beer- undJohanniSbcerweine unter nahezu 400 Aus- stellern in Obst- und Beerenweinen. Die gleiche Auszeichnung erhielten die Firmen I. Fromm in Frankfurt für Hebung der Beerenweinbereitung im Allgemeinen und Reckler in Frankfurt für Obstwein und schäumende Obst- und Beerenweine. — Aus der vorjährigen großen Gartenbau-Ausstellung zu Eberswalde erhielt Herr H. F. Nassauer ebenfalls die höchste Auszeichnung: die silberne Medaille für seine Stachelbeer- und Johannisbeerweine und auf der vorjährigen hiesigen Gartenbau-Ausstellung ein Diplom erster Klaffe.
— Verhaftet wurde ein hiesiger Geschäftsmann wegen betrügerischen Bankerutts.
— Die Großh. Regierung hat bei der Zweiten Kammer die Vorlage eingebracht, zur Vollendung der im Bau begriffenen Zellenstrasanftalt in Butzbach die Summe von 225 000 Mk. mit dem bereits genehmigten Betrag von 1100 000 Mk. pauschalster zur Verfügung zu stellen.
— Aus dem Zustizdienft. Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 27. April wurde der Großh. Gerichtsasseffor Dr. Kayser in Büdingen mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei den Großh. Amtsgerichten Darmstadt II, Groß-Gerau und Langen, der Großh. Gerichtsassessor Wiener in Gießen mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei den Großh. Amtsgerichten Büdingen, Altenstadt, Nidda, Ortenberg und Schotten, der Großh. Gerichtsasseffor Breidenbach in Lorsch mit Aushilseleistung als Richter bei Großh. Amtsgericht Grünberg und der Gerichtsassessor Franz in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Richters bei dem Amtsgericht Lorsch (die beiden letzteren bis auf Weiteres) beauftragt.
— Der Getreidemarkt. Die europäischen Getreidemärkte werden gegenwärtig mehr denn je von Nordamerika, dem bevorzugten Weizenlande, beeinflußt. In Deutschland und Len meisten anderen Ländern Europas hatte in voriger Woche in Hinblick auf die voraussichtlich bessere diesjährige Ernte ein starkes Angebot von Weizen, Roggen und Hafer stattgefunden, aber an der Getreidebörse in New-Dork ist vorigen Montag und Dienstag der Weizenpreis etwas gestiegen, angeblich, weil die Ernteaussichten in Nordamerika nicht sehr günstig seien und die Farmer mit weiteren Verkäufen zurück- - halten. Diese Preissteigerung an der New-Aorker Getreide- \ börse übte auch sofort einen entsprechenden Einfluß aus die deutschen Märkte aus. Das in vorvoriger Woche ost geradezu drängende Angebot ließ nach und der Weizen wurde 2—3 Mk. per Tonne höher verkauft- auch die Roggenpreise zogen an, weil der Stand der Roggensaaten nicht überall befriedigend sei, doch schwächte sich schließlich die Haussetendenz wieder ab. Weizen wurde pro Tonne zu 186—216 Mk. verkauft, Roggen zu 187—195 Mk.
Friedberg, 2. Mai. Sonntag den 8. Mai, Nachmittags 3 Uhr, sinder eine oberhessische Katholiken-Ver- sammlung im Saalbau dahier statt. Es werden als Redner austreten: Stadtverordneter Metzler aus Mainz über die Schulfrage, Rechtsanwalt Dr. Fr en ah aus Mainz über die sociale Thätigkeit der Orden, Gutsbesitzer Dr. Sieben aus Deidesheim über die sociale Frage.
Manenschloß, 1. Mai. Der der Strafzeit nach älteste Insasse des Landeszuchthauses ist ein gewisser Neidenbach, welcher im Jahre 1867, also genau vor 25 Jahren, wegen Mordes von dem Mainzer Schwurgerichte zum Tode ver- urtheilt, durch Großherzog Ludwig III. aber zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden ist.
-dt. Neu - Ulrichstein, 1. Mai. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro April 189 2. Ende April 1892 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 62 Mann. Dieselben vertheilen sich aus das Groß- herzogthum Hessen 15. Regierungsbezirk Kassel 8, Regierungsbezirk Wiesbaden 4. Provinz Rheinlande 7, Provinz Westfalen 2, Provinz Hannover 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Brandenburg 2, Provinz Berlin 1, Provinz Posen 1. Königreich Bayern 3, Königreich Sachsen 4; Großherzogthum Baden 2; thüringische Staaten 6. Ausland: Oesterreich 2, Schweiz 2. Hiervon waren: Arbeiter 24, Bäcker 2, Buchbinder 1, Cigarrenmacher 1, Dreher 1, Färber 2, Flößer 1, Former 1, Gerber 1, Geometergehilfe 1, Glaser 1, Heizer 1, Kammmacher 1, Kaufleute 2, Lederarbeiter 1, Maurer X, Metzger 1, Sattler 1 , Schmiede 2, Schneider 3, Schuhmacher 3, Maschinenschlosser 4, Bauschlosser 2, Tischler 1, Tuchmacher 1, Weber 1, Zimmerleute 1. Im Monat April wurden entlassen 30 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 25, in Stellung durch die Colonie 3, in Stellung durch eigenes Bemühen 2. Verpflegungstage im April 1892: 2185. Gearbeitet wurde im April an 1767 Tagen, hierunter 359 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 1941 Mann, dagegen abgegangen im Ganzen 1879; bleibt Bestand 62 Mann.
△ Mainz, 3. Mai. Die hiesige Handelskammer veröffentlicht soeben ihren Bericht über das Jahr 1891, der die Verhältnisse in ziemlich trüben Farben schildert. Einleitend bemerkt der Bericht: „Das Gesammtbild, welches sich bei dem Rückblick auf den Verlauf und die Ergebnisse der wirth- schastlichen Thätigkeit im Jahre 1891 dem geistigen Auge darbietet, kann keinen Anspruch darauf erheben, ein erfreuliches genannt zu werden." Unter dem Niedergang der Gütererzeugung hatte auch die Güteroertheilung, der Handel, in gleichem Maße zu leiden, was den deutlichsten Ausdruck in dem mitunter recht erheblichen Ertragsrückgang einer großen Anzahl, wenn nicht der meisten Actien-Gesellschasten, sowie in der gestiegenen Zahl der Concurse, Zahlungseinstellungen :c. sand. Scharf verurtheilt der Handelskammerbericht das automate Schutzzoll-System.
Mainz, 1. Mai. Aus Anlaß der „Maifeier" hatten sowohl die Polizei als auch die Gendarmerie und die Militär- Lehörde außerordentliche Maßnahmen ergriffen- sämmtliche
i dienstfreie Schutzmannschaften waren von Nachmittags 3 Uhr bis Abends 11 Uhr nach dem Polizei-Locale des ersten Polizeibezirks commandirt, nm bei etwaigen Ausschreitungen in der Stadthalle, dem Vergnügungslocale der socialdemokratischen Arbeiterpartei, einschreiten zu können. Auch die Gens- darmerie hatte besondere Weisung erhalten und mußte zum größten Theile im Cantonnement verbleiben. Von den Truppen der Garnison lagen mehrere Compagnien des 117. Regiments in Bereitschaft, sofort ausmarschiren zu können; die ganze übrige Garnison war mit wenigen Ausnahmen in den Kasernen zurückbehalten worden; man konnte stundenlang in den Straßen der Stadt spazieren gehen, ohne — bei einer Garnison von 8000 Mann — einem Soldaten zu begegnen.
Herrnsheim, 27. April. Anläßlich der Vermählung des Fräulein von Heyl mit Herrn Deichmann aus Köln wurde der Gemeinde Herrnsheim von Herrn Freiherrn v. Heyl zu Herrnsheim ein G e l d g e s ch e n k zu Theil mit der Bestimmung, daß die eine Hälfte als Beisteuer zur Ausstattung unbemittelter Brautpaare, die gesonnen sind, im lausenden Jahre in den Ehestand zu treten, Verwendung finde, während die andere Hälste dazu dienen sollte, den diesjährigen Confirmanden zu einem Ausfluge nach Frankfurt o. M. Gelegenheit zu geben. Unter der Leitung ihrer -Lehrer besuchten nun gestern die hiesigen Confirmanden die genannte Stadt; besichtigt wurden der Dom, der Kaisersaal im Römer, der Zoologische Garten, der Palmengarten und das Panorama.
A. Von der Bergstraße, 1. Mai. Vor einiger Zeit brachte Ihre Zeitung Nachricht über rafsinirte Einbrüche im Ried. Jetzt hat sich diese unangenehme Thätigkeit an die Bergstraße verzogen. Es wurden sehr freche Einbrüche in Heppenheim, Bensheim und Auerbach verübt, ohne daß man das heillose Gesindel bis jetzt fassen konnte. Von sachverständiger Seite ist man der Ansicht, daß sich mehrere Gauner zusammengethan hätten, welche in der Nacht ihre Raubzüge ausführten, bei Tagesanbruch aber in die nahen Berge, Schluchten und Wälder flüchteten und hier eine Zeit lang Schutz und Unterschlupf fänden.
vermischtes.
* Bienen im Kriegsdienste. Beßler erzählt in seiner „Geschichte der Bienenzucht" die folgenden Fälle, in denen Bienen im Kriege Verwendung fanden: Die Türken, als sie unter Anführung des Sultans Murad Stuhlweiffenburg belagerten, wurden vom Stürmen dadurch abgehalten, daß die Belagerten, als die Noth am höchsten war, eine Menge Bienenstöcke unter die Türken geworfen haben. Was Schwert und Spieß nicht vermochten, mußte der Bienenstachel ausrichten. Ferner erzählt man von der Mannschaft eines kleinen Schiffes, welche sich vor den türkischen Korsaren dadurch gerettet habe, daß sie nach dem Entern einige zufällig auf dem Schiffe befindliche Bienenkörbe auf das Raubschiff warf. Die Bienen setzten den Türken so gründlich zu, daß sie keine Zeit mehr hatten, an einen anderen Feind zu denken. In einem thüringischen Kirchenbuche findet sich folgende Thatsache verzeichnet: Als der Oberst Götze im Jahre 1637 auf seinem Zuge nach Erfurt das Unstrutthal passirte, fielen Marodeurs in das Dorf Riethgen und suchten zuerst das dortige Pfarrhaus auszuplündern. Die Magd war allein anwesend. Als die Unholde zu plündern begannen, lief das resolute Frauenzimmer in den Garten an das Bienenhaus, warf mehrere Bienenkörbe in den Hausflur und verkroch sich dann in einen Heuhaufen. Die Soldaten, von den erzürnten Bienen furchtbar zugerichtet, standen von ihrer Plünderung ab und suchten das Weite.
* Ein nahezu „hundertjähriger Angeklagter" erschien am 12. April vor der Strafkammer zu Ratidor in der Person des Auszüglers Heider aus Barglowka, der mittelst Einbruchs aus einem Holzstalle Gerätschaften im Werthe von 2 Mk. entwendet hatte, von bencn er irrthümlich behauptete, sie gehörten ihm, obwohl er sie dem neuen Besitzer verkauft hatte. Mit Rücksicht auf das hohe Alter des Mannes, der im hundertsten Lebensjahre steht, und seine bisherige Unbestrastheit erkannte das Gericht auf eine Ge- sängnißstrase von drei Monaten, welche der Greis sofort anzutreten bereit war.
* Chinesische Feinschmecker, bei denen Rattem, Mäuse- und Hundebraten, die für die Menge große Delicateffen sind, nur als bürgerliche Hausmannskost gelten, verehren als besonderes Lieblingsgericht das Milhi. Es besteht aus nichts Geringerem, als aus ganz jungen, noch blinden Mäusen. Diese werden jedem Gaste lebendig vorgesetzt; man taucht sie in ein Gesäß mit Honig und schluckt dann die Thiere langsam hinunter. Als vor wenigen Jahren der jetzige Kaiser seine Hochzeit feierte, hatte man zu den Festmahlen nicht weniger als 50000 junge Mäuse gefangen. Mahlzeit!!
Landwirtschaftliche Winke und Kathschlage.
△ AnS Oberheffen, Ende April 1892.
Ueber Gründüngung und GrürrdüngrrnaSpklarnen. Wir haben wiederholt Darauf hingewiefen, daß es nothwendig ist den Bauer in jeder Beziehung zu fördern. Der Bauernstand ist der Rückgrat des Staates; wenn der Rückgrat schwach und elend ist taugt der ganze Organismus nichts. Unsere Regierung hilft in jebcr Beziehung, wo sie kann. Es werden landwirlhschastlichc und Haushaltungsschulen errichtet, das Vereinswesen wird gefördert gute Schriften werden verbreitet, Vorträge werden gehalten und' nock vieles Andere. Was hi ft aber das Alles, wenn der Bauer zu Hause auf der Ofenbank sitzt, die Schnuddelkappe über die Ohren zieht und „goar naut" denkt? Der Bauer mutz unbedingt mithelfen, indem er rtL?«-nIettun0cn' tüe er bekommt, auch verwerthet, indem er die ^»?ume, das Saatgeireide, die Dungstoffe u. f. w., die ihm zu- h? hi Jlnb' Anwendung bringt und seine Resultate mit- weitt. Am meisten Schwierigkeiten bereiten die alteren Landwirthe. Sie wollen nichts meh lernen; sie halten sich für klüger als hundert Ä* m ^"m allen „Solber" sitzen bis an ihr seliges
Ombe. Selbsthilfe ist ein Zauberwort, das unbekannte Pfade und Wege öffnet. Es bringt Selbstvertrauen und stärkt zu neuen Thaten und Erfolgen. Wer sich durch eigene Kraft und Mühe emporarbeitet ist ein ganzer Mann und solche Männer müssen wir heutzutage haben. Wo das Alte gut und erprobt ist, soll und muß man es
ststhalten. Wenn man aber die offenbarsten Beweise dafür hat, daß die Fortschritte der Wissenschaft viel Besseres geschaffen haben, z. B. Anwendung von künstlichem Dünger, fein hergerichtetes Saatgut, oeffere Maschinen und Geräthschaften, da ist es Eigensinn und Beschränktheit, wenn die Leute sich nicht eines Besseren belehren lassen wolle». Das muß man den Leuten von Zeit zu Zeit recht tüchtig "ater die Rase reiben, sonst meinen sie, es sei Svaß. Nachdem wir Mese Pflicht auch diesmal erfüllt haben, kehren wir zu unserer Gründüngung und den Gründöngungspflanzen zurück, wogegen auch noch an vielen Orten eine große Voreingenommenheit herrscht. Unter den Grundüngungspflanzen nimmt die Lupine eine hervorragende Stelle ein, denn sie ist eine bedeutende SUckstoffsammlerin. Zn guten Boden wächst sie nicht, man kann sich aber sehr leicht helfen, indem man den schweren Boden mit leichtem mageren Sand- boden überfährt und nun gedeiht die Lupine piächttg. Man nennt dies: den Boden impfen. In den meisten Fällen hat ein Bauer mageren Boden und schweren kräftigen Boden. Sobald er sich nur elnigcrtna6en mit der Gründüngung bekannt gemacht hat, lernt er die Sa-e ausfuhren. Hat er aber einmal einen Einblick bekommen, dann laßt er bie Gründüngung niemals fahren, denn die Erfolge und Vortheile sind — bei geringen Auslagen und wenig Arbeit — viel zu groß, als daß er wieder davon abkäme. Manche Landwirthe helfen sich damit, daß sie die Lupine abmähen und auf Aecker unter- brinaen, wo sie nicht zu gedeihen pflegt. Auch als Futter findet die Lupine Verwendung, die Schafe fressen sie gerne. — Außer der Selbe« Lupine, welche vorzugsweise angebaut wird, gibt es noch blaue, rothe und weiße. Die letztere wird in Norddeutschland zu Anbauversuchen sehr empfohlen. — Eine andere Gründüngungs- pflanze ist die Srradella. Diese wird fast nur in Korn (Roggen) eingesäet. Man rechnet etwa 18 bis 20 Pfund Samen auf den Heimchen Morgen. Die beste Zeit zum Einsäen ist jetzt: von Mitte April bis Mitte Mai. Sandiger Boden eignet sich am besten für Seradella. Als weitere Gründüngungsvflanzen sind verschiedene harten zu erwähnen: Rothklee, Gelbklee, Wund- und «chwedenklee. Unsere Landwirthe wissen, daß ein Kleeacker sich ausgeruht und Kraft gesammelt hat und daß man ihm alsdann etwas zumuthen darf. In neuerer Zeit wird der Bakharaklee als werthvolle Gründüngungspflanze sehr gelobt. Grade für Lehmboden eignet er sich besonders gut. Der Klee wird im Herbste in das Wintergetreide eingesäet und mit untergebracht. Von weiteren Gründüngungspflanzen sind zu nennen: die Waldblatterbse, der Oelrettig, der Sens «ud der Buchweizen. Tüchtige P.actiker empfehlen, die GründüngungSpflanzen im Gemenge zn für«. Schreiber dieser Zeilen hat keine Erfahrungen darüber gemacht, die Sache leuchtet aber ein, denn die Gemengesaaten bei den Getreidearten sind entschieden zu empfehlen. So baut man z. B. im Odenwalds im Weschnitzthale sogenannte gemischte Frucht: Korn (Roggen) und Spelz untereinander und erzielt höhere Erträge, als wenn jede Getreideart für sich allein, im reinen Bestände, gezogen wird. Eine Art ist der anderen gleichsam ein Schuh, sie hält ihr ungünstige Einflüsse, Ungeziefer u. s. w. besser ab. Auch Hafer und Geiste lassen sich mit Vortheil gemischt unter einander ziehen. Endlich zeigen un£ die Forstkulturen sehr deutlich, daß die gemischte« Bestände besser gedeihen und freudiger vorwärts gehen, als die reinen. Bei Klee- grassaalen macht man ähnliche Erfahrungen. Die verschiedenen Pflanzen nehmen ihre Nahrung aus verschiedenen Bodentiefen, sie schützen sich gegenseitig bei ungünstiger Witterung und die Futterqualität ist besser als bei reinem Stande. In der Regel meinen Diejenigen, welche noch keine Mischfruchtsaaten gemacht ober gesehen haben: bie Körner ließen sich beim Dreschen nicht scheiben. Das war früher, bei ber gewöhnlichen Hanb- ober Fegewinbmühle schon keine Hexerei unb heutzutage, wo man bie Sortirmaschinen und Trieurs bat, ist es erst reckt keine. Man scheue also nur die Versuche nicht, sie lohnen sich. Nur das mutz immer und immer wiederholt werden : Sobald man etwas Neues in die Wirtschaft einführt, muß man doppelt Acht haben, denn daS Neue kann man nicht über den alten Kam« scheere«. Wer es dennoch thut, macht übele Erfahrungen. Diese erzeugen Mißmuth und sobald der einmal Platz gegriffen hat, steht es mit dem Endresultate schief. Ein altes Sprichwort sagt: „Rom ist nickt in einem Tage erbaut" unb ein anderes meint: „Nur Hebung macht den Meister".
Verkehr, Land« und Volkrwirthschaft.
Gieße«, 3. Mai. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnartt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,05—1,12, Hübnereier per Stück 5— H, 2 St.--Enteneier 6—7 ©änfeckr
1 10- 4, Käse pr. St. 7—12 H, Käfematte pr. St. 3 A,
Erbsen pr. Liter 17 H, Linsen pr. Liter 30 4. Tauben pr. Paar X 0,60—0,80, Hühner pr. Stück X 0,85—1.00, Hahnen pr St. X 1,20—1,50, Enten pr. St. X 1,50—1,70, Ochsenfleisch pr. Pfd 70—76 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd- 62—66 Schweinefleisch pr. Pfd. 60—70 Ä, Kalbfleisch pr. Pfd. 50—56 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 60-70 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,00—8,50 x, Weißkraut pr. St 4—10 H, Zwiebeln pr. Centner 10,50—12,50 X, Milch pr. Litt*- 12-18
Esten, 25. April. In der heute Nachmittag im Geschäftshause der Westdeutschen Dersicherungs-Actien-Bank hierselbst abgehaltenen 25. ordentlichen Generalversammlung waren 17Actionäre anwesend, die für sich unb in Vollmacht 404 Actien mit 73 Stimmen vertraten. DieJahresrechnung ergiebt einen Gewinn von 183093,20 Mk. Dem Eapital-Reservefvnbs fließen 38843,20 Mk. unb bem Relicten- unb Penstons-Unterstützungssond 5000 Mk. zu, als Dividenbe werben 108000 Mk. mit 54 Mk. (— 9 pCt. ber Einzahlung) auf die Actie gezahlt und die nach Entrichtung der statut- und vertragsmäßigen Gewinnantheile verbleibenden 11224,30 Mk. auf neue Rechnung vvr- getragen. Der Eapital-Reservesonds stellt sich damit auf 580118,30Mk. Die am Jahresschluß in Kraft befindliche Versicherungs-Summe ist auf 1271271222 Mk. gestiegen, während die Prämien- und Gebühren- Einnahme in Höhe von 2112626,90 Mk. um 21691,77 Mk. zurückgegangen ist, welcher Ausfall dem indirecten Geschäft zur Last fällte dessen Beschränkung auch im lausenden Jahre noch weiteren Fortgang nehmen wird. Brandschäden waren 2461 zu erledigen; gezahlt sind abzüglich des Ersatzes aus ber Rückversicherung 667487,98 Mk. unb reservirt 61000 Mk. Der Hypothekendestand — 1217915 Mk. — ist um 143400 Mk., ber Effectendesitz um 10820 Mk. gegen bas Vorjahr gestiegen.
— Berlinische Lebe«Sverstcherurrgs Gesellschaft vs« 1836. Der uns oorliegenbe Geschäftsbericht ber „Berlinischen Lebens Versicherungs-Gesellschaft von 1836" weist wiebermn günstige Resultateauf. Enbel891 betrugbieVersickerungssurnme 145084569^, ber Garantie- unb Reservefonbs wuchs um 2043 609 x auf 49 590 673 X Seit 1868 ist bie an bie Versicherten vertheilte Divibenbe von 17</g auf 33>/z pEt. gestiegen. Ueber bie solide Fundamentirung, die vorsichtige Geschäflsleitung und die gesunde Entwickelung dieses Instituts braucht solchen Zahlen gegenüber gewiß, nichts weiter gesagt zu werden.
Literatur und Aunst.
— ^Deutscher Galdateuhort^, illustrirte Zeitschrift für das deutsche Heer. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl Siegismund, Berlin W., Mauerstraße 68. Heft 20 erschien kürzlich und enthält: Das heilige Ostersest. Mit einem Bilde. — Hans unb Heia. Eine lustige Liebesgeschichte von Johannes Wilba. Fortsetzung. — Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen unb bei Rhein. Mit Portrait. — Der Eompagnie-Fritze. Von General-Lieutenant z. D. H. von Below. Fortsetzung. — Allerlei Geschichten ans ber nuten, alten Zeit. Von E. Taunibe. Der Sammetärmel. — Erinnerungen an ben bayrischen Felbmarschall Wiebe. Von Jägerhuber, Königlich bayrischer Major a. D. — Der Ausstanb in Deutsch-Ost- ofrifa. Von Hauptmann a. D. von Santen. Fortsetzung — Bild: Eine neue französische Art bes Bajonetangriffs. Mit Text. — Patriotische Lieber unb Gesänge. Von Oscar Mokrauer-Main6.


