Ausgabe 
5.1.1892
 
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Nr. 3

1«92

Amts- rind Anzeigeblatt für den Avers GieHen

Hratiskeikage: chießmer Jamilienölätter.

Betr.:

Deutsches Reich

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

Sie derselben umgehend entsprechen.

v. Gagern.

Ausland.

Windeckers Felscnkeller

141 215 315 448 551 553

937 938 980 1103 1197 1963 2196 2286 2417 2465

3494 3589 4152 4259 4294

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Barm. 10 Uhr.

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. I 3 ^^tschlaud und Rußland schweben bezüglich Bei- Soweit Sie mit Erledigung unserer Verfüauna vom - ^tzteren zu den neuen Handelsverträgen. Die

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erhalten. Es würden Maßnahmen getroffen werden, um die Finanzvcrhältnisse des Staates zu ordnen.

Pest. 2. Januar. Die Direction und der Aufsichtsrach der Bester ersten vaterländischen Sparkasse stellten das Fehlen eines Baarbetrages von 60,000 fl. in der Manipulationskaffe, sowie einen Abgang von Renteu-Obli- gationen im Betrage von nominell einer Million fl. sest, welche von dem Hauptkassierer Piussich desraudirt worden sind. Der Defraudant hat sich entleibt.

betroffen, die zweite soll am Montag staltfindcn.

Berlin,2.Januar. Bei der Rothen Kreuz-Lotterie fiel der Haupttreffer auf Nr. 241,564.

.. Berlin. 2. Januar. Die Schuhmacher beschlossen, im Frühjahre in die L o h n b e w e g u n g einzutretcn und eventuell einen Generalstrike anzuregen.

Vierteljähriger AßonnemcnUpreis:

2 Marl'M'Psg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen

2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Sckratfiraße Hlr.7.

Fernsprecher 51.

Ter Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins. Dr. Braden.

Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Loos-Nummern: 61 101 558 585 662 668 808 920 1420 1444 1704 1845 1875 2577 2815 3140 3253 3427 5020 5512 5683.

Das Gr. Steuer-Commiffariat Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Bezirks.

Wir ersuchen Sie, die hier befindlichen Brandkataster , baldmöglichst mit Gelegenheit doch abholen zu lassen.

Gießen, den 2. Januar 1892.

! Süffert.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen

«» die Grotzh. »Srgermeistereiea de« «reise«.

Soweit Sie noch im Rückstände sind, erinnern wir Sie an Erledigung unserer Verfügung vom 9. December 1891 (»nzerger Nr. 289) binnen acht Tagen.

_______v. Gagern.

v Gießen, den 2. Januar 1892.

Setn: Die Ausführung de« Gesetzes über den Schutz der m fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter sechs Jahren.

Oberhessischer Obstbauvcrein.

Von den Gegenständen, welche in der Verloosuna bei Gelegenheit der Obstausstellung des Oberhesfischen Obft 1 bauvereins in Gießen gewonnen wurden, ist eine größere Anzahl noch nicht abgcholt. Wir geben deshalb im nach- siehenden nochmals die betreffenden dazu gehörigen Nummern der Loose mit dem Bemerken, daß die Geg-nstände durch die Ge,chastsstelle des Oberhesfischen Obstbauvereins zu Friedberg gegen Einsendung des Looses auf Kosten des Gewinners zu ^halten sind und daß die nicht eingelösten Gegenstände zu Gunsten des Obstbauvereins am Samstag den 10 Ja «»ar, Abends 8 Uhr, in Windeckers Felscnkeller versteigert werden.

Brüssel, 2. Januar. Gestern früh erfolgte ein ferneres I Dynamit-Attentat gegen die Wohnung des Polizei­dieners in Bouverie (Hennegau). Die Hausfaxade wurde voll­ständig zerstört, die Nachbarhäuser und die in der Nähe be- findliche Kirche sind beschädigt. Ein in Wiheries bcabsichtiotes Dynamit Attentat mißlang.

Warschau, 2. Januar. In der hiesigen Garnison ist der . Flecktyphus ausgebrochcn- er soll durch Militär aus den nothleidenden Gouvernements eingeschleppt sein.

Lissabon, 2. Januar. In der Thronrede für die Eröffnung der Cortes werden die ausgezeichneten Be­ziehungen zu allen Mächten constatirt und hinsichtlich der Frage der Handelsverträge bemerkt, Portugal werde kein Zugeständniß machen, ohne gleichwerlhige Bergünsligungen zu

Neueste Nachrichten.

WolfiS telegraphisches Lorrespondmz-Vureai

Dresden, 3. Januar. Einem heute früh 8 Uhr aus- gegebenen Bulletin zufolge sind bei dem Prinzen Georg gestern noch in später Abendstunde Erscheinungen eingetreten, welche aus eine wiederkehrende Thätigkeit des Darmes hin­wiesen. Der Prinz hat die Nacht zwar nicht gut verbracht, auch fei immer noch Fieber (38,7) vorhanden, jedoch sei zu hoffen, daß die bis vor Kurzem bestandene Gesahr nunmehr beseitigt sei.

Bremen, 3. Januar. Der heute Vormittag 10 Uhr 3 Minuten hier fällige Personenzug von Wilhelmshaven stieß bei Wüssing mit einer leeren, von Station Hude kommenden Maschine zusammen, welche fahrplanmäßig in Reiherholz zu kreuzen hatte. Der Führer der leeren Maschine hatte das Haltesignal nicht beachtet, die Kreuzungsstation durchfahren und war so dem von Station Wüsting abge­gangenen Personenzuge entgegengefahren. Der Führer und der Heizer der teeren Maschine sind tobt; Führer, Heizer, Packmeister und Zugführer des Pcrsonenzuges sind verwundet. Von den Passagieren wurde Niemand verletzt.

Depeschen veSBureau Herold".

Hamburg, 3. Januar. Die norwegische BarkeEllisif" ist, nach einem Zusammenstoß mit dem seewärts gehende« englischen DampferBurton" auf der Elbe, vollständig gesunken. 3

Nom, 3. Januar. Die von der italienischen Regierung für die Vertragsverhandlungen mit der Schweiz ernannten Delegirten sind heute nach Bern abgereist, da die Schweiz hinsichtlich der italienischen Landesproducte hohe For­derungen stellt, doch wird ein Einvernehmen sicher erzielt.

Brussel, 4. Januar. Die Congo-Acte wurden von allen Mächten, außer von Portugal, angenommen. Der Bei­tritt Portugals wird bis zum 5. Januar erwartet.

Der

Oi-tzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS

Montags.

Die Gießener ^«mitienötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 2. Januar 1892. Das Landgestüt; insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestüts beschäler in 1892.

I Berlin, 2. Januar. DieNordd. Allgem. Zeitung" i schreibt: Sicherem Vernehmen nach hat die spanische Re- i 9'«ung hier die provisorische Verlängerung des i bestehenden deutsch-spanischen Handelsvertrags bis zum 30. Juni b8. IS. unter der Bedingung des Ausschlusses der bisherigen Bindung des spanischen Einsuhrzvlles auf Branntwein bean­tragt, die deutsche Regierung diesen Antrag aber abgelehnt.

Berlin, 2. Januar. Nach derVoss. Ztg." halten die Times" die Nachricht aufrecht, daß Unterhandlungen

' _______Dienstag dm 5, Januar__

GiehenerLlnsi'iger

Kemral'-Anzeiger.

Feuilleton.

Das große Loos.

Humoreske von Georg Grad.

(1. Fortsetzung.)

Sie haben gewonnen, zum ersten Male in der Lotterie zu spielen und gleich zu gewinnen. Sie Glücklicher' Mit mit tausend Reichsmark ist Ihr Loos herausgekommen, junger

Ich glaube, ich wurde in diesem Augenblick kreideweiß

Mit tausend Mark?" Ich seufzte, aus allen Him­meln gestürzt, tief auf. Tausend Mark! he he he, während ich mindestens auf zehn-, zwanzig-, dreißigtausend gerechnet hatte.

Also kommt auf Sie der achte Theil," fuhr der Un- glücksbote fort

//Was? Der achte Theil? Herr---" jetzt kochte

es in mir vor Wuth.Der achte Theil lächerlich das wären ja nur 125 Mark."

Hunderrzehn Mark, mein Herr," entgegnete jener netto hundertundzehn Mark 15 Mark gehen ab für den Staat . ."

Ich hätte vor Enttäuschung vergehen mögen, hundert­undzehn Mark. Das war zu toll. Und nun noch der Abzug.

Dann machen Sie, bitte, kurzen Proceß und händigen Sie mir das Geld aus, fuhr ich ihn an.!

Wenn Sie das Geld gleich zu haben wünschen, junger Mann, dann kommt mir noch eine kleine Provision zu, die ich ganz in Ihr Belieben stelle."

Schon gut, schon gut," erwiderte ich piquirt,wollen Sie nicht vielleicht lieber gleich das ganze Geld behalten?"

Anstatt des Taschenbuchs mit den erhofften graubraunen Scheinen, welche die stattliche Zahl1000 Reichsmark" tragen, holte er sein langgedientes Portemonnaie hervor, das rr sorgsam in ein nicht gerade blendend weißes Tuch ein-

geknolet hatte. Umständlich zählte er mit vielem Geräusch das Geld aus den Tisch, dabei noch immer murmelnd:Was ein Glück, was ein Glück."

Meine angeborene Gutwüthigkeit gewann schließlich in mir die Oberhand. Der arme Mann konnte doch nichts dafür, daß ich mir so große Illusionen gemacht hatte und schließlich war doch auch der kleine Betrag, namentlich in Hinsicht auf meine finanzielle Lage, nicht zu verachten.

Ich gab also dem alten Herrn eine Entschädigung, die ihn vollkommen zufrieden zu stellen schien, dann, nachdem er mir noch em neues Achrellos verkauft hatte, empfahl er sich unter vielen Verbeugungen, Gottes weiteren Segen aus mein Haupt herabflehend.

Während ich das Geld einstrich, konnte man vom Corridor her eine gedämpfte Conversation vernehmen, die sich zwischen meiner Wirrhin und dem Loosehändler entsponnen hatte. Letzterer, als geriebener Geschäftsmann, hatte die günstige Gelegenheit benutzt, und nicht nur meine Wirthin, sondern auch, wie ich später erfuhr, die gesammte Einwohnerschaft der angrenzenden Häuser durch die Erzählung, daß er mir soeben einen Antheil vom großen Loose ausgezahlt habe, welches zufällig an dem Tage gleichfalls gezogen worden war, zur ubnahme von Glücksloosen zu bestimmen gewußt.

Ich kaunte meine gute Frau zu genau, als daß ich nicht ihren Eintritt jeden Augenblick erwartet hätte. Die Neugierde ist bei Frauen ein gar zu mächtig Ding.

Ich gratulire Ihnen herzlich," rief sie mir bei ihrem Eintritt zu und streckte mir ihre biedere Rechte entgegen. Das freut mich, daß gerade Sie ein so großes Glück ge­troffen hat, denn gewöhnlich," setzte sie hinzu,kommt es an den Unrechten."

Ach," fuhr sie seufzend fort,nun wird es Ihnen gewiß nicht mehr hier bei mir armen Frau gefallen- nun werden Sie wohl eine schöne, elegante Wohnung miethen."

Aber Frau Müller, ich denke gar nicht daran, von Ihnen zu ziehen."

Nicht?" Und ihr Gesicht leuchtete freudig auf,dann will ich mir auch die erdenklichste Mühe geben, damit es

I J^en auch ferner hier gefallen soll. Wollen Sie vielleicht I das vordere Zimmer auch bewohnen, das ist ja viel bester möblirt. Sie werden nun doch viel Besuch empfangen."

Bisher habe ich die Miethe für das eine Zimmer nicht einmal prompt bezahlen können und nun soll ich noch em zweites dazu nehmen? Nein, liebe Frau, es bleibt Alles beim Alten."

Aber Sie sind doch jetzt so furchtbar reich geworden?" Woher haben Sie denn diese Wiffenschaft?"

Die brave Frau erröthete ein wenig.Der Collecteur hat es mir erzählt."

Glauben Sie doch nicht daran, Frau Müller. Es war eine optische Täuschung. Hundert Mark in runder Summe beträgt der richtige Gewinn. Sehen Sie hier."

Ach gehen Sie doch," antwortete Sie piquirt,Sie wollen mir etwas weiß machen. Nein, nein, mit dem großen Gewinn wird es wohl seine Richtigkeit haben."

Vielmals dankend, strich sie den ihr schuldenden Betrag ein und war höchlichst erfreut, als ich auch ihr eine kleine Extra-Belohnung zu Theil werden ließ. Den Rest des Tages erblickte ich sie nicht wieder. Dasfrohe Ereigniß" drückte sie wie eine Centnerlast auf dem Herzen, und nicht eher fand sie Ruhe, als bis sie in ihrem ganzen, weiten Bekanntenkreise die wundersame Mär von meinem Reichthum an den Mann gebracht hatte.

Sobald ich aus der Thür ging, steckten die lieben Haus­bewohner ihre Köpfe zusammen und raunten sich, auf mich deutend zu:Das ist er, das ist er." Aus Schritt und Tritt begleiteten mich in den angrenzenden Straßen die neugierigen Blicke der müßigen Gaffer.

Allein nicht nur in die Nachbarschaft, sondern bis in weitere Kreise war das Gerücht von diesemGlückssall" ge­drungen und die Fama hatte sich, wie gewöhnlich, beeilt, derart zu übertreiben, daß es in der Meinung der Leute bald un- umstößlich seststand, daß ich anstatt 100 Mark das große LooS gewonnen hätte, besonders als ich mir einen neuen Hm und ein Paar Handschuhe zulegte.

(Schluß folgt.)