Nr. 8 Erstes Blatt
Sonntaa den 10. Januar
1892
Hietztuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des
MouragS.
Ti7 Gießener AamikienVtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Kmerat-Anzeiger.
Bierteljähriger Abonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
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Aints-undAnzeigeblatt fiir den “Kreis Gieren
chratisöeitage: Hießener Iamikienötätter.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Namen der Besitzer
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der krevirten ober gelödleten ^htere
Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thier- arzt festgestellt tft, sowie über die Art der Besetligung der Ca daoer.
Gefunden: 2 Schleier, 1 Taschentuch, Geld, 1 Haar- bürstchen, 1 Contobuch, 1 Paar Handschuhe, 1 Kopfklssen- überzug, 1 Cigarrenform, 1 Laterne, 1 Zeichenblock, 1 Handschuh, 1 Pferdeteppich, 1 Päckchen mit Inhalt, 1 Taschenmesser, mehrere Schlüssel und 1 Thürdrücker.
Gießen, dm 9. Januar 1892.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Sitzung der Stadtverordneten
am 7. Januar 1892.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei- geordneter Langsdorfs, von Seiten der Stadtverordneten die
Bekanntmachung.
Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld wirb
1) Sonntag den 17. Januar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Geilshausen einen Vortrag über Anwendung künstlichen Düngers, in dem Local des Herrn Lndw. Hill- gärtner,
2) Sonntag den 7. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Grün berg einen Vortrag über Bodenbearbeitung unter Anwendung verschiedener Dungmittel, in dem Englischen Hof,
3) Sonntag den 21. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Wertershain einen Vortrag über Entwäffcrung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Theiß- tchen Wirthschaft,
4) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Rod heim über Entwäffcrung von Grundstücken und Drainage.Anlagen, in der Reichhardt'schen Wirth- schaft,
5) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in einen Vortrag über rationelle Viehfütteruna, in i der Heiland 'schen Wirthschaft
halten.
Alle Mitglieder des landwirthschastlichen Vereins nnd Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen ergebens! eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.
Gießen, den 8. Januar 1892.
Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen.
Jost. |
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Januar. Der Kaiser und die Kaiserin erschienen am Donnerstag, dem Todestage der Kaiserin A u g u st a, in der zehnten Vormittagsstunde im M a u s o l e u m zu Charlotten bürg und legren hier am Sarge der hohen Verblichenen einen Kranz nieder. Alsdann begaben sich die Majestäten von der Gruft aus nach der oberen Kapelle und verweilten daselbst längere Zeit im stillen Gebete. Später trafen auch die Kaiserin Friedrich nebst der Prinzeß Margarethe, sowie die übrigen zur Zeit in Berlin resp. Potsdam anwesenden Mitglieder des Königshauses im Mausoleum ein, , sämmtliche Fürstlichkeiten legten Blumenspenden am Sarge ' der Kaiserin Augusta nieder.
— Entgegen der bisherigen Annahme soll Kaiser Wilhelm beim Neujahrsempfange am Berliner Hofe doch einige Aeußerungen allgemein politischer Narur gethan haben. Nur heißt es, dies sei nicht in einer förmlichen Rede, sondern mehr in leichter Gesprächsform diesem und jenem der Gratulanten gegenüber geschehen. Wie weiter versichert wird, lauten die betreffenden kaise^'chcn Aeußerungen dahin, daß die europäische Lage befriedigend sei und daß der europäische Friede auch für das neue Jahr so gut als gesichert gelten dürfe.
— Stabsarzt a. D. Dr. Pfeiffer, der Entdecker des In slu enz ab a cillu s, berichtete am Donnerstag in einer Sitzung der Berliner Chariteärzte über seine sensationelle Entdeckung. Die Untersuchungen dariren vom 28. November v. I. und betreffen 24 Fälle. Im Auswurf bezw. Eiter seien stets sehr kleine Bacillen gefunden worden, die sich in Reinculturen züchten ließen, aber bei keiner anderen Krankheit hätten nachgewiesen werden können. Ueberimpsungen aus Affen und Kaninchen hätten positiven Erfolg gehabt. Pros. Dr. Canon vom Moabiter Krankenhause berichtete dann über an 20 Patienten angestellte Untersuchungen des Blutes, die in 17 Fällen den Bacillus zeigten. Geheimrath Dr. Koch hat die Identität der Resultate der Forschungen und Untersuchungen Dr. Pfeiffers und Dr. Canons festgestellt. — Inwieweit die Entdeckung des Influenza-Bacillus in der Praxis zu einer wirksamen Bekämpfung dieser epidemischen Krankheit führen wird, bleibt vorerst abzuwarten.
Druffel, 8. Januar. Die mit der Prüfung deS belgisch-deutschen Handelsvertrags beauftragte Centralsection der Kammer nahm denselben mit vier gegen drei Stimmen an.
Newyork, 8. Januar. Nach einer Meldung aus Osage (Agency - Indianer -Territorium) sand in einer der Gruben der Conland Mining Company eine schreckliche Explosion statt, wodurch gegen 200 Bergarbeiter verhüttet wurden. Man besürchtet, daß sie sämmtlich ihr Leben eingebüßt haben.
Washington, 8. Januar. Der Präsident der Finanz- commission des Repräsentantenhauses, Springer, hat eine Vorlage vorbereitet, wonach alle Wollsorten zollfrei belassen werden sollen. Die Vorlage geht demnächst dem Repräsentantenhause zu. — Präsident Harrison theilte in einer Note den diplomatischen Vertretern Oesterreich- Ungarns und Spaniens mit, daß er auf Grund der Mac Kinley-Bill vom 15. März an die Aushebung der zollfreien Einfuhr von Zucker, Kaffee, Thee und Häuten dieser Länder nach Amerika verfügen werde, wenn nicht inzwischen ein Reziprozitätsvertrag vereinbart werde. Die Verhandlungen mit Frankreich und anderen Ländern sind dem Vernehmen nach derart vorgeschritten, daß der Präsident davon Abstand genommen hat, bezüglich der Einfuhr dieser Länder eine ähnliche Maßnahme in Aussicht zu stellen.
Kairo, 8. Januar. Die Beisetzung des Khedive ew fi k fand heute Nachmittag statt. Eine lange imposante Prozession von Vertretern aller Klassen und Rangstufen bewegte sich nach dem Mausoleum. Egyptische und britische Truppen bildeten Spalier. Die Vicekönigin, das diplomatische Corps, Mukhtar Pascha und Hunderte von Wagen aus dem Harem folgten. Mollahs sprachen die Gebete, als der einfache arabische Sarg in die Gruft beigesetzt wurde.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 8. Januar. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Verhandlungen betreffs der 4. bayerischen Armee-Jn- spection haben weder vor noch nach den letzten Manövern stattgesunden.
Berlin, 8. Januar. Nach der „Nat.-Ztg." sindet nächsten Montag eine Sitzung des Central-Ausschusses der Reichsbank statt, welche die Discontherabsetzung, sehr wahrscheinlich auf 3 pCt., beschließen wird. Die Anlagen seien in der ersten Januarwoche fast in gleichem Umfange wie in der Parallelwoche des Vorjahres zurückgegangen. Gold fließe weiter zu, namentlich Souvereigns.
Berlin, 9. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt an leitender Stelle bezüglich des jüngsten Artikels der „Köln. Ztg.": „Briefe eines deutschen Mannes über den Reichskanzler und die Parteiverhältnisse", es sei nöthig, daß das Publikum ganz energisch alle Bestrebungen abweise, welche die Consolidirung der Parteiverhältnisse im Sinne der erwünschten Zusammenfassung aller gleichstrebenden Elemente verhindern möchten und unsere Entwickelung auf falsche Bahnen drängen wollen.
Nsrrefre tl<xd>ridtten.
Wolffs ttlkgradhilchtL Lorres-ondttLz-Elureon
Hamburg, 8. Januar. Eine Berliner Meldung des „Hamburgischen Correspondenten" bestätigt, daß gegen den Grafen Limburg-Stirum disciplinarisch vorgegangen ! werde. Falsch sei dagegen die Behauptung, daß seine Kritik der Handelsverträge dies veranlaßt habe. Das Einschreiten sei vornehmlich durch Stellen in den „Kreuzzeitungs"-Arttkeln veranlaßt, welche die auswärtige Politik der Regierung angreisen. Als Abgeordneter durste Limburg die Handelsverträge wie andere Regierungsmaßnahmen öffentlich besprechen, wie er es als zutreffend erachte, dagegen stände es ihm nicht zu, Beamte des Ministeriums des Äeußeren und die auswärtige Politik der Regierung, speziell diejenige, des dtrecten Vorgesetzten, mit der Behauptung öffentlich' anzugreifen, daß diese Politik Deutschland schwäche und dessen Ansehen nach Innen und Außen vermindere. Die Duldung eines solchen Vorgehens hieße die Disciplin lockern, welcher hochgestellte Beamte ebenso unterworfen seien, wie jeder Andere.
Straßburg, 8. Januar. Der Landesausschuß von Elsaß-Lothringen ist dem Vernehmen nach aus den 28. Januar einberufen.
Wien, 8.Januar. Die Handelsverträge gelangen im Abgeordnetenbause am 12. d. Mts. zur Berathung.
Wien, 8. Januar. Die „Neue Fr. Pr." meldet aus Budapest: Die ungarische Regierung beschloß von Anfang an, den deutschen Handelsvertrag auf das Loyalste durchzuführen und alle damit nicht übereinstimmenden Verfügungen an jenem Tage außer Kraft zu setzen, an welchem der deutsche Vertrag in Geltung tritt. Alle bisher bestehenden geheimen Tarisbegünstigungen werden daher am 1. Februar 1892 publicirt werden.
Berlin, 9. Januar. Nach den „Berl. Polit. Nachr." beginnen demnächst die Berathungen bezüglich der Vorlage über die Communalbesteuerung zwischen dem Finanzressort und dem Reffort des Innern.
Breslau, 8. Januar. Die Eisenbahndirection entließ abermals zahlreiche Arbeiter.
Blaubeuren, 8. Januar. Kajsirer Kaufmann Schwarz von der hiesigen Gewerbebank unterschlug 240,000 Mk., die er an der Berliner Börse verspeculirte. Derselbe wurde gestern Abend verhaftet. Betheiligt sind größtentheils Minderbemittelte, Handwerker und Fabrikarbeiter. Die Aufregung ist eine große. Die Gewerbebank ist insolvent. Die volksparteilichen Mitglieder des Direktoriums wurden bei der letzten Wahl verdrängt.
London, 9. Januar. Die Polizei entdeckte in Walsall eine Menge anarchistischer Schriften. Man glaubt außerdem eine Gießerei von Sprengbomben entdeckt zu haben.
Druffel, 8. Januar. Anfang März d. I. beginnt die Verkeilung des neuen Rep etirgewehrs (Lütticher Fabrikation) an sämmtliche Truppen.
Effen a. d. Ruhr, 9. Januar. Auf der Zeche „Wolfs- bank" bei Borbeck sand gestern Abend eine Explosion statt. Infolge Verbrennung sind in der Grube sechs Bergleute tobt, sieben theils schwer verwundet.
Amtlicher Cherl.
Gießen, den 7. Januar 1892.
Betr.: Das Reichgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen.
Das Großherzogtichc Kreisamt Eichen
an Großh. Polizeiamt Giehen und Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Die bis jetzt in Gemäßheit unseres Ausschreibens vom 2. b. Mts. (Kreisblatt Nr. 4) vorgelegten Auszüge lassen sämmtlich die Angabe derjenigen Stelle vermissen, bei welches die betreffenden Untersuchungen stattgefunden haben. Wir sind daher veranlaßt, Sie auf den bezüglichen zweiten Absatz des Ausschreibens vom 2. b. Mts. noch besonders hinzuweisen. ___________ v. Gagern._____
Gießen, den 7. Januar 1892. Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetteran.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Mendorf a.d.Lahn, i Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dors-Gill, Eberstadt Großen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein Liichen, Langd. Lang-Gons, Langsdorf, Leihgestern, »ich, Muschenheim, Obbornhofen. Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff und Utphe.
Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August 1880 - Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thiercs und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht tu vergessen ist.
v. Gagern.
Tabelle
über die in der Gemeinde........vom .... 18 .. I
.. 18 . . crepirten oder gctödteten Thiere.


