Ausgabe 
8.9.1892
 
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Nr. 209

Donncrsiag den 8. September

1892

Der chleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

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Gießener Aii',einer

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Amtlicher Therl.

Bekanntmachung,

Die Wahlen zum Kreistag des Kreises Gießen durch die 50 Höchstbesteuerten des Kreises betreffend.

Von den im Jahre 1887 für die Dauer von 6 Jahren ?urch die 50 Höchstbesteuerten des Kreises gewählten Mit­gliedern des Kreistages haben mit Ablauf des Jahres 1892 auf Grund des Art. 26 der Kreis- und Provinzialordnung auszuscheiden die Herren: Hüttenbesitzer Gg. Buderus, vollar, Gutspächter von Cuen, Hungen, Guts­besitzer Lchlenke, Hardthof bei Gießen.

Außerdem scheidet aus der im Jahre 1890 an Stelle )es verstorbenen Herrn Freiherrn Adolf von Nordeck zur Rabenau für den Nest der Dienstzeit deffelben gewählte Herr Rechtsanwalt Hirschhorn zu Gießen.

Sodann ist durch Tod ausgeschieden der im Jahre 1890 gewählte Herr Freiherr Adalbert von Nordeck zur Kabenau.

Für diese 5 ausscheidenden, bezw. ausgeschiedenen Mit- tlieber haben Ersatzwahlen durch die 50 Höchstbesteuerten 'es Kreises stattzufinden. Unter Bezugnahme auf Art. 21 »er Kreis- und Provinzialordnung wird nachstehend das ^erzeichniß der persönlich oder durch Stellvertreter zur Theil- lahme an der Wahl der 50 Höchstbesteuerten des Kreises ließen Berufenen unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß ebracht, daß der mit dem geringsten Steuerbetrag Auf- enommene ein Communalsteuercapital von 2350 Mk. besitzt.

Anträge auf Berichtigung dieses Verzeichnisses sind innen einer unerstrecklichen Frist von 4 Wochen nach Aus- abe.des Blattes, welches die Bekanntmachung enthält, bei 'ceidung der Nichtberücksichtigung bei dem KreiSM^sch»K orzubringen.

Gießen, den 3. September 1892.

Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.

Namens deffelben:

x v. Gagern.

Verzeichnitz

der 50 Höchstbesteuerten des Kreises Gießen.

Actienbrauerei, Gießen.

Adami, Heinrich, Gießen.

Bock, Sigismund Wwe., Gießen.

Buderus'sche Eisenwerke, Lollar und Gießen.

Bücking, Ludwig, Gießen.

Burk, Ferdinand, Gießen.

Friedel, Wilhelm, Gießen.

Gail, Wilhelm, Gießen.

Georgi, Ludwig, Gießen.

Grobherzogliches Haus (Familieneigenthum). I

Großherzogthum (Landeseigenthum).

Heichelheim, Sigismund, Gießen. Hessisch-Nheinischer Bergbauverein, Gießen. Heß, August, Gießen.

Heyligenstaedt, Louis & Comp., Gießen.

Hornberger, Gebrüder & Söhne, Gießen.

Jhring, Johann Heinrich, Lich.

Katz, Aron, Gießen.

Klingspor, Karl, Gießen.

Koch, Konrad VL, Gießen.

Königreich Preußen (Eisenbahnfiscus), Hannover.

Krelschmar, Dr. Gustav, Professor, Gießen.

Mettenheimer, Dr. Adolph, Gießen.

Montanus, August, Gießen.

Möser, Heinrich I. Wwe., Gießen.

Müller, Karl, Leihgestern (Neuhof).

Noll, Adolph Wwe., Gießen.

v. Nordeck zur Rabenau, Frhrl. Adalbert'sche Nachlaß­verwaltung.

M Frhr. gerb. Karl, Darmstadt.

Ft ,/ Gesammtfamilie.

rt ,, Freifrau Karl Wwe.,Darmstdt.

f, ,/ Freiherr Victor, Gießen.

Pascoe, Samuel, Gießen.

Perthes, Rudolph, Oberst, Gießen.

Röhrle, Gebrüder, Gießen.

Scheid, Louis, Gießen.

Schirmer, Heinrich, Gießen.

Seuling, Wilhelm, Gießen.

Schlenke, Karl, Gießen (Hardhof).

Solms-Braunfels, Fürst zu, Braunfels.

» // Prinz Hermann zu, Hungen.

Solms-Hohensolms-Lich, Fürst zu, Lich.

r, 3( Prinz Ludwig zu, Lich.

^vn«v.^au^a 211 ^back.

Silbereisen, Eduard, Gießen.

Textor, Friedrich Wwe., Gießen (Hardt).

Walderdorf, Graf, Wiesbaden.

Wafferschleben, Erich, Gießen.

Will, Dr. Heinrich, Professor Wwe., Gießen. Zimmer, Georg Karl, Heidelberg-Neuenheim.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. September. Die längere Audienz, welche Reichskanzler Graf Caprivi am Montag Abend beim Kaiser in Potsdam hatte, wird allseitig mit den kaiserlichen Ent­schließungen in Sachen der neuen Militärvorlage in Verbindung gebracht. Die Blättermittheilung von Differenzen, welche zwischen dem Reichskanzler und dem Finanzminister Dr. Miquel wegen der signalisirten Militärvorlage aus­gebrochen sein sollten, erfährt in einer anscheinend officiösen Berliner Correspondenz desPester Lloyd" ein entschiedenes Dementi. Im Anschlüsse hieran bestätigt die erwähnte Correspondenz die neueren Meldungen über den Inhalt des

angekündigten Entwurfes, als dessen Hauptpunkte hiernach die thatsächliche Einsührung der zweijährigen Dienstzeit bei der gesammten Infanterie und die Erhöhung der jährlichen Rekrutenzahl erscheinen. Auch gibt der Berliner Officiosus zu, daß die neue Vorlage starke Mehrsorderungen dauernder Natur mit sich bringen werde, doch schweigt er sich über die Mittel zu deren Deckung wohlweislich aus.

Ausland.

In Böhmen stehen für den 29. September Ersatz­wahlen zum Landtage bevor. Elf Abgeordnete, welche zu der sogenannten Windischgrätz-Gruppe der parlamentarischen Fraction des böhmischen Großgrundbesitzers gehörten, haben ihre Mandate niedergelegt, und zwar unzweifelhaft, weil sie mit der keineswegs ausgleichsfreundlichen Haltung des feudalen Großgrundbesitzes Böhmens nicht einverstanden sind, lieber die Candidaten des Großgrundbesitzes für die somit erledigten Mandate verlautet noch nichts Näheres, vermuthlich wird man aber von czechischer Seite alle Hebel in Bewegung setzen, damit die bevorstehenden Ersatzwahlen im Sinne der Ausgleichsgegner in der Prager Landstube aussallen.

In Ehambery, der Hauptstadt Savoyens, ist in den Tagen des 4. und 5. September die Jubelfeier der 100jährigen Zugehörigkeit des Herzogthums Savoyen zu Frankreich festlich begangen worden. Präsident Carnot selbst, ferner der Ministerpräsident Freycinet und der Minister des Auswärtigen, Ribot, wohnten der Feier von Chambery bei, wodurch dieselbe eine von selbst in die Augen springende politische Bedeutung erhielt. Unter den in Chambery gehaltenen Festreden muß man diejenige Carnots auf dem von der Stadtverwaltung Chamberys ge­gebenen Prunkmahle wohl als die bedeutendste betrachten. Sie charakterisirte sich als ein warmer Appell an die Einigkeit

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Neueste Nachrichten

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Straßburg, 6. September. Der Statthalter publicirt in kaiserlichem Auftrage, daß die Kaisermanöver in Lothringen abbestellt seien, weil der Kaiser in warmer landes­väterlicher Fürsorge für das Wohl der Bevölkerung vermieden wissen wolle, daß durch die zusammengeströmte patriotische Bevölkerung Gefahr für ihre und ihrer Familien Gesundheit entstehe. Der Kaiser bebaute schmerzlich, daß er die zuge­dachten Huldigungen der braven lothringischen Bevölkerung nicht entgegennehmen könne.

Petersburg, 6. September. Die Commission, die zur Berathung der zwischen Deutschland und Rußland schwebenden wirtschaftlichen Fragen eingesetzt ist, tritt, wie ver­lautet, im Lause der Woche zu einer Sitzung zusammen. Der Commission gehören der Minister der Finanzen, des Innern, der Domänen und des Auswärtigen an.

Feuilleton.

Der Vetter aus (Kalifornien.

Novelle von E. Rudorfs, 'ersassertn des preisgekrönten Romans:Durch Leid zum Licht".

(Schluß.)

Am nächsten Tage erschien Walter zu passender Stunde ei dem Rechnungsrath und bat um Liesbeths Hand. Er ügte hinzu, daß er bereits eine feste Anstellung in einer Fabrik erhalten habe, welche ihm gestatte, seiner zukünftigen Gattin ein angenehmes Daheim zu bieten.

Der alte Herr war geradezu erstarrt, an eine solche Eventualität hatte er nicht im Entferntesten gedacht. In emeffener Weise erwiderte er, daß die Empfehlung seines Neffen Wilhelm Berg ihm und seiner Gattin eine Bürgschaft emefen sei, daß sie es mit einem ehrenwerthen Manne zu hun gehabt und daß Walters ganzes Verhalten die günstige Reinung gerechtfertigt habe, welche sie ihm entgegengebracht äiten. Er werde feine Gattin von dem ehrenvollen Antrag 1 Kenntniß setzen, sie würden dann beide vereint das Herz )res Kindes prüfen und falls Liesbeth ihm geneigt erscheine, 1 wenigen Wochen einen Bescheid ertheilen.

Als Walter hierauf bemerkte, daß Liesbeth der feuern Eltern Zustimmung erwartend ihm schon ihre Neigung gestanden, fuhr Zorn sich an den Kopf, er glaubte 4 träumen, was er soeben vernommen, lag für ihn völlig 116er den Grenzen des Möglichen, zu Erwartenden!

Sieben kurze Wochen, in welchen diese jungen Menschen miteinander verkehrten, hatten bei seiner Tochter hingereicht, um sich zu einem Bunde für das Leben zu entscheiden! Und er hatte seitder Kleinen" Confirrnation drei Jahre sich mit dem Gedanken getragen, ob er Herz und Hand dem lieben Mädchen anbieten solle? Und wäre Augustchen nicht so ur­plötzlich eine Waise, hilf- und schutzlos geworden, vielleicht hätte er noch recht geraume Zeit über diesen hochwichtigen Schritt nachgedacht. Also die beiden waren einig, er würde sein liebes Kind verlieren! In diesem Augenblicke traten alle die liebenswürdigen Eigenschaften des holden Mädchens in ihr volles Licht. Zorn, von den widerstreitendsten Gefühlen bewegt, ließ sich erschöpft in seinen Sorgenstuhl nieder und sprach in rührenden Worten aus, wie schwer es ihm fallen werde, Liesbeth sortzugeben.

Walter wußte jedoch dem Rechnungsrathe überzeugend auseinanderzusetzen, daß er Liesbeth behalten und noch einen ihn liebenden, dankbaren Sohn bekommen würde. Diese Rechnung konnte stimmen und damit war bei Zorn viel ge­wonnen. Der alte Herr gab, nachdem er sinnend eine Weile gesessen, um zur nöthigen Fassung zu gelangen, unter dem Vorbehalt, dgß seine Gattin ebenfalls geneigt sei die erbetene Einwilligung zu dem Herzensbunde. Fürs Erste müsse derselbe jedoch geheim bleiben, fügte er hinzu, da die feierliche Verlobung und Veröffentlichung dieses Familien­ereignisses nicht früher stattfinden könne, als bis sein Neffe Wilhelm Berg in D. eingetroffen sei.

Der brave Mann hatte es alle die Jahre hindurch wie einen Stachel empfunden, daß er nicht ganz correct in Bezug

auf feinen Schwager, den ehemaligen Trompeter, gehandelt habe. Dies wollte er jetzt auf eine eclatante Weise sühnen, indem er auf dessen Sohn wartete, um die Verlobung zu proclamiren. Wilhelm Berg würde daraus ersehen, daß er ein theueres, hochgehaltenes Mitglied dieser ehrenwerthen Familie sei.

Die Rechnungsräthin, wie sehr das Glück ihres einzigen Kindes sie auch erfreute, war geradezu erschreckt über die Schnelligkeit, mit welcher Zorn seine Einwilligung gegeben und bereits einen Zeitpunkt der Verlobungsfeier ins Auge gefaßt hatte. Das war völlig außer seiner Art. Wäre Augustchen nicht eine so einfache, gesunde Natur gewesen, sie hätte ein Grauen, die Ahnung von etwas Düsterem, Verhäng- nißvollem angewandelt.

Den Liebenden war es durchaus gleichgiltig, zu welcher Zeit fremde Menschen einen Einblick in ihr Herzensleben erhielten. Jeder Augenblick war so reich, so voll der köst­lichsten Gefühle, daß sie gleichwie auf einem Meere des Glückes trieben, bei welchem Nachdenken und Sorgen ganz ausgeschloffen bleibt.

Stunden und Tage gehen aber ihren vorgeschriebenen Weg, unbekümmert um der Menschen Herzensweh oder deren aufjauchzende Freude. So nahte auch der Tag, an welchem Wilhelm Berg im Hause des Rechnungsrathes erschien und von der ganzen Familie auss Beste empfangen wurde. Hold und innig begrüßte Liesbeth den Vetter, doch die Theorie von der Stimme des Blutes" erhielt bei ihr durch den Verkehr mit ihm einen argen Stoß. Nie würde ihr Herz das empfand Liesbeth mit nicht zu erschütternder Gewißheit