Nr. 129 ErSes Blatt
Samstag den 4. Juni
1892
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2lnrtlichev Theil.
Bekanntmachung.
Mittwoch den 15. Juni 1892, Vormittags 10 Uhr, wird im Gasthof zum Hirsch in Grünberg eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und J)er landwirthschaftlichen Ortsvereine, der Viehzuchtgenossenschaft, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebend eingeladen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung KennLniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Tagesordnung: Vortrag des Herrn Landes-Oecono- mieraths Müller zu Darmstadt über die Vorzüge der Vogelsberger Rindviehrasse.
Gießen, den 31. Mai 1892.
Der Director des landwirthschaftl. Bezirksvereins Gießen. Jost, Negierungsrath.
Bekanntmachuua.
Nachdem der von der Stadtverordneten - Versammlung festgestellte Fluchtlinienplan für die verlängerte Weserstraße von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigt worden ist, bringen wir dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Keuntniß, daß die Einsicht des Plans auf dem Stadtbauamt Jedermann freisteht.
Gießen, den 2. Juni 1892.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
G n a u t h.
Bekanntmachung.
Nachdem der Dienstmann Jacob Müller die ihm s. Zt. ertheilte Concession zurückgegeben und die Aushändigung der von ihm gestellten Dienstcaütion verlangt hat, fordern wir diejenigen auf, welche Ansprüche an diese Caution aus der Eigenschaft des Müller als Dienstmann erheben zu können glauben, solche bei Meldung des Ausschlusses binnen 8 Tagen bei uns vorzubringen.
Gießen, den 31. Mai 1892.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Reich.
Berlin, 2. Juni. Der seltsame Spuk, welcher seit Wochen, ja schon seit Monden in Gestalt der widersprechenden Gerüchte und Meldungen über die Deutschlandsfahrt des Czaren sein Unwesen in der Tagespresse trieb, hat nunmehr am längsten gedauert. Der „Hamb. Corr." bestätigt aus sicherer Berliner Quelle die in den letzten Tagen von den Kopenhagener Blättern gebrachte Meldung, daß die signalisirte Begegnung des Czaren mit dem deutschen Kaiser am 7. d. M. in Kiel stattfinden werde. Hiernach beabsichtigt der russische Monarch im Lause des Vormittags des genannten Tages an Bord seiner Dacht „Polarstern" in Kiel einzutreffen, hier den Tag über als Gast des Kaisers Wilhelm zu verweilen und Nachts nach Kopenhagen zurückzureisen. Erläuternd wird zu dieser Nachricht von dem „H. C." bemerkt, nachdem der Czar seinen Wunsch nach einem Zusammentreffen mit dem deutschen Kaiser zu erkennen gegeben habe, sei Kiel als Begegnungsort verabredet worden. Es sei dies geschehen einerseits in Hinblick darauf, daß der gegenwärtige Aufenthalt der russischen Kaisersamilie in Kopenhagen ein nur kurz bemessener sei und auch ihre Rückreise nach Petersburg direct zur See erfolgen werde, anderseits in Berücksichtigung der in Berlin für die ersten Junitage bereits getroffen gewesenen anderweitigen Dispositionen. Man darf wohl annehmen, daß die genannten Dispositionen für die Zusammenkunft der beiden mächtigsten Herrscher.Europas nunmehr endgiltige sind; der deutsche Kriegshasen an der Ostsee wird also in diesen Tagen in aller Munde sein. Als selbstverständlich kann es gelten, daß die Monarchenentrevue von Kiel aus die auswärtige Politik Deutschlands in keiner Weise zurückwirken wird, denn eine Aenderung in den deutsch-russischen Beziehungen ist von dem bevorstehenden Zusammensein Kaiser Wilhelms mit dem Czaren ebensowenig zu erwarten, wie dies schon bei den früheren Begegnungen beider Herrscher der Fall war. Dennoch bleibt das angekündigte Ereigniß ein Friedenssymptom amd so kann man es immerhin mit Genugthuung begrüßen.
Das vor der Thür stehende P sing st fest hat seinen Einfluß aus die innerpolitischen Angelegenheiten zunächst im preußischen Landtage geltend gemacht. Nachdem das ' Abgeordnetenhaus bereits am Dienstag in die Pfingstserien gegangen war, folgte ihm am Donnerstag auch das Herrenhaus nach, welches übrigens in der kurzen Zeit seit seinem Wiederzusammentritte am 27. Mai bis zu seiner jetzt erfolgten abermaligen Vertagung ein ganzes Bündel von Vorlagen erledigt hat, freilich in höchst summarischer Weise. Nach Pfingsten bleibt dann für den Landtag als einziges größeres Berathungsmaterial das Tertiärbahngesetz übrig, immerhin dürfte der Sessionsschluß erst gegen den 23. oder 24. Juni zu ermöglichen sein.
— Das Thema von den angeblichen Bemühungen, die persönlichen Beziehungen zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck wieder angenehm zu gestalten, wird in der „Tägl. Rundschau" neuerdings ausgewärmt. Das genannte Blatt will von „gut unterrichteter Seite" wissen, diese schon vor längerer Zeit in Gang gesetzten Bemühungen schienen nicht erfolglos bleiben zu sollen, es verlaute nämlich, Fürst Bismarck gedenke binnen kurzer Frist bei paffender Gelegenheit Veranlassung zu nehmen, den Kaiser persönlich zu begrüßen. Jedenfalls wird die Bestätigung dieser Meldung noch sehr abzuwarten sein.
— Die Bochumer Stempelsälschung-Asfaire macht wieder einmal von sich reden. Es soll gegen den Geh. Commerzienrath Baare und zwei Beamte des Bochumer Vereins Klage wegen Begünstigung von Stempelsälschungen gestellt worden sein.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 2. Juni. Die heutige Stadtverordneten- Sitzung eröffnete der Vorsteher Stryck mit einem warmen Nachruf an Forckenbeck, worin er den bisher wenig erwähnten Wohlthätigkeirssinn des Verstorbenen behandelte, den er namentlich als Vorsitzender des Ueberschwemmungs-Comites bethätigte. Forckenbeck half namentlich in Noth gerathenen städtischen Beamten, tröstete die Hinterbliebenen Plötzlich verstorbener städtischer Bürger durch reiche Hilfe und habe so wahre Nächstenliebe geübt.
Prag, 2. Juni. Der Ackerbauminister traf heute aus dem Maria-Schachte ein. Bisher sind insgesammt 67 Leichen herausgeschafft worden. ES ist keine Hoffnung, daß in den Schächten noch Lebende ausgefunden werden.
Petersburg, 2. Juni. Der bis ungefähr den 10. Mai alten Stils reichende Bericht des Ackerbau-Departements über den Stand der Saaten im europäischen Rußland besagt: Der schneereiche Winter habe den Boden fast durchgängig genügend gut befeuchtet, was hauptsächlich zur Ausbesserung des Standes der Wintersaaten im Frühling beigetragen hat. Es habe sich zwar im April Mangel an Regen fühlbar gemacht, allein der im Mai allenthalben niedergegangene Regen habe die Saaten sehr erfrischt und die beste Hoffnung aus eine befriedigende Ernte gegeben. Die Sommersaaten stehen größtentheils befriedigend, stellenweise sogar auch die Wintersaaten. _____________
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 2. Juni. Der König von Italien trifft am 6. Juni in Potsdam ein und wohnt in dem dortigen Stadtschlofle.
Berlin, 2. Juni. Der Siebener-Ausschuß zur Unter» richtsresorm hat seine Arbeiten beendet. Die Mitglieder wurden mit dem Cultusminister Bosse zu dem Kaiser geladen.
Berlin, 3. Juni. Ahlw ardt wollte gestern Abend in der Tonhalle sprechen, wurde jedoch um 7*/2 Uhr in seiner Wohnung verhaftet.
München, 2. Juni. Beim gestrigen Festsouper zur Eröffnung der Kunstausstellung bekannte sich Prinz Ludwig in alter Wittelsbacher Tradition als regster Anhänger der Kunst, für welche die Wittelsbacher in allen Ländern gewirkt hätten und gedachte warm der herrlichen von Max II. geschaffenen Anlagen. Er beklagte sodann, daß die 'hierher kommenden Fremden nicht selten von einem Vorurtheil für das im Heimathland Producirte erfüllt sind, während immer nur durch Concurrenz Großes entstehe und die ganze Welt ein großes Culturgebiet sei. Er wünscht, daß die Kunst das ganze Volksleben durchdringe und dessen Eigenthum werde. Er trank auf das Wohl und Gedeihen der Kunst in der ganzen Welt.
Rom, 2. Juni. Die demokratischen Studenten beschlossen, da die Italiener nicht eingeladen sind, sich in Nancy nicht zu betheiligen, jedoch eine Begrüßungsdepesche den französischen Brüdern zu senden.
Berlin, 3. Juni. Der „Kreuzzeitung" zufolge vro- clamirte der Kaiser bei der gestrigen Abendtasel die V e r- lobung des Thronfolgers von Rumänien mir der i Prinzessin Maria von (5 bin bürg.
London, 3. Juni. Die „Times" ist ermächtigt, zu erklären, daß die Prinzessin Maria von Edinburg sich mit dem Thronfolger von Rumänien verlobt.
Cocoles rind provinzielles.
Gießen, 3. Juni 1892.
— Verhaftet. Gestern Nachmittag wurde ein Mann von Ruttershausen aus dem Brand dahier verhaftet, der in angetrunkenem Zustande beim Exercieren mitcommandiren und das Exercieren verbessern wollte.
— Gefangenen«Transport. Heute Morgen 11 Uhr 20 Min. kamen mit der Bahn sech szig Zuchthausgesangene, meist schwere Verbrecher, hier durch, welche von Köln nach Ziegenhain verbracht wurden.
— Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen. Im Lause des ersten Quartals 1892 sind von des Großherzogs Königlicher Hoheit u. a. nachstehende Stiftungen und Vermächtnisse bestätigt und hiernach die betreffenden Behörden zu deren Annahme ermächtigt worden: Schenkung auswärtiger Geber an die evangelische Kirche zu Burg-Gräsenrode zur Herstellung der Kirchenheizung, im Betrage von 250 Mk.; Vermächtniß des Rentners Johann Nikolaus Lotz zu Darmstadt an die Blindenanstalt zu Friedberg, im Betrage von 342 Mk. 86 Ps.; Vermächtniß der Elisabeth Louise Gürtler zu Offenbach an dieselbe Anstalt, im Betrage von 171 Mk. 43 Pf.,- Schenkung des Fräuleins Johanna Geyer zu Bensheim an die katholische Kirche zu Abenheim zur Stiftung eines Engelamts, im Betrage von 200 Mk.- Der- mächtniß der Meyer Reis Eheleute zu Friedberg an die israelische Religionsgemeinde daselbst, im Betrage von 15,000 Mk.- Vermächtniß der Gilbert Gorr III. Ehefrau, Margarethe, geb. Häuser, zu Trais-Münzenberg an die Gemeinde daselbst zu Gunsten der dortigen OrtSarmen, im Betrage von 342 Mk. 86 Ps.- Schenkung eines Ungenannten an die katholische Kirche zu Alsseld, im Betrage von 2000 Mk. - Schenkung eines Ungenannten an die evang. Kirche zu Gießen zur Erhöhung der Armenstistung, int Betrage von 200 Mk. - Schenkungen an die evangelische Martinskirche zu Darmstadt von Seiten: a. des Kirchengesangvereins der Martinskirche, bestehend in einem Harmonium im Werthe von 450 Mk. und b. eines Ungenannten zur Anschaffung einer Altardecke, im Betrage von 300 Mk. - Vermächtniß der Frau Gräfin zu Solms-Rödelheim zu Assen- heim an die Herberge zur Heimath zu Friedberg, im Betrage von 200 Mk. - Schenkungen an die evangelisch- lutherische Kirche zu Lich von Seiten: a. der Wittwe des Stistsdechanten Dr. theol. L. Stemm zu Lich und dessen Bruders Dr. C. Clemm-Lennig, nebst Ehesrau, zu Heidelberg, bestehend in zwei bunten Fenstern im Werthe von 280 Mk. und 400 Mk., und in einem Capital im Betrage von 920 Mk., und b. eines Ungenannten, bestehend in einem Altarumhang nebst Kanzelbekleidung im Werthe von 220 Mk. - Schenkung der Sparkasse zu Offenbach an das Mathilden- Landkrankenhaus, im Betrage von 175 Mk. - Schenkung der Breuberger Sparkasse zu Höchst an das Mathilden-Land- krankenhaus, im Betrage von 200 Mk.- Stiftung des Abraham und Gustav Cahn in Worms und der Betty Cumpertz, geb. Cahn, in Frankfurt a. M. zur Unterstützung solcher israelitischen jungen Leute, die ein Handwerk erlernen oder eine technische Schule besuchen, im Betrage von 7000 Mk.- Schenkung der Wittwe des Rentners Friedrich Hegendörfer zu Darmstadt an das Großh. Museum, bestehend in sieben Glasgemälden, drei deutschen Krügen und einer Kanne, von beträchtlichem Werthe- Vermächtniß der Wittwe des Buchdruckers Hermann Edelmann, Katharina, geb. Burger, zu Darmstadt an die evangelische Martinskirche daselbst zu Gunsten der Armen, im Betrage von 500 Mk. - Vermächtniß der zu Zwingenberg verstorbenen Maria Elisabetha Fuchs an die Landesirrenanstalt zu Heppenheim znm Besten der Unterstützungskasse für bedürftige Pfleglinge im Betrage von 500 Mk.
— Knaben Handarbeits-Congreß. Zu dem vom 10. bis 12.Juni in Frankfurt a.M. stattfindenden elften deutschen Congreß für erziehliche Knaben Hand ar beit liegen die Anmeldungen bereits so zahlreich vor, daß der vorgesehene Ausstellungsraum im Gebäude deö Kunstgewerbevereins kaum zulänglich zu sein scheint. Die bedeutendsten Städte deö Inlandes sind sämmtlich vertreten, darunter mit Ausstellungsarbeiten, für deren Ausstellung bis zu 20 OiMeter Raum


