beträgt 85 Millionen, wovon 83 Millionen für asiatische Eisenbahnen ausgeworfen wurden.
Pari-, 8. Januar. Roche bringt nächstens eine Credit- forberung ein für die officielle Theilnahme Frankreichs an der Weltausstellung zu Chicago.
Moskau, 7. Januar. Die „Moskauer Ztg." fordert für die in den Nothdistrictenverübten Fälschungen strengste Bestrafung und zwar acht- bis fünfzehnjährige Zwangsarbeit in Sibirien.
Kairo, 7. Januar. Der Khedive ist heute Abend um 7 Uhr gestorben.
Loyaler un- prodttjieße».
Gießen, 8. Januar 1892.
— Die Eisbahn des EiSvereivs wurde heute wieder eröffnet- der Zugang ist von der Grünbergerstratze aus.
— Heute Mittag 3/42 Uhr fand eine Alarmirung der Garnison statt.
— Personalnachncht. Durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 6. d. Mts. wurde der Regierungsaffeffor Karl Seim zu Darmstadt zum Zweck des Uebergangs in den Militär-Justizdienst zum Gerichtsasseffor ernannt und ihm dieserhalb zunächst der nachgesuchte einjährige Urlaub bewilligt.
— Die Zustizstatistik über das Großherzogthum Heffeu für das Jahr 1888 und 1889 weist u. A. folgende Daten QUf: Die Zahl der Gerichtseingeseffenen des Großherzog- thums beträgt 956,611 Personen, davon kommen auf ein Landgericht 318,870 und auf ein Amtsgericht 19,523; im Deutschen Reiche kommen auf ein Landgericht 274,006 Ge- richtseingeseffene und auf ein Amtsgericht 24,468 Eingesessene. 1889 kamen in Hessen auf einen Rechtsanwalt 7532 und im Deutschen Reiche erst auf 9972 Gerichtseingesessene ein Rechts- anwalt; das Derhältniß zwischen Rechtsanwälten und Einwohnerzahl ist im Reichs ein günstigeres als in Hessen. In Bezug auf die Civilproceßstatistck hat sich in Hessen die Zahl der ordentlichen Processe, Urkundenprocesse und Mahnsachen im Jahre 1888 etwas vermehrt, 1889 etwas vermindert, die Zahl der vermögensrechtlichen Processe, worunter die ordentlichen Processe, sowie Urkunden- und Wechselproceffe, betrug m beiden Jahren 25,767, bezw. 26,023. Die Pro- cehsrequenz ist in Hessen größer als im Reichsdurchschnitt; im Jahre 1889 kamen in Hessen auf 10,000 Einwohner 1099 vermögensrechtliche Processe, einschließlich der Mahnsachen, und 273 ausschließlich der Mahnsachen; im Deutschen Reiche betragen diese Zahlen nur 710, bezw. 290. Während im Deutschen Reiche auf 10,000 Einwohner 400 Mahnsachen kamen, betrug die entsprechende Zahl für Hessen sogar 821; während in dem gedachten Jahre im Allgemeinen neben 100 ordentlichen und Urkundenproceffen 163 Mahnsachen anhängig wurden, sind in dem gedachten Jahre in Heffen allein 315 Mahnsachen anhängig gemacht worden. Der Ober- landesgerichtsbezirk Darmstadt steht in Bezug auf die Häufigkeit der Mahnsachen an der Spitze aller Gerichtsbezirke im Deutschen Reiche. Günstigere Resultate ergeben sich bei der Betrachtung der Frequenz der Wechselproceffe: auf 10,000 Einwohner in Hessen 16 Wechselproceffe, im Deutschen Reiche dagegen auf 10,000 Einwohner sogar 32 solcher Processe; von den übrigen Urkundenprocessen entfallen auf 10,000 Einwohner in Heffen 3, im Deutschen Reiche 1. Was die Zahl der Ehesachen anbelangt, so entfallen in Heffen in beiden Jahren auf 100,000 Einwohner 14 Ehesachen, darunter 13, bezw. 12 Ehescheidungssachen; für das Deutsche Reich betragen die entsprechenden Zahlen 21 und 19; hier ist das Verhältniß für Hessen günstiger. Was schließlich das Con- cursversahren betrifft, so wurden in beiden Jahren 103, bezw. 99 Concursverfahren eröffnet; auf 10,000 Einwohner kamen somit 10,8 pCt., bezw. 10,9 pCt.; die Zahlen für das Deutsche Reich betragen 11,1, bezw. 11,3 pCt. Die Zahl der Concurse ist in Hessen in relativ größerem Maße zurückgegangen als im Deutschen Reiche überhaupt.
— Versendung von Hasen mit der Poft. Während der Weihnachtszeit wurden der Post sehr viele Hajen zur Beförderung übergeben, jedoch ist davon eine namhafte Zahl zu den Feiertagen nicht in die Hände der Empfänger gelangt. Der Grund des Nichteintreffens lag daran, daß die dünne Fahne, welche die geschriebene Adresse trug und an den Hinterläufen befestigt war, bei dem starken Päckereiverkehr sich abgelöst hatte. Um die Ankunft solcher Sendungen sicherzustellen, lege man um den Hintern Theil des Bauches fest eine 11/2 Hand breite Binde (Leibgurt) jo, daß sie sich nicht abstreifen läßt und nähe auf den Packstoff, und zwar in der Gegend des Rückens, ein weißes Stück Leinen, das mit der deutlichen Adresse des Empfängers versehen ist. Ein aus solche Weise verpackter Hase wird stets pünklich am Bestimmungsorte eintreffen.
Friedberg, 7. Januar. Am 3. Januar starb dahier der älteste unserer Mitbürger und wohl auch einer der ältesten Männer des Großherzogthums Hessen, der allgemein hochgeachtete Kaufmann Herr Wilhelm Kümmich, Chef der Firma Ph. Dan. Kümmich. Derselbe war 92 Jahre alt und in der damals noch „Freien Reichsstadt Friedberg" geboren. Die Friedberger nannten ihn daher mit Stolz ihren einzig noch lebenden „Freien Reichsstädter". Der Verstorbene war ein echter Ehrenmann und ein wahrer Patriot, der mit größter Freude es begrüßte, als es ihm vergönnt war, die Wiedererstehung von Kaiser und Reich zu erleben.
Langen, 4. Januar. In einem Nachbarorte wollte in der Neujahrs nacht von zwei Nachtwächtern jeder im neuen Jahre die erste Tour durch den Ort machen. Da aber nur ein Horn vorhanden ist und Jeder dasselbe haben wollte, so kam es zu einem .kleinen Kampfe, wodurch das Horn in zwei Stücke ging und keiner von beiden mehr blasen konnte.
Darmstadt, 7. Januar. Die Herren Abgeordneten Osann, Schröder und Genossen haben in der zweiten
Kammer der ©tänbe eine Interpellation eingebracht, betr. die Mißstände an der Börse und im Börsenverkehr. In derselben stellen die Interpellanten an die Staatsregierung die Anfrage: „Welche Stellung nimmt die Großh. Staatsregierung gegenüber den offenbaren Mißständen ein, welche sich in dem börsenmäßigen Effecten- und Getreideverkehr ergeben, und namentlich welche Stellung wird die Großh. Staatsregierung gegenüber den Anträgen auf gesetzgeberisches Einschreiten gegen jene Mißstände einnehmen?" Außerdem haben dieselben Abgeordneten eine Interpellation wegen der befürchteten Schädigung des deutschen, speciell des hessischen Weinhandels durch die Handelsverträge eingebracht mit der Anfrage an die Regierung: „1) Welche Maßnahmen gedenkt die Staatsregierung gegenüber der bedrohten Lage des Weinbaues ein» zunehmen und anzuregen? 2) Wie verhält sich insbesondere die Großh. Staatsregierung gegenüber den in [ber Interpellation angedeuteten Maßnahmen zur Förderung des Weinbaues, wie Verbilligung der Eisenbahnfrachtsätze, Anregung zur Bildung von Genossenschaften u. s. w." (F. Z.)
Darmstadt, 7. Januar. Von zuständiger Seite wird dem „D. Tgl. Anz." geschrieben: Die in Nr. 5 des „T. A." enthaltene (in vor. Nr. auch von uns wiedergegeben. Red.) Mittheilung übe reine an dem Großh. Gymnasium dahier schwebende Untersuchung bedarf der Berichtigung dahin, daß diese Untersuchung 1) nicht von Herrn Oberschulrath Soldan, sondern vom Director geführt wirb, 2) schlechterdings nicht im Zusammenhang mit den vielbesprochenen Gießener Vorkommnissen steht und 3) nichts ergeben hat, was zu einer Ausdehnung der Untersuchung auf „alle höheren Unterrichts
anstalten Hessens"
Anlaß geben könnte.
vermischtes.
* Am 6. Januar schlug während eines heftigen Schnee- sturmes mit Gewitter der Blitz in einen Kirchthurm zu Heiligenftadt, Provinz Sachsen, und zündete.
* Berlin, 3. Januar. Der Kaiser wünscht, daß seine Offiziere auf jedem Platze, auf den sie berufen werden, auch voll und ganz ihre Pflicht und Schuldigkeit thun, also auch im Balls aale. Wenigstens deutet eine Aeußerung des Monarchen daraus hin, welche derselbe am ersten Weihnachtsfeiertage nach Schluß des Gottesdienstes beim Verlassen der Garnisonkirche in Potsdam gethan haben soll, und die nunmehr in der Nachbarresidenz viel besprochen wird. Der Kaiser ließ nämlich, wie es heißt, die Commandeure der Potsdamer Regimenter an sich herantreten und sagte zu ihnen: „Sagen Sie Ihren Herren Offizieren, daß Diejenigen, welche nicht tanzen können, die Hofbälle nicht besuchen sollen."
* Gens, 5. Januar, lieber den Stand der Arbeiten an dem Observatorium auf dem Gipfel des Mont-Blanc machte in der letzten Sitzung der Pariser Akademie Herr Janssen Mittheilungen. x Hiernach hatte man an der Seite nach Chamounix in einem senkrechten Abstande von etwa 12 Meter unter dem höchsten Punkte des Gipfels einen 23 Meter langen Stollen in den Schnee getrieben. Am Eingänge war als Schutz für die Arbeiter eine Hütte errichtet worden, die zugleich den Eingang gegen Schneeverwehungen decken sollte. Je tiefer man in den Schnee eindrang, um so fester wurde dieser, ohne jedoch in Gletschereis überzugehen. Der Stollen ist in der Richtung :tion Nord nach Süd eingetrieben und sein Ende liegt ungefähr unter der Spitze des Mont-Blanc. Nirgends traf man im Innern auf Felsen. Deshalb ließ Janffen einen zweiten Stollen in westöstlicher Richtung anlegen, der bis 23 Meter Länge getrieben wurde, aber ebenfalls keinen Felsen traf. Der Gipfel ist also höchst wahrscheinlich mit Schneemassen von mehr als 12 Metern Mächtigkeit bedeckt und der eigentliche Berg um soviel niedriger. Die Fundirung des Observatoriums auf Felsengrund muß hiernach aufgegeben werden, aber Janffen glaubt, daß es möglich fein werde, das Gebäude auf der harten Schneeunterlage genügend zu befestigen. Es soll zwei Stockwerke enthalten, jedoch soll wegen der rasenden Stürme, die den Gipfel des Berges umtosen, das untere Stockwerk völlig in die Schneehaube versenkt werden und nur ein Theil des oberen daraus hervorragen.
* Einen eigenartigen, leider sehr bezeichnenden „Zug des Todes aus dem Jahre 1891" hat die „Berl. Ztg." zu- sammengestellt. Derselbe lautet: 1. Schnöckel, Commerzien- rath in Berlin, Selbstmord. Grund: Unterschlagung. 2. Wolff, Commerzienrath in Berlin, verhaftet. Grund: Unterschlagung. 3. Felix Sommerfeld, Hosbankier in Berlin, erschossen. Grund: Unterschlagung. 4. Siegfried Sommerfeld, Hofbankier in Berlin, erschossen. Grund: Unterschlagung. 5. I. Leipziger, Bankier in Berlin, verhaftet. Grund: Unterschlagung. 6. Ed. Maaß, Bankier in Charlottenburg, verhaftet. Grund: Unterschlagung. 7. Friedr. Abrahamson, Bankier in Berlin, verhaftet. Grund: Wucher. 8. Löwy, Bankier in Berlin, verhaftet. Grund: Unterschlagung. 9. Paarmann, Fabrikant in Berlin, erschossen. Grund: Schlechte Geschäfte. 10. Cohn, Fabrikant in Berlin, erschaffen. Grund: Schlechte Geschäfte. 11. Heinrich Herbrecht, Bankier in Unna, verhaftet. Grund: Wechsel- sälschung. 12. Hertrich, Buchhalter in Unna, erschossen. Grund: Wechselfälschung. 13. Emil Mayer, Bankier in Hildesheim, erschossen. Grund: „Falsche Spekulation". 14. Sordmeyer, Bankier in Stade, verhaftet. Grund: Wcchfelfälschung. 15. Michael, Bankier in Stade, verhaftet. 16. A. Goldschmidt, Fabrikant in Hannover, verhaftet. Grund: Schlechte Geschäfte. 17. Fischer, Bankier in Meißen, verhaftet. Grund: Unterschlagung. 18. A. Herbst, Fabrikant in Bialystock, verhaftet. Grund: Schlechte Geschäfte. 19. Blumenthal, Bankier in Bayreuth, verhaftet. Grund: ? 20. Winkelmann, Ex-Bankdirector in Leipzig,
stellt sich dem Gericht. Grund: Verkrachte Bank.
* Die Festtagsbraten und sonstigen Leckerbiffen, welche bei der Berliner Post als unbestellbar zurückgeblieben waren, sind jetzt versteigert. Hasen, von welchen sich ein ganzes
Lager angesammelt hatte, wurden bis 2 Mk. pro Stück bc zahlt, Butter konnte man drei Pfund für 60 Psg. haben und Kuchen gab es fast umsonst.
* Paris, 5. Januar. Die Blätter berichten von einem Scandal, der noch diel Staub aufwirbeln wird. Während der letzten Weihnachtsferien brachte eine Pensionärin eines Pariser Klosters mehrere Tage bei ihrem verwittweten Vater zu. Sie hatte mit allerlei Kleinigkeiten auch ein durchbrochenes Kreuz heimgebracht, dessen Mitte eine mikroskopische Ansicht bildete, wie man sie an Federhaltern, Papiermessern u. bergt zu finben pflegt. Der Vater sah hinein und war entsetzt, so schamlos war die Darstellung. — „Woher. hast Du bas?" herrschte er bas Kind an. — „Wir haben es bei der Pförtnerin des Klosters gekauft, ich und meine kleinen Freundinnen auch." — „Und Du hast hineingeguckt?" — „Ja, aber das Bild ist nicht klar; es sollte wohl das Martyrium einer Heiligen sein." Der Vater begab sich sogleich nach der Polizeipräfectur und überreichte Herrn Loze das corpus delicti. Dieser schickte einen Inspektor nach dem Kloster, wo noch etwa fünfzig ähnliche Kreuze mit pornographischen Ansichten vorgefunden wurden. Die Pförtnerin erzählte ganz unbefangen, dieselben wären ihr zu billigen Preisen von einem Camelot bei der Einweihung der Herz- Jesu-Kirche auf Montmartre angeboten worden. Mehr wußte sie nicht. Eine genaue Ueberwachung der Camelots, welche noch immer in der Umgebung der Sühnkirche hausiren, führte zu der Entdeckung, daß ihr Vorrath an pornographischen Kreuzen noch nicht ausgegangen ist. Sie zeigen Kreuze mit der Ansicht der Kirche und schieben dann, wenn die Frommen kauflustig sind, ein Schandbild unter. Man fahndet jetzt auf den Fabrikanten, dessen Namen die Krämer nicht sagen konnten oder wollten.
Nntverptcits • Nachrichten.
— Die Universität München wird besucht von 136 Studirenden der Theologie, 1214 Studirenden der Jurisprudenz. 97 Studirende gehören der staatswiffenschastlichen Facultät, 1081 der medicinischen, 500 den philosophischen Sektionen an, 264 ftudiren Pharmacie. Die Zahl der Studirenden beträgt 3292, die Zahl der Hörer 55.
— Die Universität Erlangen zählt 1060Studirende. Davon gehören 264 der theologischen, 228 der juristischen, 344 der medicini- schen Facuttät. 133 den philosophischen Sektion»n an, 28 widmen sich dem zahnärztlichen Studium, 63 der Pharmacie. Die Zahl der Hörer beträgt 13.
— Die Universität Freiburg wird besucht von 856 Studirenden und 62 Hospitanten. Von den Studirenden gehören 208 der theologischen, 142 der juristischen, 304 der medicinischen Facultät und der Pharmacie an, 202 der philosophischen Facultät.
— Dem Prtvatdocenten in der philosophischen Facultät der Universität zu Kiel Dr. Ferdinand Tönnies und dem Privat- docenten in der philosophischen Facultät der Universität zu Marburg Dr. Karl von den Steinen ist das Prädicat Professor bei-- gelegt worden.
Verkehr, Land- und Volk» wirth schäft.
△ «ns vberheffert, Ende December. Für die Brennereibesitzer durste Nachstehendes von Wichtigkeit sein. Wir haben in Hessen fast nut landwirthfchastliche Brennereien. DaS Gesetz vom 24. Juni 1887 versiebt unter landwirthschaftlichen Brennereien solche, welche ausschließlich Getreide oder Kartoffeln verarbeiten. Die Rückstände aus dielen Betrieben müssen in den Winhschasten des Brennereibesihers verfüttert und der erzeugte Dünger muß auf dem Grund und Boden, welcher dem Brennereibesitzer gehört, verwendet werden. Die Maischbottichsteuer beträgt 1 Mk. 31 Pf. für den Hcctoliter Maischraum. Wenn eine land- wirthschaftliche Brennerei aber nur vom 1. October bis 15. Juni des folgenden Jahres brennt, braucht sie nur ®/io der Maischbouich- fteuer zu entrichten, sallS sie täglich nicht über 1050 Liter Botttchraum bemaischt; sie braucht nur «/io zu zahlen, wenn sie täglich nicht mehr als 1500 Liter bemaischt und nur 9/t0, wenn sie nicht mehr als 3000 Liter Bottichraum bemaischt. Ganz anders aber wird die Sacke, wenn ein Brenner auch in der Zeit vom 15. Juni bis 1. October brennen will. Dieser Fall kommt bei Landwirthen öfters vor und er soll kurz beleuchtet werden. In nassen Jahren treten häufig kranke Kartoffeln auf. Wenn die angestoßenen Exemplare nun gleich gedämvft und zu Branntwein verarbeitet werden, bann laßt sich großer Verlust vermeiden; nebenbei wird ein gutes Vieh- futtcr gewonnen. In trockenen Jahren flieht es oft eine Unmasse Kartoffeln, während Wiesen und Kleeäcker wegen der Trockenheit geringe Erträge liefern. Der landwirthfchastliche Brennereibesitzer wird darum sehr wohl daran thun, wenn er feine billigen, stärkemehl- reichen Kartoffeln brennt, den Spiritus also herauszieht, in der Schlempe aber ein sehr werthvolles, dem Vieh sehr zuträgliches, warmes Futter gewinnt. Die Maischbottichsteuer wird aber in der Sommerzeit nach dem neuen Gesetze vom 8. Juni 1891 vom 15. Juni bis 1. September, nach dem alten Gesetze vorn 24. Juni in der Zeit vom 15. Juni bis 30. September nicht erhoben, sondern es wird statt dessen die Verbrauchsabgabe von einem Liter reinen Alkohol von 50 Psg. auf 70 Psg. erhöht. Der Brenner ersieht aus obigen Daten sofort den Zeirunterschied bei dem neuen Gesetze: es ist der erste September, statt der erste October. Producirt eine kleine Brennerei täglich 50 Liter reinen Alkohol, so muß sie für den Monat September 50x20x30 Pfg. — 300 Mk. Verbrauchsabgabe mehr entrichten. Viele Brenner sind — wie sich Einsender über- zeugen konnte — der Ansicht, das neue Brennereijahr liefe vom 1. September bis zum 31. August, weil das neue Gesetz die Maisch- botticksteuer vom 15. Juni bis 31. August aufhebt. Der Anfang des Brennereijahres ist aber nach wie vor der 1. October. Aus düsen angedeuteten Gründen ist es für die Brenner von großer Wichtigkeit, daß sie es nicht versäumen, um Verlegung des Brennereijahres vom 1. October auf den 1. September zu bitten, weil sie sich fonft viele Unbequemlichkeiten und unnöthige Geldausgaben zuziehen.
- Frankfurter Saatmarkt. Am -.Februar l. I. findet im oberer. Saal- d s „Pala.s-Restaurant" Zeil 46 zu F'ankfuN a. M., ein Frühjahrs Saatmarkt statt. Wir verfehlen nicht, die Landwirlhe, welche gute Saatwaare zu Deifaufen haben ober folc^e aus bester Quelle zu beziehen wünlchen, auf diese günstige Gelegenheit aufmerksam zu machen mit dem Bemerken, daß die Saatmarktordnung in Nr 33 Jahrgang 1889 der landw. Zeitschrift abgedruckt ist. Dieselbe kann nebst Formularen zu Anmeldungen duck das Secretariat des Landwirthschaftlichen Vereins zu Frankfurt a. M., Ostendstr.30, bezogen werden. Die Anmeldungen sind ebendahin bis spätestens 23 Januar b. I. franco zu richten. Die auf bem Saatmarkt aus- lufitlknbfn Proben sind franchi und unter der Adresse „Für ben Saa'maikc an Herrn E. Pfeiffer, „Palais Restaurant", Frankfurt a M., Z'il 46" so früh abzusenden, daß sie spätestens am 29. Januar am Bestimmungsorte eintreffen. Kosten hat der Aussteller nicht zu trogen. ______________
— «in neues Mittel gegen Heldmürrse wird von den practiscken Amerikanern und da uno dort auch dereiis von intelligenten deutschen Landwirthen in Anwendung gebracht. Dieses Mittel besteht in folgendem Verfahren: Man gräbt auf etwas erhöhten, von *bt


