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Mittwoch den 7. September

1802

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

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eb

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Amtlichem Therl.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

lieber die Gemarkung Düdelsheim, Kreis Büdingen, wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche die Sperre rhängt worden.

Gießen, den 3. September 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

_______________v. Gagern.___________________

Bekanntmachung.

Die auf Mittwoch den 7. September anberaumte

Yeneralversammlung des landwirthschaftlichen Provinzial-Vereins

nach Mittheilung des Vereins-Präsidiums vertagt worden.

Gießen, den 4. September 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gieben.

v. Gagern.

Deutsches Seich.

Berlin, 5. September. Des Pudels Kern bei dem urcheinander von ofiiciösen und nichtosficiösen Mittheilungen er die erwartete neue Militärvorlage scheint nun doch Erhöhung und Festlegung der Friedenspräsenzstärke aus if Jahre zu sein. Es würde sich demnach um ein Quinquennat nbeln, nach dem Vorb'.lde der fünfjährigen Volkszählungs- d Wahlperioden im Reiche- als Aequivalent wird die Reichs- sierung vermuthlich die Abkürzung der Dienstzeit bei den ißtruppen zugestehen. Was die dauernden Mehrkosten, welche rch die neue Militärvorlage veranlaßt werden, anbelangt, werden sie auf siebzig bis achtzig Millionen Mark jährlich gegeben, eine Summe, welche dem Reichstage die strengste üsung der signalisirten Vorlage zur Pflicht macht.

liwcfte llac^ricbUn.

WolffS telegraphisches Corrtspondenz-Bureau.

Potsdam, 5. September. Der Kaiser kehrte um 8 Uhr orgens zurück und begab sich alsbald in das Marmor­lais.

Halle (Westfalen), 5. September. Amtliches Ergebniß r Reichstagswahl im Kreise Halle-Herford. Hammer- in (cons.) 7630, Delius (nat.) 3160, Buskühl (dsr.) 1884, wiener (Soe.) 1785, zersplittert 28 Stimmen.

Breslau, 5. Seprember. Der fünfte deutsche Berg­an n s t a g wurde heute Vormittag in der Aula der Uni- rsität mit einer Ansprache des Berghauptmanns Pinno öffnet, der die Erschienenen begrüßte und auf die Fort­ritte des Bergbaus hinwies. Der Oberpräsident dankte

und begrüßte die Vertreter des Verwaltungszweiges als die Blüthe Schlesiens. Zum Vorsitzenden wurde Pinno gewählt. Die wiffenschastlichen Vorträge eröffnete Professor Riedler- Charlottenburg.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 5. September. Der anstatt des ausfallenden Mechanikertages zu München angesetzte internationale Schrauben tag, eine Eonserenz behufs Einführung einheit­licher Schraubengewinde, findet wegen der Choleragefahr auch nicht statt.

Berlin, 6. September. DieBerl. Pol. Rachr." treten der Ansicht entgegen, als ob mit der bevorstehenden Regelung der Abzahlungsgeschäfte deren Beseitigung geplant fei. Es handle sich vielmehr nur darum, die Auswüchse darin zu beseitigen.

Stettin, 5. September. DerOstseezeitung" zufolge hat der Kaiser beschloffen, am 17. September eine zweite Flotten schau in der Bucht von Heringsdorf abzuhalten.

Brüssel, 5. September. Eine Ordre des Kriegs­ministers sagt alle Einberufungen von Reserven für dieses Jahr ab.

Genua, 5. September.Prinzeß Wilhelm" ist ein­getroffen, Südweststurm erschwert die Einfahrt in den Hafen.

Helfingsors, 5. September. Starke Nachtfröste in den nördlichen und östlichen Theilen Finnlands haben das unreife Sommergetreide und den Roggen schwer beschädigt und wird eine allgemeine Mißernte befürchtet.

Berlin, 6. September. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Der Kaiser nahm Abends Vorträge des Reichs­kanzlers, des Staatssecretärs des Innern und des preußischen Kriegsministers entgegen. Wie _bicNordd. Allgemeine Ztg." hört, wäre der Ausfall der Kaisermanöver des 8 und 16. Armeecorps an Allerhöchster Stelle beschlossen.

Mainz, 6. September. Nach einer vom Hofmarschallamt soeben hierher gelangten Depesche sind alle Kai serse st l i ch- fetten in Coblenz wegen der Cholera aufgegeben worden.

Die Cholera.

Die Gesammtzahl der bis Samstag Abend in Hamburg vorgekommenen Erkrankungen und Todesfälle an Cholera ist nunmehr amtlich bekannt gegeben worden. Sie beträgt 8141 und zwar 5623 Erkrankungen und 2518 Todes­fälle - von dieser Gesammtztffer entfallen auf die Zeit vom 26. August bis mit 3. September 528 Erkrankungen und 379 Todesfälle. Die eingetretenc Abnahme der täglichen Sterbesälle an Cholera hält an und gestattet diese Erscheinung den Schluß, daß die furchtbare Hamburger Epidemie ihren Höhepunkt endlich überschritten hat- hoffentlich wird sie dem­nächst völlig erlöschen. Die ans d-n übrigen Choleragegenden

Deutschlands vorliegenden Seuchemeldungen bieten zur Zeit kein besonderes Jntereffe dar.

Berlin, 5. September. Das Central-Comitö des Rothen Kreuzes beauftragte den Generalarzt Mehlhauser, eine größere Anzahl Aerzte und Krankenwärter auszuwählen, um sie im Nothsalle nach den von der Cholera infieirten Gegenden zu senden. Gleichzeitig bewilligte das Central- Comite namhafte Summen hierzu.

Berlin, 5. September. Dr. Guts mann, Director des Moabiter Krankenhauses, erklärte in der Sitzung der Sani­tät scommisfion, für Berlin seien bisher nicht die ge­ringsten Anzeichen der Choleraepidemie vorhanden, noch solche zu befürchten.

Berlin, 5. September. Amtlicher Cholerabericht. Hamburg am 3. September: 528 Erkrankungen, 379 Sterbe­fälle, am 4. September: 501 und 158, Altona am 3. Sep­tember : 17 und 10, im übrigen Schleswig am 3. September: 15 und 10. Hannover 1 Erkrankung. Coblenz 2 Erkrank­ungen, 2 Todesfälle. Rgbz. Potsdam 3 Erkrankungen und 3 Todesfälle. Ludwigslust 1 Todesfall. Bremen: bisher 5 Erkrankungen, davon 3 Todesfälle. Berlin: feit Samstag keine neuen Erkrankungen.

Hamburg, 5. September. Von Samstag Mitternacht bis Sonntag Mitternacht sind 501 Erkrankungen und 158Todte, bis heute Mittag weitere 108 Erkrankungen und 34 Todte constatirt. Gestern wurden 492 Choleraleichen beerdigt. Im Allgemeinen hat die Cholera nicht abgenommen. Es werden jetzt hauptsächlich die Vororte von ihr heimgesucht. Es erkranken und sterben vorwiegend Frauen aus befferen Ständen.

Hamburg, 5. September. Nach ärztlichen Schätzungen hat heute den ganzen Tag Abnahme der Erkrankungen stattgefunden. In den beiden Hauptkrankenhäusern zusammen waren Freitag Nacht 2086 Kranke - Zugang Samstag 296 Kranke, Abgang geheilt 115, gestorben 184, es verblieb somit in der Nacht zum Samstag ein Bestand von 2083 Kranken. Die Polizei verbietet heute den Transport von Leichen über die Grenzen des Hamburger Gebiets hinaus, wodurch die orthodoxen Juden betroffen werden, deren Friedhof in Langen­felde auf preußischem Gebiet liegt. Nothcomites haben sich bereits constituirt, es sind sehr erhebliche Beiträge eingegangen, ein Bankhaus zeichnete sofort 5000 Mark. Heute wurden weniger Leichen- und Krankenwagen gefahren. Auch die Be­wegung auf den Straßen ist bereits wieder lebhafter. Be­fremden erregt die Thatsache, daß die Zahl der Beerdigungen auf dem Centralfriedhof in Ohlsdorf erheblich größer ist, als die Ziffern des Medicinalbureaus angeben. Die Beerdi­gungsnummer ist feit dem 19. August von Nr. 8772 auf 14530 gestiegen, was eine Gefammtziffer der Leichen von 5758 ergibt. Selbst wenn die Zahl der an anderen Ursachen Verstorbenen hoch mit 1000 angenommen wird, verbleibt

Feuilleton.

Drr Vetter aus (Kalifornien.

Novelle von E. Rudorff,

:rfaffertn des preisgekrönten Romans:Durch Leid zum Licht".

(4. Fortsetzung.)

Nun, theuere Liesbeth, da Sie eine derartige Täuschung tschuldigen und mir gerade an Ihrer Billigung viel gelegen , so gestehe ich ein: ja ich bin Wilhelm!"

O, wie mich das erfreut! Als Ihr Brief eintraf, inte ich es sofort- und seitdem Sie hier sind, ist es mir n geworden, daß Bande des Blutes uns miteinander ver- nben müssen "

Liebes Mühmchen, die Eltern dürfen jedoch nichts da- )n erfahren."

Weßhalb nicht, Wilhelm? Ich bin gar nicht daran :wöhnt, vor den Theuren etwas zu verbergen. Und wenn ir auch anfänglich der Gedanke kam: wüßte ich wenigstens e Wahrheit, so fühle ich doch jetzt, daß mir ein großer Thell r Freude durch dies Verhehlen genommen wird."

Theuere Liesbeth, ich muß erst einer Sache, welche mir hr am Herren liegt, vollkommen sicher fein, ehe ich gegen n Papa mich ausspreche. So Gott roill,e wird es nicht nge dauern. Wir beide aber wollen uns schon jetzt darüber euen, daß wir miteinander verwandt sind und die Stimme s Blutes es meinem lieben Mühmchen gleich verrathen hat."

Nun kam eine fröhlich? Zeit für Liesbeth und Walter, kicher täglich im Hause des Nechnungsrathes erschien, denn fleißig er auch im Garten arbeitete, stets gab es an den

verschiedenen Anlagen etwas zu verbessern. Auch wußte der junge Mann so hübsch von dem fernen Lande und von seiner immer mächtiger sich regenden Sehnsucht nach der geliebten Heimath zu erzählen, daß die Stunden wie auf Flügeln dahin« rauschten. Der Rechnungsrath hatte länger als ein Menschen­alter hindurch nur Zahlen zum Gegenstände feiner Beobachtung gemacht- ihm fiel daher bie häufige Anwesenheit Walters gar nicht auf. Ebensowenig gewahrte er, daß Liesbeth immer hübscher und fröhlicher wurde. Die Nechnungsräthin bemerkte das Wohlgefallen, welches die beiden jungen Menschen an­einander fanden, allein sie wollte ruhig rote dies ja in ihrer Weise lag abwarten, ob Lorenz Walter oder Wil­helm Berg der rechte Mann für ihr geliebtes Kind fein würde.

Einige Wochen waren so in beglückendem Verkehr dahin- gegangen, als der Rechnungsrath Walter einlud, mit ihm und den ©einigen einen Ausflug nach Linkau, einem an der Eisen­bahn gelegenen Vergnügungsorte, zu unternehmen.

In heiterer Stimmung langte die kleine Gesellschaft in Linkau an. Walter forderte bann Liesbeth, als man den Kaffee eingenommen, zu einem Spaziergänge nach dem nahen Walde auf, dessen mächtige Baumkronen sich über die Villen und schmucken Häuser des Ortes erhoben. Der Weg zu dem Walde zog sich längs dem Rande eines schönen Wiesenplanes hin, und Liesbeth beschäftigte sich gar eifrig damit, allerlei zierliche Gräser und Blumen zu pflücken. Die Lust war lind und ein sanfter Windhauch strich über die Fluren. Das Mädchen sand es jedoch drückend heiß, die Brust war ihr beengt, das Athmen wurde ihr schwer.

Walter schien ebenfalls unter der Schwüle der Tempe­ratur zu leiden, denn er war viel schweigsamer als sonst und

wandelte eine Weile neben Liesbeth hin, ohne ein Wort zu sprechen, ja ohne sie nur anzusehen.

An dem Eingänge zum Walde stand eine Ruhebank und Liesbeth setzte sich als ob sie tobtmüöe sei schnell dort nieder. Walter nahm an ihrer Seite Platz- beide schwiegen.

Liesbeth zeigte, um der sie bedrückenden Stille ein Ende zu machen, Walter die soeben gepflückten Blumen, welche unter ihrer Hand sich zu einem hübschen Strauße zu ordnen begannen.

Wird dieser Strauß nicht reizend werden, Wilhelm?" Ganz reizend! Ich habe eine Bitte an Sie, Liesbeth!" Das Mädchen schaute zu ihm auf, allein etwas Fremdes in feinem Blick, in feinem ganzen Gesichtsausdruck ließ sie schnell das Auge wieder senken. Verlegen Ipielte sie mit dem hübschen Strauß.

Liesbeth wollen wir nicht Du zu einander sagen?"

Woher kommt Ihnen der Wunsch?

Es wäre doch so natürlich"

Das ist wahr, allein so lange die Eltern nicht wissen, daß wir uns so nahe stehen"

Die Eltern sollen es morgen erfahren! Dars ich nun Du zu Dir sagen, Liesbeth?"

Du sagst es ja schon!" Unbewußt trat das Du auch über ihre Lippen.

Liesbeth, Holde, Geliebte!" Walter umfaßte das Mädchen und drückte einen Kuß auf ihre Wange.

Wilhelm^ was thust Du!" rief sie, sanft ihm wehrend.

Liesdeih, ich bete Dich an, willst Du mein Weid werden ?"

Wieder schaute sie zu ihm auf in das kluge, freie, jetzt