Regierung amtliche Verhandlungen wegen der Vorgänge bei der jüngsten Reise des Fürsten Bismarck stattgefunden, jetzt von unterrichteter Seite ein entschiedenes Dementi. Dagegen bestätigt es sich, daß Fürst Bismarck noch vor seiner Abreise von Friedrichsruh ein Schreiben an den König Albert von Sachsen richtete, in welchem sich der Fürst beim König entschuldigte, daß er sich bei ihm wegen der Kürze seines Dresdener Aufenthaltes nicht erst habe melden könne. Dem Altreichskanzler ist nun dieser Tage ein ungemein huldvolles Antwortschreiben zugegangen, aus welchem Vorgang erhellt, das sich Fürst Bismarck nach wie vor der besonderen Huld des sächsischen Monarchen erfreut.
— Vor dem Schwurgericht zu Cleve begann am Montag der Sensaticknsprozeß in Sachen des Xantener Knabenmordes. Angeklagt ist der Schächter Buschhoff, derselbe bestreitet entschieden jede Schuld. Im Ganzen sind 99 Belastungszeugen und 18 Entlastungszeugen geladen. Die Vormittagssitzung wurde meist durch Formalitäten aus- gefüllt- in der Nachmittagssitzung gelangte hauptsächlich einer der Belastungszeugen, der ehemalige Schlächtermeister Tunker- mann, zur Vernehmung. Letzterer hatte sich im „Xantener Boten" gutachtlich dahin geäußert, daß ein Ritualmord vorliege. Bei seinen Aussagen verwickelte er sich aber in mehrfache Widersprüche, in Folge dessen der Gerichtshof auf, Antrag der Verteidigung beschloß, den Redacteur des genannten Blattes, Caplan Breffer, als Zeugen vorzuladen. Alsdann wurden noch die medicinischen Sachverständigen vernommen.
— In dem Anarchistenprozesse Höver und Genossen sprach das Reichsgericht am Montag das Urtheil. Dasselbe lautet gegen Höver aus 5 Jahre 3 Monate Zucht- I Haus, gegen Camin aus 6i/2 Jahre Zuchthaus, gegen Rennthaler aus die gleiche Strafe, gegen Ruff auf 5y2 Jahre Zuchthaus und gegen Winner aus 4 Jahre Zuchthaus - gegen sämmtliche Verurtheilten erkannte das Reichsgericht außerdem aus je zehn Jahre Ehrverlust. Freigesprochen wurde der Angeklagte Dobberstein, dem namentlich seine große Jugend zu Gute kam. In dem Prozesse handelte es sich um Verbreitung der „Grundsätze" eines anarchistischen Clubs in London, in denen die Ermordung des deutschen Kaisers und die Beseitigung der Verfassung des deutschen Reiches und der deutschen I Bundesstaaten eine Hauptrolle spielen.
— Hinter dem BerlinerWeltausstellungsplane I soll endlich Feuer gemacht werden, nachdem die Franzosen | sich anschicken, als Ausstellungsconcurrenten aufzutreten. Dem I Vernehmen nach beabsichtigt Reichskanzler Gras Caprivi die I verbündeten Regierungen zu ersuchen, amtlich Stellung in I der Frage der Berliner Weltausstellung zu nehmen, ferner | sand am Mittwoch eine Sitzung des gemischten Ausschusses I zur Förderung der projectirten Weltausstellung statt. Es I wird aber auch hohe Zeit, daß man sich in Berlin nunmehr I zu energischen Schritten ausrafft, soll der ganze Ausstellungs- I Plan nicht kläglich ins Wasser fallen. Zudem machen neben I den Franzosen auch die Belgier Miene, eine neue Welt- I ausstellung zu veranstalten, die in Antwerpen stattstnden soll, | und zwar sogar schon im Jahre 1894. Die Antwerpener I scheinen allerdings gewaltige Eile zu haben.
Nenefte Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Berlin, 5. Juli. Das „Militärwochenblatt" meldet, daß Generalfeldmarschall Blumenthal als Generalinspecteur von der 4. zur 3. Armeeinspection versetzt und dem Prinzen Leopold vonBayern die Stellung des Generalinspecteurs der 4. Armeeinspection übertragen worden ist.
Wien, 5. Juli. Der oberste Sanitätsrath sprach sich schon jetzt für Aufwendung außerordentlicher Mittel und weitgehende sanitäre Maßnahmen aus, falls ein Ausbruch der Cholera in Galizien und in der Bukowina ins Auge zu fassen ist. — Dem obersten Sanitätsrath theilte der Sanitätsreferent des Ministeriums des Innern, Kusy, die Maßnahmen der Regierung mit, welche anläßlich des Auftretens des Flecktyphus und anderer Jnftctionskrankheiten in Rußland bereits gegenwärtig an der galizisch-bukowinischen Grenze getroffen feien.
Paris, 5. Juli. Auch hier werden Maßnahmen zur Verhütung der Einschleppung der Cholera aus Asien getroffen. Uebrigens ist der Gesundheitszustand in Frankreich sehr befriedigend. Lediglich einige Fälle von Cholera nostras sind im Weichbilde von Paris infolge Zurücktretens des Seine- wasiers vorgekommen.
Trondtjem, 5. Juli. Die Schiffe „Kaiseradler" und „Siegfried" sind heute Vormittag um 11 Uhr nach Bodoe abgedampst. Der Kaiser begab sich auf die Yacht des Erb- großherzogs von Oldenburg, um diesen und seine Gemahlin zu begrüßen. Nachher nahmen die Letzteren nebst ihrer Tochter das Abendessen aus dem „Kaiseradler" ein.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 5. Juli. Nach neueren Anordnungen kehrt der Kaiser hierher schon am 26. Juli zurück.
Berlin, 5. Juli. Unterrichtete Kreise nehmen an, die unerwartet frühe Rückkehr des Kaisers von seiner Nordlandreise hänge mit der Bismarck - Angelegenheit zusammen.
Berlin, 5. Juli. Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Gras v. Eulenburg sand heute Mittag eine Sitzung des Staatsministeriums statt, woran Reichskanzler v. Caprivi theilnahm. Es verlautet, die Frage der Ber- liner Meltaus st ellung sei verhandelt worden.
Köln, 5. Juli. Nach einem Bericht der „Volkszeitung" wird die italienische Seidenernte aus kaum 30 Mill. Kilo Cocons gegen 38,5 Millionen im Vorjahre geschätzt. Der Durchschnitt der Jahre 1887—1890 beträgt 40,5 Mill.
Bochum, 5. Juli. Das Oberlandesgericht lehnte die Erhebung der Anklage gegen Baare im Stempelproceß ab.
München. 5. Juli. Die Gestaltung der Bierpro-
l duction der hiesigen Brauereien war im vergangenen Jahre günstig. Sieben der größten Brauereien versteuerten über eine Million Hectoliter Malz, womit das Vorjahr überschritten ist. Bemerkenswerthe Mehrungen verzeichnen das Löwenbräu, Pschorr, Minderungen das Augustinerbräu.
Lemberg, 5. Juli. Dem „Dziernik Polski" zufolge 1 Wird der deutsche Kaiser die Herbstmanöver in Galizien und mit dem österreichischen Kaiser Lemberg besuchen.
Budapest, 5. Juli. Das „Amtsblatt" publicirt eine Verordnung, wonach Provenienzen aus russischen Häfen des Schwarzen und Asowischen Meeres sich einer siebentägigen Observation, aus türkischen Häfen einer strengen ärztlichen Untersuchung zu unterwerfen haben.
Paris, 6. Juli. Es wurden große Betrügereien und schwindelhafte Armeelieferungen entdeckt durch Denunciation des Hauptexpertchemikers des Central-Marine- laboratoriums durch dessen Maitreffe. Der Experte, welcher durch Lieferanten bestochen wurde, stellte Tresflichkeitsatteste für schlechte Armee- und Marinelieferungen aus und wurde deßhalb entlassen. Hierauf denuncirte der Erperte zahlreiche höhere Beamte und Offiziere wegen Beihilfe. Es wurde eine umfassende Untersuchung auf Befehl des Marineministers eingeleitet.
Paris, 6. Jnli. Sieben höhere Beamte der Marine wurden wegen der großen entdeckten Unterschleise und schwindelhaften Lieferungen in Untersuchung gezogen.
Petersburg, 5. Juli. Im Balachinski'schen Naphrarayon bei Baku hat ein furchtbarer Brand stattgefunden. Die Naphtaproducenten Nobel, Budagow, Zowjanow, Mirsojew, Arafelow u. Co., Krassilnikow und die kaspische Gesellschaft erlitten enorme Verluste.
totales unö provinzielles,
Gießen, 5. Juli 1892.
— g. Dreißigjähriges Stiftungsfest der Burschenschaft I Alemannia. Die Erwartung, es werde die Bürgerschaft unserer Alma mater Ludoviciana ihrer gewohnten lebhaften Theilnahme an dem Stiftungsfest der Gießener 'Burschenschaft Ausdruck verleihen, hat sich bereits in glänzender Weise erfüllt. Schon feit Montag prangen die Hauptstraßen der Stadt in dem Schmucke der blau-roth- goldenen und schwarz-roth-goldenen Farben, Guirlanden mit dem Wappen der Alemannia geziert, sowie die zahlreich vertretenen Farben unseres Landes und des deutschen Reiches bieten an manchen Stellen der Hauptstraßen einen prächtigen Anblick und den in ihre einstmalige Musenstadt eingehenden „Alten Herren" einen freundlichen Willkommgruß. Der für heute Abend vorgesehene Fackelzug stellt sich um 8y2 Uhr an der Kneipe der Alemannia (Lonys Bierkeller) aus und geh^, durch folgende Straßen: Anlage, Neustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltrrsweg, Marktplatz, Schulstraße, Neue Bäue, Anlage, Bismarckstraße, Ludwigsstraße nach Steins Garten. Nach Beginn des osficiellen Commerses gelangt auf der gütigst zur Verfügung gestellten Bühne des hiesigen Theatervereins unter Mitwirkung von Damen das von Herrn Redacteur Schneider zu Berlin gedichtete Festspiel zur Aufführung, dessen schwungvolle poesiereiche Sprache seinem Inhalt würdig zur Seite steht.
— Concertvereiu. Die Vorbereitungen zu dem 100jährigen Fest des Concenvereins nahen sich ihrem Ende, die Hauptwerke sind festgestellt und sind nur noch die Solisten mit ihrem Programm im Rückstände, die definitive Entscheidung ist aber in aller Kürze zu erwarten. Das Gesammtprogramm soll möglichst vielseitig gestaltet werden, man will in den beiden Concerten gleichsam den Meistern, deren Tonschöpfungen uns seit Jahren erfreuen, eine Huldigung darbringen, darum sollen Bach, Beethoven, Mozart, Wagner usw. mit ihren Geisteskindern vertreten sein. Selbstredend ist es weder beabsichtigt, noch ausführbar, dieses chronologisch vor sich gehen zu lassen, den Beginn wird daher nicht Bach, sondern Mendelssohn mit seinem Oratorium „Paulus" machen. Die Wahl ist eine durchaus glückliche zu nennen und wir glauben zur Einführung nichts besseres thun zu können, als H. Kretzschmer zu citiren, der wie folgt urtheilt:
„Der Paulus war das erste Oratorium, welches sich „an bleibenden Erfolg mit der „Schöpfung" messen konnte. „Er erlebte in den nächsten 18 Monaten, nachdem er aus „der Taufe gehoben worden, ein halbes Hundert Aufführ- „ungen und er hat bis auf die Gegenwart in immer „wechselnder Umgebung und mitten unter der neu erwachten ,/Pflege Händels seine Stelle behauptet. Chöre wie: ‘ //Siehe, wir preisen selig" und „O welch eine „Tiefe des Reichthums" —, „Wie lieblich sind „die Boten", Sologesänge wie „Jerusalem", — ////Gott sei mir gnädig" — und „Sei getreu bis „in den T o-L"' sind unter das Schönste und Eigenthüm- „lichste zu zählen, was die Musik im 19. Jahrhundert hat. //Sie vertreten den Empfindungsgehalt des Oratoriums. „Aber auch die dramatische Characteristik ist in dem fanatischen „Chore der Juden „Steinigt ihn", in dem Heidensatze „Sei uns gnädig" mit Leistungen bedacht, die in der „Oratorienliteratur einen ersten Platz verdienen."
Das Hauptwerk des zweiten Tages ist die Sinfonie C-moll Nr. 5 von L. van Beethoven, die von vielen Beurtheilern als der Höhepunkt nicht blos der Beethoven'schen, sondern überhaupt der Instrumentalmusik bezeichnet wird, jedenfalls ist sie eines derjenigen Kunstwerke, über deren Gewalt Alle einig sind. Sobald das Programm definitiv feststeht, werden wir nicht unterlassen, unfern Lesern davon Kenntniß zu geben, schon heute ist vorauszusagen, daß das Fest ein musikalisches Ereigniß zu werden verspricht.
— Theater Rotij. Carl Zeller, der Componist der „Joconde", bürgt dafür, daß man von seiner neuesten Composition wirkliche Musik erwarten darf. Und in der That, vollströmende Melodien sind es, die uns da entgegentönen, und die bereits größtentheils Gemeingut der musikalischen
Welt geworden. Dabei ist der Dialog von echtem Wiener Humor durchweht, der ungemein anheimelt. Die Partitur des „Vogelhändler" ist wie eine Voliere, in der es zwitschert und tirilirt, schlägt und zirpt, daß es eine Herzenslust ist. Das Curt Heater-Ensemble von Bad-Nauheim, welches nächsten Montag diese Operette hier im Neuen Theater vorsühren wird, leistet nach vorliegenden Berichten auf diesem Gebiet Vorzügliches, somit ist diese Aufführung der allgemeinsten Beachtung dringend zu empfehlen.
— Aus dem Zuftizdieust. .Durch Entschließung Großherzog- llchen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 2. Juli ist der Großh. Gerichtsassessor Neuenhagen in Gießen während der Beurlaubung des Großh. Gerichtsassessors Fritz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen elnes Amtsanwalts bei den Großh. Amtsgerichten Alsfeld, Grünberg, Homberg und Laubach beauftragt worden.
— Der Genuß des unreifen Obstes birgt für die Gesundheit der Kinder nicht geringe Gefahren in sich; manches ernste Unwohlsein der Kinder, für das die Eltern keinen Grund wissen, darf man auf das Genießen des unreifen Obstes zurückführen. Man ermahne die Kinder und mache sie auf die üblen Folgen aufmerksam, zeige ihnen, wie häßlich es ist, das schöne Obst unreif abzupflücken, da es, reif geworden, nicht blos besser schmeckt, sondern auch gesund ist. Wollen Ermahnungen und Belehrungen nicht fruchten, dann wird man allerdings nach dem bewahrten Recepte eines alten deutschen Sprüchwortes verfahren müssen, welches heißt: „Wer nicht hören will, muß fühlen."
"7 Telegraphisches. Das Reichsgericht hat entschieden, daß für die aus einem verstümmelten Telegramm hervorgehenden Nachtheile (wenn z. B. statt 2000 Stück einer Waare 20,000 bestellt werden rc.) lediglich der Absender des Telegramms zu haften hat, da er sich des Risicos dieses zwar schnellen, aber immerhin — im Verhältnis z. B. zu brieflichem Verkehr nicht ganz zuverlässigen Verkehrsmittels von vornherein bewußt sein muß.
Lauterbach, 4. Juli. Vorigen Dienstag den 28. Juni wurden hier vier Radfahrer, Amerikaner, welche auf einer Tour durch Deutschland begriffen sind, infolge einer Depesche aus Engelrod, wonach diese Stahlroßreiter beim Paffiren Engelrods „ein großes Unglück in Vieh" angerichret haben sollten, polizeilich mehrere Stunden an der Weiterfahrt verhindert. Auf telegraphisches Anfragen in Engelrod kam erst nach mehreren Stunden die Antwort, daß ein Schaden bis gegen 180 Mk. entstanden sei. Die Radfahrer, welche von der Affaire überhaupt nichts gesehen haben wollten, hinterlegten 200 Mk. und bevollmächtigten einen hiesigen Rechtsanwalt mit ihrer Vertretung. — Wie man nun erfährt, soll ein Rind wider oder über einen Gartenzaun gesprungen sein und denselben etwas beschädigt haben, das Vieh soll sich aber bis heute noch wohl und munter befinden. Bis jetzt ist außerdem noch nicht erwiesen, daß die Radfahrer irgend welche Schuld trifft. Aufklärung wird wohl bald folgen.
BadNanheim, 3. Juli. Vom 23. bis 26. Juli findet dahier in dem Gewächshause an den Siedhäusern die Sommer-Ob st-Ausstellung des Oberhessischen Obstbauvereins statt. Nur Vereinsmitglieder haben das Recht, auszustellen. Die Ausstellung umfaßt schön cultivirre Früchte (Kern-, Stein- und Beerenobst), pomologische Sammlungen und Weine von Aepseln, Baumsrüchten und Beeren. Das ausgestellte Obst verfällt der Ausstellung- von den Weinen sind von jeder Sorte mindestens zwei Flaschen, die eine zum Kosten, die andere zur Untersuchung, einzusenden. Als Preise werden einfache Diplome I., II. und III. Klaffe ausgegeben. Die Versammlung des Oberheffischen Obstbauvereins und die Hauptversammlung des Vereinsbezirks Friedberg findet Sonntag den 24. Juli statt. Begonnen wird Vormittags 11 Uhr mit der Besichtigung der pomologischen Gärten in Friedberg- um 1 Uhr 49 Min. Fahrt nach Bad-Nauheim, wo um 2J/2 Uhr im Gasthause „zur Krone" die Versammlung nattfindet. Vorträge: Rechenschaftsbericht des Geschäftsführers - Dr. v. Peter: über die Ausbildung des Baumwärterinstituts- C. John: über den Pfirsicbschnitt- K. Reichelt: über die Cultur des Beerenobstes einschließlich der Erdbeeren- Besuch der Ausstellung.
L. A. Alsfeld, 5. Juli. Das am 3. und 4. ds. Mts. dahier abgehaltene Sänger fest des Schwalmthal-Sänger- bunöes ist ebenso wie das vor vierzehn Tagen abgehaltene Bezirkskriegersest in sehr befriedigender Weise verlausen. Die Alsfelder hatten förmlich gewetteifert, durch Schmückung der Häuser bis in die kleinsten Gäßchen hinein, wie auch durch freundliches und herzliches Entgegenkommen ihren Gästen gegenüber ihr Interesse zu bekunden. Der Festzug, welchem Vorreiter und Radfahrer voranzogen und an dem außer den zahlreich erschienenen auswärtigen auch sämmtliche hiesige Vereine und ein Kranz schöner blühender Festjungsrauen sich beteiligten, war ein schöner und imposanter. Das Wetter war prachtvoll- die hier so sehr beliebt gewordene Regimentsmusik des Kaiserregiments that vollauf ihre Schuldigkeit und so konnte es nicht fehlen, daß die Festkarten reißenden Absatz fanden. Gestern Abend öffnete der Himmel seine Schleußen und sandte uns den sehr nöthigen Regen.
nn. Darmstadt, 5. Juli. Heute Morgen gegen 5 Uhr erschoß sich in seiner Wohnung der Stadtverordnete und Colonialwaarenhändler Creter von Bessungen. Was den als gut situirt bekannten und allgemein geachteten Mann zu diesem Schritte veranlaßte, ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt.
Hirschhorn, 4. Juli. Die beiden kleinsten Schulen im ganzen Großherzogthum Hessen sind neben der Schul- klasse zu Neunkirchen im Kreise Dieburg offenbar jene in unseren Nachbargemeinden Hainbrunn und Jgelsbach. Sie zählen nämlich nur sieben, respective sechs Kinder. Die beiden in je drei Abtheilungen zerfallenden Klassen werden von einem gemeinschaftlichen Lehrer unterrichtet, welcher täglich * mit den Ortschaften und Klassen wechselt.


