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Nr. 177

Dienstag den 2. August

1892

Der Mean >«|H|<r erscheint täglich, »tl Ausnahme bei Montagi.

Die Gießener

erben dem Anzeiger WHchenilich dreimal beigelegt.

GichenerAiizeiger

Keneral-Anzeiger.

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Hratisöeitage: Hießener Jamitienötätter

Anrtlichev Theil

Ausland.

der

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden tag erscheinenden Nummer bii Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux bei In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger^ entgegen.

Heetcfic Ha^dcbtan»

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

nennenswerte Summe aufwies, so ist die verhältnißmäßige Höhe, die sie heute erlangt hat, um so bemerkenswerther. Verschiedene Factoren haben zu diesem so erfreulichen Erfolge der deutschen Exportthätigkeit beigeitragen, zumal ist. hier die ungemeine Entwickelung des Schiffsverkehres', insbesondere der deutsch-indischen Dampferverbindungen, zu nennen. Aber nicht zum Wenigsten ist die ungewöhnliche Hebung der deutsch­indischen Handelsbeziehungen auch der deutschen Unternehmungs­lust, der deutschen Beharrlichkeit und der Solidität der

Ganz besonders hat sich die deutsche Zuckereinfuhr nach Indien innerhalb des genannten Zeitraumes gehoben, denn während deren Werth im Jahre 1890 kaum eine Million Mar^ repräsentirte, war diese Summe im Jahre 1891 bereits auf nicht weniger als 16 Millionen Mark ge­stiegen. Im Uebrigen participirten an der Zunahme der deutschen Ausfuhr nach Ostindien namentlich noch Woll- und Kurzwaaren, Zündhölzchen, Papier, Salz und Stahlwaaren, dann besonders auch eiserne Nägel.

ostindischen Colonialreiches, übertroffen, und wenn man erwägt, daß Deutschland unter den mit Ostindien Handel treibenden Staaten noch vor einem Jahrzehnt an letzter Stelle zu finden war, so erhellt hieraus zur Genüge, was sein Vorrücken an die zweite Stelle des Auslandshandels mit Indien bedeutet. Um noch einige specielle Ziffern zu geben, so sei erwähnt, daß die deutsche Einfuhr nach Indien im Jahre 1890 nur 11 Millionen Mark betrug, daß sie aber schon im nächsten Jahre die Gesammtsumme von ca. 32 Millionen Mark auf­weist, sie hat sich demnach im Laufe eines einzigen Jahres

Langsam, aber sicher breitet sich die Cholera in

Rußland von ihren ursprünglichen Einbruchsstationen im ... v_

unteren Wolgagebiete nach allen Seiten hin aus. Denn I nahezu verdreifacht, einerseits hat die Seuche jetzt nach dem östlichsten Gebiete, '

nach dem Gouvernement Orenburg, hinübergegriffen, ander­seits wüthet sie bereits in Kleinrußland, in der Ukraine, und außerdem soll sie auch schon in einigen Orten nördlich von Nischni-Nowgorod ausgetreten sein. Allerdings soll die Nach­richt von dem angeblichen Austauchen der Cholera auch in Warschau in der That unbegründet sein, aber es kann kaum mehr zweifelhaft sein, daß die Seuche binnen Kurzem doch Polen erreicht haben wird. In Nischni-Nowgorod, wo sich die Cholera täglich mehr ausbreitet, herrsch: trotzdem eine ruhige Stimmung, wie Professor Dr. v. Anrep als Regie- rungscommissar nach Petersburg berichtet hat. Dagegen ist es in Taschkent in Russisch-Asien zu blutigen Cholera-Unruhen gekommen, welche nur durch militärisches Einschreiten unter­drückt werden konnten. In der Umgegend von Trapezunt in Türkisch-Kleinasien sind ebenfalls Cholerafälle vorgekommen.

Der Streit darüber, ob die in Paris und Umgegend herrschende choleraartige Krankheit die echte Cholera sei oder nicht, ist jetzt offiziell in ersterem Sinne entschieden worden. In Paris und seiner Bannmeile sind bis jetzt im Ganzen 400 Cholera-Todesfälle vorgekommen.

Wien, 30. Juli. DiePolit. Corresp." meldet aus Lemberg, in der Nähe von Trzebinia seien vier Erkrankungen an Cholera nostras constatirt, in Szczakowa eine Erkrankung an Symptomen der Cholera nostras.

deutschen Waaren zu verdanken. Wenn man von deutscher Seite in solcher Weise fortarbeitet und speciell die Bedürs- nisse des indischen Marktes an Eisen-, Stahl-, Kurz- und Wollenwaren, dann auch an den mannigfachen Producten der Papierbranche berücksichtigt, so wird die deutsche Jndustrie- und Ausfuhrthätigkeit sich in Ostindien zweifellos ein Absatz­gebiet erobern, das sie für den Verlust so manchen älteren Absatzgebietes vollkommen entschädigen dürfte.

Berücksichtigt man den Umstand, daß vor noch etwa zehn Jahren die deutsche Handelsausfuhr nach Indien eine kaum

kenner, aus denen sich das Richtercollegium zusammensetzte, ganz ausgezeichnet und unsere Gießener Rudergesellschasr har

erblindete Held von Wadelai, den alle Welt krank und ver­lassen aus einer der Stationen am Victoriasee wähnte, seinen kühnen Plan, sich wieder zum Gebieter der Aequatorialprovinz zu machen, doch noch ausgesührt? Jedenfalls darf man mit Spannung den weiteren Meldungen über Emin entgensehen.

Berlin, 30. Juli. Die Stafettenpost des deutschen Radsahrerclubs von Berlin nach Köln ist Mittags vom Branden­burger Thor abgegangen. Im Auftrage der Militärbehörde übergab Major Brix jedem Fahrer eine Depesche und Losung.

Breslau, 30. Juli. In weiterer Ausführung der Maß­regeln gegen die Cholera ordnete der Regierungs­präsident von Oppeln im Einvernehmen mit der Eisenbahn- direction und der Polizeiverwaltung die unverzügliche Ein­richtung einer gesundheitspolizeilichen Controle an den Bahnstationen Kattowitz, Schoppinitz, Mislowitz, Pleß und Ratibor an.

Helgoland, 30. Juli. Der Kaiser und Prinz Hein­rich trafen mit den DampfernKaiseradler" undBeowuls" um 7 Uhr ein; sie begaben sich alsbald ans Land. An der Landungsbrücke begrüßten Contreadmiral Mensing, eine Depu­tation der Einwohner, sowie eine große Menge Einheimischer und Badegäste den Kaiser. Dieser fuhr mit der Drahtbahn aus das Oberland, besichtigte daselbst die Befestigungsanlagen und speiste in der Commandantur. Um 10 Uhr erfolgte die Weiterreise nach England. Die ganze Insel war reich beflaggt.

Rom, 30. Juli. Amtlicher Bekanntmachung zufolge ist ganz Italien cholerasrei. Der Gesundheitszustand ist besser.

Eatauia, 30. Juli. Der Aetnaausbruch nimmt zu, namentlich der Hauptkrater ist in starker Thätigkeit. Die Lavaströme schreiten schnell gegen Nikolosi vor. Das Getöse dauert fort.

Cocoles «nd provinzielles.

Siehe», 1. August 1892.

Erste Herbst Ruder Regatta der Gießener Rudergesell- schast. Obwohl es am Samstag und Sonntag Vormittag schien, als sollte die diesjährige Regatta verregnet werden, so gestaltete sich das Wetter doch noch so günstig, daß die Regatta ganz programmgemäß verlaufen konnte. Wie immer, so erfreute sich auch die diesjährige Veranstaltung einer starken Theilnahme des hiesigen sowie des aus den Nachbarstädten gekommenen Publikums, so daß die vorhandenen zahlreichen Plätze an beiden Ufern der Lahn voll besetzt waren. Mit dem gestern abgehaltenen Sportfest ist nicht nur der Beweis erbracht, daß sportliche Prüfungen ernsterer Natur aus unserer Rennstrecke möglich sind, sondern daß auch von unserem

Publikum denselben das nöthige Interesse und Verständniß entgegengebracht wird, um die Veranstaltung zu einer dauernden zu machen. Sehr erfreulich ist die Unterstützung, welche die gesunde Leibesübung von Staat und Gemeinde findet, und die Werktätige Unterstützung seilens der Behörden hat vollauf dazu beigetragen, um den vollen Erfolg zu sichern. Die

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Juli. Mit den Aussichten der geplanten Berliner Weltausstellung ist es nicht zum Besten bestellr dies läßt sich nicht länger mehr verkennen! Wohl steht noch der größte Theil der seitens des Reichskanzlers eingehvlten Gutachten der Bundesregierungen und der in­dustriellen Kreise bezüglich des Ausstellungsprojectes aus, aber schon die vorliegenden Rückäußerungen lassen erkennen, wie überaus getheilt in unserem Vaterlande die Stimmung gegen­über diesem bedeutungsvollen Unternehmen ist. In den maß­gebenden Berliner Kreisen soll man überhaupt der Meinung ?ein, daß die Antworten der verbündeten Regierungen und ihre Gutachten über die Abhaltung einer Weltausstellung in Berlin zum größten Theile ungünstig lauten würden; sollte -sich diese Befürchtung in der That erfüllen, so wäre hiermit der Verzicht aus den Ausstellungsplan freilich so ziemlich fertig. Welche Wirkung das eventuelle Fallenlaffen des Pro- jectes der Berliner Weltausstellung alsdann im Auslande haben würde, das wäre allerdings eine Frage für sich.

In den letzten Tagen ist der Endabschluß des Reiches wie Preußens für das laufende Etatsjahr ver­öffentlicht worden, wobei sich ein weit erfreulicheres Bild der Reichsfinanzen als der preußischen Finanzen ergibt. Denn während der Abschluß der Reichshauptkasse einen positiven Uebenchuß von 3V2 Millionen Mk. aufweist, läßt der End­abschluß Preußens ein Deficit von rund 44 Millionen Mk. erkennen, ^das namentlich auf Rechnung der Mindereinnahmen aus der Staatsbahnverwaltung zu setzen ist. lieber die Art ber Deckung dieses Fehlbetrages verlautet noch nichts Be­stimmtes; es muß daher die bereits ausgetauchte Meldung, die preußische Regierung wolle zu gedachtem Zwecke eine neue Anleihe aufnehmen, einstweilen nur als Vermuthung bezeichnet werden.

Fürst Bismarck hat am Samstag seinen vom besten Erfolg begleiteten Kuraufenthalt in Kissingen beendet unb sich über Jena, wo er bis Sonntag verweilte, zunächst nach seinem Stammgute Schönhausen begeben. Bei der Ab­reise von Kissingen wurden dem Altreichskanzler nochmals varme Huldigungen dargebracht, sein Empfang in der thü­ringischen Musenstadt Jena aber gestaltete sich geradezu zu einem großartigen und ergreifenden Schauspiele, das seinen -lheilnehmern gewiß unvergeßlich bleiben wird.

Bekanntmachung, betreffend die Unterhaltung der Kreisstraßen, hier den Umbau der Wetterbrücke bei Ober-Bessingen.

Die unterm 5. vor.. Ms. verfügte Sperrung der im Zug der Kreisstraße Ober-BessingenEttingshausen gelegenen Wetterbrücke bei Ober-Bessingen wird hierdurch aufgehoben.

Gießen, den 1. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Rewyork, 31. Juli. Gestern starben hier in Folge furchtbaren Hitze 98 Personen. Im Ganzen starben gestern 223 Menschen, darunter 111 kleine Kinder. Gestern und heute Vormittag sind außerordentlich viele Sonnenstiche vorgekommen. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Das Leichen- chauhaus in Chicago kann die Zahl der Todten kaum assen. Auch Wassermangel ist in Chicago eingetreten.

Bekanntmachung.

bett, die Unterhaltung der Kreisstraßen, hier den Umbau der Lumdabrücke bei Daubringen.

Tie unterm 5. dss. Mts. verfügte Sperrung der im Zug der Kreisstraße Lollar-Daubringen gelegenen Lumdabrucke bei Daubringen wird hierdurch aufge­hoben.

Gießen, den 30. Juli 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

7" Ostafrika scheint das Schmerzenskind der deutschen Kolonien bleiben zu sollen. Hierauf deuten auch die jüngst veröffentlichten amtlichen Berichte über die bekannte Katastrophe am Kilimandjaro-Gebiete hin, denn sie lassen erkennen, daß dieser wichtige und vielversprechende Theil des Hinterlandes )er ^msch - ostafrikanischen Colonie als verloren betrachtet verden muß, wenigstens einstweilen. Die numerische Schwäche ?er deutsch-ostasrikanischen Schutztruppe ist unzweifelhaft eine 'er Ursachen, welche dieses beklagenswerthe Resultat mit verschuldeten und eine erhebliche Verstärkung der Schutztruppe rscheinl unausweichlich, sollen sich die Deutschen in Ostasrika acht neuen Mißerfolgen gegenübersehen.

Heber Emin Pascha kommt aus dem dunklen Con- inenr wieder einmal eine überraschende Nachricht. Sie be- agr, daß Emin Herr des gesammten Aeguatorialgebiets sei; ähere Mittheilungen fehlen noch. '

Berlin, 1. August. Bel einem gestern im Königlichen Proviantamt in der Magazinstraße ausgebrochenen Brande verbrannten über 600 Gentner Hafer.

Breslau, 1. August. Der Ausbruch der Cholera 111 wird amtlich bestätigt. vliJJU vtaawubCll f uul uelt oouen vjrjoig zu nepern. wtc

.» !.^uguft. Wie derSchlesischen Zeitung" von sportlichen Leistungen waren nach dem Urtheile erster Sach-

authentischer Sette mltgetheilt wird, wurden aus der Grenz- * - . - - '

So hätte also der fast I station Sosnowice einige Fälle von Cholera constatirt.

Köln, 1. August. Die am Samstag Mittag 12 Uhr vom Brandenburger Thor in Berlin abgefahrenen Stafetten­fahrer sind gestern Nachmittag 4 Uhr 37 Min. mit der vom Major Brix im Auftrage des Kriegsministeriums über­gebenen ParoleKaiser Wilhelm II." hier eingetroffen, Lieutenant Selbach nahm im Auftrage des Gouvernements Köln die Parole in Empfang.

Die handelspolitische Bedeutung ^Ostindiens für Deutschland.

Unter denjenigen außereuropäischen Ländern, deren Handelsverkehr mit Deutschland innerhalb einer verhältniß- mäßig kurzen Zeit einen ganz ungewöhnlichen Aufschwung genommen hat, befindet sich Ostindien mit in erster Linie, ja, vielleicht steht es in dieser Beziehung überhaupt obenan. So hat sich der Antheil Deutschlands am ostindischen Auslands- Handel in Ein» und Ausfuhr allein in den vier Jahren von 1887 bis 1891 von 18 Millionen aus 120 Millionen Mark gehoben, sich also beinahe um das Siebenfache vermehrt. Ueberhaupt wird heute Deutschlands Jndienhandel nur noch von demjenigen Großbritanniens, also des Mutterlandes des