Hostöpsermeister Lehmann mußte confultirf werden. Natürlich erschien er sofort. Der Kaiser, der dem alten, braven Hand- werter schon oft einige Augenblicke bei seiner Arbeit zugesehen und sich leutselig mit ihm unterhalten hatte, betrat auch diesmal das Zimmer, in welchem Herr Lehmann au dem kranken Ofen operirte. Der hohe Herr war besonders guter Laune. „Nun, wie geht'S lieber Lehmann?" fragte er. „AuSjezeichnet, Ew. Majestät zu Gnaden." „Was macht Ihre Frau?" „Js immer noch dieselbe, Ew. Majestät. Sie hat immer noch ihre alte Schrulle. Ew. Majestät wissen von wegen den Hosball." „Wenn es ihr wirklich ernst damit ist, lieber Lehmann, konnten wir wohl 'mal das Vergnügen machen." „Ew. Majestät belieben zu scherzen. Wat soll meine Frau aus'n Hosball?!" „Wir werden sehen. Adieu, lieber Lehmann." Damit entfernte sich der Monarch. Herr Hos- töpfermeister Lehmann beendete seine Arbeit, ging nach Hause und erzählte seiner Frau die Unterhaltung mit dem Kaiser Wort für Wort. „Das hast De nu von Deine albernen Jnsälle," schloß er feine Erzählung. „Nu kriegst De 'ne Jnladung, mußt hin, un blamirst De nu de janze Tepper« innung." „Laß man sind!" sagte Frau Lehmann ruhig. Herrn Hostöpfermeister's Ahnungen sollten sich bestätigen. .Vierzehn Tage später traf ein Schreiben vom Hofmarschall- amt ein: An Frau Hoftöpfermeifter Lehmann, hier 8, Lstraße 45. Der Bries brachte die von Frau Lehmann früher oft ersehnte Einladung zum Hofball. In drei Wochen sollte er stattfinden. Frau Lehmann hatte also reichlich Zeit, ihre Garderobe in Stand zu setzen. Aufs Geld kam es dabei natürlich nicht an, denn Herr Lehmann war sehr reich und zweifacher Hausbesitzer. „Wenn schon, denn schon," sagte er und griff tief in den Arnheim. Der Abend des Hofballes erschien, Frau Lehmann war fertig. Herr Lehmann ließ die Nase hängen, denn er hatte böse Ahnungen. Eine Hofequipage fuhr vor und Frau Lehmann stieg seiderauschend in den Wagen, der sie in schneller Fahrt nach dem kaiserlichen Palais brachte. Hier wurde sie alsbald einer Hofdame abgeliefert, die bei ihr Adjutantendienste verrichten sollte. Unverzagt betrat Frau Lehmann mit dieser Adjutantin den Ballsaal, ohne sich durch den Glanz der Uniformen, Ordenssterne und seidene Gewänder erheblich verblüffen zu lassen. Eine Dame steuerte jetzt auf Frau Lehmann und ihre "Adjutantin zu, „Schön, daß ich Sie treffe, liebe Frau v. ffagte sie zu der letzteren, „ich habe Ihnen..." hier unterbrach sie sich, sah Frau Lehmann einen Allgenblick fragend und befremdet an, verbeugte sich dann höflich vor ihr und sagte: „Ich bin Frau von Tepper-Laski." — „Un ick," — sagte Frau Lehmann mit unverstellter Freude und entzückt, eine Collegin gefunden zu haben — „ick bin de Frau von Tepper Lehmann." Tableau. Frau Lehmann hat nie mehr nach einem Hofballe Verlangen getragen.
* Paffende Genugthuung. Student: „Mein Herr, Sie haben soeben meinen Hund auf den Fuß getreten — Sie müssen mir Genugthuung geben." — Aelterer Herr: „Mit dem größten Vergnügen! Kommen Sie nur mit zum
nächsten Schweinemetzger — ich kaufe dort dem Hunde eine Leberwurst."
Landwirthschastliche Winke und Rathschläge.
△ Uns Oberheffen, Anfang März 1892.
Hebet Beschaffung von land- und forffwirthschaftUche« Sämereien. Langsam zieht der Winter ab; er war bei weitem nicht so grimmig wie der vorjährige. Wenn er auch hie und da einmal eine finstere, strenge Miene machte, so dah daS Quecksilber im Thermometer vor Schreck bis auf —12° htnabsank, so hatte dies doch keinen rechtm Bestand. Es war mehr ein Schreckschuß, dessen Knall in der Regel nach 2 oder 3 Tagen verhallte. Nun ist der März berangekommen und da wird der sorgende Landwtrth ein Bischen Rück-, Aus-, Um- «ud Vorschau halten in Küche, Speicher und Keller, in Schuppen- und Wagenremtse, denn nun gtlts (recht bald hoffentlich) in die Campagne wieder etnzutreten, mindesten - sie vor-ubereiteu.
Wir nehmen an, daß der tüchtige Landmann sein Saatgetreide, Hafer und Gerste für die Sommerfrüchte, nunmehr auS eigenen Beständen zurecht gestellt hat. Er bedarf aber doch einiger anderer Sämereien: Gras-, ÄUe* und Waldsamen, die gar sehr in den Geldbeutel schneiden, weil sie saft immer zugekaust, in den wenigsten Fällen selbst in genügender Menge und Reinheit hergestellt zu werden pflegen. Einige Winke und Rathschläge in Bezug auf Gras-, Klee- und Waldsämereien werden darum sicher gerne entgegengenommen werden.
DaS Frühjahr 1891, besondersHdie erste Maihälfte, ließ sich gut an. Die Aussichten für Gras-, Klee- und Waldsamen waren darum anfangs recht günstig. Es folgte ein regnerischer, naßkalter Sommer, welcher dem Ausreisen der Sämereien ungünstig war. Der gute September verbesserte Einiges, aber lange nicht Alles. Aus diesen wenigen Andeutungen folgt, daß man beim Ankauf der Sämereien mit der größten Vorsicht handeln soll, wenn man nicht sein Geld für den schlechten Samen und damit zugleich die ganze Ernte einbüßen will.
Was die Graösämerets« anbelangt, so ist bei diesen immerhin eine Mittelernte vorhanden. Man kann also brauchbare Qualitäten bei erträglichen Preisen erhalten. Recht ««günstig sind die Sämereien der Sleearte« ausgefallen; die Erträge sind nicht hinreichend gewesen und darum steigen die Preise derselben. Rothklee und Luzerne sind lebhaft gefragt und werden darum gegen die Saatzeit hin recht hochpreisig werden.
Man kann den Landwirlhen nicht oft genug einschärfen, die theueren Kleesaaten nur durch Vermittelung der landwirthschaftlichen Vereine oder der Consumvereine zu kaufen. ES muß von dem Verkäufer verlangt werden, daß die Samen durchaus seidefrei sind, die größte Reinheit und die größtmöglichste Keimfähigkeit besitzen. Eine Prüfung durch die Samenkontrolftation in Darmstadt welle man nicht versäumen.
Auch über die Waldsamen mögen einige Winke folgen. Kiefern und Fichten haben nur eine geringe Ernte geliefert, daher kommt es, daß die Samenpreise hoch sind. Bei den Lärchen hat eine vollständige Mißernte stattgefunden. Der wenige Samen, welcher geerntet wurde, ist sehr geringwerthig und liefert kaum 30 pCt. Keimlinge, die nicht lebensfähig sind. Man kann daher nur Jedem rathen, in diesem Jahre keine Lärchensaatm zu machen, weil es sicher schlechte Erfolge haben wird. Die Samen mancher Laubhölzer find besset ausgefallen. Dagegen sind die Bucheln vollständig mißrathen.
Im Hinblick auf das Dorgetragene rathen wir zum Schlüsse noch einmal, recht vorsichtig zu sein und durch die Vereine nur bei hochachtbaren Häusern, die schon wegen deS Ansehens ihrer Firmen stets Gutes liefern, kaufen zu lassen. Wenn vielleicht auch um einige Prozent höhere Preise angelegt werden müssen, so rentiren sie sich unter allen Umständen.
pr. Heet.
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105
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ru c^c^^hen, sowie auch ausführliche Preisliste« der Gesellschaft in Gießen durch Earl Schwaad, Delicatessen- und Weinhandlung, in Sich (Oberh.): H. Ummer VII, in Hungen < Wetterau): Gustav Kohlheyer, »Zur Traube".
M. 1.05
„ 130
<iteratur mm6 Kauft
“ Als eine der wichtigsten Aufgabe« unserer Hausfrauen galt von leher die Kunst, dem Gatten den Aufenthalt am häusliche« Herde angenehm und vertraut zu machen. Unter dm Mitteln, welche ihnen für diesen Zweck zu Gebote stehen, spielt die Ausschmückung oer eigenen vier Wände eine ausschlaggebende Rolle, denn man wird sich auf die Dauer nur in solchen Räumen wohl fühlen, dmen eine tetn finnige Frauennatur den Stempel der Behaglichkeit ausgeprägt dem Titel: „Häusliche K««st" gibt die auf dem Gebiet der häuslichen Kunstfertigkeit bochoerdtente Herausgeberin der mi!®Cc ' 9reu F^eda Lipperheide, ein auf neun ßieferwngen “ i ^'^berechnetes Werk heraus, welches in hervorragender Weise ist, fleißigen Frauenhänden ihre schöne Aufgabe zu erschließen. Die ^Häusliche Kunst" bringt in gemeinverständlicher Form und durch viele Abbildungen erläutert, Anleitungen zu all den Kunst- sertigketten, welche heute den Laien in den Stand setzen, die zahl- re un£j; und Gebrauchs-Gegenstände des Hauses selbst
auvzuschmücken. Die unS vorliegenden beiden ersten Lieferungen behandeln die Malereien für Fächer, die Holzmalerei, die Brand- malerei, die Maleret auf Leder und die Gobelin-Malerei. Unter Mitwirkung sachverständiger Mitarbeiterinnen ist hier in klarer, leichtfaßlicher Weise Alles geboten, was die Ausübung dieser Malereien erfordert. Im Ganzen wird das nützliche Werk etwa dreißig Techniken erörtern, so daß man mit Bestimmtheit Voraussagen darf, die „Häusliche Kunst" wird in jeder Familie ein willkommener Schatz sein, der jedem Mitgliede derselben mindestens eine, seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Beschäftigung bringt.
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,°”f Me vorzüglichen feineren Tasel- und Dessertweine der «esellschast sei besonder« ans- merksam gemacht.
Ladung.
1. Anton Bonifacius Eu- siuger, geboren zu Dietkirchen am 9. Juni 1855, zuletzt wohnhaft in Gießen, Schneider, katholisch,
2. Nikolaus Stoll, geboren zu Böbingen am 8. Januar 1861, zuletzt wohnhaft in Gießen, Schloffer, evangelisch,
3. Ernst Christian Schlen stein, geboren zu Salzungen am 16. Januar 1860, zuletzt wohnhaft in Gießen, Bäcker, evangelisch,
4. Christoph Aorbach, geboren zu Daubringen am 28. Mai 1867, zuletzt wohnhaft in Heuchelheim, Schreiner, evangelisch,
-verden beschuldigt,
zu Nr. 2 als Wehrmann der Landwehr I. Aufgebots ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein,
zu Nr. 3 und 4 als Ersatzreser- visten ohne Erlaubniß ausgewandert -u sein,
zu Nr. 1 als Wehrmann der Landwehr II. Aufgebots ausgewandert zu sein, ohne von der bevorstehenden Auswanderung der Militärbehörde Anzeige erstattet zu haben, ^Übertretung gegen § 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs.
Dieselben werden auf
Freitag den 24 Juni 1892, Vormittags 8i/2 Uhr, vor das Großherzogl. Schöffengericht Gießen zur Hauptverhandlung geladen.
Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben aus Grund der nach $ 472 der Strasproceßordnung von dem Großherzogl. Bezirks-Commando zu Gießen ausgestellten Erklärung verurtheilt werden.
Gießen, den 18. Februar 1892. Der Grobherzogliche Amtsanwalt.
Wiener.______1556
1967) Ein Mädchen empfiehlt sich im ÄtdbetwuKbew bei billiger und guter >rbett. Näheres Burks Mühle 20.
Holzversteigerung.
Dienstag den 8. März d. I. werden aus den Abtheilungen Brauhof 1 a, 2 a, 4 a, Hasenkopf 5, 6, Lornrnerberg 35 a versteigert:
12 Eichenschnittholzstämme von 45—60 cm Durchm. und 3—8 m Länge mit 14,58 fm,
105 Eichenbauholzstämme von 14—45 cm Durchm. und 3—10 m Länge mit 54,81 fm,
3 Kiefernstämme von 32—38 cm Durchm. und 10 m Länge mit 2,95 fm, 8 Fichtenstämme von 13—26 cm Durchm. und 6—14 m Länge mit 2,41 fm,
13 Eschenstämme von 13—28 cm Durchm. und 3—8 m Länge mit 1,80 fm, 2 Buchenstämme von 52—54 cm Durchm. und 4 m Länge mit 1,77 fm, 11 Erlenstämme von 21 — 31 cm Durchm. und 5—15 m Länge mit 6,10 fm, 30 Eschenderbstangen von 6—13 cm Durchm. und 4—8 m Länge mit 1,47 fm,
2 rm Elchen-Nutzscheüer.
Die im Sommerberg 35 a beim Steinbruch liegenden Eichen- und Nadelstämme werden bei der Versteigerung nicht vorgezeigt, sie kommen gegen Mittag im Brauhof zum Ausgebot. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Forstgarten im Hasenkopf.
Nähere Auskunft ertheilt der Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten.
Gießen, den 27. Februar 1892.
Großh. Oberförsterei Schiffenberg.
Heyer. 1789
Holzversteigerung.
Aus den Abtheilungen Brauhof, Hasenkopf, Sommerberg und Kirchberg werden versteigert:
1. Mittwoch den 16. März: Buchen: 61 Rm. Scheiter, 49,2 Rm. Knüppel, 4500 Wellen, 90,6 Rm. Stöcke; wichen: 43 Rm. Scheiter, 18 Rm. Knüppel, 800 Wellen, 37,4 Rm. Stöcke; Nadel: 2,2 Rm. Scheiter, 2 Rm. Knüppel, 150 Wellen; Erlen: 2 Rm. Stöcke. — Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Forstgarten im Hasenkopf.
2. Freitag den 18. März: Buchen: 50,3 Rm. Scheiter, > 34,3 Rm. Knüppel, 3000 Wellen, 68 Rm. Stöcke; Eschen: 50 Wellen, j 3 Rm. Stöcke; Eichen: 45,2 Rm. Scheiter, 14 Rm. Knüppel, ! 1100 Wellen, 31 Rm. Stöcke; Erlen: 8 Rm. Scheiter, 7 Rm. Knüppel, 1330 Wellen, 14 Rm. Stöcke; Weichholz: 790 Wellen. Das im I Sommerberg beim Steinbruch lagernde Buchen- und Eichen - Scheiter-, 'Knüppel- und Reisigholz, sowie das in Abth. Kirchberg zerstreut liegende Weichholzreisig wird nicht vorgezeigt, es kommt gegen Mittag im Brauhof zum Ausgebot; Steigliebhaber wollen dieses vorher einsehen. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Brauhossweiher.
Nähere Auskunft ertheilt der Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten.
Gießen, den 1. Marz 1892.
Großh. Oberförstcrei Schiffenberg.
2043 Heyer.
Bekanntmachung.
Die erledigte Stelle eines Kreis- straßenwarts mit dem Wohnsitz in Daubringen soll demnächst wieder besetzt werden.
Die Bewerber haben ihre Meldungen bei Bezirksbauaufseher S e n ß - selber in Gießen bis längstens 15. März l. I. schriftlich ein-
Verdingung.
Die Anfuhr von Steinkohlen für 11892/93 wird am Sonnabend den 12. März, Vormittags 10 Uhr, im diesseitigen Geschäftszimmer, woselbst auch die Bedingungen ausliegen, verdungen. [19701
Garnisonverwaltung in Gießen.
zureichen, wobei Alter, Wohnort und seitherige Beschäftigung unter Beifügung etwaiger Zeugnis) e über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art anzugeben sind. [2007
Gießen, am 2. März 1892.
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.
Holzverfteigerung.
Samstag den 12. d. Mts. werden versteigert:
I. Vormittags von 9 Uhr ab im Gemeindewald Weidenhausen, District Streithecke, unmittelbar an der neuen Straße von Wetzlar nach Weidenhausen:
62 Kiefernstämme 11,64 fm,
17 Kiefernstangen I./II. El. u. 2 rm Kiefern-Knüppel.
II. Vormittags von 10 Uhr ab im Gemeindewald Reiskirchen, Beginn District 7 „Hirschbach" (ganz in der Nähe):
Eichen: 3 Stämme I. El. = 7,75 fm, 6 Stämme II. Cl. = 10,11 fm, 55 Stämme III. Cl. = 35,60 fm, 36 Stämme IV. Cl. — 6,92 fm, 12 Stangen I. u. II. Cl., 3 rm Nutz- u. 61 rm Derbholz.
Buchen: 52 rm Derbholz, 2,5 rm Stöcke u. 34 rm Knüppel.
Weichholz: 400 Stück Hasel - Gerten VI. Cl. u. 2 rm Knüppel.
Nadelholz: 109 Stämme ITI./IV. Cl. = 18,24fm, 29Stangen I./III Cl., 1 rm Knüppel u. verschiedene Reiser. Das sämmtl. Stamm-, Stangen- u.
Nutzholz wird zuerst hintereinander ausgeboten u. dann erst das Brennholz.
Gr.-Rechtenbach, 3. März 1892.
Das Bürgermeister-Amt. 2022
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