarbeiten, so sind diese Behinderungen im nächsten vielleicht nicht mehr vorhanden. Sie als Militärs werden es mir nachfühlen, wenn es mir schwer wird, an demselben Orte, wo ich 40 Jahre hindurch die Politik der Regierung vertreten habe, sie jetzt zu bekämpfen — da, wo ich Bundesgenosse war, jetzt als Gegner aufzutreten. Von der Entwickelung der Dinge wird auch mein Verhalten abhängen- ich wünsche lebhaft, daß sich mir eine, mit unseren soldatischen Empfindungen vereinbarte Möglichkeit bietet, die Pflicht gegenüber meinem Wahlkreise zu erfüllen."
Berlin, 10. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt^ daß der Kaiser von Rußland unmittelbar nach seiner Ankunft in Kopenhagen dem Kaiser Wilhelm telegraphisch in herzlichen Worten seinen Dank aussprach für die glänzende freundschaftliche Aufnahme und die hohe Befriedigung über den Aufenthalt in Kiel.
Darmstadt, 10. Juni. Die zweite Kammer der Stände tritt am 21. d. Mts. zu längerer Beratbung zusammen, wobei das Polizeistrafgesetz, sowie die Civilliste des Großherzogs zur Verhandlung gelangen. Aus Wunsch der Regierung wird über die Cwilliste geheim verhandelt werden. Der Finanzausschuß ist in seiner Mehrheit für Bewilligung.
Kichmer Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
nothleidenden Gouvernements als günstig dar- gestellt wird. Was in dem Kampfe gegen den Nothstand erzielt worden, sei zum größten Theile den hierfür ausgewendeten Summen im Betrage von 150 Millionen Rubel zu verdanken. Dennoch sei die Frage aufgeworfen worden, ob man nicht künftig mit einem geringeren Krästeauswand des Landes einen solchen Kamps glücklich beenden könne mittelst einer zweckmäßigeren Organisation der Verwaltung der Volksverpflegung. In Folge dessen habe der Minister des Innern es für nothwendig befunden, so bald als möglich zu einer Revision des Reglements über die Volksverpflegung zu schreiten.
Barcelona, 9. Juni. In Folge der Agitation der Strikenden, die eine große Ausdehnung annahm, wurde der Belagerungszustand proclamirt. Man befürchtet, daß in zahlreichen Hüttenwerken die Arbeit heute eingestellt wird. Zwischen Militär und Arbeitern sanden Zusammenstöße statt; mehrere Personen wurden verwundet.
Amtlicher Theil.
Nr. 32 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 4. d. M., enthält:
Nr. 2036. Gesetz über die Vorbereitung des Kriegszustandes in Elsaß-Lothringen. Vom 30. Mai 1892.
Nr. 2037. Bekanntmachung, betreffend die Ausführungs- vorsckriften zu dem Gesetze vom 10. Mai 1892 (Reichs- gesctzblatt S. 661) über die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften. Vom x 2. Juni 2.
ye feen, den 10. Juni 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.__________________
Gießen, den 4. Ium 1892.
etreffend: Die Ausführung des Invaliditäts- und Alters- versicherungsgesetzes.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
e* die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
In einer Reihe von Autzschreiben wurden Sie angewiesen, auf eine schärfere Ueberwachung der Versicherung der sogen, unftänbigen Arbeiter hinzuwirken.
Gleichwohl gibt die Nichtheranziehung dieser Arbeiter zur Fnvaliditäts- und Altersversicherung nach den Mittheilungen des Vorstandes der Versicherungsanstalt auch jetzt noch allenthalben zu begründeten Klagen Veranlaffung.
Ferner wurde die Wahrnehmung gemacht, daß bei manchen Bürgermeistern noch die Ansicht besteht, der Zutritt zur Invaliditäts- und Altersversicherung seitens der zu Versichernder sei ein freiwilliger, indem auf die Anfrage oer Versicherungsanstalt wegen Verwendung einer zu geringen Anzahl von Beitragsmarken vielfach die Auskunft ertheilt wurde, der Versicherte habe aus Sparsamkeit zu wenig Marken ringeklebt, es hätten ihm die nöthigen Nüttel zum Ankauf von Beitragsmarken gefehlt und dergleichen mehr. Hierbei wird in der Regel vollständig übersehen, daß nach dem Gesetze ; für die Beitragsleistung unter allen Umständen der Arbeit- I Heber haftet.
Auch von Seiten der mit Einziehung der Beiträge be- I trauten Krankenkassen, Gemeindekrankenversicherungen und örtlichen Invaliditäts- und Altersversicherungsstellen wird Klage darüber geführt, daß ihnen nicht rechtzeitig von dem Zu- und Abgang versicherungspflichtiger Personen durch die Großh. Bürgermeistereien Kenntniß gegeben werde und daß bei den Anmeldungen die Angabe der Personalien diejenige Vollständigkeit vermissen laffe, welche zur Ausstellung der Quittungskarten erforderlich ist. Unter Hinweis auf die im Vorstehenden angegebenen Punkte sehen wir uns veranlaßt. Sie nochmals dringend an Ihre Pflichten bei Durchführung öes Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes zu erinnern rind beauftragen Sie zugleich, an den vorgeschriebenen festzusetzenden Controlterminen, wie auch überhaupt bei jeder sich bietenden Gelegenheit (ogl. unsere Verfügung vom 3. Febr. l. J.^ Anz. Nr. 34) Nachforschungen darüber anzustellen, ob die Ihren Gemeinden angehörigen unständigen Arbeiter sämmttich mit Quittungökarten versehen sind und ob in den letzteren die erforderliche Zahl von Beitragsmarken verwendet ist.
Alle Arbeitgeber, bezüglich welcher sich hierbei heraus- stelll. daß sie versicherungspflichtige Arbeiter, welche sich im Besitze einer Quittungskarte entweder überhaupt nicht befinden oder für welche die entsprechenden Wochenbeitragsmarken nicht .ober nicht in vorgeschriebener Weise verwendet worden sind, haben Sie dem Vorstand der Versicherungsanstalt in Darmstadt mit kurzer Angabe des Thatbestandes der Zuwiderhandlung namhaft zu machen, damit dieselben auf Grund des § 443 des Gesetzes mit entsprechender Ordnungsstrafe belegt
Die nächste derartige Revision wollen Sie längstens binnen drei Wochen vornehmen und uns über das Ergebniß bis zum 30. Juni d. I. unfehlbar berichten. In Ihren Berichten ist insbesondere hervorzuheben, welche Arbeitgeber .oem Vorstand der Versicherungsanstalt zur Bestrafung an- gezcigt, welche Anstände überhaupt wahrgenommen wurden und in welcher Weise für deren Abstellung Sorge getragen Ist bezw. gesorgt werden soll.
Nachdem das Gesetz nunmehr bereits nahezu anderthalb Jahre in Geltung sich befindet, muß von sämmtlichen Arbeitgebern erwartet werden, daß sie die ihnen nach dem Gesetze obliegenden Verpflichtungen, namentlich auch hinsichtlich der unftänbigen Arbeiter, kennen, und darf weitere Nachsicht nicht rmehr geübt werden.
I. V.i Jost.


