Nr. 53
1892
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Greizen.
Hratisöcikage: Hießmer Kamikienkkätter.
Fresenius.
[1952
»«nähme von Anzeigen zu der Nachmittag» für bee folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
Gießen, den 2. März 1892.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebel, Amtmann.
Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Ausland«» nchmev Anzeigen für den ^Sießener Anzeiger^ entgegen.
Vierteljähriger Aßonnementspret» t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
-chatßratze Fcrusprecher 51.
Veatßcher «eichstag.
184. Pleuarfitzuug. Dienstag ben 1. März. 1 Uhr.
Eingegangen ist eine Borlage beit. Abänderung der Bestimmungen de« Sirosgesetzbuchs, des Gerichtsversassungs^GesetzeS und des «toXVrhn m ‘ Un‘" au8|(6lu8 Oeffenllichkeit st-tlfiud-nd-n tNertchtsverhandlungen.
, . des Extra-Ordinariums des Marine-Etats mit
fortgesetzter Berathung über die Bewilligung der ersten Rate für die nreuzercorvette K.
Bekanntmachung.
Donnerstag den 17. März 1891, Nachmittags 3 Uhr, roitb auf LonyS Felsenkeller in Gießen eine General- Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und der landwirthschaftlichen Ortsvereine nnd alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingcladen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Amtlicher* Theil.
Bekanntmachung.
Aus dem gestrigen Viehmarkt ist ein herrenloses Kalb eingefangen worden. Der Eigenthümer deffelben wird hier- mit aufgefordert, seine Ansprüche bei der unterzeichneten Behörde binnen 8 Tagen anzumelden.
Gießen, den 2. März 1892.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
Depeschen de» „Bureau Herold".
Berlin, 1. März. Nach dem „Reichsanzeiger" gingen dem Kaiser anläßlich der Straßentumulte aus Arbeiterkreise« mehrfache Kundgebungen zu, welche ihr Bedauern über die Vorkommnisse ausbrücken unb treueste Anhänglichkeit unb an- erschütterliches Vertrauen zum Kaiser ausdrücken. Der Ausritt des Kaisers am 26. Februar durch die bewegte Menschenmenge habe die Eingaben veranlaßt.
Berlin, 1. März. Abgeordneter Singer (Soc.) brachte gestern im vierten Reichstagswahlkreise die Straßentumulte mit der bekannten Stummlchen Rede in Verbindung und warnte die zielbewußten Arbeiter vor der Betheiligung. Die Resolution betonte, die Berliner Arbeiter seien nicht so wahnsinnig, sich als Versuchsobject des kleinkalibriges Gewehres herzugeben. Für die Maiseier wurde eine siebengliederige Eommission gewählt.
Hannover. 2. März. Die Arbeitslosen zogen vor die Wohnung des Stadtdirectors Tramm. Dieser versprach, ihre Angelegenheit zu untersuchen. Anläßlich des hierbei entstandenen Straßenauflaufs wurden einige Verhaftungen vorgenommea.
Wien. 1. März. Die Verwaltung der österreichischen Waffenfabrik Steyr schloß mit Bulgarien einen neuen Lieferungsvertrag für 50,000 Mannlicher-Gewehre und 6000 Karabiner ab.
Wien, 1. März. Polnischen Blättern zufolge wurde der Warschauer Festungscommandant Komarow nach Petersburg berufen.
Prag. I. März. Eine jungczechische Parteiversammlung beschloß, im Landtage eine Adresse an den Kaiser vor- zuschlagen, worin die Bitte ausgesprochen wird, sich in Prag zum König von Böhmen krönen zu (affen.
Christiania, 1. März. Die hiesigen Socialdemokraten hielten gestern ein Meeting ab und beschioffen, mit allen Mitteln für die Auflösung der schwedisch-norwegische« Union und die Errichtung der demokratischen Republik Ror- wegen hinzuarbeiten. Advocat Meyer (Socialist) warnte vergeblich gegen die Unzeirigkeit der Resolution.
Dtr erscheint täglich, witt Ausnahme M Montag».
Die Gießener ye*iCU*ecatt<r «erden dem Anzeiger «schemttch dreimal beigellgt. 1
Heueft«? Nachrichten.
Eöolff» telegraphische» Lorrespoudm^Vurea».
Wien, 1. März. Zu der heutigen Brodvertheiluna an bedürftige Arbeitslose erschienen nahezu sechstausend Manner, in einem anderen Stadttheile säst sechstausend Weiber. Je 4000 konnten mit Brodlaiben versehen werden. Zwei Verhaftungen mußten vorgenommen werden, sonst ist rem Zwischenfall zu verzeichnen. — Die eingeleitete Geld, sammlung verspricht ein bedeutendes Erträgniß
Barcelona, 1. März. Die Polizei entdeckte heute eine Verschwörung von Anarchisten, welche angeblich beab- (tätigten, das Consulalsgebäude in die Luft tu fprencen. ®er Rädelsführer der Anarchisten ist verhaftet worden.
Locale» unfc provinzielles,
Gießen. 2. März 1892.
7" N°ck> einmal ein Wort über die Solomal-Ansstellung Dieselbe hat eine abermalige bedeutende Vermehrung erfahren' indem der Herr Major Buch Holtz die Güte hatte, eine ta feinem Besitze befindliche Sammlung von allerhand Erzeua- I Eon des KunstfleißeS der Eingeborenen von Kamerun und Gabun den Veranstaltern der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Diese Sammlung rührt von dem verstorbenen Bruder dieses Herrn, dem bedeutenden Zoologen Profeffor Dr. Buch- U' der drei Jahre lang seiner Wiffenschaft zu Liebe stch in den genannten westafrikanüchen Landschaften aufgehalten Hat und schließlich dem Malariafieber zum Opfer gefallen ist. I enthält u. A. merkwürdige Wurswafsen, eine mächtige Speerspitze, mannigfaltige, aus Gräsern geflochtene Matten Körbe und andere Flechtarbeiten, Sandalen, allerhand aus dem Flaschenkürbiß sabrizirte und ornamentirte Geräthe, eine große Schnur Kaurimuscheln, die bekanntlich im tropischen Afrika die Rolle des Geldes spielen, eine interessante Elfen- beinschnitzerei u. bergt mehr. - Einige von der Loango- I Spedition des Dr. Pechuel-Lösche herrührende Gegenstände werden der Freundlichkeit des Hrn. Prof, guris A. Schmidt verdankt. — Unter diesen Umständen ist es angemessen er- schienen, die Ausstellung noch einige Tage länger, bis Sonn- Halten^ 6‘ WSli einfd,lic6Ii*' bcm Publikum zugänglich zu
Das gestrige Faftnachtstreiden unterschied sich in nichts von demjenigen früherer Jahre. Größere und kleinere Gruppen mehr oder weniger „charakteristisch" maskirter Per- sonen zogen durch die Straßen, um sich nach Eintritt der Dunkelheit in die Wirthschaften oder in sonstige carnevalistische Veranstaltungen, durch deren große Zahl die diesjährige Fastnachtszeit sich jedenfalls auszeichnete, zu verziehen. Das wohl weniger witzig nie lästig befundene Erbseiiwerfen hatte einen großen Verbrauch dieser Frucht zur Folge- einzelne Geschäfte verkauften bi« zu 1»/, Gentner davon.
— Zechprellerei. Vorgestern zechten zwei Leute au» dem benachbarten Wieseck in einer hiesigen Wirthschaft und entfern,e, sich, ohne bezahlt zu haben. AlS der Wirth ihnen nacheilte, bot ihm einer anstatt Geld Prügel an. Die Sache wird em gerichtliches Nachspiel bekommen. Auf dem Kamps, platze mußte einer der Zechpreller seine Mütze zurücklaffen.
— Verhaftet wurden gestern zwei Frauenzimmer, welche auf der H^rdt aus einem Keller Kartoffeln entwendet und an zwei iibel beleumundete Personen verschenkt hatten, bei
Frhr. v. Stumm (R-tchsp.): Für uns ist es nöthia daß I unserem Handel durch die selndlichen Schiffe nicht geschadet wird und ®aUiftnni*1c6rS.e,lfol*xrt.Ä“lUieT C-Nsttuction notwendig
J* W nicht richtig, daß wir auf der Höhe der russischen Marine stehen. Wir werden beute für die zweite Kreuzercoroeite K stimmen
o. Vollmar (Soc.): Helgoland sei jetzt die Brücke geworden, um neue Kriegsschiffe ,u bewilligen, wöhrend uns früher sein Besitz estrige Kriegsschiffe werth sein sollte. Wo soll schließlich die große Bumpwirthschast hinaus ? Das Ende sei der offene oder schleichende Bankerott. Eine Ausdehnung des Handels sei nicht von der Schiffsund Kanonenzahl abhängig. Früher wurde der Nothstand conflant von der Regierung geleugnet. Ein einziger Bries des bewährten duUksmer habe jcht genügt, um den Reichskanzler oom Nothstand ,u überzeugen. Dafür sollen wir ein Schiff be- D-r Vulkan werde nach privatkapitalistischen Grundsätzen verwaltet, also habe er auch feine Verluste zu tragen. Die Regierung -Ug-meine Abhilse des Nolhstandes denken. Redne? wünscht die Wünsche zu wiffen, warum bas Centrum vor ber dritten «efung seineMeinung geändert habe. Unsere Partei erhebt Einspruch, e ,«fin?lb le6t 6106 d-shalb anerkenne, um sür MMtarzwecke zu fructificiren.
Die Zerstörung des Privateigenthums im Kriege sei dtrect unnutz. Durch Rickert und Richter hat sich die Grundanschauung v. StummS als falsch erwiesen, wonach die 8er- ^ln,nhba8xf<3rmle<6,^um! ta Kriege ebenso nützlich sei wie die- ^^enthums. Es ist nichts verfehlter als die Schaffung von Arbeit, um dem Stettiner Nothstand abzu- sirf5^rdr %u'5uun??et Getrei-ezölle werde ben Landarbeitern Arbettsgelegenhei, nicht genommen, nur die Gewinne der Grund- defitzer nähmen etwas ab.
Gießen, 29. Februar 1892.
Betr. Die Strafregister; hier: die Nachweisungen der im zweiten Halbjahr 1891 verstorbenen bestraften Personen.
Der Großh. Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen an die Großh. Bürgermeistereien: Albach, Allendorf a. Lahn, Allertshausen, Alten-Buseck, Annerod, Bellersheim, Beltershain, Bersrod, Beuern, Birklar, Climbach, Eberstadt, Garben- reich, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Grüningen, Hattenrod Haufen, Heuchelheim, Holzheim, Hungen, Inheiden, Keffelbach,' xiem-Lmden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Lauter, Leih- Sr Ach, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Mainzlar, Münster, Muschenheim, Rieder-Bessingen, Nonnenroth, Obborn- hofen, Ober-Bessingen, Odenhausen, Rabertshausen, Reinhards- hain, Reiskirchen, Rodheim, Rödgen, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stembach, Steinheim, Trais-Horloff, Treis a. Lda., xro^e, Utphe, Billingen, Watzenborn, Weitershain, Wieseck,
Winnerod.
Sie werden daran erinnert, die obenerwähnten Rach- welsungen, bezw. die Anzeigen, daß keine der in Ihrem Polize,bezirk wohnenden bestraften Personen wahrend des Zeitraums vom I. Juli 1891 bis 31. December 1891 vcr- storben sind, unfehlbar binnen 8 Tagen hierher einzusenden. I
Jöckel. I
. / . . _________Donnerstag den 3. März__
GießenerAnzeiger
Henerat-Anzeiger.
Bekanntmachung. •
fcerr LandwirthschaftSlehrer Reichelt von Friedberg I M" beiden schon bewilligten
bInntÄ-be\ .Obstbauvereins Hilfe von PrwMwe^k7n'n? Mcht emUtt °weL'"
in hrn $•' Nachmittags 3 Uhr Rickert ist in letzterem Punkte mit dem Staatssekretär ein-
in dem Solmser Hof zu Hungen einen Vortrag über ""^en Kcrciar em
Zwergobstbau halten. Alle Mitglieder des Obstbauvereins ♦ eI bewilligt, ebenso der Rest des ordentlichen Etats
gelaßen. I wovon die Commission 1532000 Mark abgesetzt bat, worunter die
Ein Antrag der beiden rechten Parteien, Graf Behr u. Gen. will von der letzten Forderung 940000 Mark zum Grunderwerb bewilligen. Die Eommission hat die Forderung abgelehnt. Hahn ^^ürwortet den Antrag auf theilwetse Wiederherstellung der Position bk WlZmfc'’”UnB b" iP0fiti0n m“ dem «nirag Behr an «ntrag°Beh7abge,ehnt°"° Me ^mmissionsoerweisung unb der i)ic von der Commission beantragte Streichung von 20200t Mk zum Bau von Arbeiterwohnhäusern für die Werft Kiel wird debattelos genehmigt ebenso der Rest des Ordinarium«, sowie die Einnabmen.
'8” folgt die zweite Lesung deS Telearaobenaeieties c ?<> Antrag Lieber-Spahn wirb abgelehnt. "«"ppengeietzes. > 7», unfäbhkit?lbRlmmUn9 Ü6tr d^ a"lre8 8ar ergibt sich die Beschluß-
Mittwoch: Petitionen.
Tagesordnung:
1) Beschlußfaffung über 13 Gesuche um Bewilligung einer Subvention zum Besuche des Obstbaumwärter. Cursus zu Friedberg.
2) Anschaffung von Nistkasten für Meisen x. ans Kosten dcS landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins.
3) Vortrag des Herrn Gutsbesitzers Schlenke zu I ,,, , »• Balleftrem (Str.) erklärt, daß er gestern nur für seine ließen über das land- und ?7fon ^abe. Die Gründe würde v. Vollmar in der dritten
UnfallversicherungSqesetz. tctun®?TJa^cn/L£ x t ,
5) Wahl des Ausschuffes des landwirthschaftlichen Bezirks- Zerstörung des PrivateigenthumS sei auf den
Vereins Gießen. Gang des SeffionSkrieaes einflutzlos gewesen.
«) Berathung über die Errichtung von landwirthschaft- Cawrnffston eben°allS IbgeX^"' fÜt F n’irb "°" btr lichen Versuchsstationen im Kreise Gießen zum Anbau . StaatSsecretär Hollmann: Sie gebrauchen auf vier über- von neu empfohlenen Kartoffelsorten. Stationen je zwei Kreuzer, da« vorhandene Material ist
Gießen, den 1. März 1892. ?e6r b i“ ha“61 Unl> unbrauchbar. Diese Forderung ist also eine
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Dtt Forderung wird nach dem Commissionsbeschluß abgelehni, _ 3ost. I e cr^c Äale lür Aviso H unter Widerspruch des Staats-


