Ausgabe 
6.11.1892 Erstes Blatt
 
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Von den weiteren Candidaten erhielten

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324 Stimmen

übersehen läßt, wurden gewählt: Emil Schwall, Fabrikant Louis Flett, Oeconom Karl Brück, Goldarbeiter W. Grünewald, Rechtsanwalt Gg. Conr. Simon, Oeconom Fr. Habenicht, Fabrikant Karl Orbig, Schreiner Fr. Helfrich, Ortsgerichtsmani Louis Emmelius, Fabrikant Aug. Heß, Rentner Dr. Schäfer, Landgerichtsrath Carl Faber, Spengler

Coucert. Das morgende Concert unserer Regiments­musik bietet nach der Anzeige einen Operetten- und Walzer- Abend und ist somit ganz der leichten, modernen Richtung ge­widmet. Das Programm zeigt uns einige der schönsten Sterne am Walzerhimmel, als: Wiener Blut (Strauß), Traum Walzer (Millöcker), Schlittschuhläufer (Waldteufel), Weaner Mad'ln (Ziehrer), Toreador (Royle). Als Operetten sind vertreten: Suppe (schöne Galethea), S'rauß (Fledermaus), Millöcker (Feldprediger) und Zeller mit Vogelhändler. Eilen­bergs reizendes NocturnoVerlorenes Glück", sowie Traumbilder", Fantasie mit Z ther Solo, und Petersburger Champagner Galopp mit Glocken-und Xylophon-Solo werden, außer Operetten und Walzern, das Programm ausfüllen. Wir machen aus das bevorstehende Concert aufmerksam und sind überzeugt, daß diese tändelnden, leichten Weisen nach der Woche schwerer Arbeit und Kampfes einen angenehmen und beruhigenden Abschluß erzeugen.

-s. Theater-Verein. Victorien SardousFedora" ge­hört zu denjenigen Stücken, die man wohl einmal sehen kann aber nicht öfters. Der Verfasser, der neben Augier, Dumas und Pailleron noch immer die französische Bühne beherrscht, hat Großes geleistet in Bezug aus starke Effecte, aber er hat sich inFedora" in diesem Punkte fast selbst übertroffen. Der Theaterverein har gut daran gethan, auch einmal ein solches Stück nach Gießen zu bringen; die Kritik aber hat daran zu denken, daß Sardou seine Stücke für die Tragödin Sarah Bernhardt und das übersättigte moderne Publikum geschrieben. Aus den Ehrennamen eines über­sättigten modernen kann das Gießener Publikum keinen An­spruch erheben, höchstens auf den eines undankbaren und kleinstädtischen, über dem was wenigstens das Publikum des Theatervereins betrifft auch noch ein etwas gleich- sörmiger, echt akademischer Hauch liegt, der Wiederschein der schon seit drei Jahren sich unverändert gleich bleibenden obersten Leitung des Vereins. Sardou schrieb für ein Publikum von Stockfranzosen, seine Technik ist durch und durch die der französischen Dramatiker, seine Anschauungen die der Pariser Gesellschaft, weshalb seine Stücke auf einer aus­ländischen Bühne leicht ihre innere Lebenskraft einbüßen. ,/Fedora" ist das Muster eines Sensationsdramas, in dem jede Scene neue Mißverständnisse und neue Sensalionsmotive

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sich das Ergebmß der Wahl

, Cabinetßrath gleich am ersten Tage seiner Mission mit dem Prinzen zusammen, erkennt aber in ihm den Maler Corne

1 lius Voß, der sich ihm bei früherer Gelegenheit bereits vor­gestellt hatte. Da Voß als Freund des Prinzen bekannt ist, so benützt der Diplomat ihn als Werkzeug seiner Pläne, was natürlich zu den comischsten Scenen Anlaß giebt. Die Charakterzeichnung der einzelnen Personen ist im allgemeinen eine recht frische. Mit besonderer Liebe ist der von sich selbst furchtbar eingenommene Diplomat gemalt, welcher auch einen recht guten Vertreter in Herrn Martiensen sand. Bei dem Prinzen Kurt (Herr Stückel) vermißten wir das ihm vermöge seines Standes zukommende selbstbewußte Austreten, was immerhin auch in der eigentümlichen Situation durch­blicken mußte, auch Frl. Copps fehlt noch die nöthige Routine der Salondame, besonders was die Maske anlangt. Die übrigen Mitwirkenden dagegen boten durchweg ' lobens- werthe Leistungen, besonders Herr und Frau Director Reiners (Bäckers und Paula) und Herr Rupp (Engel­bert), so daß die Gesammtaufführung doch als zufrieden­stellend bezeichnet werden kann, nur hätten wir gewünscht, daß der Souffleur weniger laut seines Amtes gewaltet hätte.

Das Panorama in der Bahnhofstraße wird von heute ab eine Serie ausstellen, welche des besonderen Interesses gewiß ist. Die Ansichten stellen Linderhof, Hohen­schwangau und Berg, Starnberger See dar. Dieser Cyclus gelangt zum ersten Mal zur Ausstellung. Das frühere vor zwei Jahren gezeigte war Herrenchiemsee und Neuschwanstein. D>e photographisch plastischen Aufnahmen des Panoramas sollen in wundervoller Klarheit hergestellt, der Glanz des Mormors, sowie der Schimmer der Farben bei den Teppichen, Wänden und Gemälden soll ungemein natürlich fein.

Postpersonal-Nachnchten. Der Postanwärter Jaco by in Mainz ist als Postassistent angestellt worden. Der Ober- Telegraphenassistent Kehrer in Darmstadt und der Post­verwalter Karg in Niederwöllstadt treten aus ihren Antrag in den Ruhestand. Der Ober-Telegraphenassistent Moos in Worms ist gestorben.

Geldrolle als Privaturkunde Nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts können Geldrollen, welche mit der Bezeichn nung ihres Inhalts und mit einem zu dieser Bezeichnung in Beziehung gebrachten Namen versehen worden sind, für beweis- erhebliche Privaturkunden gelten, und es kann mithin das Beschreiben einer solchen Geldrolle mit einer wissentlich falschen Inhaltsangabe alsUikundensälschung" angesehen werden.

Das Radfahren im Heere. Nachdem das Radfahren im Heere an Umfang zugenommen hat und in einzelnen Garnisonen die Benutzung des Fahrrades für dienstlicheZwecke zur Einführung gelangt, ist nunmehr amtlich den Osfizieren und Mann­schaften der Gebrauch des Fahrrades sowohl im Dienst wie außer dem Dienst gestattet worden. Ueber das Tragen der Seiten­gewehre beim Radfahren sind allgemeine Anhaltspunkte ge- I geben, ohne sie in die Form einer bestimmten Vorschrift zu fassen. Inwieweit das Radfahren in Straßen und auf Promenaden zuzulassen ist, hängt von den verschiedenen ört­lichen Verhältnissen ab und wird durch die Gouverneure bezw. Commandanten bestimmt werden.

Wie Briefe leicht abhanden kommen können, geht recht einleuchtend aus einem Vorkomrnniß beim Hauptpostamt in Gotha hervor. Aus einem dortigen Contor werden gegenwärtig täglich 4050000 Stück Drucksachen zur Post ausgeliefert, von denen natürlich eine nicht unbedeutende An­zahl wegen ungenügender Aufschrift oder aus anderen Gründen wieder an den Absender zurückgelangt. Diese zurückgekommenen Sendungen werden vor ihrer Auslieferung an den Absender einer genauen Durchsicht unterzogen. Bei der letzteren wurden nun an einem einzigen Tage nicht mehr als 10 Briefe zu Tage gefördert, welche sich in die Druck­sachen eingeschoben hatten. Auch uns gingen schon Druck­sachensendungen zu, in welche sich Briese verirrt hatten. Bei dieser Gelegenheit machen wir darauf aufmerksam, daß es sich empfiehlt, bei Einwurf von Briefen, Postkarten n. s. w. in die Briefkästen sich zu vergewissern, ob dieselben auch ganz in den Kasten gelangen. Schreiber dieses hat zu wiederholtem Male gefunden, daß Briese und Karten von den Drahtstäbchen im Innern des Einwurfs festgehalten wurden, also nicht auf den Boden des Briefkastens gelangten. Wer ehrlich Handels gibt den so seftgehaltenen Postsachen einen Stoß, damit sie auch in den Kasten fallen, wer aber weniger gewissenhaft jst, und fei es auch nur, um die Neugierde zu befriedigen, kann die Brieschen sich aneignen und sie sind verloren gegangen. Darum Vorsicht beim Briefeinwersen.

A Ruppertenrod, 4. November. Unter Vorantritt des Krieger- und Gesangvereins mit umflorten Fahnen bewegte sich gestern ein großer Trauerzug nach dem Friedhöfe. Man brachte die sterbliche Hülle eines biederen Mitglieds beider Vereine, des Adam Nick laus, zu Grabe. Im rüstigsten Mannesalter hat ihn der Tod hinweggerafft, nachdem er ihm erst vor 6 Wochen seine Gattin entrissen. Am Grabe sprach Herr Pfarrer Jung von Ober-Ohmen nach einer dreifachen Ehrensalve und dem Grabgesange des Gesangvereins bewegte Worte über den braven Bürger, tüchtigen Familienvater und treuen Kämpfer für das Vaterland. Der Verstorbene hat den ganzen Feldzug 1870/71 mitgemacht und blieb in allen

bringt. Die Exposition ist schon eine aufregende Katastrophe, nach der man eine Steigerung kaum mehr für möglich hält, und man weiß schließlich nicht, ob der Höhepunkt des Dramas im dritten oder im vierten Acte liegt. Der Dichter wenn Sardou überhaupt diesen Namen verdient hat es mit kluger Berechnung, mit unglaublichem Geschick verstanden, die Zuschauer nicht zu Äthern kommen zu lassen, und seine meisterhafte Technik verdeckt die vielen Unwahrscheinlichkeiten und Unwirklichkeiten, an denen feineFedora" nicht weniger als alle seine anderen Stücke krankt. Er läßt kein Mittel unangewendet, Handlung, Spannung und Wirkung hervor­zurufen, er täuscht fort und fort die Erwartungen des Zu­schauers, er erregt durch unvorhergesehene Situationen stets neue Aufregungen und Empfindungen und seine Erfolge sind Sensationswirkungen. Aber er ist ein seiner Beobachter, ein geschickter Schriftsteller: die Handlung seines Dramas ist ebenso kühn erfunden wie kunstvoll verwickelt, der Dialog geistreich, witzig und scharf, von jener Art, die nur den Franzosen eigen ist und in der sie bis zum heutigen Tage noch immer allen Völkern überlegen sind. Was Sardou aber hauptsächlich vor seinen französischen Nebenbuhlern aus­zeichnet und ihm sogar die erste Stelle unter allen anweist, 'st die Lebenswahrheit seiner Charactere. Man kannFedora" nicht als ein schönes, wohl aber als ein äußerst interessantes Drama bezeichnen, dessen prächtige Technik vielleicht nur durch dieFernande" desselben Verfassers übertroffen wird. Ein Drama im vollen Sinne des Wortes darf man das Stück allerdings nicht nennerf: dazu fehlt es zu sehr an einem inneren Zusammenhang zwischen Gefühlen und Thaten, und ohnedies ist die Heldin fein echt dramatischer Character. Sie ist nur ein leidenschaftliches Weib, eine Russin, die ebenso rasend liebt, wie sie wahnsinnig haßt.Ich bin roer ich bin", sagt sie,der tödtliche Haß gegen den Mörder ist der einzige Ausdruck, den meine Liebe für das Opfer sindet. Nur durch das unersättliche Verlangen, ihn zu rächen, fühle ich mich seinem Angedenken getreu." In solchen Momenten furchtbaren Rachedurstes scheint das Weib in ihr tobt zu sein aber das Weib spricht nur zu deutlich aus dem Aufschrei, den Feodora bei der Erzählung von Wladimirs Erschießung ausstößt:Ja, tödte ihn, tödte ihn! aber sie auch!" Diesessie auch!" ist eine der treff­lichsten Stellen des dritten Auszugs, der mit seinen großen Aufforderungen an den Darsteller die Kunst von Frau Claar- Delia, der die Palme des Tages gebührt, im hellsten Lichte erscheinen ließ. Sie entwickelte in der aufregenden Scene, in welcher Loris seine Geschichte erzählt, eine Vielseitigkeit ber Gestaltungskraft, wie sie nur wenigen Künstlern eigen ist/ ihr Spiel brachte bie Dämonie ber Leibenschaft in hin- reifcenber Weise zum natürlichsten Ausbruck, um bann in ber Sterbescene gerabezu erschütternb zu wirken. Herr Schönselb, beffen Gebiet eigentlich wo anbers als in ber Rolle bes Loris Jpanoff liegt, bekunbete ein seines Gefühl in ber Auffassung bes Characters bieses Helben. Frau Keller- Frauenthal gab bie Olga Soukareff, unb wenn biefe Rolle auch nur wenige Schwierigkeiten bot, wußte sie derselben durch ihr überaus feines Spiel einen ganz eigenen Reiz zu verleihen, unb wir lernten in ihr eine ebenso treffliche als hebenSroürbtge Künstlerin kennen. Auch Herr Meyer war in ber Auffassung und Wiedergabe de Sieris vorzüglich.

die Herren: Kaufmann Karl Wenzel 321, Archiiect Huhn 308, Schieinermeister Schapbach 307, Dr. Klein 299, Näh­maschinenhändler Haubach 264.

der Arbeiierpartei, daß nunmehr nicht allein alle gesellschaft­lichen und bürgerlichen Kreise, sondern wohl auch alle palitischcu Parteien ihre Vertretung im Rathe der Stadt gefunden haben. Die Zahl der Candidaten für das Amt eines Stadt­

verordneten dürfte an < 0 heranreichen - angesichts einer folch großen Candidaienzahl war die Wahl wirklich schwer. Nach den Wählerlisten machten von rund 1600 Wahlberechtigten annährend 1200 von ihren Stimmrecht Gebrauch, lieber den Ausgang der Wahl haben wir bereits in einem heute Nacht 2 Uhr herausgegebenen Extrablatt berichtet. Das officielle Resultat konnten wir indeß bis znm Schluß der Redaction nicht erfahren. Sollte dasselbe bts Nachm. 4 Uhr einlaufen, so werden wir es in einer besonderen Beilage zur Kenntniß unserer Leser bringen. So weit ~

Schlachten unversehrt. Doch kehrte er nach dem Feldzug krank in die Heimath zurück. Mit seiner Gattin vereint ruht er nun, an ihrer Seite, in stiller Gruft. Möge beiden die Erde leicht sein!

§ Ober-Ohmen, 4. November. Die gefährlichste aller Kinderkrankheiten, die Diphlheritis, welche bereits im vorigen Jahr in unserer Gemeinde geherrscht und namentlich auch schwere Opser in den Nachbargcmeinden gefordert, tritt I wieder auf. Bereits sind ihr in hiesiger Gemeinde wieder | drei Kinder erlegen. Auch in der Nachbargemeinde Rupper- I tenrob herrscht sie.

Ulfa, 2. November. Die hiesige Gemeinbe erlöste für

N r . N'ues Theater. Gestern Abend gingCornelius o ß über unsere Bühne. Das Stuck ist eines der besseren von Franz von Schönt Han. Es stellt die Verfolgung des Prinzen Curt von Schöningen-Clausthal durchs den herzogl. Cablnetsrath von Stcrnwald dar, welch letzterer mit Ä, b'pl0m(iat,f*Cn Schlauheit, den Prinzen zum Herzog von ^Qfunblm8 £ni'flen f°.a' damit er die von jenem gewünschte eheliche Verbindung eingehe. Durch einen Zufall trifft der

der ihr schon von jeher sehr zugethan gewesen, ihre Aus­bildung bestritten, als Vater und Mutter sich anfangs von derSchauspielerin" abwandten, warum sie auch den sremden Namen angenommen. Von dem langsamen Emporklimmen von Stufe zu Stufe und wie sie jetzt oben stehe aus der Sonnenhöhe der Kunst, die ihr ganzes Glück und ihre Selig­keit ausmache.

Da meinte doch die alte Dame scherzend: Ob sich nicht bald ein rothblühend Röslein unter den Lorbeer flechten werde, der Ruhmeskranz sei doch sonst gar zu farblos? Aus einmal bedeckte glühende Rothe wie mit Zauberschlag Theos Antlitz- dann flüsterte sie mit gesenkten Augen, daß sie bald Aussicht habe, Madame Fournier Tante nennen zu dürfen daß sie ihn schon vor Jahren geliebt, noch halb unbewußt' den schönen Referendar, der jetzt als fertiger Rechtsanwalt um ihre Hanb geworben.

Denn seine Worte sind es ja gewesen, die mich dem Bahnenteufel, bem Eure Lobeshymnen mich schon halb in bie Gewalt gegeben, noch vollenbs in bie Arme trieben. Ich fann ja nichts bafür, baß ichs hören mußte:Tante," sagte er,Theo Tessin wirb eine große Künstlerin werben, wenn sie rechtzeitig ihr Talent erkennt unb Lust unb Muth hat bafür zu kämpfen." Diese Worte sinb mein leuchtender Stern gewesen, zu bem ich emporgeblickt, wenn ich einmal verzagen roottte; er hat mir mit seiner reinen Klarheit den Weg ge­zeigt, wenn bie Versuchung in ihrer lockenbsten Gestalt mir roinfte. Unb nun hab ich zwei Sterne, bie mich führen unb leiten, das sind die blauen Augen meines lieben, lieben Hans fte blicken in heißer Zärtlichkeit aus sein künftiges Weib, aus Theo Tessin, die keinen prophetischen Blick nicht getäuscht, die bereit war, als Muse Thalia ihre Jüngerin rief, und muthig

den Weg zu bahnen zu Freiheit, Ruhm und <2>luci!"

Neues Theater. Wir wollen an dieser Stelle nicht unterlassen, mitzutheilen, daß wir bereits am Dienstag Ge­legenheit haben werden, die bedeutendste Novität der Saifon Die Orientreise" von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg zu sehen. Ueber die erste Aufführung liegen uns eine Anzahl Kritiken vor. Unter anderen schreibt dieNeue Preußische Zeitung" folgendes über das interessante Stück.Die erstegroße" Premiere der Saison! Bor dem Theater weithin bis zu dem Schtffbauerdamm die Reihe der Wagen mit den berittenen Schutzleuten daneben, am Portal der lichtscheue Schwarm der Billethändler, am Kassenfenster das vielsagende PapptäfelchenÄusverkaust" und innen im §auie, alles was zu tont Berlin gehört oder sich wenigstens in dem schönen Wahne wiegt, dazu zu zählen . .! Ein'jeder mußte erkennen, daß hier etwas Besonderes vorging, selbst wenn man nie etwas von derGroßstadtluft" gehört hätte.Die Großstadtluft" bei diesem Worte schlägt das Herz des Provinz-Theaterdirectors höher, sein Gesicht verklärt sich, es klingt wie das Klirren und Klimpern von Geld aus der Billetkaffe an seine OhrenDie Groß­stadtluft"! was wäre ohne sie aus der verkrachten vorigen Saison geworden? Ueberall hat man'ben Schwank gespielt in Berlin allein wohl an 120 Mal und überall hat er seine Schuldigkeit gethan. Kein Wunder, daß die neue Schöpfung des erfolgreichen Autorenpaarcs mit einem gespann­ten, beinahe ängstlichen Interesse begrüßt wurde. Die Grund- erfordernisse, um einen guten Schwank zu schreiben, sind Temperament und Technik. Beides findet sich in derOrient« Tetfe" im reichsten Maße. Es ist weit mehr Leben und Handlung darin, als in derGroßstadtluft", deren Haupt- starke doch mehr die Stimmungsschilderung, der Kontrast zwischen dem großen Berlin und dem kleinen Lndwigswalde war, und daß es an derMache" nicht fehlt, ist bei zwei Theaterkennern, wie den Verfassern, von denen Hr. Kadelburg bekanntlich der Bühne als Darsteller an­gehört, wohl selbstverständlich. So war das Erqebniß des m". gr°b°r Heuerkeitserfolg, der sich zumal nach dem zweiten Acte geradezu stürmisch gestaltete. Das Publikum ftelLrndni1t*T 6efonb(:r8 zum Schluß mit den Dar­

stellern auch die Verfasser zu wiederholten Malen hervor."