Ausgabe 
1.12.1892
 
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Sir. 281 Erstes Blatt

Donnerstag den t. Deccmber

Amts- und Anzeigeblatt für den TLreis Gieren.

Hratisöeikage: Hießener SfamtCten6fätttr

Alle Lnnonckn-Bureaux bd 3«» unk luiUnM "^w

Depeschen des BureauHerold".

Nieste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Marienwerder, 29. November. Bei der gestrigen R-e i ch s - tagsersatzwahl Stuhm-Marienwerder erhielten bisher: Wessel 3704 Stimmen, Dieskau 1112, Rother 728 Donimirski 5228, Jochem (Socialist) 482 Stimmen. 37 Ort­schaften fehlen.

Nach einer derDarmst. Ztg." zugegangenen Nach­richt beabsichtigt Herr Dr. Gutfleisch, sein Reichstags-Mandat für den Wahlkre'.S Friedberg Büdingen niederzulegen. Als Grund wird Ueberhäufung mit Arbeiten anderer Art angegeben.

Vom Kirchenbau. Als Zeichen der Vollendung der äußeren Zimmerarbeit prangt jetzt aus dem Thurme der neu­erbauten Johanneskirche das übliche Tannenbäumchen.

Verhaftet wurde gestern ein schon mit Zuchthaus vorbestrafter junger Bursche, welcher seinem Schlascollcgcn

Berlin, 29. November. Heute Nachmittag 2 Uhr fand die Beerdigung des ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten v. Madai von der Halle des Jerusalemer Kirchhofs aus statt. Der Kaiser sandte ein herzliches Beileidtelegramm, die Kaiserin Friedrich einen kostbaren Kranz. Blumenspenden sandten das Berliner und jdas Frankfurter Polizeipräsidium, die Schutzmannschaft, die Feuerwehr, ferner die Offiziercorps der in Frankfurt und Homburg garnisonirenden Regimenter, sowie Osfiziercorps anderer Regimenter. Unter den Leid­tragenden befanden sich der Ministerpräsident Graf Eulenburg, der Polizeipräsident v. Rtchthosen und verschiedene Deputationen, dcach dem Gesänge des Domchors hielt Garnisonpfarrer Fromme! die Gedächrnißrede.

Petersburg, 29. November. Eine Erhöhung der Steuern aus Spiritus und Naphta-Oel ist gestern be­schlossen worden.

vierteljähriger «Mtuutmtttbprttel 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chutstroße Mr.I.

Fernsprecher 61.

toealer und provinzieller.

Gießt«, 30. November 1892.

Berlin, 30. November. Die Arbeiten im Reichsvcr- sicherungsamt an der Nachweisung über die Rechnungs­ergebnisse der Berussgenossenschaften pro 1891 tnb soweit gediehen, daß die Nachweisung baldigst an den Reichstag gelangen kann. Der Umsang der Nachweisungen hat mit dem siebenjährigen Functioniren der Berufsgenossen, schasten stark zugenommen.

Köln, 29. November. DerKöln. Ztg." zufolge wurden neuerdings der sächsische, der bayerische Kriegsminister und der württembergische Staatsminister des Kriegswesens von ihren Monarchen zu Bevollmächtigten beim Bundes­rath ernannt. Parlamentarische Kreise bringen diesen un­gewöhnlichen Hergang mit den Ausstreuungen in Verbindung,

K. Theater. Als zweites Gastspiel des Fräulein Thessa Klinkhammer ging gestern Abend Henrik IbsensNora" I ^ber vniere Bretter und wir können unserer Theaterdirection nur danken, daß sie dies geistvolle, ergreifende Schauspiel des großen Realisten in ihr Repertoir aufnahm.Nora" ist schon so oft der Gegenstand wissenschaftlicher Besprechung und schriststellerischcr Discussion gewesen, daß wir mit gutem Gewissen uns die Inhaltsangabe des Stückes schenken können, um desto länger bei der Behandlung der Personen zu ver­weilen. Wie wir von glaubhafter Seite erfahren, betrat uns«- geschätzter Gast erst zum zweiten Male in der Titel­partie die Bühne, selbst der verwöhnteste Kritiker hätte alles gewettet, daßNora" seit langer Zeit eine Lieblingsrolle der Fräulein Klinkhammer sei, so erhaben und routiniert wurde dieselbe gegeben. Da war jeder Schritt, jeder Gestus das Resultat ernsten Studiums und reiflichen Erwägens. Im ersten Acte die leichtsinnige, lebenslustige, junge Frau, die keine anderen Interessen als das Vergnügen kennt, im zweiten Acte die Erkenntniß der Schuld, die sie unbewußt auf sich geladen hat, nur um dem greisen Vater Unan­nehmlichkeiten zu ersparen und den geliebten Gatten zu retten, und endlich im dritten Acte die moralische Ausrichtung und sittliche Erhebung über den Geretteten, nachdem dessen Liebe sich nicht als der ihrigen aequal gezeigt hat, diese inner­liche Wendung und seelische Veränderung brachte Fräulein Klinkhammer so meisterhaft und ergreifend zur Darstellung, daß ihre Leistung ein wahres Cabincistück schauspielerischer Kunst genannt zu werden verdient. IhreNora" wuchs von Act zu Act, ohne sich jener kleinen Mittel der Effecthascherei zu bedienen, die man bei nur gastierenden Künstlern so oft constatirt, durch die Tiefe der Auffassung und die Kraft des Genies. Eigenthümlich war die Wirkung dieses großartigen Spiels aus die Mitglieder unseres Ensembles. Während Herrn Halperns Leistung (Gümber), solange er sich Fräulein Klinkhammer gegenüber befand, stetig gesteigert wurde und uns mit Bewunderung fortriß, dann aber abfiel, konnten wir bei Fräulein Brünner (Frau Linden) das Umgekehrte bemerken, sie litt förmlich unter dem Banne dieser Nora und ging erst im dritten Acte als Partnerin des Herrn Halpern aus sich heraus. Beide haben entschieden ja red­lichen Antheil an dem Gelingen der Aufführung, verdienen jedoch aus obigem Grunde unser Lob nur in bedingter Weise. Anders ist es mit Herrn Martiensen, er befand sich in seinerRolle als Helmer" sichtlich unbehaglich, was uns auch vollkommen ein­leuchtet, denn sie entspricht ganz und gar nicht seinem Fach, zudem ist dieselbe die undankbarste des ganzen Stückes^ man betrachte doch nur den langweiligen Monolog im letzten Acte, der nur dazu da ist, um Zeit zum KostUmwechsel Noras zu schaffen. Das allerdings kann man ruhig sagen, obwohl uns Herrn Martiensens Leistung nicht befriedigte, so that sie doch der Allgemeinheit keinen erheblichen Eintrag. Die übrigen Mitwirkenden gefielen recht gut, besonders Herr Stückel alsDoctor Rank", wenngleich er in seiner Stimme manch­mal die schwere innerliche Krankheit etwas mehr hätte zeigen können. Ganz herzig war die Kinderscene. Der Vor­stellung woynte ein recht zahlreiches und distinguirtcs Publikum bei, das mit dem wohlverdienten Bcisall nicht geizte, sondern sämmtliche Mitwirkenden mit rauschenden Aeußerungen desselben überhäufte.

Gießen, 30. November 1892. Betreffend: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger schulen, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobil- Eichung innerhalb 8 Dagen bei uns einzureichen sind, spater emlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden.

In den Gesuchen ist anzugeben:

1) Civilstellung,

2) Vor- und Zunamen,

3) Militärcharge und Truppengattung,

4) Genaue Angabe des Truppentheils, Regiment, Compagnie 2c., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren,

5) Bezirk des Landwehrbataillons.

Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher °bei uns reclamirt haben, bedarf es keiner Meldung.

Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als allein­stehende Lehrer zur Reclamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen.

v. Gagern.

welche die Gegner der Militärvorlage über die Stellung der süddeutschen Herrscher zur Vorlage in ihrer jetzige» Gestalt wahrheitswidrig zu verbreiten suchten.

München, 29. November. Die Actiengesellschaft Hackerbräu erzielte in dem abgelaufenen Geschäftsjahre einen Bruttogewinn von 443 000 Mark. Nach zahlreichen Abschreibungen und Reservestellungen werden 5 pCt. Dividende gegen 4pCt. im Vorjahre vertheilt.

Stockholm, 29. November. Der Secreiär des Statt­halteramts im Königlichen Schlosse, Doctor Forsstrand, wurde wegen Unterschlagung von anvertrauten Geldern ver­haftet.

Pleß. 29. November. Se. Majestät der Kaiser ist gestern Abend hier eingetroffen und von dem Fürsten, dem Landrath und dem Bürgermeister empfangen worden. Der Kriegcrverein, sowie die Feuerwehr bildeten aus dem Wege vom Bahnhof nach dem Schlosse Spalier. Um 8 Uhr sand daselbst eine Tafel zu 22 Gedecken statt. Heute Vormittag wird eine Jagd auf einen Auerochsen, auf Roth- und Dam- wild und Sauen stattfinden.

Bekanntmachung.

Die Ausloosung der Schöffen pro 1893 findet

Donnerstag den 8. December 1892, Vormittags 11'/, Uhr

'« öffentlicher Sitzung unseres Gerichtssaals No. 18 statt.

Gießen, den 29. November 1892.

Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius.

Der

erscheint täglich, M Ausnahme des Montag».

Die Gießener

»«den dem Anzeiger Dschentttch drei »al beißet egt.

Deutsche- Reich.

Berlin, 29. November. Die Centrumsfraction des Reichstages hat beschlossen, eine Commission zu bilden, welche überlegen soll, wie am besten die Fragen der Hand­werkerkammern, des Lehrlingswesens, des Besähigungsnach- welses und des Hausirhandels wieder im Reichstage zur Verhandlung gebracht werden können. Die Frage des Hausir­handels wird, Centrumsblättern zufolge, wahrscheinlich die Einbringung eines besonderen, formulirten Gesetzentwurfs nothwendig machen. Wegen der anderen Fragen dürfte zunächst eine Interpellation an die Reichsregierung in Frage kommen. Ebenso wird in den Kreisen des Centrums die Frage erwogen, wie den Schwindel-Ausverkäufen und sonstigen Mißbrauchen im gewerblichen Leben in wirksamer Weise ent- gegengetreten werden kann.

Berlin, 29. November. Die Steuercommission hat in der heutigen ersten Sitzung mit 23 gegen 2 freisinnige Stimmen principiell die Aufhebung der Grund-, Ge- bäude-,'.Gewerbe - und Bergwerkssteuer als Slaats- steuer beschlossen.

Bekanntmachung.

betreffend die Veranstaltung vou Verloosuugeu innerhalb des Großherzogthums.

Der evangelische Kirchenbauverein zu Mainz beabsichtigt zum Zwecke der Gewinnung eines Theiles der Mittel zum Neubau emer evangelischen Kirche in der Neustadt zu Main, eine Geldlotterie zu veranstalten. Seine Königliche Hohei der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom ertheilen gerecht"Erlaubniß hierzu Allergnädigst zu

Nach Maßgabe des genehmigten Verloosungsplans dürfen nicht mehr als 300 000 Loose zu 3 Mark das Stück aus­gegeben werden und müssen mindestens 44,4% des Brutto- erlofes au« dein Verkauf der Loose für Gewinne verwendet werden. Die Ziehung wird im Laufe des kommenden Jahres staNstnden.

worben6' ^ettr'e^ ^er ^00^eni Großherzogthum ist gestattet

Es wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 28. November 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

______ v. Gagern.

GießenerAnzeiger

Aenerat-Anzeiger.

Bekanntmachung,

betreffend bie Verwaltung des Rentamts Nidda.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß durch Verfügung Grobherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Ab- q i «To6 JÜr AE-und Camerolverwaltung, zu Nr. F. M. D.

Steuerafseffor Gutmann mit der in- ternntstischen Verwaltung des Rentamts Nidda beauftragt Wurde. ' ö

Gießen, den 28. November 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___ v. Gagern.

Berlin, 29. November. Der Ausschuß der Stadtver­ordnetenversammlung für die Vorbereitung der Wahl des zweiten Bürgermeisters beschloß mit elf gegen zwei Stimmen, Nechtsanwult K ips ch n e r - Breslau für das Amt vorzuschlagen. , 3 .

Berlin, 29. November. In dem heute vor der zweiten Strafkammer des hirsigeg Landgerichts I begonnenen Processe gegen ben Rector Ahlwardt, welcher wegen ver­schiedener in seiner BroschüreNeue Enthüllungen, Juden­flinten" enthaltenen Veha^tu.chen unter Anklage gestellt ist, wurde einem Vertagungsantrag des Vertheidigers ' von dem Gerichtshof keine Folge gegeben. Der Gerichtshof trat hieraus in die materielle Verhandlung ein. Nach der zwei Stunden in Anspruch nehmenden Verlesung der beiden incriminirten Brochüren und nach Vernehmung d 3 Redacteurs Saling vom Kleinen Journal wurde die weitere .Handlung auf Mittwoch 9 Uhr früh vertagt.

Lnahme »oi Anzeige! zu btr Nachmittag» für bei M^bm Lag erscheinenden Nummer bi» vor». 13 Uhr.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche in Merkenfritz.

Die zu Merkenfritz, Kreis Büdingen, ausgebrochen qe- miesene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

Gießen, den 28. November 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.