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N». 56 Zweites Blatt.

onntnq hen 6. Mälz

HichenerInzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Die Gießener

I««rsienv5ätler werden dem Anzeiger wSchentlich dreimal beigelegt.

Der Gießener Anzeiger trjcheml täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

1892

Vierteljähriger ASonnemeatsprels: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen

2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schulftraß, Mr.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Giefzen.

Hratisöeikage: Hießener Jamikienbtätter

2lnrtlichep Theil

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» Agenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

schiedenen Gründüngungen pro sächsischen Acker nach den der­zeitigen Preisen. Darnach würde heute bei den hohen Serradellapreisen eine Serradellagründüngung 5,40 Mark kosten. Es betragen ferner die Kosten bei Gelb- oder Hopsen­klee 9 Mk., bei Rothklee 15,75 Mk., bei Lupinen 17 bis 18 Mk., ebenioviel bei Schwedischklee, Wundklee oder Weiß- klee, 19 Mk. bei Peluschke, 21 Mk. beim Inkarnatklee, circa 25 Mk. bei der gewöhnlichen Wicke, 30 Mk. bei der Sandwicke, 32 Mk. bei der Erbse und 3540 Mk. bei der Pferdebohne.

Läßt sich Deutschlands Getreideproduction dis zue Deckung des Bedarfs an Brod- früchten steigern?

ES ist eine vielumstrittene Frage nicht nur in land- «irthschastlichen, sondern auch in commerziellen Kreisen, ob sich Deutschlands Getreideproduction durch entsprechende Re-

Vermifestes.

* Für Briefmarkensammler. Die Verwaltung der fran­zösischen Colonien har eine neue Briefmarke für die Colonien dem Verkehr übergeben. Das neue Postwerthzeichen zeigt die Schifffahrt und den Handel, welche das französische Banner aus dem Meere flattern lassen. Die beiden Gestalten sitzen am Steuer eines Schiffes, jede hält die französische Trikolore in der Hand. Oben stehen die Worte Republique fran^aise Coloniee Postes, unten ist der Preis der Marke, sowie der Name der Colonie, also z. B. Martinique, Senegal, Reunion, Guyana 2C. angegeben. Da Frankreich im Ganzen 14 Colonien besitzt und jede 13 verschiedenwerthige Marken erhält, so vermehrt sich der internationale Briefmarkenschatz um 182 neue Typen.

* Fra« Lehmann bei Hofe. Einige Oesen im kaiserlichen Palais bedurften einer unbedeutenden Reparatur und Herr

Bekanntmachung.

Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld wird an folgenden Orten Vorträge halten:

l) Samstag den 12. März, Abends 6 Uhr, in Hat­tenrod über verschiedene Fragen aus der Bodenbear­beitung und Viehzucht,

2) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Rod heim über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Reich Hardt'schen Wirtb- schaft,

3) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in dich einen Vortrag über rationelle Viehfüttcrunq, in der Heiland'schen Wirthschaft

4) eonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Dünge­mittel,

5) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vor­trag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauern- gutes insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel.

Alle Mitglieder des landwirthschastlichen Vereins und Freunde der Landmirthschaft werden zu diesen Versammlun­gen ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der obengenannten und be­nachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Be­such der Versammlungen hinzuwirken.

Gießen, den 28. Januar 1892.

Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen.

Jost.

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Gießen.

Nachdem in einem Gehöft zu Gießen der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die «L-perre über das verseuchte Gehöft verfügt.

Gießen, den 4. März 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gag ern.

Cocalts unb provinzielles.

Gieße«, 5. März 1892.

Wir verfehlen nicht, unsere Leser auf die in der großen Aula der Universität nur noch morgen, Sonntag, geöffnete Colonial Ausstellung aufmerksam zu machen. Sonnraa Nachmittag 5 Uhr wird dieselbe geschloffen.

-8. In der gestrigen General-Versammlung des Theater. Vereins kam, unter Vorsitz des Herrn Professors Netto, § 10 der Staturen zur Berathung, der dahin abgeändert wurde, daß künftig den Mitgliedern bei Erwerbung eines Abonnements der volle Mitgliedsbeitrag in Anrechnung ge- bracht wird. Die Rcchnungsablegung zeigte einen günstigen Kaffenbestand. Weiteres kam nicht zur Verhandlung.

Friedberg, 3. März. Man geht hier mit dem Plane um, em Casino gebäude gegen Anthcilscheine von je 1000 Mk. zu erbauen. Bei dem sehr zahlreichen Mttglieder- ftande der Gesellschaft dürfte die Ausbringung der zu« Bau erforderlichen finanziellen Mittel kaum Schwierigkeiten bieten.(D. Z.)

formen im Getreidebau wirklich bis zur Deckung des ein- h-eimischk« Bedarfes steigern läßt, oder ob Deutschland dauernd aus ausländische Roggen- und Weizenzusuhr an­gewiesen ist. Bei dem heutigen Weltverkehre und dem colossalen internationalen Güteraustausche auf der einen Seite und im Hinblick aus die großen Fortschritte der prac- tischen Landwirthschast und der Agriculturchemie aus der anderen Seite läßt sich schwerlich diese Frage kurz und bün­dig beantworten, wohl verdienen aber sowohl im Interesse der Landwirthschaft als auch unserer nationalen Wohlfahrt alle diejenigen Bemühungen große Beachtung, welche nach­weisen, daß Deutschlands Getreideproduction thatsächlich noch sehr der Steigerung fähig sei, und zwar der Steigerung ohne Vermehrung der bisher zum Getreidebau benutzten Flächen. Eine sehr beachtenswerthe Darlegung gab in dieser Hinsicht Rittergutsbesitzer Arndt aus Oberwartha in Sachsen in einem Vortrage, den genannter Herr kürzlich im Club der Land- wirthe zu Berlin gehalten hat und aus dem wir die haupt­sächlichsten Punkte im Nachstehenden reproduciren:

Zur Zeit beträgt der Durchschnittsernteertrag in Deutsch­land pro Hectar 20 Centner Roggen und 27 Ctr. Weizen- wollte es aber seinen durchschnittlichen Mehrbedarf von 600,639 Tonnen Roggen und von 415,953 Tonnen Weizen jährlich selbst erzeugen, so müßte eS seine Roggenernte um etwa IO1/2 pCr. und seine Weizenernte um ca. 161/, pCt. ju steigern haben. Diesem Ziele ist man nun in Sachsen schon sehr nahe gekommen, wo bereits jetzt pro Hectar 26i/z Centner Roggen und 34 Centner Weizen geerntet werden, welcher Mehrertrag durch Gründüngung, speziell mit Serradella, erzielt worden ist. Versuche mit Serradella­düngung ergaben im Vergleich mit Stallmistdüngung und Chilisalpeterdüngung bei Einsetzung der niedrigsten Ziffern, daß 1 Pfund Stickstoff bei der Gründüngung 3i/2 Pf. gegen 36 Pfg. im Stallmist und gegen 60 Pfg. im Chilisalpeter ästete, und dieses Verhältnis stellt sich in günstigen Ver­hältnissen für die Düngung mit Serradella noch besser. Mit 60 Pfund Serradella - Einsaat pro sächsischen Acker oder 0,56 Hektar, die mit Einschluß sämmtlicher anderen Unkosten auf 4 Mk. zu stehen kam, wurde dieselbe Wirkung erzielt, als mit Stallmist, der 124 Mark kostete, allerdings ein frappantes Beispiel für die Dortresflichkeit der Serradella- Düngung. Freilich wird man aber die wahre Steigerung der Production nicht in der Frage: Stallmist oder Grün­düngung, sondern in der: Stallmist und Gründüngung, zu suchen haben. Weitere Vorzüge der letzteren sind die hier­

durch erzielte Unkrautunterdrückung und die bessere Be­schattung des Bodens, auch wirkt der organische Stickstoff der Gründüngung viel nachhaltiger als der Stickstoff im Chili- salpeter. Interessant ist eine von Herrn Arndt in seinem Vortrage gegebene Zusammenstellung der Kosten der ver- '

Muster für Soldatenbehrndlung.

1.

Muster-Instruction.

Hochgeehrter Herr Rekrut PimpelmannEuer Wohl­geboren werden gütigst verzeihen, wenn Ihr ergebener Diener sich unterthänigst erlaubt, Ihnen seine bescheidene Ansicht über wohlderselben Haltung auszudrückcn. Ohne Ihrer persönlichen Ansicht nahe treten zu wollen, kann sich Ihr ergebener Diener dennoch der Ansicht nicht verschließen, daß die Stellung von dero hochgeschätzten unteren Extremi­täten nicht dem militärischen Schönheitsideal völlig entspricht. Der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb", erkühne ich mich deshalb, an Euer Wohlgeboren die ergebene Bitte du richten: in der Stellung der Gehwerkzeuge nicht das Symbol der unbekannten Größe X zu verherrlichen, sondern Tätigst die Gewogenheit zu haben, die Hacken ver- r«ihen Sie das rauhe Wort zusammenzunehmen!

II.

Ueber das Putzen.

i/Jch habe nur ein Amt und keine Meinung!" möchte rch heute mit dem Dichter ausrufen, wenn ich wiederum Sie, geehrter Freund und Gönner, mit einem kleinen Anliegen belästigen muß. In unbegreiflicher Verkennung Ihrer mili- rärischen^Talente hat sich der Herr Hauptmann, dessen Urtheil allerdings durch die angeborene Rauhheit deS Kriegsmannes getrübt wird, erlaubt, mich auf die nicht im jungfräulichen Glanze strahlenden Knöpfe Euer Hochwohlgeboren auf» merksam zu machen. Obgleich ich persönlich von der Wahrheit ber Worte durchdrungen bin:ES ist nicht alles Gold, was glänzt" undDer Schein trügt!", so möchte ich Sie dennoch bitten, mit der Ihnen eigenen Thatkrast und Willensstärke riie neue Glanzperiode der erblindeten Knöpfe heraus- Aubeschwören!

Der Dank der Nation wird Ihnen sicher sein, und kann ich schon im Voraus als der Geringste unter Allen meine freudige Genugthuung über die Bereitwilligkeit aus­sprechen, mit welcher Sie den kühnen Wunsch eines armen Kriegsknechtes erfüllen.

III.

Kommando.

O Pimpelmann! O könnte mir es glücken, Den stolzen Sinn des Edlen zu berücken: O, wolltest lesen Du in meinen Blicken,

Wie Du mich könntest wirklich doch entzücken, Wenn Du, statt dazusteh'n mit krummem Rücken, Dich in das Unvermeidliche wollt'st schicken: Die Knie doch endlich einmal durchzudrücken!

IV.

Ansprache beim Appell.

Meine herzliche Gratulation zum heutigen Tage! Ob­gleich ich nicht genau weiß, ob Sie heute Geburtstag haben, so drängt mich doch mein Herz, Sie, mein hochgeehrter Pimpelmann, mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu erfreuen. Ich habe den Vorwand eines Geburtstagsgeschenkes erwählt, da ich mir ohne diese besondere Veranlassung nicht erlaubt hätte, Ihnen dieses schwache Zeichen meiner Verehrung zu überreichen.

Hochgeehrter Herr! Am heutigen Tage ist gerade eine Woche verflossen, daß Sie achtmal hintereinander zu spät zum Appell sind! Weit entfernt, Ihre erprobte Pünktlichkeit zu bezweifeln, kann ich die Schuld nur der ungenau regulirten Kasernen-Uhr beimeffen. Gestatten Sie alfo Ihrem Lehrer, der sich glücklich schätzt, Sie seinen Jünger nennen zu dürfen, Ihnen diese goldene Remontoir- Uhr zu überreichen. Gern hätte ich einen mit Brillanten |

besetzten Chronometer gewählt, aber ba§ Traktament reichte dazu nicht aus. Ich hoffe aber, daß Sie auch in dem be­scheidenen Werth der Gabe die hohe Verehrung sehen die der Geber für Sie hegt!

Stimmen wir also alle in den Wunsch ein: Sie zeige nur die frohen Stunden!

Herr Stabstrompeter, bitte Tusch!

V.

Erklärung der Kommandos.

Hochgeehrter Herr Pimpelmann! Geehrte Anwesende! Behufs besserer Einübung des folgenden Kommandos werde ich so frei sein, Ihnen das Schlußcapitel aus dem berühmte» Roman von MarlittDas Geheimniß der alten Mamsell" vorzulesen. Nach dem Anhören dieses ergreifenden Seelen­gemäldes werden Sie vielleicht in der Lage sein, die Zu- muthung zu verstehen, wenn ich Ihnen im Geiste der Dichterin die flehenden Worte zurufe: .... Rührt Euch!

VI.

Exerzier-Reglement.

Hochgeschätzter Herr Pimpelmann! Von dem Naturrechte der freien Bewegung den ausgedehntesten Gebrauch machend, drehen Sie mit löblicher Principientreue Ihr geschätztes Ich stets nach links, wenn ich ergebenst um die Drehungrechts um" bitte. Ich würde mich nie erkühnen, in diese Wendung der Dinge einzugreisen, wenn nicht der Herr Hauptmann sich in unmittelbarer Nähe befände. Wohl bin ich mir der schweren Verantwortung bewußt, in Ihre Dispositionen ein- gegriffen zu haben, trotzdem gestatte ich mir in Folgendem, obgleich ich nicht Vorsitzender eines Schwurgerichtes bin Ihnen ergebenst eine Rechtsbelehrung zu erteilen! '