Regierungsbezirk Coblenz: in der Stadt St. Goar 1 Todesfall.
Regierungsbezirk Düsseldorf: Duisburg 1 Todesfall, auS Dortrecht eingeschleppt.
Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin: in der Stadt Ludwigslust 1 Erkrankung.
Berlin, 29. September. Der gestern Nacht 12 Uhr mit dem Hamburger Schnellzug eingetroffene Postschaffner des Hamburg- Berliner Zuges, Moe wes, wurde als choleraverdächtig nach Moabit übergeführt. — In Charlottenburg wurde gestern Abend eine Frau als choleraverdächtig im Baracken- lazareth eingeliesert.
Berlin, 29. September. Gestern Nachmittag wurde ein Holländer von der Fremdenlegion, der der asiatischen Cbolera verdächtig ist, vom Bahnhof aus eingeliesert. Mehrere Personen sind geheilt entlassen worden.
Hamburg, 29. September. Kurz nach der Unterbringung der Bewohner der durchseuchten Häuser in die ^Concordia" sind verschiedene hiervon cholerakrank geworden.
Basel, 29. September. Aus eine Anfrage Seitens der Centralbahn-Direction bei dem Eisenbahndepartement hat letzteres geantwortet, daß das Departement des Innern den aus Straßburg über Basel-Luzern nach Rom für Anfang October avisirten Pilgerzug zu befördern nicht gestattet.
— In den Niederlanden breitet sich die Cholera jetzt allmälig auch aus, indeß in äußerst milder Weise. Denn es werden zwar aus einer großen Reihe holländischer Städte Erkrankungen oder auch Sterbesälle an Cholera gemeldet, so aus Nymwegen, Groningen, Dortrecht, Herzogenbusch, Haag, Rotterdam, Assel u. s. w., aber immer nur vereinzelte Fälle. Einer Bekanntmachung des Ministeriums deS Innern zufolge kamen in Holland während der vergangenen Woche 23 Todesfälle an asiatischer Cholera vor. Da Holland das classische Land der peinlichsten Reinlichkeit und Sauberkeit ist, so wird die Cholera aus holländischem Boden wohl schwerlich festen Boden zu saffen vermögen.
Locale» und provinzielles. 1
Gießen, 30. September 1892.
— Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 29. September. Zur Verhandlung kommt heute die Strafsache gegen Karl Luh und Georg Leib von Gießen wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Theobald. Karl Luh wird von Rechtsanwalt Dr. Jung, Georg Leib von Rechtsanwalt Curtman verteidigt- als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Christian Werner, Bernhard Küchel IV., Eduard Kretschmann, Karl Heimburg, Heinrich Römer, Conrad Weppler II., Karl Fuldat I., Leonhard Lang, Johannes Seipp II., Friedrich Wilhelm Hartmann, Ludwig Schmidt II. und Johannes Fritzel. Nach Beschluß über die Eröffnung des Hauptversahrens ist der Former Karl Luh angeklagt, daß er a) am 19. Februar 1892 zu Gießen einen dem Fabrikanten Heyligenstaedt daselbst gehörigen Materialschuppen vorsätzlich in Brand gesetzt habe, b) in der Nacht vom 15. zum 16. April 1892 zu Gießen einen dem pensionirten Gendarm Röder gehörigen Hausen Stroh, einen demselben gehörigen Holzstall, eine demselben gehörige Hütte und einen dem Bäcker Emil Noll zu Gießen gehörigen Hausen Brennholz vorsätzlich in Brand gesetzt habe, c) am 13. Mai 1892 zu Gießen versucht habe, in Gemeinschaft mit dem Former Georg Leib die Gießerei und ein damit verbundenes Wohnhaus des Fabrikanten Heyligenstaedt, sowie einen Strohschuppen des Peter Kennel zu Gießen in Brand zu setzen, d) in der Nacht vom 13. zum 14. Mai 1892 zu Gießen einen dem Kaufmann Emil Schmall daselbst gehörigen Eisschuppen, sowie ein der Juliane Müller daselbst gehöriges Gebäude vorsätzlich in Brand gesetzt habe. Die Anklage gegen den Former Georg Leib geht dahin, daß er am 13. Mai 1892 versucht habe, zu Gießen in Gemeinschaft mit Karl Luh die unter c erwähnten Gebäude in Brand zu setzen. — Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: 1) Am 19. Februar 1892 zwischen 10 und 11 Uhr Abends brach in dem Materialschuppen des Fabrikanten Heyligenstaedt, einem in der Nähe der Gießerei deffelben alleinstehenden einstöckigen Gebäude, Feuer aus. Der Schuppen war aus Fundamentmauern errichtet, auf drei Seiten in Back- fteinmauern und Holzzimmerung ausgeführt und nach vorn offen. Er diente zur Aufbewahrung von Stroh, Holzkohlen, Theer, Dachpappe und anderen Materialien. Der Brand zerstörte das Gebäude bis aus die Grundmauern, sowie die darin lagernden gegen Feuerschaden versicherten vorgenannten Materialien. Der dem Eigenthümer des Gebäudes und der Vorräthe erwachsene Schaden belief sich aus etwa 1000 Mark. Luh gestand ein, den Schuppen und die Vorräthe vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben. Nach Verübung der That begab er sich in die Lenz'sche Wirtschaft, wo mehrere andere Arbeiter Heyligenstaedts saßen und machte Feuerlärm. An der Brand- hefle war er später so eifrig beim Löschen thätig, daß ihm Fabrikant Heyligenstaedt am folgenden Tage als Belohnung 3 Mk. verabfolgte. 2) In der Nacht vom 15. zum 16. April 1892 entstand ein Brand in der Hosraithe des pensionirten Gendarmen Röder am Riegelpsad. Es brannte ein dem Genannten gehöriger Hausen Stroh, etwa 25 Centner im Werthe von etwa 100 Mark, außerdem ein Holzstall, an dem das Stroh gesessen hatte, und eine daran anstoßende Gartenhütte, ferner ein dicht an dem Holzstall sitzender Stoß (etwa 70 Meter) kleingemachtes Tannenholz im Werthe von etwa 600 Mark. Holzstall und Futter gehörten dem Gendarmen Röder, das Tannenholz dem Bäcker Emil Noll zu Gießen. Der Holzstall war ohne Fundamentirung mit einer starken Grundschwelle, teils in Mauerwerk, theils in Holzzimmerung und Verschalung errichtet, mit Holzcernentdach versehen und mit einer verschließbaren Thüre verwahrt. Die Gartenhütte war mit schwacher Zimmerung durchbrochen hergeslellt ohne Gtund-
schwelle. Holzstall und Gartenhütte wurden durch den Brand vollständig zerstört. Ein in ersterem stehendes Pferd wurde gerettet, dagegen verbrannten mehrere Röder gehörige land- wirthschaftliche Geräthe und ein Pferdegeschirr, sowie ein Vorrath Stroh, der in dem Stall lagerte. Die letzteren Gegenstände waren nicht versichert. Der durch den Brand des versicherten Hausens Stroh entstandene Schaden wurde nicht vollständig ersetzt, der Gesammtschaden Röders betrug etwa 450 Mark, Bäcker Noll erlitt trotz der Versicherung des Holzes einen Schaden von etwa 200 Mark. Auch diese That gestand Luh vollständig ein, er saß vor derselben bis etwa IOV2 Uhr mit dem Former Schmidt zusammen in der Heinzerling schen Wirtschaft am Schiffenberger Weg und ging mit diesem an der Röder'schen Hosraithe vorbei nach Hause. Schmidt trennte sich vor seiner neben dem Röder'schen Hause gelegenen Wohnung von Luh. Etwa nach einer Stunde gab es Feuerlärm und Luh erschien alsbald wieder an der Brandstelle. 3) Am Abende des 13. Mai 1892 saßen Luh und Leib von 8 bis 11 Uhr Abends in der Wirtschaft „Zur schönen Aussicht" bei Gießen. Aus dem Wege nach Hause verabredeten sie, die Heyligenstaedt'sche Gießerei, in der sie als Arbeiter beschäftigt waren, in Brand zu setzen. Sie stiegen zu biefem Behuse, nachdem sie an Ort und Stelle gekommen waren, durch ein offenstehendes Fenster in das aus Backsteinen massiv errichtete Gebäude ein und begaben sich die Treppe hinauf aus den im oberen Stockwerk befindlichen Modellboden, einen Raum, in dem die zahlreichen aus Holz verfertigten und mit einem leicht Feuer fangenden Anstrich versehenen Gießereimodelle aufbewahrt werden. Unter der Drehbank, die mittelst Treibriemen von dem im unteren Stock befindlichen Maschinenhause aus bewegt wird, lag eine größere Menge Holzspähne. Diese zündeten beide mittelst Streichhölzern, die sie mitgebracht hatten, an und entfernten sich, nachdem die Spähne in Brand gerathen waren. Von der Ehefrau des Gießereimeisters Rohleder wurde das Feuer alsbald nach dem Ausbruch bemerkt. Rohleder machte Feuerlärm und löschte den Brand, bevor derselbe das Gebäude ergriffen hatte. Abgesehen von Holzspähnen war nur der an dem einen Rad der Drehbank befindlich gewesene Lederriemen verbrannt. Wäre der Brand nicht alsbald nach dem Ausbruch entdeckt worden, so wäre voraussichtlich ein erheblicher Schaden entstanden ; der Werth der Modelle allein beläuft sich auf 30,000 bis 40,000 Mk. Der Verlust der Modelle hätte aber auch mit Nothwendigkeit eine Beschränkung des Betriebes zur Folge gehabt und es würden wohl hundert Arbeiter mehrere Monate lang die Arbeit verloren haben. 4) Nach der Brandlegung der Heyligenstaedt'schen Gießerei begaben sich Luh und Leib durch das Feld an der Actienbranerei vorbei nach der Wilhelmstraße. Dorten kamen sie überein, in der unweit der Gießerei am Riegelpfad gelegenen Hos- raithe des Peter Kennel einen Brand zu legen. Sie begaben sich durch das Feld dorthin und zündeten beide den die Hof- raithe an der südlichen Seite einfriedigenden hölzernen Lattenzaun, sowie kleine Vorräthe von Stroh und Reisig, die hinter dem Zaun im Hofe lagen, an. Etwa zwei Meter von der Stelle entfernt, wo der Brand gelegt wurde, steht eine aus Holzgebälk errichtete, nach der Seite, an der die Hosraithe durch den Lattenzaun eingesriedigt ist, durch Bretter geschloffene, sonst offene Halle, die damals mit Stroh angefüllt war. Die Absicht der beiden Spießgesellen ging dahin, diesen Strohschuppen durch Brand zu zerstören. Da aber auch dieser zweite Brand alsbald entdeckt wurde, gelang es, das Feuer zu löschen, bevor es noch den Schuppen und das darin lagernde Stroh ergriffen hatte. 5) Nach der Brandlegung in der Kennel'schen Hosraithe begab sich Leib nach seiner Wohnung. Luh ging allein nach der an dem Feldweg, der längs des Bahnkörpers der Fuldaer Bahn herzieht, gelegenen Eishalle des Kaufmanns Emil Schmall dahier und setzte dieselbe dadurch in Brand, daß er das an der östlichen Giebelwand eine Handlänge hervorstehende Stroh mittels eines Streichholzes entzündete. Diese Eishalle war leicht sun- damentirt, aus doppelten Bretterwänden errichtet, zwischen denen sich ein etwa 25 Zentimeter breiter, mit Schlacken aus- gesüllter Raum befand, und mit Ziegeldach versehen. Das nicht versicherte Gebäude brannte fast völlig nieder, ebenso ging der größte Theil des dann lagernden, etwa 600 Mk. werthen Eises zu Grunde. Der dem Eigenthümer erwachsene Schaden beträgt etwa 1800 Mk. 6) Hierauf begab sich Luh aus dem vorerwähnten Feldwege nach dem an dem Schiffenberger Weg in unmittelbarer Nähe des Uebergangeß der Fuldaer Bahn in einem Garten gelegenen einstöckigen Hause der Juliane Müller dahier. Dasselbe war als Wohn- haus eingerichtet und bis vor einigen Monaten von den Ehe- leuten Zinßer dahier bewohnt. Luh ging in den mit dem Wohnhause verbundenen offenen Anbau des Gebäudes und zündete dort einen Bausch Stroh an. Das Feuer ergriff bald das Gebäude und zerstörte cs bis aus die Grundmauern. Dasselbe war mit 940 Mk. in der Brandkaffe versichert. — Beide Angeklagten waren längere Zeit als Former in der Heyligenstaedt'schen Gießerei dahier beschäftigt gewesen und hatten in dieser Stellung Gelegenheit zu reichlichem Verdienst- sie neigten zum Müssiggänge hin, Leib war auch dem Trünke ergeben. Was die Beweggründe zur Verübung der Brandstiftungen betrifft, so sind sie weder Haß noch Neid, sondern nur Freude an einem großen Feuerlärm, der hierdurch entstehenden Aufregung und Menschenauflaufe die Triebfeder ihrer Handlungsweise gewesen. Nachdem die Geschworenen das Schuldig unter Verneinung der von den Ver- theidigern beantragten mildernden Umstände ausgesprochen, wurde Karl Luh in eine Gesammtstrase von fünf Jahren Zuchthaus, abzüglich drei Monate Untersuchungshaft, Georg Leib in eine solche von zwei Jahren und drei Monaten, abzüglich drei Monate Untersuchungshaft, verurtheilt. Zugleich wurden beiden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.
— Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 30. September 1892. Zur Verhandlung kommt die Suaisache gegen Christoph Schüßler von Ginzeldors
wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit. Die Anklage vertritt der Großh. Erste Staatsanwalt Jöckel, vertheidigt wird der Angeklagte vom Rechtsanwalt Justizrath Baist, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Wilhelm Jacob Küchel, Louis Cohn, Johannes Fritzel, Heinrich Becker II., Karl Groß, Karl Fuldat I., Conrad Weppler II., Wilhelm Rabenau, Heinrich Roemer II., Eduard Kretschmann, Freiherr Adolf von Harnier und Ludwig Schmidt II. — Christoph Schüßler ist des Versuchs eines Verbrechens gegen den § 177 deS Strafgesetzbuchs, angeklagt. Die Verhandlung sand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und endete, nachdem die Geschworenen (Obmann: Freiherr Adolf von Harnier) das Schuldig unter Annahme mildernder Umstände ausgesprochen, mit der Verurteilung des Angeklagten in eine Gesängnißstrase von acht Monaten.
— Das Fernsprechnetz der Stadt Gießen hat durch Anschluß neuer Firmen eine abermalige Erweiterung erfahren, so daß die Stadt im Verhältniß zu ihrer Größe eine recht stattliche Zahl von Anschlüssen aufweisen kann. Neu angeschloffen wurden die Firmen: L. Kalkhof (Westanlage 2), H. F. Nassauer (Neuenweg 15), sowie der Gesellschaftsverein (Sonnenstraße 19). Die Zahl der Anschlüsse beläuft sich nunmehr auf 93.
— Das Großherzogthum Hessen wird in der Weinab- theiluug der Chicagoer Weltausstellung durch 59 Aussteller mit 351 Proben vertreten fein. Es werden ausstellen r aus Armsheim 1 Aussteller 2 Proben, Bensheim 1 Ausst. 10 Pr., Bingen 8 Ausst. 75 Pr., Bodenheim 1 Ausst. 3 Pr., Elsheim 1 Ausst. 1 Pr., Flonheim 5 Ausst. 16 Pr., Ganalgesheim 9 Ausst. 39 Pr., Gensingen 1 Ausst. 5 Pr., Guntersblum 1 Ausst. 4 Pr., Kempten 1 Ausst. 5 Pr., Laubenheim 1 Ausst. 5 Pr., Mainz 12 Ausst. 90 Pr., Castell 1 Ausst. 10 Pr., Nierstein 5 Ausst. 19 Pr., Ober- Ingelheim 2 Ausst. 10 Pr., Oppenheim 5 Ausst. 28 Pr., Welgesheim 1 Ausst. 4 Pr., und Worms 3 Ausst. 17 Pr.. Die Ausstellung geschieht nach dem Beschluß der Commission in einem Raum, welcher bildlich den Rheingau und Rheinhessen gemeinschaftlich zur Darstellung bringt. In dessen Vordergrund werden das Germaniadenkmal, sowie die Burg Ehrenfels plastisch dargestellt. Der Blick rheinaufwärts führt dem Auge des Beschauers links die Weinbauart des Rheingaues vor, gegenüber Bingen, der Rochusberg 2c. und in der Ferne werden die Thürme von Mainz sichtbar. Zwischen denselben tritt die feeartige Fläche des Rheins mit ihren Einzelheiten hervor, auf der durch zahlreiche Schiffe ein Bild des sich auf derselben abspielenden Verkehrs gegeben wird.
(Darmst. Tgbl.)
— Für Markensammler dürfte von Jtteresse sein, daß. anläßlich der Feier der Entdeckung Amerikas eine vollständig neue Serie von Marken ausgegedrn werden soll.
R. Wiefeck, 30. September. Bei der heutigen Bürger- meisterwahl wurde unser seitheriger Bürgermeister Sommer- lad mit 300 Stimmen einstimmig wiedergewählt. Ein Gegencandidat war nicht ausgestellt.
Von der Rabeuau wird dem „D. Tgl. Anz." geschrieben: Als erste Nummer steht die Bahnlinie Grünberg-Londors in unserem Eisenbahnbaugesetz. Wir erkennen das Wohlwollen, welches hohe Staatsregierung und die Stände unserer Gegend mit Genehmigung dieses Bahnprojects und dessen Fortsetzung Londors- Lollar erzeigt haben, vollständig an. Indeß bleibt unsere productive Gegend weiter verschlossen: der Bahnbau scheint zum Nachtheil unserer wirthschastlichen Verhältnisse immer mehr in die Ferne zu rücken. Unsere Baustein-Industrie, welche in Aussicht auf den baldigen Eisenbahnbau ausgedehnt worden war, soll nun wieder eingeschränkt werden. Den Nachtheil hätten zunächst die Arbeiter und deren Familien; es sind Hunderte, welche aus den Brüchen Verdienst ziehen. Wir freuten uns, als ein Theil unserer Basaltlavabrüche — das einzige Vorkommen im Heffenlande — in die Hände einer capitalskräftigen Gesellschaft kam. Unter den ungünstigsten Verhältnissen wurden die Brüche und Bruchterrains übernommen: einesteils waren es die treueren Frachtsätze bis zur Bahn, anderntheils der Vertrauensmangel der Bauleute auf die Leistungsfähigkeit der Brüche- ferner galt das Steinmaterial als schlecht und das Vorkommen als unbedeutend, lauter Vorurteile, welche der frühere laxe Betrieb der kleinen Unternehmer verschuldet hatte Die Sache steht, dank der sachkundigen und energischen Leitung^ jetzt anders: die Werke erfreuen sich eines guten Rufes, baß- Material wird geschätzt. Wer es kennen lernen will, sehe sich den neuen Kirchenbau in Gießen an, dessen äußeres Mauerwerk damit ausgeführt. Weiter legte die Gesellschaft ein auf einer neuen Erfindung basierendes Steinsägewerk an — das erste der Art in Deutschland. Dieses schneidet die größten und härtesten Steinblöcke — alles in der kürzesten Zeit. Was nützen aber alle diese Anstrengungen, die mit einer billigem Fracht arbeitende Concurrenz bleibt doch oben, wenn wir auch ein unermeßliches Basaltlavavorkommen haben. Wir glauben uns für letzteres auf die Autorität eines Herrn Prosesior Streng berufen zu dürfen. — Unser Bergbau auf Eisenerz liegt ganz darnieder. Es ist schade um die schönen Gruben, daß sie ungenützt liegen bleiben müssen. — Dte Regierung würde sich ein Verdienst durch baldige Inangriffnahme des Bahnbaues Grünberg-Londors event. Londorf-Lollar erwerben, die Bevölkerung einer ganzen Gegend würde sich zum größten Danke gegen dieselbe für immer verpflichtet fühlen. Hoffentlich wird uns baldigst geholfen werden.
h. Langsdorf, 29. September. Der Zimmermeister Bausch begab sich am Montag in seine Scheuer, um seinem jüngeren Bruder Stroh zum Streuen herunterzuwerfen. Dabei stürzte Bausch so unglücklich auf die Tenne hernieder, daß er schon nach zwei Stunden, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein, verschied. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit zwei kleinen Kindern, von denen daS ältere 2!/j Jahre, daS jüngere 4 Monate alt ist.


