Ausgabe 
9.12.1892
 
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Consistoriam zu Cardinälen ernannt werden. Im Ganzen ist bisher die Ernennung von zehn Cardinälen sicher, darunter befinden sich vier Italiener.

Paris, 7. December. Rochefort kündigte imJn- transigeant" neue größere Enthüllungen über die ge- sammten leitenden Kreise der Republik an. Die Minister, höchsten Würdenträger, Abgeordneten und Senatoren seien sämmtlich bestochen worden. Auch die Bank von Frank­reich und der Credit Foncier seien am Panamascandal be- theiligt. Das seither Bekanntgewordene bilde nur die Ein« leitung.

Philadelphia, 7. December. Das großartige Zeitungs­etablissementChilds" ist niedergebrannt.

Localer ttnfr provinzieller.

Gilben, 8. December 1892.

Eisenbahnunsall. Der heute Morgen 6 Uhr 33 Mtn. aus Wetzlar hier einlausende Personenzug stieß im Güter­bahnhof aus einige Kohlenwagen. Ein Wagen wurde zer­trümmert, die Maschine des Personenzugs aus dem Geleise gehoben und an den Puffern beschädigt. Verletzungen von Personen kamen glücklicher Weise nicht vor.

DieAllgemeine Sterbekaffe Gießen" hielt am ver­gangenen Sonntag ihre diesjährige Generalversammlung ab. Die Kasse erfreute sich, nachdem im vorigen Jahre das Sterbegeld ans 100 Mk. erhöht wurde, einer starken Zu­nahme der Mitgliederzahl, sowie des Reservefonds. Die erstere stieg von 496 aus 557, der letztere von 734.16 Mk. aus 1110.88 Mk. Im abgelaufenen Jahre sind gestorben 10 Mitglieder, für welche 1000 Mk. verausgabt wurden. Die Eintrittsgelder variiren von 50 Pfg. bis 4 Mk. An« Meldungen nimmt jederzeit Herr Schneidermeister Pfaff, Seltersweg 1, entgegen.

Kirchliche Dienstnachrichlen. Der Professor des Predigerseminars und Pfarrer lic. Sm end zu Friedberg wurde behufs Uebernahme einer Professur an der Kaiser Wilhelms - Universität zu Straßburg mit Wirkung vom 1. April 1893 aus dem Dienst der Landeskirche entlassen- der Pfarrer der MartinSgemeinde Dr. Friedrich Fl Öring zu Darmstadt wurde zum dritten Lehrer und Professor am Predigerseminar zu Friedberg und Pfarrer daselbst mit Wirkung vom 1. April 1893 ernannt. Dem Pfarrer Georg Bert zu Beerfelden wurde die evangel. Psarrstelle zu Weisenau, dem Pfarrer Peter Grünewald zu Dieburg die evangel. Psarrstelle der unierten Gemeinde zu Offenbach übertragen. Ernannt wurden: Pfarramtscandidat Mar­quardt von Gadernheim zum Psarrverwalter zu Seckmauern, Psarrvicar Becker zu Wimpfen zum Pfarrverwalter daselbst, Psarrassistent Vogel zu Bingen zum Psarrverwalter zu Dieburg. Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die evangelische Psarrstelle zu Bosenheim.

Postperfonalnachrichten. Ernannt sind: Die Post- fecretäre Richter und Schmidt in Darmstadt zu Ober- Postdirectionssecretären, der Postassistent Wenzel.in Alsfeld zum Ober-Bostassistenten, die Postassistenten Zimmermann in Viernheim, Altmannsperger in Herbstein und Schmidt in Flonheim zu Postverwaltern. Der Postassistent Wigand in Monsheim (Hessen) ist als Postverwalter angestellt worden. Versetzt sind: Der Postinspector Schmidt von Darmstadt nach Aachen behufs Uebernahme der Vorsteherstelle des Kaiser­lichen Telegraphenamts daselbst, der Postinspector Hartmann von Darmstadt nach Bochum behufs Uebernahme der Vorsteher­ftelle des Kaiserlichen Postamts daselbst, der Postinspector Apel von Frankfurt (Oder) nach Darmstadt, der Ober-Post- assistent Roth von Nidda nach Niederwöllstadt behufs Ueber­nahme der Borsteherstelle des Kaiserlichen Postamts daselbst, der Postassistent Sehrt von Pforzheim nach Offenbach (Main) und der Thelegraphenassistent Müller von Offenbach (Main) nach Bingen (Rhein). Der Ober-Telegraphenafsistent Priddat in Mainz tritt auf feinen Antrag in den Ruhestand. Der Postsecretär Schneider in Gießen ist gestorben.

Warnung für Versicherte. Von welch großer Trag­weite die genaue Erfüllung der Versicherungs-Bedingungen ist, dürfte daraus erhellen, daß ein feit Jahren gegen Fcuers- schaden versicherter Mann, welcher nach Weisenau verzog, ohne seinen Umzug bei der Versicherungsgesellschaft durch den Agenten anzeigen zu lassen, und dortselbst kürzlich abbrannte, einen Schaden-Ersatz seitens der Gesellschaft nicht geleistet bekam. Da in solchen Fällen der letzteren, welche sich genau an ihre mit dem Versicherten abgeschlossenen Vertrags-Bedingungen hält, nicht gut ein Vorwurf gemacht werden kann und die Schuld lediglich aus Seiten des Ver­sicherten beruht, fo fei im allgemeinen Interesse auf die genaue Beachtung der Versicherungs-Bedingungen, welche auf jeder, in Händen des Versicherten sich befindenden Police aufgedruckt sind, aufmerksam gemacht. Erfahrungsgemäß sehen sich viele Versicherte dieses Vertrags-Document gar nicht näher an und so kommt, daß sie auch selbst die Folgen zu tragen haben. Besonders sei bemerkt, daß die Ent- fchädigungspflicht der Gesellschaften in dem Falle aufhört, wenn der Versicherte bei Beginn des Versicherungsjahres seine Prämienzahlung an den Agenten nicht geleistet hat. So selbstverständlich diese Bestimmung ist, so wird sie doch von gar manchem Versicherten außer Acht gelassen und ist der Letztere auf Nichts, als das bloße Glück, daß ihm während seiner Säumigkeit nichts passirt, angewiesen. Diese Bestimmung bezieht sich nicht nur allein auf die Feuerver­sicherung, sondern auch auf die Lebensversicherung, Kranken­kasse und sonstige Vertragsverhältnisse.

Zur Warnung. Durch Untersuchung im Kaiserlichen Gesundheitsamte ist festgestellt, daß das zu wirthschastlichen Zwecken in den Handel kommende Eis selbst bei gutem Aus« sehen oft zahlreiche, in ihrer Entwickelungsfähigkeit nicht ver­änderte, gesundheitsgefährliche Kleinwesen enthalten hat. Es ist dadurch wahrscheinlich geworden, daß die häufig beob­

achteten Krankheiten nach dem Genüsse von Getränken, welche durch Hineinwerfen von Eisstückchen gekühlt wurden, weniger durch die Kälte des Getränkes, als durch die im Eis vor­handenen Krankheitserreger verursacht sind. Dieselben Nach­theile können durch beste Nahrungsmittel, welche durch Liegen auf solchem Eise gekühlt wurden, entstehen. Es wird daher vor dem Genuß von Getränken und anderen Nahrungsmitteln, welche in der vorerwähnten Weise mit Eis gekühlt sind, als gesundheitsgefährlich gewarnt.

Die evangelische Bevölkerung des Großherzogthums Hessen gestaltete sich am 1. December 1890 wie folgt: 1) Kreis Darmstadt 78924, 2) Kreis Bensheim 28 560, 3) Kreis Dieburg 35 922, 4) Kreis Erbach 42223, 5) Kreis Groß-Gerau 34 751, 6) Kreis Heppenheim 18 519, 7) Kreis Offenbach 46 553, 8) Kreis Gießen 70 132, 9) Kreis Als­feld 38 815, 10) Kreis Büdingen 35 984, 11) Kreis Fried­berg 46 364, 12) Kreis Lauterbach 26437, 13) Kreis Schotten 25 691, 14) Kreis Mainz 33044, 15) Kreis Alzey 26 534, 16) Kreis Bingen 13 797, 17) Kreis Oppenheim 26 740, Kreis Worms 42128, zusammen 666118 Seelen.

-in. Herbstein, 6. December. In dem benachbarten Stein- furt brach heute Morgen gegen 9f/2 Uhr in der Hosraithe des Großherzogl. Bürgermeisters Stock Feuer ans, welches mit so furchtbarer Schnelligkeit um sich griff, daß in einem Augenblick das ganze prachtvolle Anwesen, bestehend aus zwei Wohnhäusern, nebst Scheuern und Stallungen, ein Raub der Flammen wurde. Es war nicht einmal Zelt übrig geblieben, zur Rettung des Viehes- 9 Hammel und zwei Mastschweine kamen in den Flammen um. Als Brandstifter wird ein bei Herrn Stock als Dienstknecht beschäftigt gewesener, 20jähriger Bursche, geborener Ostpreuße, bezeichnet. Derselbe lebte mit der Magd seines Dienstherrn schon längere Zeit im Unfrieden und hat diese schon mehrmals blutig geschlagen. Heute Morgen entspann sich nun zwischen diesen Beiden wieder ein Streit, der damit endete, daß die Dienstmagd von dem Burschen roh mißhandelt und hieraus in einen Stall gesperrt wurde, wobei der Knecht die furchtbare Drohung ausstieß, er wolle die Hexe jetzt verbrennen. Eine halbe Stunde später um­zingelten die Flammen gierig die Dachfirste des Hauses. Nur durch ein Wunder wurde die Dienstmagd aus ihrem Gefängniß befreit und entkam fo dem sicheren Tode. Ein junger Mann der Löschmannschaft fiel in Ausübung seines gefährlichen Berufs von dem brennenden Gebäude und ver­letzte sich lebensgefährlich.

§ Gedern, 6. December. Dem schon feit 30 Jahren im Dienst stehenden Postillon Christian Oechter hier wurde von der kaiserlichen Oberpostdirection Darmstadt eine silberne Ehrenpeitsche überreicht mit der Inschrift:Dem Postillon Christian Oechler für geschicktes Fahren 1892." Möge es ihm vergönnt fein, noch lange Jahre diese Peitsche zu schwingen.

A Von der Ohm, 7. December. Bekanntlich hatten während des überaus trockenen Sommers und Herbstes die Wassermühlen empfindlich aw Wassermangel zu leiden. So konnten die Mahlmühlen ihre Kundschaft nicht hinlänglich bedienen und die mit diesen Mahlmühlen verbundenen Holz­schneidereien standen gänzlich still. Unverarbeitet lagerten die Holzvorräthe neben den Schneidereien. Dieselbe Kalamität herrscht heute noch. Das sonst im Spätherbst auftretende starke Regenwetter ist gänzlich ausgeblieben und nun ist ziemlich starker Frost eingetreten. Durch letzteren wird der Wasserstand stets rebucirt, so daß der ohnehin schwache Wasserzufluß noch schwächer geworden ist. So vermögen denn die Wassermühlen vielfach auch jetzt noch nicht mit vollem Betrieb zu arbeiten. Ein Mühlenbesitzer an der oberen Ohm, dessen Holzschneiderei bei großem Holzlager seit Sommer still stehen mußte, sucht sich jetzt zu helfen, in­dem er die Schneiderei durch eine Dampfmaschine treiben läßt. Eine Besserung des Wasserstandes ist nur durch ein­tretendes Tauwetter zu erwarten, indem der schmelzende Schnee reichlich Wasser liefert.

Bad Nauheim, 4. December. Am vorigen Mittwoch hat der Nestor unserer Aerzte (und wohl überhaupt der in Hessen thätigen Aerzte) Herr Geheime Medicinal - Rath Dr. Friedrich Bode I., fein 81. Lebensjahr vollendet und sind ihm bei dieser Gelegenheit von Nah und Fern zahlreiche Beweise liebender Aufmerksamkeit zu Theil geworden. Der Wetterauer Aerzteverein hat ihn zum Ehrenpräsidenten er­nannt. (Ehrenmitglied des Vereins ist er schon gewesen.) Der Genannte erfreut sich noch großer körperlicher Rüstig­keit und geistiger Frische. Darmst. Ztg.

Darmstadt, 7. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Dekan Meyer von Friedberg, den Postsecretär Meyer von Gießen, den Commerzienrath Gail von Gießen.

nn. Darmstadt, 7. December. Von Seiten der Großh. Staatsrcgierung war schon auf dem vorigen Landtag, nachdem von Seiten der Abgeordneten Vogt und Schröder ein diesbezüglicher Antrag eingebracht worden war, der Erlaß eines Gesetzes wegen höherer Besteuerung des Hausirhandels auf Gegenstände der Fabrik­industrie, sowie der sogen. Wanderlager in Aus­sicht gestellt worden, ohne daß bis heute eine Vorlage in biefem Sinne ben Stäuben zugegangen wäre. Neuerbings scheint bie Großh. Regierung bieien Gegenstanb mit aller Energie in Angriff nehmen zu wollen. Dieselbe hat an sämmtliche Kreisämter bes Laubes einen Erlaß gerichtet, worin um Erhebungen nach bieser Richtung hin gebeten wirb. Dor einigen Tagen hat benn auch hier unter bem Vorsitz bes H^u Amtmannes Dr. Kayser eine Sitzung ftattgefunben, an welcher ber Präsibeut ber Großh. Ceutralstelle für bie bewerbe, Regierungsrath Dr. Hesse, zahlreiche Vertreter des Gewerbe- unb Haubelsstaubes, sowie eine Anzahl Bürger­meister theiluahmen unb in welcher bie Frage ber höheren Besteuerung bes Hausirhanbels eingehenb behaubelt würbe. Dabei hat man sich ebenfalls für eine höhere Besteuerung bes Feilbieteus von Maaren im Umherziehen ausgesprochen, wo­

bei jedoch diejenigen der Hausindustrie nicht getroffen werden sollen. Hoffentlich wird, wie dieses bereits in anderen deutschen Bundesstaaten der Fall ist, dem die Industrie unb unseren Gewerbestand schwer schädigenden Hausirgewerbe ein wirksamer Damm entgegengesetzt und das Gesetz noch dem jetzigen Landtag zur Sanction unterbreitet.

Mainz, 5. December. Ein junger Mainzer wollte in Folge einer Wette die Speisekarte einer Restauration durchessen", d. h. von jeder Speise eine Portion verzehren, er war noch nicht zur Hälfte mit der Arbeit fertig, als er solche Magenkrämpse bekam, daß er heimgeschafft werden mußte.

Worms, 5. December. Das Großh.' Ministerium jdes Innern und der Justiz hat kürzlich der hiesigen Handels­kammer die Frage vorgelegt, ob diejenigen Handelsreisenden, die an Privatpersonen verkaufen, zu den Haufirern ge­rechnet werden sollen, wie dies beantragt fei. Die Handels­kammer faßte daraufhin den Beschluß, daß eine solche Aeuderung der Gewerbeordnung nicht gerechtfertigt fei.

Vermischtes.

* Berlin, 2. December. Dec Kaiser hat bestimmt, daß der von dem Major Grasen v. Moltke vom Leib-Kürassier- Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1 und Adju­tanten der 3. Division componirte MarschDes Großen Kurfürsten Reitermarfch" unter die Zahl der Armee- märsche ausgenommen und von dem Trompetercorps des ge­nannten Regiments beim Parademarsch im Schritt geblasen werden soll. Der Marsch erhält die Nummer 213 für die Infanterie bezw. 72 für die Cavallerie.

* Werner von Siemens f. Der am Dienstag Abend einer rapid verlaufenen Lungenentzündung erlegene ausgezeichnete Physiker Ernst Werner v. Siemens war am 13. December 1816 zu Leuthe bei Hannover geboren. 1834 trat er aus Neigung für das Jngenieurfach zu Magdeburg als Freiwilliger in die preußische Artillerie ein. Im Jahre 1841 nahm er in Preußen das erste Patent auf galvanische Versilberung und Vergoldung. Gegen Ende 1842 und 1843 ließ er sich den von ihm und seinem Bruder weiter ver­besserten chronometrischen oder Differentialregulator für Dampf­maschinen und Wasserräder patentiren. 1846 bereicherte er die electrische Telegraphie mit einem von allen früheren ganz wesentlich abweichenden Zeigertelegraphen (mit Selbstunter- bredjung). Im Jahre 1847 in die Commission für Ein­führung electrischer Telegraphen in Preußen berufen, schlug er derselben auf Grund feiner 1846 angefteflten Versuche die Guttapercha als Jsolatiousmittel für unterirdische Leitungen vor und construirte auch zum Ueberziehen der Drähte mit Guttapercha die erste Schraubendruckpresse- 1848 legte er im Kieler Hafen mit feinem Schwager, Professor Himly, die ersten unterirdischen Seeminen mit electrischer Zündung an und baute als Commandant von Friedrichöort die 1849 be­rühmt gewordenen Batterien zum Schutze des Eckensörder Hafens. Im Herbst und Winter 1848/49 baute er im Auf­trage der preußischen Regierung die erste große Telegraphen­linie auf dem Kontinent zwischen Berlin und Frankfurt a. M.^ zwischen Berlin und Eisenach unterirdisch mit Guttapercha- Jsolirung, von da bis Frankfurt oberirdisch auf Glocken­isolatoren. Werner schied 1849 aus der Armee und nach Vollendung der Telegraphenlinie von Berlin nach Köln und Verviers, sowie nach Hamburg, Breslau und Oderberg au£ dem Staatsdienst überhaupt, um sich ausschließlich der Tele- graphenbauanstalt zu widmen, welche er schon 1847 mit dem (1867 wieder aus dem Geschäft getretenen) Mechaniker I. G. Halske in Berlin gegründet hatte. Werner Siemens entdeckte (1848) die sog. Flaschenladung ifolirter Leitungen (Kabel) und die daraus entspringende Verzögerung des durch sie gesandten Stroms, gab Methoden zur Untersuchung solcher Kabel und zur Auffindung von Fehlern und Beschädigungen darin an- er stellte 1859 die genau befinirte und leicht zu. reproducirende Siemens'sche Quecksilbers Widerstandseinheit auf und legte dadurch den ersten festen Grund zur Aus­führung genauer und vergleichbarer electrischer Messungen. Siemens gab die erste Kabellegungstheorie und legte auch das erste gelungene Tiefseekabel (Bona-Cagliari), mit Bremse und von ihm erfundenem Kraftmesser- sein überaus zweck­mäßiger, 1856 erfundener Cylinderinductor hat eine sehr vielseitige Verwendung und ungemein große Verbreitung ge­funden. Er erfand die für die Erzeugung des electrischen Lichtes, die elektrische Kraftübertragung und den Electro- chemismus so bedeutungsvolle dynamoelectrische Maschine, deren Theorie er in der Berliner Akademie der Wissenschaften am 17. Januar 1867 entwickelte. Große Verdienste erwarb sich Siemens um die Translation, die automatische Tele­graphie, das Gegen- und Doppelsprechen 2c. Die Berliner Universität ernannte Siemens 1860 zum Ehrendoctor der Philosophie, die Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1874 zu ihrem ordentlichen Mitgliede. Vorige Woche erschienen feineLebenserinnerungen."

* Leipzig, 6. December. Einen sogenanntenScherz" hat sich der hiesige Markthelfer D i e s e l geleistet. Befreundet mit einem vor wenigen Wochen vom Freiburger Jäger­bataillon zur Disposition beurlaubten Soldaten, glaubte er einen besonders guten Witz zu machen, wenn er eine Störung in die Hochzeitsvorbereitungen dieses seines Freundes brachte. Er schrieb deshalb an den Vicefeldwebel H. in Wurzen fol­gende Postkarte:Lieber Herr Feldwebel! Ich freue mich, ihrer Zuchtrute entronnen zu fein die Compagnieschule ist aus! Hurrah! Nun können mich die Chargen nicht mehr ärgern! O, welche Wonne, welche Lust! Illing!" Diesel er­reichte das Gewollte nach voraufgegangener Meldung des Vicefeldwebels bekam I. zwei Tage vor feiner Hochzeit Befehl zum Eintreffen, und alle Betheuerungen feiner Un­schuld an ber Postkarte retteten ihn nicht vor Ableistung einer sechswöchigen Dienstzeit, nach welchem Zeitpunkte sich feine Unschuld herausstellte. Die Staatsanwaltschaft erhob