Nr. 79.
Samstag den 2 April
1892
ichemr Anzeiger
Aenerat-Anzeiger
2lmts# uit> Anzeigedltrtt für do» Kreis (Siegelt.
Hratisöeikage: Hießener Jamitienökaiter,
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Raubmorde
an den ausrich-
Annähme von Anzeigen zi> der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Hummer bi- vorm. 10 Uhr.
Eduard Privat-
Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
wurde mit seinen Complicen confrontirt und ständnisse.
Die Gießener ^«misten blätter werden dem Anzeiger wdchentlich dreimal beigelegt.
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
um das allgemein gewollte Ziel zu erreichen. Er hoffe, daß die verbündeten Regierungen bei näherer Prüfung zu derselben Ueberzeugung kommen werden.
Abg. v. Unruhe-Bomft (Rp.) erklärt, daß die große Mehrheit seiner Freunde auf dem Standpunkte des Abg. Hahn stehe. Sie hätten allerdings auch Bedenken gegen die jetzige Fassung der Vor läge, aber diese Bedenken dürften hier nicht ausschlaggebend sein, da es sich um Ausfüllung einer sehr empfindlichen Lücke handle.
Abg. Schrader (dfr.): Wenn der Reichstag einmüthig einen solchen Beschluß fasse, so könnten auch für den Bundesrath financtelle Bedenken nicht obwalten, denn der Reichstag werde sich dann der Verpflichtung nicht entziehen, die erforderlichen Mittel zu bewilligen.
Abg. Dr. Buhl (natl.) erklärt, er würde für eine ganze Reihe von Ausgaben nicht gestimmt haben, wenn für die Unterstützung der Familien der eingezogenen Mannschaften keine Mittel vorhanden sein sollen.
Abg. Dr. Hartmann (cons.) tritt als Referent der Commission für die Beschlüsse derselben und des Hauses ein.
Der Gesetzentwurf wird darauf definitiv angenommen.
Auf Antrag des Abg. Metzner (Ctr.) weroen die Petitionen betreffend den Hausirhandel, die Consumoereine und das Impfwesen, weil einer längeren Erörterung bedürftig, von der Tagesordnung abgesetzt.
Präsident v. Levetzow theilt dann mit, daß der Reichstag vor seinem Schluß stehe und gibt die übliche Geschäftsübersicht der ersten Session der achten Legislaturperiode.
Abg. v. Tettau (cons.) spricht im Auftrage des Reichstags als dessen ältestes Mitglied dem Präsidenten v. Levetzow den Dank für dessen treue, sachliche und unparteiische Leitung der Geschäfte des Hauses aus.
Da« Haus erhob sich einmüthig von den Plätzen.
Präsident v. Levetzow dankt dem Bureau, insbesondere den Vicepräsidenten, sowie dem ganzen Hause für die Unterstützung, die ihm in der Führung seines Amtes zu Thetl geworden und sprach die Hoffnung aus, die Mitglieder des Reichstags, wo möglich recht vollzählig (Heiterkeit), wiederzusehen.
Darauf verliest Staatssecretär Dr. v. Boetttcher die Kaiserliche Botschaft, mittelst deren er beauftragt wird, den Reichstag zu schließen, und erklärt dementsprechend den Reichstag für geschlossen.
Unter einem vom Präsident, ausgebrachten dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in daS sämmttiche Abgeordnete (die Socialdemokraten hatten vorher den Saal verlassen) begeistert ein- sttmmten, schloß die Sitzung.
Nr. 16 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M., enthält:
(Nr. 2004.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen auf Steinkohlenbergwerken, Zink- und Bleierzbergwerken und auf Kokereien im Regierungsbezirk Oppeln. Bom 24. März 1892.
(Nr. 2005.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Rohzuckerfabriken und Zuckerraffinerien. Bom 24. März 1892.
Gießen, den 31. März 1892.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Der I. Bezirk besteht:
aus dem Theile der Stadt Gieffen, welcher, von Frankfurt aus gerechnet, rechts der Straße von Frankfurt nach Marburg gelegen ist, einschließlich der Gemarkung Schiffenberg;
aus den Orten Albach, Allendorf a. d. Lahn, Burkhardsfelden, Garbenteich, Großen-Linden, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Oppenrod, Steinbach und Watzenborn-Steinberg.
Der II. Bezirk besteht:
aus dem links der Frankfurt—Marburgerstraße gelegenen Theil der Stadt Gießen, sowie
aus den Orten Alten-Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Daubringen mit Heibertshausen, Großen - Buseck, Lollar, Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Trohe, Wieseck und Winnerod.
Gießen, den 1. April 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Ueuefte Nachrichten
köolflS telegraphisches Lorrespondenz-Bureai;
Berlin, 31. März. Abgeordnetenhaus. In heutiger zweiter Lesung der Welsenfondsvorlage begründet der Berichterstatter Abg. Krause den Beschluß der Commission, welcher die Aushebung der Beschlagnahme beantragt und die Ausführung derselben dem Finanzminister überweist. Die Abgg. v. Rauchhaupt und Brandenburg erklären sich für die Aufhebung der Beschlagnahme, ebenso Abg. Richter. Letzterer hält aber die Vorlegung des Vertrages mit dem Herzog von Cumberland für nothwendig. Finanzminister Miquel bestreitet dem Landtage das Recht, eine Vorlegung zu verlangen. Im Uebrigen liege gar kein neuer Vertrag vor, sondern es handle sich nur um eine Ausführung des Vertrages von 1867. Der Minister betont ferner ausdrücklich, daß durch das Abkommen der Staatskasse keine weiteren Pflichten erwachsen. Die Abgg. .Virchow, Tschoppe und Boedicker sind ebenfalls für die Aufhebung der Beschlagnahme. Daraus wird der Antrag des Abg. Richter, eine Vorlegung des Vertrages zu verlangen und die Angelegenheit an eine Commission zurückzuweisen, abgelehnt und die Vorlage in der Fassung der Commission unverändert angenommen.
Berlin, 31. März. Die „Nordd. Allgem. Ztg." kann den immer wieder auftauchenden Gerüchten von Finanzverlegenheiten der Krone gegenüber nochmals aufs Bestimmteste versichern, daß die finanziellen Verhältnisse der Krone zu derartigen Gerüchten nicht den geringsten Anhalt gewähren und weder das Hausministerium noch die Privatschatulle des Kaisers sich mit Anleiheabsichten tragen.
Berlin, 31. März. Der „Reichsanzeiger" theilt mit, Seitens der Reichsregierung sei die Entsendung eines Technikers nach Amerika erfolgt, um die Raumfrage für die
Localer nttö provinzieller.
Gießen, 1. April 1892.
— Aus der Garnison. Premier-Lieutenant Stumpf vom Jns.-Reg. Kaiser Wilhelm ist aus ein Jahr zur Dienstleistung bei dem Großen Generalstab commandirt. Premier- Lieutenant Seelbach unter Versetzung in das 6. Brandenburg. Ins. - Reg. Nr. 52 von dem Commando bei der Unteroffizierschule in Jülich entbunden.
— Gelandete Leiche. Gestern Nachmittag wurde in der Lahn am Obermühlwehr, direct bei Burk'ö Mühle, die Leiche des schon seit dem 1. November v. I. vermißten Hautboisten K. des hiesigen Regiments geländet.
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und Falschmünzerei ein, leugnete jedoch die Betheiligung bei den Dynamitanschlägen ab.
Rom, 31. März. Die vaticanische „Voce Verita" äußert ihre lebhafte Freude über die neueste Rückkehr des Centrums zu den Traditionen Windthorsts.
Brüssel, 31. März. Die Polizei erhielt Instructionen zur Festnahme von den aus Frankreich ausgewiesenen Anarchisten, welche die belgische Grenze passireu.
Langenbach ist mit Hinterlassung von 450000 Mk. schulden von hier heimlich verschwunden.
Bremen, 31. März. Der Kaiser richtete „Norddeutschen Lloyd" folgendes Telegramm: „Mit
tiger Freude begrüße ich das Flottwerden der „Eider",- ihr langes Ausharren aus exponirter Lage ist ein Beweis für ihre gute Construction, wie auch die stark bezweifelte Möglichkeit sie flott zu machen, in glänzender Weise von einer deutschen Gesellschaft zu ihrer eigenen und unserer deutschen Ingenieure Ehre gelöst ist. Möge die „Eider" bald wieder im Dienst ihre guten Eigenschasten bewähren."
ReuStrelitz, 31. März. Bei der Reichstags-Stichwahl erhielt der „Landeszeitung" zusolge Milbrand (sreis.) 9892, Gras Schwerin (cons.) 7587 Stimmon. Sonach ist Ersterer gewählt.
zur Herstellung explosivster Gegenstände gefunden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Ravachol machte Ge-
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vom 1. April 1892 an auf die Dauer von zwei Jahren der I. Kaminfegerbezirk dem Kaminfeger Franz Nebl dahier und der II. Kaminfegerbezirk dem Kaminfeger Karl Zwesch dahier zugewiesen ist.
Paris, 31. März. Ravachol gestand die Ermordung des Einsiedlers in den Cevennen, drei frühere ~
deutsche Abtheilung der Chicagoer Ausstellung zu erledigen. Berlin, 31. März. Der vereidigte Makler
21 <? Mittag*
208. Plenarsitzung. Donnerstag den 31. März, 11 Uhr.
Die Uebersicht der Reichs-Ausgaben und Einnahmen für das Etatsjahr 1890/91 wird in dritter Lesung genehmigt.
In dritter Lesung werden angenommen: die Novelle zum Unfallversicherungsgeseh (Ergänzung der Beisitzer zumReichS- verficherungsamt), der Gesetzentwurf betr. die Vorbereitung deS Kriegszustandes in Elsaß-Lothringen, der Nachtragsetat, betr. strategische Eisenbahnen und der Gesetzentwurf betr. Vergütung des Cacaozolls bei der Ausfuhr von Cacaowaaren.
Der Antrag Auer u. Gen. (Soc.) auf Uebernahme der Verwaltung und des Eigenthums des Apothekenwesens durch das Reich, über den die Abstimmung bisher noch ausstand, wird ab- gelehnt. Dafür stimmen nur die Socialdemokraten.
Es folgt die Wahl von sechs Reichstagsmitgliedern zu!der Commission für Arbeiterftatistik.
Auf Antrag des Abg. Grafen Ballestrem werden per Accla- mation gewählt die Abgg. Biehl (Ctr.), Dr. Hartmann (cons.), Dr. Hirsch (dfr.), Dr. Hitze (Ctr.), Schippel (Soc.) und Siegle (natl.). Gleichzeitig wird der Präsident ermächtigt, für den Fall des Ausscheidens eines der Genannten ein anderes Mitglied in die Commission zu belehren.
Hierauf wird in die dritte Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften eingetteten.
Abg. Gamp (Rp.) erklärt, nach den Beschlüssen der zweiten Lesung nicht in der Lage zu sein, der Vorlage zuzuftimmen, bittet auch die Regierung, derselben in der vorliegenden Fassung die Zustimmung zu versagen.
Staatssecretär Dr. v. Boetticher ist zu seinem Bedauern nicht in her Lage, über die Stellung der verbündeten Regierungen zu den Beschlüsten des Reichstags eine bindende Erklärung abzugeben. Er hätte gewünscht, daß über die Regierungsvorlage eine Einigung erzielt worden wäre. Hoffentlich werde man event. in nächster Session zu einer Verständigung gelangen.
Abg. Hahn (cons.) bittet im Gegensatz zum Abg. Gamp, den Beschlüssen deS Reichstags noch zuzustimmen, umsomehr als dieselben nahezu einstimmig gefaßt seien.
Abg. Singer (Soc.) findet die Erklärung des StaattzsecretärS unbegreiflich. Es würden für den Militarismus so große Opfer gebracht, daß es ganz unverständlich fei, wenn hier auf einmal dte nöthigen Mittel nicht vorhanden fein sollen, um die Familien der eingezogenen Mannschaften zu unterstützen.
Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Auch die verbündeten Regierungen wollten die Familien der zum Heeresdienst eingezogenen Mannschaften vor Noth schützen, deshalb hätten sie ja die Vorlage eingebracht. Rur über das Maß der Unterstützung gingen die Meinungen auseinander.
Abg. Fthr. v. Huene (Ctr.): Der Reichstag habe die Ueberzeugung, daß daS, was die Regierungsvorlage biete, nicht ausreiche,
Paris, 31. März. Es heißt, in der Seine bei Asnieres und in der Nähe der Javelbrücke sei eine größere Menge Dynamit gesunden worden.
Paris, 31.März. Alle wegen Dynamit-Attentaten Verhafteten haben ein vollständiges Geständniß abgelegt, die Details über die Explosion aus dem Boulevard Saint Germain ausgesagt und Ravachol als Chef einer Bande bezeichnet. Sie haben sogar gestanden, daß Ravachol auch das Haus in der Rue Clichy in die Luft sprengen sollte. Die Geständnisse kommen jedoch zu spät. Der Untersuchungsrichter kennt bereits alle Bewegungen und Handlungen Ra- vachols seit einem Jahre. Er weiß, daß nach begangenem Morde in Montbrison Ravachol 30,000 Frcs. gestohlen und diese bei verschiedenen Gesinnungsgenossen in Saint Etienne untergebracht hat, welche ihm Geld nach Bedürsniß schickten. Ein Complice erklärte endlich, Ravachol müsse einen Theil des in Soisy sous Etoiles gestohlenen Dynamits vergraben haben. — Die „Liberte" meldet, es seien Befehle in die Provinz geschickt, die ausländischen Anarchisten aus- z u w e i s e n.
Paris, 31. März. Nach Telegrammen aus Rio wird daselbst der Ausbruch neuer Unruhen befürchtet. In Rio und Pernambuco sind sämmtliche Truppen aus Anordnung der Regierung consignirt. Die Polizei entwickelt eine lebhafte Thätigkeit.
u Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 31. März. Der „Reichsanzeiger" bestätigt, daß der Staatssecretär v. Bötticher sein Entlaffungsgesuch einreichte, der Kaiser dasselbe aber in einem huldvollen Schreiben ablehnte.
Berlin, 1. April. Die Forderung für den Nach- tragsetat in Höhe von 72 000 Mark dauernd und 60000 Mark einmalig infolge der Ernennung des Ministerpräsidenten ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. Den „Berl. Pol. Nachr." zufolge findet die erste Lesung am 5. April statt, wobei sich voraussichtlich eine größere Debatte allgemein politischer Natur entwickeln dürfte.
Berlin, 1. April. Der „Nationalztg." zufolge lehnte Graf Zedlitz das ihm angebotene Oberpräsidium in Cassel ab.
Bremen, 1. April. In Anbetracht des anhaltend starken Andranges von Passagieren nach Newyork erhöhten der Norddeutsche Lloyd und die Hamburger Packetschisffahrt-Ge- sellschaft die Zwischendeckpreise. Weitere Erhöhungen dürften bevorstehen. Der Norddeutsche Lloyd beförderte im März 1892 18000 Passagiere gegen 12000 im Vorjahre.
Wilhelmshaven, 31. März. Zum Commandanten von Helgoland wurde Admiral Men sing ernannt.
Freiburg i. Br., 31. März. Heute Nacht brach in der Mansarde eines Hauses ein Brand aus. Von der Familie, welche aus den Eltern und sieben Kindern bestand, wurde nur ein Kind, welches aus dem Fenster geworfen, dabei aber schwer verletzt wurde, gerettet; die übrige Familie verbrannte.
Paris, 31. März. Bei den gestrigen Nachforschungen bei Anarchisten in Paris und der Provinz wurden Mittel


