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4.9.1892 Erstes Blatt
 
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ir. 206 Erstes Blatt

Sonntag den 4. September

1892

Ter Kickeircr Anzeiger erscheint täglich, mit XuSnabme be3 'Jinntnq'S.

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Kenerat-Anzeiger.

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Amtlicher Therl.

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Gießen, am 2. September 1892.

Betr.: Vertilgung der Blutlaus.

)as Großherzogliche Kreisamt Gießen ein die Grotzh. Bürgermeistereien und Local­polizeibeamten des Kreises.

Wir bringen die Bestimmung des in rubr. Angelegenheit (offenen Reglements vom 3. Februar 1888 Kreisblatt r. 32 in Erinnerung, wonach im Monat September der eite Rundgang der Commission vorzunehmen ist. Ganz sondere Aufmerksamkeit muß hierbei denjenigen Bäumen schenkt werden, an welchen im Frühjahr die Blutlaus sunden wurde. Ihren Bericht über das Ergebniß der Rund- nge erwarten wir innerhalb der ersten Woche des Octobers, o bei dem im Frühjahr vorgenommenen Rundgang die lutlaus gesunden wurde, ist in den Berichten zu erwähnen, sie sich auch jetzt trotz angewandter Vertilgungsmaßregeln ch gezeigt hat.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend das Beschneiden der Hecken.

Wir sehen uns veranlaßt, das nachstehende Polizei- eglement wiederholt zum Abdruck zu bringen.

Gießen, den 2. Sevtembcr 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Polizei Reglement.

Aus Grund der Art. 48, V, 1 und 78 der Kreis-Ordnung m 16. Juni 1874 wird unter Zustimmung des Kreis-Aus- »uffes und mit Ermächtigung Grobherzoglichen Ministeriums <5 Innern und der Justiz vom 16. December 1881 zu r. M. I. 25 744 für den ganzen Kreis unter Aushebung (er früheren, denselben Gegenstand betreffenden Reglements rordnet wie folgt:

Die Garten- und Feldbesitzer sämmtlicher Gemarkungen s Kreises haben die ihren Grundbesitz an öffentlichen ahr oder Fußwegen einsriedigenden Hecken in jedem rühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter Höhe und 50 Meter Breite zurückzuschneiden und im Laufe des Monats eptember die neuen Schößlinge wiederholt zu beschneiden er zurückzubinden.

Zuwiderhandlungen werden auf Grund des Art. 31 des eldstrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft.

Gießen, am 24. Februar 1882.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Feuilleton.

Der Vetter aus Kalifornien.

Novelle von E. Rudorfs, rfassertn des preisgekrönten Romans:Durch Leid zum Licht".

(2. Fortsetzung.)

Lieber Alter, vielleicht lieft Du den Brief uns vor," t die Gattin, und der Gestrenge ihat ihr den Willen.

Die Frauen vernahmen nun, daß Wilhelm, dem eine ehnsucht nach dem geliebten, nie vergessenen Heimathlande r Eltern früh von diesen eingeimpft worden war, sich eine scheidene Summe erworben und die Absicht habe, im Herbst ch D. zu kommen, um sich dort niederzulassen. Ein junger -ann Namens Lorenz Walter, mit welchem er zusammen in -er Fabrik gearbeitet, sei von demselben Wunsche beseelt tb werde bald in Europa eintreffen. Wilhelm habe ihm esen Bries mitgegeben, den Walter von London abzusenden rsprochen. Bei seiner Ankunft in D. würde Walter die :rtoanbten aufsuchen und herzliche Grüße von ihm bestellen.

Das bevorstehende, so ungewöhnliche Ereigniß beschäftigte ' kleine Familie in hohem Maße und jeder hatte noch seine anderen Gedanken dabei, welche er jedoch fest in seinem mern verschloß. Der Rechnungßrath war überzeugt, daß ilhelm nicht mit einer bescheidenen Summe anlangen würde, ibern als eine Art von Nabob, und baß der Hauptgrund nes Kommens wäre, den in Finanzsragen so erfahrenen leim zu Rathe zu ziehen, in welcher Weise er seine Reich- imer am besten anlegen könne.

Die Rechnungsräthin glaubte wiederum, daß Wilhelm r nach D. komme, um sich ein braves Mädchen aus ehren-

Gießen, am 1. September 1892.

Betreffend: Die Abhaltung landwirthschastlicher Vorträge in den Gemeinden des Kreises Gießen.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

In dem Voranschlag des landwirthschaftlichen Bezirks­vereins Gießen pro 1892/93 sind 200 Mark zur Bestreitung der Kosten der Abhaltung landwirthschastlicher Vorträge in den einzelnen Gemeinden des Kreises in Ausgabe vorgesehen.

Die Diäten und die Kosten des Transports der betr. Herren Wanderlehrer per Bahn werden auf die Bezirks­vereinskasse übernommen. Gemeinden, welche nicht an der Eisenbahn liegen, haben den Herrn Wanderlehrer an den nächsten Bahnstationen auf ihre Kosten per Wagen abholen zu lassen.

Ich ersuche Sie um gefällige Auskunft, ob Sie wünschen, daß a Zhren Orten Vorträge gehalten werden und an welchen Taget. (Sonntagen) und über welche Themata.

Jost,

Regierungsrath.

Bekanntmachung,

betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.

Die Vollzugscommission hat beschlossen, daß die Stoppel­äcker im II. Feldbereinigungsbezirk (Feld zwischen der Kreis- straße nach Garbenteich und dem alten Anneroder Weg) bis zum 20. Cctobcr d. I. umgepflügt sein müssen und daß für den Fall der Unterlassung dem Besitzer pro Normal­morgen der Betrag von 10 Mark anzusetzen ist. Es wird dies hierdurch zur Kenntniß der Besitzer gebracht.

Gießen, 2. September 1892.

Der Vollzugscommissär Rebel, Amtmann.

Bekanntmachung.

betreffend öffentliche Faselschauen.

Bei der Faselschau zu Grünberg am 25. August d. I. wurden die nachverzeichneten Fasel für tauglich befunden, als Gemeindezuchtstiere verwendet zu werden.

Gießen, den 1. September 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

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Besitzer

Fasel

Gutachten über

Bemerkungen

Wohnort

Namen

Raffe

Farbe

Alter

Jahre

Körper­bau

Nahr- zustand

Haut­pflege

Gesund- bett§- zustand

1

Langsdorf

Konr. Köhler

Simmth.

Falb

l'/3

gut

gut

gut

gut

Reinzucht

dgl.

dgl.

2

Stein heim

PH. Kaiser II.

Simmth.

Kreuzung dgl.

dgl.

1

dgl.

dgl.

3

Nieter-Ohmen

Hch. Grün II.

Gelbroth- scheck roth

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genügt.

dgl.

dgl.

dgl

4

Klein-Eichen

Gg. Zimmer

Vogels-

1V12

dgl.

dgl.

dgl.

dgi.

beiger

5

Lauter

JohS. Schmidt VI.

dgl.

dgl.

1V4

gut

dgl.

dgl.

dgl.

6

Saasen

Hch. Krug II.

dgl.

dgl.

1V1

dgl.

dgl.

dgl.

dgl.

7

Grünberg

Müller Keil

dgl.

dgl.

1V12

genügt.

dgl.

dgl.

dgl.

8

bgt.

Theodor Stein

dgl.

dgl.

1V3

gut

dgl.

dgl.

dgl.

9

Lauter

Wilh. Schmidt

dgl.

dgl.

15/1,

genügt.

dgl.

dgl.

dgl.

10

Atzenhain

Konr. Häufer

dgl.

dgl.

1V6

gut

dgl.

dgl.

dgl.

Bekanntmachung.

Zwecks Erhebungen über die Arbeitszeit im Bäckerei- und Conditoreigewerbe werden von uns am 6. Septem­ber l. I. an alle Bäckereien und Conditoreien der hiesigen Stadt Fragebogen ausgegeben werden, welche ordnungs- und wahrheitsgemäß zu beantworten sind; dieselben werden am 12. September l. I wieder abgeholt.

Die Ausgabe der Fragebogen erfolgt in der Weise, daß

sämmtliche einschlägigen Betriebe alphabetisch zusammeugestellt und bei der ersten Hälfte dieser alphabetisch aufgenommenen Gesammtzahl die Fragebogen den Arbeitgebern, bei der zweiten Hälfte den Arbeitnehmern zur Beantwortung ausgehändigt werden.

In Betrieben, wo mehrere Arbeiter beschäftigt sind, haben sich dieselben sofort darüber zu einigen, wer von ihnen behufs Beantwortung den Fragebogen in Empfang nehmen soll und wird mangels einer derartigen Einigung der Frage-

werther Familie zur Gattin zu wählen. Und konnte es wohl ein herzigeres, liebenswertheres Geschöpf geben, als ihre Liesbech es war?

Liesbeth wiederum hegte nicht den geringsten Zweifel, daß der angefünbigte Lorenz Walter ihr Vetter Wilhelm selber sei. Sicherlich wollte er ungekonnt ben Verwandten sich nähern, und erst, wenn es ihm gelungen, deren Zuneigung zu erwerben, das Jncognito ablegen.

Am nächsten Sonntag um die sechste Stunde erschien in dem Gärtchen ein hübscher, stattlicher junger Mann und stellte sich als Lorenz Walter vor. Aus feinem von der Luft gebräunten Antlitz strahlten ein paar intelligente, scharf um sich blickende Augen und in dem ganzen Auftreten des Fremden sprach sich ein ruhiges Selbstbewußtsein, ohne jeg­liche Ueberhebung aus. Zorn empfing den Ankömmling mit der Würde eines Monarchen, welcher dem Abgesandten einer Großmacht zum ersten Male Audienz ertheilt.

Meine Schwester Ursula," begann er,verließ mit dem Manne ihrer Wahl vor dreißig Jahren Europa. Es war anno 49, ich sage absichtlich 49, nicht 1849, weil ich gewöhnt bin, bei allen Verhandlungen mich kurz zu fassen, auch Weitschweifigkeiten durchaus hasse. Als den Sendboten ihres hinterlassenen einzigen Sohnes begrüße ich Sie mit alle der Achtung, welche den Gefühlen entspricht, die mich gegen Wilhelms Vater und Mutter und auch gegen den mir noch unbekannten, sicherlich höchst ehrenwerthen Wilhelm Berg erfüllen."

Die Rechnungsräthin reichte Walter freundlich die Hand und Liesbeth lächelte ihm schalkhaft zu. Ihr Blick schien zu sagen:Ich verstehe dich, werde jedoch dein Spiel nicht verderben!"

Der Fremde, dessen scharfem Auge sofort die groteske Gartenanlage ausgefallen war, erkundigte sich mit vorsichtiger Freundlichkeit nach dem Urheber dieser Schöpfung. Zorn setzte weitläufig auseinander, was ihm vorgeschwebt und wie er nur eines nicht begreifen könne, daß ein Theil der herr­lichen Stämme zu kränkeln beginne. Ein Blick in das lieb­liche Antlitz von Liesbeth schien Walter zu stärken, so daß er mit ruhiger Miene dem langathmigen Vortrage des alten Herrn zu folgen vermochte. Als der Rechnungsrath geendet, fing der junge Mann eine Rede an, in welcher alles ge­drängt, zur Sache gesprochen war, dem englischen Sprichwort gemäß:Zeit ist Geld!" Er betonte, daß er vollkommen den ausgezeichneten Plan Zorns begreife, allein daß jetzt die höchste Zeit wäre, die letzte Hand an das Werk zu legen. Die Bäume ständen zu gedrängt, mehr als die Hälfte müsse fortkommen und die übrig bleibenden müßten durch lebende Hecken in hübscher Gruppirung verbunden werden, um den Gemüsegarten zu verdecken. Während Lorenz Walter sprach, hatte er ein Blatt Papier aus seiner Briestaiche gezogen und mit wenigen Strichen die Anlage gezeichnet. Auch erbot er sich, dieselbe auszuführen, falls Zorn dies gestatte.

Ein Blick auf die Zeichnung belehrte den Rechnungs­rath, wie hübsch das Ganze werden müsse, und er fragte feinen Gast, welchem Fache er sich eigentlich gewidmet und wo er seine Lehrzeit vollendet habe?

Lächelnd antwortete Walter:Wenn ich Ihnen alles erzählen sollte, was ich gewesen, in welchen Städten und Orten ich gelebt, es würde viel zu weit führen. Mein ur­sprüngliches Vorhaben war es, Ingenieur zu werden, da je­doch meine Mittel oftmals gleich Null waren, so mußte ich inzwischen jede Beschäftigung aufnehmen, die sich darbot, um