Ausgabe 
8.12.1892
 
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Weinberg zu Gießen gegen das Hebregister der israelitischen , Religionsgemeinde daselbst. 3. Reclamation des Joh. Seibert XL zu Homberg gegen die Gemeinderathswahl daselbst. 4. Gesuch deS August Wenzel zu Bobenhausen um Wirthschastsconcession. 5. Desgl. des Heinrich Bär IV. von Bobenhausen. 6. Klage des Ortsarmenverbands Frankfurt a. M. gegen den Orts­armenverband Angenrod wegen Unterstützung des Kindes der Katharine Oestereich von Renzendorf. 7. Beschwerde des Joh. Albrand zu Wolf wegen Entziehung der Allmendnutzung Seitens der Gemeinde Wolf.

Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 6. December 1892. Zur Verhandlung kam heute die Strafsache gegen Karl Diehl von Ettingshausen wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Die Anklage vertrat der Großh. Staatsanwalt Schilling - Trygophorus, vertheidigt wurde der Angeklagte von Rechtsanwalt Justizrath Dr. Reatz, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren Hermann Kratz, Johannes Steuernagel II., Conrad Eifländer, Karl Friedrich Maley, Heinrich Philippi, Albert Bechstein, Caspar Ranft, Heinrich Wilhelm Rau, Philipp Hühn, Philipp Merz II., Heinrich Wagner IV. und Heinrich Jäger III. Karl Diehl ist des Versuchs eines Verbrechens gegen § 177 des Strafgesetzbuchs angeklagt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeft'entlichkeit statt und endete, nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Bürgermeister Philpp Hühn) die ihnen vorgelegten Schuldsragen verneint hatten, mit der Freisprechung des Angeklagten von Strafe und Kosten. Hier­aus wurden die Sitzungen des Schwurgerichts für diese Periode für geschlossen erklärt.

Der Evangelische Arbeiterverein hielt am Sonntag Abend seine erste ordentliche Versammlung. Der größte Theil der Mitglieder hatte sich dazu eingefunden. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte die Versammlung dem Vortrage des Herrn Professors Stamm überChristenthum und Arbeit". Der Redner führte darin etwa Folgendes aus: Als das Christenthum in den Städten des römischen Reiches verbreitet wurde, traf es da aus eine hock entwickelte Cultur. Aber die Arbeit ruhte zum großen Theil in den Händen von Sclaven und auch aus der Handarbeit der Freien lastete die Schmach, welche die Sclavenarbeit tras. Gerade unter den gedrücktesten Klassen der Gesellschaft, unter den Sclaven, sand die christliche Religion zahlreiche Bekenner. Die ersten Missionare, die Apostel, waren darum genöthigt, zu der Sclaverei Stellung zu nehmen. Sie haben nicht das recht­liche Institut der Sclaverei bekämpft, sondern sie haben Herren und Knechten eingeschärst, wie sie sich als Christen gegeneinander verhalten sollten. Das Verhältniß zwischen Herren und Knechten wurde von innen heraus umgestaltet. In den Christengemeinden waren Herren und Sclaven gleich­berechtigte Glieder, den Sclaven standen auch die Ehrenämter der Kirche offen, selbst aus Bischosstühlen haben Sclaven ge­sessen. Gegen christliche Herren sanden Sclaven Schutz, Miß­handlung von Sclaven galt als ein Vergehen, das mit der Kirchenzucht geahndet wurde. Von Ansang an wurde in den christlichen Gemeinden die Freilassung von Sclaven für ein srommes und gutes Werk angesehen, die Freigelassenen wurden zu ehrlicher Arbeit angeleitet, wie denn in der Gemeinde überhaupt die Arbeit in hohen Ehren stand. Als die Kaiser des römischen Reiches und mit der Zeit die Massen des Volkes christlich wurden, die Kirche einen bedeutenden Einfluß ge­wann, da erhielten wohl die Sclaven mancherlei Erleichte­rungen, z. B. die Sonntagsruhe, weiteren Schutz durch das Asylrecht der Kirchen und die Fürsprache der mächtigen Bischöfe, die Freilassung von Sclaven erfolgte in größerem Maß­stäbe. Die Sclaverei selbst blieb, nahm aber in Folge der volks- w'rthfchastlichen Entwickelung die mildere Form der Hörigkeit und Leibeigenschaft an. Die Kirche selbst, da sie reich wurde, hat zahlreiche Leibeigene beseffen. Von großer Bedeutung nament­lich für das Abendland wurde das Mönchthum. Die älteren Orden hatten für die jugendlichen Völker, die jetzt aus den Schauplatz der Geschichte treten, eine große Mission: die Cultiviruug des Bodens und der Geister. Das Loos der Klosterknechte ward dadurch sehr gebessert, daß ihre Herren die Arbeit mit ihnen gemeinsam thaten. Das Ausblühen der arbeitssrohen Zünste des Mittelalters, das im engsten Bunde mit der Religion erfolgte, kann hier nur kurz erwähnt werden. Am Ausgange des Mittelalters nehmen die zu Reichssürsten gewordenen Bischöfe und Aebte an allen Schwächen der welt­lichen Herren Theil. Der gedrückteste Theil der Gesellschaft sind die leibeignen Bauern, die gegen ihre unleidliche Lage in wiederholten Ausständen ankämpsen. Nach kurzer Charac- terisirung der Stellung, welche Luther dem Bauernaufstände von 1525 gegenüber einnahm, wurden zwei Grundsätze nam­haft gemacht, welche die Reformation ausstellte und die von großer Bedeutung sür die Besreiung der Arbeit geworden sind. Die Lehre von dem göttlichen Berufe der Obrigkeit öffnete grundsätzlich den Weg der Reform. Die Lehre von der Berufsarbeit als einem Gottesdienst gab auch der ge­ringsten Handarbeit ihre Ehre. Die praktische Verwirklichung dieser Ideen erfolgte aber nur sehr allmählich. Erst die Re­präsentanten der Ausklärungszeit nehmen das Werk der Be- sreiung ernstlich in die Hand. Ihr Enthusiasmus für Maffen- wohl, für Gleichheit der Menschen, für Besreiung der Unter­drückten gereichen ihnen zum höchsten Ruhme. Aber diese Ideen stammen von christlichem Boden. Das Werk der Re« form begann lange vor der französischen Revolution, wurde schon von den preußischen Königen betrieben, die letzten Reste der Hörigkeit und Leibeigenschaft in Preußen wurden durch die Gesetzgebung des bibelsesten Freiherrn v. Stein ab­getragen. Die französische Revolution hat ein morsches Gesell- schastsgebäude in Stücke geschlagen, aber nichts Dauerndes geschaffen. Wie viel besser und hoffnungsvoller ist heute die Lage in Deutschland und England, wo man den Weg der Reform einschlug, als in Frankreich, wo man den Pfad der Revolution betrat! Nun noch ein rascher Blick aus die Colonien der neuen Welt und die dort durch die christlichen Eroberer im Widerspruch mit den Grundsätzen ihrer eigenen Religion eingesührtej Sclaverei, sowie aus das Werk der

Besreiung, bei dem den Ouäkern Pennsyloaniens und dem englischen Methodisten Wilbersorce ein wesentliches Verdienst zukommt. Die Lage der Arbeiter und die Taxation der Arbeit ist heute eine wesentlich andere als vor 1800 Jahren. An dieser Umwandlung haben religiöse Motive ganz wesent­lich mitgewirkt. Die Arbeit verdankt dem Christenthume unendlich viel. Jetzt stehen wir am Anfänge einer neuen Entwickelung. Der vierte Stand ringt nach einer menschen­würdigeren Form des Daseins. Soll diese Entwickelung eine segensreiche werden, dann darf die Parole nicht sein ohne Gott" undwider Gott", sondern sie muß lauten: Mit Gott" undfür Gott!"

Daß die Ausführungen des Redners Anklang fanden, bewies der lebhafte Beifall, der ihm gezollt wurde, und nicht minder die sich anschließende kurze Besprechung. Aus den folgenden geschäftlichen Verhandlungen mögen nur die er­wähnt werden, daß eine Gesangesabtheilung gebildet wurde, die ihre erste Probe Mittwochs im Vorstandszimmer der Herberge halten soll. Eine Anzahl neuer Mitglieder trat dem Verein bei. Bemerkt sei bei dieser Gelegenheit, daß das Vereinslocal jeden Mittwoch und Samstag von 8 Uhr, jeden Sonntag von 4 Uhr an für Mitglieder geöffnet ist, und daß dann Zeitungen und Zeitschriften aufliegen. Kein- Mitglied ist genöthigt, dabet etwas zu genießen. Nächsten Sonntag sindet wieder Vortragsabend statt, wofür Herr Pfarrer Schlosser einen Vortrag überden Haushalt" zuge­sagt hat.

Das b.Abonnements.Concert bringt uns Nachstehendes: 1. Kriegsmarsch aus Athalia (Mendelssohn)- 2. Ouvertüre z. Rosamunde (Schubert)- 3. Concert für die Clarinette (Weber) - 4. Liebesmahl der Apostel (Wagner). Zweite Ab- theilung Beethoven. OuvertüreLeonore Nr. 3", Adelaide. Rondo a. d. Sonate op. 47. Scherzo und Finale a. d. C-molL(5infonie. Ouverrure: Die lustigen Weiber (Nicolai). Präludietho aus Freund Fritz (Mascugni). Sonntagskind, Walzer (Millöcker). Fantasie a. d. Op. Lohengrin. Wir machen auf diesen genußreichen Abend besonders aufmerksam.

Kaiser-Panorama. Nicht nur der erfahrene Reisende findet eine Freude darin, bekannte Gegenden in den Bildern des Panoramas wieder zu erblicken, sondern auch der Nicht­gereiste hat Genuß, indem er seine Augen im Anschauen herrlicher fremder Landschastsbilder weiden kann. Die Bilder versprechen eine Reise in die sranzö siche Schweiz, von Gens, das Rhonethal entlang bis in's obere Reußthal, mit Abstechern nördlich und südlich in benachbarte, aus Granit und Glimmerschiefer gebildete Alpengebiete.

-ä- Langenhain, Kreis Friedberg, 5. December. Unserem eitherigen Bürgermeister, Herrn Philipp Rumps, welcher beinahe 40 Jahre lang an der Spitze der Gemeinde Langen­hain und Ziegenberg stand, wurde am 4. d. M. das ihm am 20. v. M. von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog verliehene Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen durch Herrn Kreisralh Dr. Braden in Gegenwart des hiesigen Orts-, Kirchen- und Schulvorstandes, einiger benachbarten Bürgermeister und der Familien - Mitglieder überreicht, von demselben die vieljährigen treuen Dienste so­wie die gewissenhafte Amtsverwaltung als Bürgermeister belobend anerkannt und die Eintracht der Gemeinde sehr betont. Möge der Orden die Brust des Geehrten noch lange zieren!

Mainz, 5. December. Eine G e l d s p e n d e von je 25 Mark erhielten dieser Tage 6 arme hiesige Wittwen. Dieses Geld rührte von nachfolgender Begebenheit her. Vor einiger Zeit hatte ein junger Mann sich einer argen nächtlichen Ruhe­störung schuldig gemacht und sollte deshalb zur Anzeige ge­bracht werden- aber die Schutzleute, die er beleidigte, ließen sich beruhigen und forderten nur das Eine, daß er zu Gunsten der Armen eine gewisse Summe spende. Der Betreffende erklärte sich damit einverstanden und gab 150 Mark, die nun in obiger Weise zur Verkeilung gekommen sind.

Mainz, 3. December. Es ist hier ein Consortium zu­sammengetreten zur Errichtung eines Vo lksbad es in groß­artigem Stile. Außer den gewöhnlichen Einrichtungen in den jetzt vorhandenen zwei Volksbädern, die nur aus Brause- und Wannenbädern bestehen, soll das neue Volksbad auch ein Schwimmbassin, römische, russische, irische :c. Bäder enthalten.

Budenheim, 3. December. Gestern kam hier der seltene Fall vor, daß ein Ehepaar, und zwar Lorenz Müller mit seiner Gattin, beide im Alter von 70 Jahren, die Frau Mittags 12 Uhr, der Mann Abends 8 Uhr, ihr Leben beschlossen.

Aus Rheinhessen, 5. December. Gegen eine ganze An­zahl jüngst in unserer Provinz abgehaltener Gemeinderaths- wählen sind Proteste bei den Großh. Kreisämtern ein- gelaufen. Die Kreisausschüffe haben sich daher in der nächsten Zeit mit einer großen Zahl solcher Reclamationen zu befassen.

vermischtes

Braunfels, 6. December. Am Samstag Abends ist die Mutter Sr. Durchlaucht des Prinzen Albrecht, unseres Prinz­regenten, die Prinzessin Wilhelm zu Solm s-B r a u n f e l s, in Pegli bei Genua im Alter von 85 Jahren gestorben. Die Beisetzung der hohen Verstorbenen wird in der Familien­gruft zu Kloster Altenberg erfolgen.

* Wittenberg, 4. December. Hier lebt der frühere Sergeant Weber vom 67. Regiment, der bei Königgrätz am 3. Juli 1866 beide Augen verlor. Die Kugel eines Kaiserjägers drang ihm in die linke Schläfe ein, zersplitterte an den Knochen des Schädels und verließ diesen zum Theil durch das rechte Auge, während die zurückgebliebenen Blei- theile durch operative Eingriffe beseitigt werden mußten. Wunderbarerweise ist Weber, der freilich die Augen für immer eingebüßt hat, von seiner entsetzlichen Verwundung vollständig wieder geheilt. Als sich der Genesende, geführt von seinem Bruder, einem Feldwebel desselben Regiments, im Herbst 1866 zur Regelung seiner Pensionsverhältnisse in Berlin befand, begegnete den beiden der Feldmarschall

Wränget. Er ließ sich den Unglücklichen vorstellen, sich von ihm die Geschichte seiner Verwundung und Heilung erzählen und entließ ihn dann mit dem Tröste:Na sei man ruhig, mein Sohn, der Staat wird schon für Dir sorgen, aber von mich sollst Du auch was haben". Damit drückte er ihm ein Geldstück in die Hand. Als Weber dann seinen Bruder nach dem Werth des Geschenkes fragte, mußte dieser der Wahr­heit gemäß antworten:n Dreier". Weber trägt das Geld­stück noch heute zum Andenken an Wrangel, wenn auch nicht an dessen Menschenfreundlichkeit, an der Uhrkette. Menschen­freundlicher ist der Gras von Bismarck damals dem Unglück­lichen nahe getreten, er hat demselben, ohne Rücksicht aus feine Pension, eine lebenslängliche Rente von jährlich 100 Thalern ausgesetzt, eine Rente, die Fürst Bismarck noch heute an Weber zahlen läßt.

* Kottbus, 3. Decbr. Ein großer Theil der Smyrna- Teppiche sür den Sultan werden hier angefertigt. Die Fabriken in Smyrna sind mit Aufträgen meistens überhäuft und machen Zweigbestellungen in Lyon. Die Fabriken in Lyon haben ebenfalls Uederhäusung an Arbeit, so daß nun die Kottbuser Teppichfabriken mit Bestellungen versehen werden. Hier werden nach schwierigsten Mustern die Teppiche angefertigt, die von geschickten Knüpferinnen sämmtlich mit der Hand ohne maschinelle Hilfe ausgesührt werden. In der gegenwärtigen Saison sind hiesige Fabriken mit bedeutenden Aufträgen versehen, so daß demnächst eine große Menge hiesigen Fabrikats als Smyrna-Teppiche, die den echten auch überhaupt in keiner Beziehung nachstehen, in den Palast des Sultans nach der Türkei wandern.

* Wurzburg, 30. November. Eine interessante Operation wurde gestern in der Klinik des Herrn Univ.-Prof, und Oberarztes des Juliusspitals Hofrath Dr. Schöndorf vorgenommen. Ein 2il2 Jahr altes Kind hatte beim Spielen eine sogenannte Nachtigallenflöte verschluckt. Darnach konnte es nur noch flüssige Nahrung zu sich nehmen, alles Uebrige gab es von sich. Ein hinzugerufener Arzt ordnete die Ver­bringung des Kindes in das Juliusspital an, wo festgestellt wurde, daß sich der Fremdkörper dicht über dem Magen in der Speiseröhre eingekeilt haben müßte. Mit einem Gräfe- schen Münzsänger, der vom Munde aus in die Speiströhre bis zum Magen eingesührt wurde, gelang es denn auch in kaum einer Minute, das knopfartige Musikinstrument, das 2V4 Ctm. Durchmesser hatte, zu entfernen. Das Kind konnte vollständig geheilt die Klinik verlassen, und waren die Eltern überglücklich.

Die Sonntagsruhe. Eine Anzeige desEssener General- Anzeigers" lautet:Weil die sogenannte Sonntagsruhe mein Geschäft ruinirt (Mindereinnahme an 17 Sonntagen 1020 Mark) so gebe ich dasseldp auf und verkaufe meine Artikel, um schnell zu räumen, 20 Procent billiger als bisher. Fritz Boez jrv Essen, Vichhofener Str. 56."

* Russisch. Wie man aus Moskau schreibt, ist es dort dieser Tage zwischen einem General und einem Obersten zu Tätlichkeiten gekommen. Der commandirende General der zweiten Grenadierdivision inspicirte nämlich das vom kaiser­lichen Flügeladjutanten, Obersten Bascherjanow, befehligte Regiment. Der General wurde nun bei der Besichtigung der Uniformen durch den Mangel eines zu diesen gehörigen Stückes in lebhaften Zorn versetzt - er warf zunächst eine der bemängelten Uniformen gereizt zur Seite, eine zweite jedoch geradenwegs dem Obersten Bascherjanow an den Kopf, indem er schrie:Wo ist das fehlende Stück?" Der Oberst versetzte hieraus mit den Worten:Hier ist es!" dem General einen Schlag ins Gesicht. Diese Scene soll sich in Gegenwart eines Regimentsadjutanten und des Chefs des Divisions- Generalsstabs abgespielt haben.

* Sonderbare Ehrenkränkung. Ein Pariser Apotheker, der ein Bandwurmmittel erfunden, stellte unlängst einen Band­wurm, von welchem er den Deputirten 3E. befreit hatte, aus, und setzte darunter den vollen Namen des ehemaligen Besitzers. Der Herr Deputirte wurde, als er dies vernahm, höchlichst erbost, und so glücklich er auch war, durch das Mittel des Apothekers den unliebsamen Gast losgeworden zu sein, ver­klagte er den Heilkünstler doch wegenEhrverletzung".

* In Köslin soll nach einem Beschluß vom 4. Mai 1857 ein Bürgergeld von 15 Mark bezahlt werden. Von einem sehr bedeutenden Theile der Bürger ist dasselbe aber im Laufe der Jahre unerhoben geblieben. Diese nun, unter ihnen Personen, die schon mehr als 30 Jahre treu ihre Bürger­pflichten erfüllt haben, erhielten im Juli d. I. eine Auf­forderung zur Nachzahlung der 15 Mark. Als diese nicht erfolgte, wurden etwa 500 Bürger ans der Bürgerliste gestrichen.

* Der Ortssinn der Thiere. DerPf. Ztg." wird ans Bergzabern, 3. December, gemeldet: Ein hiesiger, die Schweinezucht treibender Einwohner vermißte des Abends beim Nachhausekommen seine Zuchtsau, die im Stalle nirgends zu finden war. Nach längerem Suchen wurde dieselbe endlich entdeckt und zwar im Schlafzimmersanft schlummernd" in einem Bette liegend. In seinem Alleinsein hatte das Borstenthier die Thüre offen findend, sich auf eine Erforschungs­reife begeben, war so auch an das Bett gerathen und hatte, dessen Zweck ahnend, es sich bald darin bequem gemacht. Die Spuren der Reise waren natürlich überall bemerkbar durch umgeworfene Stühle und Kästen, zerrissene Vorhänge u. f. w. Die Freude des Wiedersehens war denn, wie man sich denken kann, sehr verschiedener Natur.

* ein Dauerschläfer. Man berichtet aus Passau, 2. Dec., daß ein Braugehülse auf der Jnnbrücke aufgefunden und wegen Starrkrampf ins Krankenhaus verbracht worden ist. Es handelt sich um denselben Mann, der im Jahre 1884 als Soldat 162 Tage, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, im Schlafe lag.

* Vom Militärgewehr. Im Jahre 1770 erfand der alte Dessauer den durch seine Schwere wirksamen eisernen Ladestock, statt des zerbrechlichen hölzernen. Prinz Friedrich ! von Braunschweig führte die cylindrischen Ladestöcke, die daS I zweimalige Umdrehen der konischen ersparten, ein. Jetzt