Nr. 287 Erstes Blatt.
Donnerstag den 8. December
1892
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen.
Hraiisöeitage: Hießen er KamMenökätter.
Deutsches Reich.
Neueste Nachrichten.
'6“l,u,us' iwciuc icui oeniinmi sein, oas Verbleiben hpa f c> (nnvwiH’ p o v1t u /■' D vt,u xjtccmoer
Ministers des Auswärtigen beweise, daß in der Richtuna der aehHuhr > cw V • )r ,^c9lnnen^/ studet im Regierungsauswärtigen Politik Frankreichs sich nichts geändert habe Ausschusses hTr «" ^"^^ntliche Sitzung des Provinzial-
Brüffel, 6. December. «ufberWflMcTnf?««» P^er^effen-mitno*ne®enber Zage«,
hob Wilson die Gefahr hervor, welche in der Möglichkeit I 9öherft?Jp s Enteignung von Gelände zum Ausbau der
einer Einstellung der Siiberkäuse in Amerika und der Unter-
der Enteignung.
Beschwerde des Hermann und Jacob
Deutscher Reichstag.
9. Sitzung. Dienstag. 6. December 1892.
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tilgenden Lag erscheinenden Nummrr bis vor». 10 Uhr.
«fle «nno»cen.vureaux bd > mü ÄnileaM nehm« I«|cigcn für den .Gießener Ii|tiger* mtgeae».
Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Vieneljöhriger Köonnemeutsprei» i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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Der Obßensr Anzeiger erscheint täglich, Mit LuSnahme deß MontagL.
Die Gießener VE«ikien ßtätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt.
-§ur derathung gelangt eine Interpellation des Abgeordneten (Centrum) bett, die Organisation des Handwerkerstandes und die Regelung des Lehrlingswesens.
2lbg. Hitze (Ctr.) verlangt die Einführung des BesLhigungs- nachwttses und der obligatorischen Handwerkerkammern. 9 RefforM:“m?Wrh°- ?xi“‘*£r L6““ bie Absicht der belheiliglen Ressorts mit, bei der Losung der Frage, das Handwerk in Hand- Smf»eh?!ni6rnh^ teiJ?xHaIcr Abgrenzung zusammenzufassen, mit «An y * 6 der Beaufsichtigung des Lehrltngswesens, der Elftattung hl, Überc ^werbliche Fragen, der Berichterstattung über
bc8r®en,et&c§l- außerdem die Aussicht über die Ausbildungs- Hne d® L 0tao6ken ■8«hl f-cullalioer Befugnisse. Deftni-
m m Seitens der Regierungen noch nicht gefaßt Der
m“ Zuständig doibereiteten
wird «genommenb<§ (6,r')' b'-D'seusston,u eröffnen,
9?ei^tage finden, da verlautet, baß mru freisinuioerseits dieselben zur Sprache bringen will. Eine besondere Angelegenheit wird diejenige der parlamentarischen Unverletzlichkeit des neuen Reichstagsabgeordneten für Arnswalde Friedebera bilben, die Frage durste im Reichstage lebhafte Erörterungen veranlassen. a
Gießener Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
brü Jung der Silberausprägung in Indien liege. Mae Creary eruärte, seit 1881 habe sich die Lage verschlimmert, Roth- fchüds Project sei unwirksam, der einzige Ausweg sei der Bimetallismus. Nachdem Wilson seinen Bericht erstattet hatte, zog Rothschild seine Anträge zurück.
Washington, 6. December. Die Jahresbotschaft des Präsidenten Harrison an den Kongreß hebt hervor, daß die Lage des Handels und der Industrie der Vereinigten Staaten äußerst günstig sei. Es sei anzunehmen, daß der Schutztarif durch einen Taris, welcher zu Zwecken der Staatsrevenuen dienen soll, werde ersetzt werden. Die Frage wegen der Tarifrevision sei jedoch dem neuen Congresse zu überlassen. Schwere Zeiten für die Industrie würden in Folge einer neuen Zollpolitik zu befürchten sein. Wenn die Münzconserenz zu keinem Resultate führe, würden die abgeneigten Staaten durch die Handelsverhältnisse gezwungen sein, sich mit der Union zu vereinen, um eine Vermehrung des gemünzten Geldes zu sichern- den Goldabflüssen nach Europa müsse entgegen getreten werden.
Airrtlicher Theil.
Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche.
In den Orten des Kreises Büdingen: Nidda, Aulen- diebach uud Düdelsheim ist die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen, lieber Nidda ist die Gemarkungssperre, in beiden anderen Orten ist Gehöftsperre verhängt worden.
Gießen, den 6. December 1892.
Berlin, 6. December. Im Reichstage steht der Beginn der Generaldebatte über die Militärvor- lage, mit welcher Berathung zugleich die erstmalige Erörterung der drei neuen Reichssteuergesetzentwürfe verbunden ' unmittelbar bevor. Nachdem die schwebende Militarfrage schon bei der ersten Lesung des Etats vom allgemeinen Standpunkte aus drei Tage lang erörtert worden i..e,n,8«tn“&cn schwer halten, in der eigentlichen Generaldiscuspon hierüber noch neue Gesichtspunkte aufzu- Men. V-rmmhlich werden daher in der Hauptsache die einzelnen Parteien nochmals ihre Stellungnahme zu der bei Weitem wichtigsten Frage der deutschen Tagespoliiik kennzeichnen, wahrend die specielleren Verhandlungen mit Ab- anderungsamrägen u. s. w. naiüilich erst in der Militär- commission des Reichstages zu erwarten sind. Ob die drei Steuervorlagen einer besonderen Commission oder ebenfalls I ber alsdann unzweifelhaft zu verstärke,iden Militärcommifsion überwiesen werden, bleibt noch abzuwarten.
m — An, ?,em tl0? immer nicht zum Abschlüsse gelangten
1,1 ®“*en ^r „Iudenflimen" macht em Zwischenfall tue/ von sich reden. Es sind nämlich seitens des Angeklagten Ahlwardt AcienstÜcke aus dem preußischen Kriegsrnmisteriurn überreicht worden, durch welche die Ihr brauchbarkeit der Lllwe'scheu Armeegewehre angeblich sest- gestellt worden sei. Weniger wegen dieses behanpteien Nachweises erregt indessen das erwähnte Votkommmß Aussehen, als vielmehr deshalb, weil die betreffenden amtlichen Docu- mente nur in Folge einer Jndiscretion in den Besitz des Angeklagten gelangt fein können, cs sind deshalb von zuständiger Seite bereits Borerhebungen in der Affaire an- gestellt worden. Im Uebrigen dürste aber der Inhalt dieser Actenstücke den weiteren Gang des Processes gegen Ahlwardt ntdjt fonderlich beeinflussen, wie aus der hierüber am Moniag Nachmittag gepflogenen öffenilichen Verhandlung des Gerichts- hoses hervorgeht. Denn aus den zur Verlesung gelangten ©tf)rtftftutten ergiebt sich, daß bei einer Landwehrübung in Wesel allerdings 520 Gewehre von 939 Gewehren aus der Urne scheu Fabrik reparaturbedürftig gewesen sind. Der vernommene Sachverständige Oberst Brackei erklärte indessen aus der Reparaturbedürftigkeit so vieler Gewehre könne man noch keinen Schluß auf deren Kriegsunbrauchbarkeit ziehen, ^zn früheren Fällen sei das Verhältniß dasselbe gewesen: die geringsten Fehler machten die Gewehre reparaturbedürftig ohne indessen hierdurch deren Brauchbarkeit auch nur im Geringsten zu beeinträchtigen. In ähnlicher Weise äußerte }!* “Ud) mEr H°>buchftnmacher Barella. Im klebrigen zieht sich der Proceß namentlich durch das Verlangen des Anae- klagten und seines Vertheidigers nach Beschaffung immer neuer Zeuge» zu Gunsten Ahlwardts in die Länge Unter Slnberm sind auf Antrag des Rechtsanwalts Hertwig, des Vertheidigers Ahlwardts, Graf Hohenthal, der Freiherr von Wackerbarth und der Ingenieur Paasch ■ als solche Zeugen vorgeladen worden. Die genannten drei Herren sollen zusällw Odrenzeugen geworden sein, wie sich Isidor Löwe, der kaus- mannische Director, und Oberstlieutenant a. D Kühne der technische Director der Löwe'schen Gewehrfabrik, in einem Berliner Restaurant einem höheren Militär gegenüber angeblich verächtlich über die vaterländische Armee geäußert und sich darüber lustig gemacht haben, wie leicht die Revisionsbeamten zu täuschen seien.
_ Inzwischen hat nun im Wahlkreise Arnswalde Stichwahl zum Reichstage stattgesunden und ^veittllos. die Wahl Ahlwardts gegenüber dem Freisinnigen' Lrawe ergeben, obwohl am Dienstag genauere Ziffern von Jic’ci. interessanten Wahl noch nicht Vorlagen. Von den lnti'emiten war die rücksichtsloseste Agitation entfaltet vorden, um ihrem Eandidaten zum Siege zu verhelfen, für vclchen auch behördliche Einflüsse thätig gewesen sein sollen, crminhltch werden diese Vorgänge noch ein Nachspiel im 1
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 6. December. Die „Kreuzztg." bementirt die au§ der Hofgesellschaft stammende Nachricht der „Post" über bte Absicht des Prinzregenten Albrecht, sich von der Regentschaft Braunschweigs zurückzuziehen. Das Regent- Rcich°Mnd^ toiber,pred,e bcr Erklärung Braunschweigs als
Berlin, 6. December. Die Vorlagen betr. Brau-, Branwtwein- und Stempelsteuer sind heute dem Reichstag zugegangen.
Berlin, 6. December. Gehcimerath Werner v. Siemens ist heule gestorben.
Mannheim, 6. December. In der bayerischen Pfalz constttuirte sich eine neue deutsch-nationale Partei, reeldie in politischer Beziehung liberale, in wirthschastlicher Beziehung couservative Grundsätze vertreten will. Das Programm der Partei tritt ein für die Monarchie, die nationale Einheit, den Ausbau der politischen Volksfreiheiten, den Schutzzoll und die Bekämpfung der Socialisten.
Köln, 6. December. Der „Köln. Volksztg." zufolae versucht der Dorlmnnder Kohlenverkaufsverein auf nächst- ^rige Sommerlieferung große Posten melirte und Forderkohlen, angeblich 250000 t, nach den Ruhrhäsen abzustoßen, wobei nur 52 bis 55 Mk. für Förderkohlen, 62 b>s 65 Mk. für melirte Kohlen ab Zeche bleibe.
Mons, 7. December. Die Theilausstände sind beseitigt durch die Einberufung eines außerordentlichen Congreffes zwecks sofortiger Festsetzung des Datums für den Ausbruch eines allgemeinen Ausstandes.
hält es nicht für angebracht, in dem k o“c01,! bcr ®ö($e eine Discuision vorzunehmen Eine | Äw Ä'ÄÜ’ÄÄ'*'' ‘
Abg. Rickert (bsr.) bittet ebenfalls die Regieruna. st» mit der ui"lber?«r6 C "k6 Caä Handwerk betreffenden Geietzentwurfes nicht H°L7e7,u"«w7ck^ Ca°°r' b'i b-n H-ndwerkern uner'süllb^e tens^^?rothsbevollmächiigter H-ndelsminister Frhr. v. Ber- b,^ C>°stwlrihe gehöre nicht hierher. Es werde q! u0^n ?4n gelammten Handwerks und die Regelung des erstrebt Die bezüglichen Vorlagen stunden bet den ^i*!CLUnßkn in£fc£" allgemeinsten Umrissen fest, deshalb sei es nicht angebracht, aus Einzelhetten einzugehen.
N m r (Giro tritt für die Rechte der Innungen ein.
frhnn Ä’ ? uCr ^oc)‘ Die letztge Materie sei endlos und oft morden, auch hmte let sie dlos angkschnitten, weil FLc" Mahler welchen man im Vorjabre vor den Äopf gestotzen habe, wiedergewinnen wolle. Redner bekämpft vom social-stischen Hoffnungslollgkttt.^°'e Bestrebungen der zünfilerischen Kreise unbbmn „L,.. a69' vermiet bei den Erklärungen der Re-
feft6alle<n ' yeu®crun8 flber ben Befähigungsnachweis, woran er
Wolffs telegraphisches Corresvondenz-Bureau.
Wien 6. December. Eine Cicular - Verordnung des Knegsm,msters macht bekannt, daß der Kaiser dch Erhöhuna des Friedenssta ndes von 25 Jnfantcricregimentern um 9 Mann pro Feldcompagnie ab l. Januar 1893 genchmiate
Budapest, 6. December. Infolge Schneesturms ist der Verkehr auf den Straßenbahnen theilweise unterbrochen, die Eiicnbohnzüge sind stark verspätet eingetroffen und au einigen Bahnen ist der Betrieb gänzlich eingestellt.
. £embcrS- 6. December. In ganz Galizien sind seit gestern belttge Schneestürme und Schneeverwehungen
Pans, 6. December. Carnot präsidirte der Sitzung des neuen Cabirtets und unterzeichnete die Ernennungsdecrete. Es verlautet, die ministerielle Erklärung in der Kammcrsttzung am Donnerstag werde sich sehr entschieden aussprechen über die Prittcipien der Trennung der richter- tchen und legislativen Gewalt. Die Regierung werde die sofortige Besprechung einer etwaigen bezüglichen Interpellation acceptiren. Betreffs der äußeren Politik werde die Regierung versichern, daß mit allen Nationen gute Beziehungen be- ftanbeu Die Erklärung über die friedlichen Gesinnungen ! be» Sabmet^merhe febr bestimmt sein, das Verbleiben des
Abg Goldschmidt (btt.) klagt über die ungerechte x>-ron>ieb»nn iunej!airäflen3a61 @aflroit‘be DCn bcr Gastwttthsinnung , ,, Handelsminiffer v. Berlepsch erblickt darin keine Ungerechtig- $efugni68e *C6e b " Ausübung der behördlich übertragenen
Nach Bemerkungen einiger Abgeordneten schließt die Siünnk, M ^mSUn6 f'nbet Moxtt:
Gießen, 7. December 1892.
— Provinzialausschuß-Sitzung. Samstag den 10. December
Rom, 7. December. Kaiser Wilhelm II. hat in etner herzlichen Depesche an König Humbert diesem den Erfolg der Leoncavalloffchen Oper mitgetheilt und Italien I dazu beglückwünscht.
Rom, 7. December. Einern furchtbaren Sturm in I ortovenere (Calabrien) sind drei Dreimaster zum Opser ae- [ fallen. Zehn Mann sind ertrunken.
London, 7. December. Ein parlamentarisches Comite der Gewerkschaften erläßt eine von 11 Arbeiterabgeordneten unterzeichnete in drei. Sprachen abgefaßte Einladung zu dem 1 Gon9re6 London am 8. Juni
1893. Auf dem Programm steht a. A. der Achtstundentag. Bedingung ist, daß jeder der Delegirten Arbeiter und Mitglied der verbreiteten Gewerkschaft ist. Andere Arbeiter sind ausgeschlossen.
Washington, 6. December. Das Repräsentantenhaus wurde eröffnet. Ein Gesetzentwurf wurde eingebracht, wonach die Einwanderung nach Amerika vom 3. Januar 1893 ab vollständig suspendirt werden soll. Ausgenommen sind nur Einwanderer aus anderen Staaten Amerikas, sowie Fremde, welche nachweislich vorübergehenden Aufenthalt nehmen. Der Gesetzentwurf geht sofort dem Senat zu. Ferner ging ein Gesetzentwurf betreffend Ausgabe von <3 Millionen Dollars Obligationen, amortisirbar in Baar nach 10 Jahren, ein.
Locales tint provinzielles.


