— A«8 dem Zuftizdieuft. Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 7. Juni l. I. ist der GerichtSasscssor Robert Stammler zu Gießen mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines AmtsanwaltS bei den Amtsgerichten Bingen, Nieder-Olm, Ober-Ingelheim und Wöllstein beauftragt worden.
— Fortbildungsschulen in Hessen. Nach den .„Mittheilungen der Grobherzoglich Hessischen Centralstelle für die Landesstatistik" gab eS im Frühjahr 1891 im Großherzog- thum 771 einklassige, 84 zweiklassige und 50 drei- und mehr- klassige Fortbildungsschulen mit 17764 evangelischen, 7675 katholischen und 349 Schülern israelitischer Consession. Die größte Schülerzahl besitzt die Provinz Starkenburg nämlich 11609, dann folgt Rheinhessen mit 7173 und Oberhessen mit 7163. Aus 1000 Einwohner kommen in der Provinz Starkenburg Schüler: 27,7; Oberhessen: 26,9; Rheinhessen: 23,3.
— Die Postanweisung. Durch Postanweisung wurden im Reichs-Postgebiet nach der amtlichen Statistik im letzten Etatsjahr 1890/91 über 65 Millionen einzelne Geldposten im Gesammtbetrage von etwa 5 Milliarden Mark vermittelt. Der Postanweisungsverkehr in Deutschland weist seit 1868 eine ganz rapide Steigerung auf; in diesem Jahre wurden nur 8 Millionen Anweisungen über 336 Millionen Mark vermittelt, sodaß die Steigerung seit 1868 bis 1891 über 1100 Procent beträgt. Eine solche staunenswerthe Steigerung war nur möglich durch die denkbar größte Einfachheit des Postanweisungsverfahrens, welches in Deutschland, wie in keinem anderen Lande, von allen Beschränkungen losgelöst und so einem Jeden zugänglich gemacht wurde.
r. Lich, 9. Jijni. Gestern fand in hiesiger Präparand e n - Anst alt die Aufnahmeprüfung für die zweite Klasse statt. In dieser Prüfung bestanden 25 Schüler und werden nunmehr die beiden Klassen von 56 Zöglingen besucht.
Röthges, 8. Juni. In hiesigem Orte wurde ein Wilderer durch die beiden Gendarmen Haas und Schul aus Veranlassung des hiesigen Forstwarten Emecich ausgehoben. Man sand eine erst kurz vorher geschossene Rehgais in dessen Wohnung. Das Gewehr desselben wurde aus seine Angabe in geladenem Zustande im Walde zwischen Röthges und Wetterfeld gesunden. D-der Wilderer noch nicht verhaftet werden konnte und gefährliche Drohungen ausstieß, so sah man sich genöthigt, das Haus des Forstwarten bewachen zu lassen. Betreffender Wilderer verbüßte schon eine Reihe von Vorstrafen. (Gründ. Anz.)
O Ulrichstein, 9. Juni. Die leidige Unsitte, Kinder mit Messern hantiren zu lassen, hat in dem benachbarten Feldkrücken einen bedauerlichen Unfall im Gefolge gehabt. Dort spielte ein sechsjähriger Knabe mit einem Messer und stach sich hierbei in das eine Auge, dieses gefährlich verletzend. Der Knabe mußte in die Klinik nach Gießen verbracht werden.
§ Ulrichstein, 8. Juni. Heute sand hier im Saal des Herrn Ferdinand Pfannstiel die jährliche Haupt- Versammlung des Vogelsberger Höhen-Clubs statt. Es waren circa 80 Mitglieder erschienen. Nach Abhör der Rechnung wurde über Verschiedenes verhandelt, u. A. wurde beschlossen, die Wege im Oberwald durch Schilder genau zu bezeichnen. Der Haupt-Ausslug auf den Hoherothskops findet am Sonntag den 3. Juli statt.
K. Ranstadt, 7. Juni. Herr Orgelbauer Förster aus Lich hat für die hiesige Kirche eine neue Orgel gebaut, welche am ersten Pfingstseiertage ihre Weihe erhalten hat. Sachverständige haben sich über die Ausführung nur lobend ausgesprochen. Die Reinheit, die Fülle des Tones und das Aeußere lassen nichts zu wünschen übrig, so daß das ganze Werk dem Erbauer zur Ehre gereicht.
§ Reisters (Kreis Lauterbach), 8. Juni. Heute Morgen wurde von seinen Eltern der 30 Jahre alte Johannes Weinberger von hier im Keller tobt vorgefunden. Die Ursache dieses plötzlichen Todes konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden; Weinberger soll öfters Spuren von Blödsinn gezeigt haben.
Wohubach, 8. Juni. Für heirathslustige Damen dürste solgendes, im „Franks. General-Anz." enthaltenes „Reelles Heiraths-Gesuch" von Interesse sein. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: „Ein im Anfang der 60er Jahre stehender vermögender Herr (Rentner), welcher in einem schön gelegenen Stäbchen Hessens einen hübschen Wohnsitz hat, sehnt sich nun am Ende weiter Weltreisen nach einem ruhigen Familienleben und wünscht zu diesem Zwecke mit einem gebildeten Mädchen von angenehmem Aeußeren behufs Verehelichung in Verbindung zu treten. Bedingungen sind solider Character, Erfahrung im Haushalt, makelloser Rus, überhaupt Eigenschaften, welche für ein glückliches Familienleben Gewähr zu bieten geeignet sind. Wittwe ohne Kinder ist nicht ausgeschlossen. Vermögen ist erwünscht, aber nicht ausschlaggebend. Alter 30 bis 36 Jahre. Erkundigungen über Suchenden können bei dem Ortsgerichte des untenstehenden Ortes eingezogen werden. Off. erb. sich u. F. 8. 1192 Pseiser !¥., Rentner zu Wohnbach, Kreis Friedberg, Post Hungen. Wohn, im neuen Haus a. Nordend."
Beerfelden, 8. Juni. Gestern Morgen 3!/2 Uhr wurde der ledige, 25 Jahre alte Ludwig Schäfer, Sohn des Gesangenwärters Wilhelm Schäfer dahier, von dem Fabrikarbeiter Johann Siesert erstochen. Siesert, welcher in Falkengesäß geboren, 19 Jahre alt und mit seinem Vater vor längerer Zeit nach hier gezogen ist, war zuletzt als Fabrikarbeiter auf dem Hemshos bei Ludwigshafen beschäftigt; vor circa drei Wochen wurde derselbe dort entlassen und trieb sich unterdessen aus der Landstraße herum, von wo er am Montag Abend hier ankam. Schäfer, welcher als Mitglied des hiesigen Musikvereins in der Nacht bei einer Tanzmusik mitspielre, begab sich nach deren Schluß mit seinen Kameraden auf den Heimweg. Da noch in der Wirthschaft
„Zur Burg Freienstein" Licht .—^.«.gab sich die Gesellschaft hinein, woselbst bald darauf auck) der Johann Siesert eintrat. Es mögen hier wohl kleine Neckereien, aber durchaus kein Streit stattgesunden haben, wobei Siesert mit seinem seststehenden Messer blindlings zustach und so dem Schäfer einen Stich in die linke Schulter und einen zweiten aus die linke Brustseite, welcher die Herzschlagader durchstach, versetzte. Die Gensdarmerie, die alsbald herbeigeholt wurde, verhaftete den Attentäter und verbrachte ihn in das Arrestlocal; auf dem Wege dahin hat sich der Ruchlose der Gensdarmerie gegenüber geäußert: „Der ist tobt und ich krieg Brod." — Das Großh. Amtsgericht war bald nach der That an Ort und Stelle, um die Untersuchnng einzuleiten, wohin nach 9 Uhr auch der Attentäter escortirt wurde; als man denselben von dem Arresthause auf die Straße brachte, mußte er von der Gensdarmerie in Schutz genommen werden, sonst hätte ihn die aufgeregte Menge gelyncht; aus dem Wege hat er sich dann sehr frech benommen und seine Freude an dem Menschenauflauf gehabt und noch dazu geäußert: „Denen habe ich gezeigt, wer ich bin!" Die Eltern des Unglücklichen werden allgemein bedauert.
Worms, 8. Juni. Ein Deserteur vom 3. Thür. Jnf.- Regt. Nr. 71, seines Zeichens Schriftsetzer, dem es gelungen war, sich 13 Jahre lang den Nachforschungen der Behörden zu entziehen, wurde hier verhaftet, und soll nunmehr seinem Regiment zur Bestrafung und Abdienung der restirenden Dienstzeit wieder zugeführt werden.
vermischtes.
* Frankfurt a. M., 9. Juni. In den letzten Tagen kamen laut Fremdenliste im Durchschnitt täglich 1100 Fremde hier an.
* Koblenz, 8. Juni. Lieutenants v. Sa lisch vom 28. Infanterieregiment, der am 20. März d. I. den Kaufmann Weimann im Streite erstochen hat, wurde zu einem Jahr Festungshaft verurtheilt. Der Lieutenant Lemcke von demselben Regiment, der an der Schlägerei betheiligt war, erhielt vier Wochen Hast. Beide haben die Strafe aus der Festung Wesel angetreten.
* Koblenz, 9. Juni. Gelegentlich der vor einigen Tagen beendigten Besichtigung des hier garnisonirenden Königin- Augusta-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 durch den com- mandirenden General des Garde - Corps, Generallieutenant Freiherr v. Meerscheidt-Hüllessem, wurde mitgetheilt, daß das Regiment am 1. April 1893 nach Berlin verlegt wird.
♦ Wiesbaden, 3. Juni. Das neue Adreßbuch enthält wieder ein besonderes Verzeichniß der hier im Ruhestande lebenden Offiziere, Sanitätsoffiziere und höheren Militärbeamten. Darnach ist deren Zahl auf 315 gestiegen. Nicht weniger als 48 Generale, bezw. Admirale haben sich mit ihren Familien hierher zurückgezogen.
* Das Grubenunglück bei Przibram. Nach amtlicher Feststellung fuhren am 31. Mai Nachmittags 807 Bergleute in das Silberbergwerk bei Przibram ein. Von diesen sind 475 rechtzeitig ausgesahren. Bis Dienstag Vormittag 9 Uhr waren 304 Leichen und 6 Pserdekadaver herausbefördert worden. Die Gesammtzahl der Verunglückten wird nach den Angaben der Behörden aus 332 geschätzt, doch behauptet die Arbeiterschaft, daß mehr als 450 ums Leben gekommen seien. Die Entstehungsursache ist noch nicht sichergestellt. Alle Anzeichen deuten jedoch dahin, daß der Brand böswillig gelegt worden sei. In den Schacht, wo das Feuer ursprünglich ausgebrochen, war es bisher ganz unmöglich einzudringen. Die Begräbniß- schächte auf den Friedhöfen sind für je 32 Särge erweitert worden. Die Prämie für die Heraufbeförderung einer Leiche ist auf 5 fl. erhöht worden, wenn die Schale leer herauskommt, entfällt jedoch die Prämie. Für die Heraufbeförderung eines Pferdes, deren 23 umkamen, sind 18 fl. ausgesetzt. Der Wasenmeister, der die Desinfizirung und Vertilgung der Cadaver besorgt, erhält je 30 fl. Zur Vertheilung der zahlreich einlaufenden Spenden hat sich ein Hülfscomite gebildet, welches die Familien- und Bedürftigkeitsverhältnisse sicherstellt und darnach die Vertheilung vornimmt. Auf dem Birkenberger Rathhaufe erfolgt die Brodvertheilung je nach der Kopfzahl der Familien; je drei Personen ein Laib, über drei deren zwei und bei großer Noth und zahlreicher Familie werden drei Laib verabfolgt. Die Zahl der Wittwen ist 292, der Kinder unter 14 Jahren 692, der Waisen überhaupt über 1100, manche Verunglückte hinterlassen elf Kinder. Bei der fortgesetzten Bergung der Leichen ereignen sich noch immer die erschütterndsten Scemn. Als man am 5. d. M. einer Leiche, welche von den umstehenden Arbeitern und Frauen nicht agnoszirt werden konnte, die Stiesel auszog, sprangen zwei Frauen, Mutter und Gattin des Bergarbeiters Synek hinzu, jede packte einen der Stiefel und preßten ihn unter Kosenamen für den verstorbenen Sohn und Gatten ans Herz und konnten nur mit Mühe von dem Orte weggebracht werden. Die Wittwe wurde ohnmächtig und konnte erst nach langer Bemühung zu sich gebracht werden. Am 6. Juni wurde ein Verunglückter gesunden, der offenbar des sanftesten Todes gestorben war; denn man fand ihn, wie er in seinem Stollen in einer Ecke lehnte, das erloschene Grubenlicht noch in der Hand, die Tabakspfeife noch im Munde. Und als er hinauftransportirt wurde, nahm ihm einer von der Rettungsmannschaft die Pfeife aus dem Munde, um selber an derselben gemächlich weiter zu rauchen.
* Frühe Ernten. Die Sense des Schnitters erklingt im Juni aus den Weizenfeldern in Calisornien, Oregon und dem Südrande der Union, Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Rumänien, den Donaustaaten, Türkei, Griechenland und Südsrankreich. In Egypten und Syrien findet die Weizenernte noch früher, nämlich bereits im Mai, statt, in Indien erntet man bereits im April und in Australien, welches auf der südlichen Hälfte der Erdkugel liegt, bereits im Februar und März.
* Theorie und Praxis. Bei einer bedeutenden Feuer», brunst in der Nähe von Stuttgart that ein Theil der Feuerwehrleute zugleich Polizeidienst. Mit Gewehren ausgerüstet, sperrten sie den Brandplatz vor der neugierig nachdrängenden Menge ab, wobei es denn natürlich auch zu einigen kleinen Meinungsverschiedenheiten mit dem Publikum kam. Als nun ein Vorwitziger in spöttischem Tone einen Ordnungswächter fragte, ob sie denn auch von ihren Schußwaffen Gebrauch machen dürsten, erwiderte dieser stolz: „Das Recht hem wer, aber Patrone hent wer koine."
* Zur Frage der Lebensmittelverfälschung. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat ein Buch in zwei Bänden über die dort vorkommenden Fälschungen von Lebensmitteln und die Mittel zur Abhilfe veröffentlicht. Das Werk hat auch für uns große Bedeutung, weil wir im Großen und Ganzen nicht nur gleiche Lebensmittel wie die Amerikaner brauchen, sondern auch unter denselben Fälschungen zu leiden haben. Verfälschung kommt nämlich viel häufiger vor, als Viele denken, und die untersuchenden amerikanischen Chemiker sprechen ihre Ansicht dahin aus, daß nahezu 15 pCt. der gesummten in Amerika verkaustcn Lebensmittel gefälscht seien und daß dem Lande alljährlich dadurch ein Schaden von nahezu 2800 Millionen Mark entstehe. So schlimm dürste es in Deutschland mit den Lebensmittelverfälschungen nun allerdings nicht aussehen, aber es wäre immerhin gut, wenn man in Deutschland der Lebensmittelverfälschung eine umfassende Untersuchung aller Lebensmittel entgegenstellte.
* Wien, 31. Mai. Was man in einer Großstadt zu essen bekommt, lehrte heute eine Verhandlung vor dem Meidlinger Bezirksgerichte. Am 15. März d. I. erschien beim magistratischen Bezirksamt Meidling der Selchergehilfe Franz Pilz und erstattete die Anzeige, daß fein bisheriger Meister, der in Gaudenzdors, Schönbrunner Hauptstraße Nr. 29 etablirte Fleischselcher Johann Plansky, am 13. Januar d. I. vom St. Marxer Viehmarkte Schweine heimbrachte, von welchen zwei mit Finnen behaftet waren. Das eine Schwein wurde durch einen Zufall vom beschauenden Markt- commissär entdeckt und confißcirt, das zweite jedoch wurde ganz bei Seite geschafft und kleinweise an die Kunden verkauft. Weiter ist am 5. Februar d. I. ein Schwein umgestanden. Plansky habe dieses Schwein der Beschau entzogen und es zu Würsten verarbeiten lassen. Ein zweites Schwein war elf Tage später umgestanden. Plansky habe auch dieses Thier nicht zur Beschau angemeldet, sondern — und zwar großen- theils als „Krakauerwurst" — verkauft. Deswegen war nun heute Joh. Plansky und fein Gehilfe Joses Zimmermann angeklagt. Pilz suchte Anfangs zu leugnen, mußte sich aber schließlich zu Geständnissen bequemen. Richter: Hätten Sie etwas von den Schweinen genossen? — Angekl.: O nein! — Richter: Aber für uns andere Menschen waren sie gut genug! — Interessant gestaltete sich die Vernehmung des Gehilfen. Zimmermann gestand zu, die Manipulationen mit den infectiöfcn und den vorzeitig verendeten Schweinen theils vollführt, theils beaufsichtigt zu haben. Er erzählt: Es war zeitlich in der Früh, der Herr hat noch geschlafen. Da kommt einer der Burschen zu mir und sagt: „G'schwind, es ist a Sau in d' letzt'n Züg ". Ich hab net auf das Aufstehen vom Herrn g'wart't, sondern hab' g'schwind Herrichten lassen, hab' mir die Handschuh' ang'zog'n. . . Staatsanwalt: Ah, das ist interessant! Warum? — Angekl.: Man thut das immer bei solche Säu, na, ja, man waß ja net. . . Richter: Das heißt, Sie wissen es zu gut, wie gefährlich die Manipulation mit finnigen oder „umgestandenen" Schweinen fein kann. Also weiter. — Angekl.: Die Gedärme hab' ich natürli' glei verscharren lassen. . . Staatsanwalt: Ah, das wird immer interessanter! (Betonend): Und das Schwein selbst haben Sie natürlich gleich dem Wasenmeister zur Vertilgung Übergeben, nicht wahr? —- Angekl. (zögernd): Na — die Sau is „expedirt, das heißt verarbeit'! worden". — Richter: Und haben Sie von den appetitlichen Schweinen etwas genossen? Angekl.: Ich? O na! I hab' deswegen von unserem Geschäft ka Fleisch und ka Fetten in' Mund g'nou.men, i hab' mir Alles wo anders gekauft! — Richter: Aber die Kunden durften sich für's Geld möglicherweise den Keim einer Krankheit holen! Eine schauderhafte Gewissenlosigkeit! Der Richter erkannte beide Angeklagte schuldig und zwar wurde Johann Plansky zu 100 fl. Geldstrafe, eventuell 20 Tagen Arrests, sowie zum Verfalle von 185 fl., Josef Zimmermann zu 10 fl. Geldstrafe, eventuell 24 Stunden Arrests, verurtheilt.
* Nichts setzte die Chinesen einst so sehr in Staunen, als die Achtung, welche die Europäer ihren Frauen zollen. Die Diener der vornehmen Chinesen drückten allgemein große Verwunderung darüber aus, daß es unseren Frauen gestattet sei, bei Tische zu erscheinen. Sie meinten, die Männer vergäßen auf diese Weise ihre Würde. Als der erste Gouverneur von Hongkong, Lord Ellison, im Jahre 1842 seine grau mit nach Hongkong brachte, wurde das Paar von einem reichen Mandarinen besucht. Letzterer betrachtete die junge Engländerin sehr genau und schien mit besonderer Aufmerksamkeit ihre Bewegungen zu verfolgen. Als sie das Zimmer verlassen hatte, sagte er zu dem Gouverneur in gebrochenem Englisch: „Was habt Ihr gegeben für Eure grau?" — „O," erwiderte der Lord, der sich über den sonderbaren Jrrthum seines Besuches ergötzte, „zweitausend Dollars." — „Nun," sagte der Mandarin, „wenn Ihr sie mir überlaßt, so gebe ich Euch fünftausend Dollars." Die Miene des Chinesen verrieth vollen Ernst, und es blieb dem Gouverneur nichts Anderes übrig, als das Anerbieten abzulehnen, so höflich er konnte. Der Mandarin jedoch wurde dringend und ging bis auf siebentausend Dollars, so daß sich Lord Ellison zuletzt zu der Erklärung gezwungen sah, daß die Engländer nie ihre Weiber verkauften, nachdem sie in deren Besitz gekommen wären, was der Chinese kaum glauben wollte. Der Lord lachte später mit feiner jungen, grau noch oft über das Anerbieten des Chinesen.


