Samstag de» 1. Oktober
Ät. 229. Zweites Blatt
1892
Gießener^liizeiger
Senerat-Anzeiger
Anrts- und Anzeigrblntt für den Kreis Giefzen.
Gratisbeilage: Hießener Aamikienötätter
2lnrtlicher» Theil
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Die Gießener
D««itie»ßr»ltei »«den dem «»zeig« Wöchentlich dreimal beigelegt.
Alle Annoncen-Bureaux bd In- und LuZlaadeS nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen.
Der Gießener Amzeig«, erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
nachstehend verzeichneten Fasel für tauglich befunden worden, | als Gemeinde-Zuchtstiere verwendet zu werden.
Sämmtliche Thiere sind an dem Horn mit Brandstempel versehen.
Gießen, den 29. September 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Bekanntmachung,
öffentliche Faselschauen betreffend.
Bei den am 7. September zu Gießen und am 19. September
Locales und provinzielles.
Gießen, 30. September 1892.
— Der neue Wintersahrplan, welcher mit dem morgigen Tage in Kraft tritt, erstreckt sich diesmal nur bis zum 31. März nächsten Jahres, während derselbe bisher stets sieben Monate dauerte. Diese Verkürzung geschieht nur deshalb, weil am 1. April aus allen deutschen Bahnen die mitteleuropäische Zeit eingesührt und deshalb am gleichen Tage ein neuer Fahrplan nöthig wird.
— Das hessische Train-Bataillon Nr. 25 bezw. dessen 1. Compagnie feiert am nächsten Samstag, Sonntag und Montag den Tag seines 25jährigen Bestehens. An der Feier werden sich auch die Offiziere des Beurlaubtenstandes vom Train und der Cavallerie betheiligen.
D Bad - Nauheim, 29. September. Die diesjährige Fremdenfrequenz hat die vorjährige um mehr als 1000 Personen überschritten und war besonders das Ausland stärker als je vorher vertreten. — Heute Mittag fand das letzte Concert der Kurcapelle statt. — Den nächsten Donnerstag findet die hiesige Beigeordnetenwahl statt.
+ Bad Nauheim, 29. September. Zur Feier des hiesigen Kirchweihefestes findet Sonntag den 2. October von Mittags 4 Uhr ab in den Restaurationssälen des Kurhauses Ball statt.
Vierteljähriger Ahon«eme«tr,retOr 2 Mark 20 Pfg. mO Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Lrpedttioa und Druckerei:
KchntstraßeIk.K Fernsprecher 51
vermischtes
* Frankfurt a. M., 28. September. Unseren Lesern wird wohl bekannt sein, daß ein Haupttreffer mit 20000 Mk. der electrischen Ausstellungs-Lotterie in Frankfurt nicht e r- hoben wurde. Es stellte sich dieser Tage heraus, daß der unglückliche Gewinner jetzt in Amerika lebt. Derselbe war Aussetzer in der Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen, nahm das Loos mit nach Amerika und scheint das Ergebniß verpaßt zu haben. Leider hat der gute Mann das Nachsehen, da das Anspruchsrecht schon längst erloschen ist.
zu
Hungen abgehaltenen öffentlichen Faselschauen sind die
v. Gagern.
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Eigenth
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Namen
Wohnort
Rasse
Alter
Farbe
Körperbeschaffenheit
Gesundheits- und Nahrzustand
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Adam Keller Karl Born Georg Bechthold Wilhelm Klotz VI. Johannes Deibel VI. Philipp Seiler Johannes Volk Wilhelm Lotz Georg Hammann Gilbert Gorr Joh. Georg Müller III. Hermann Philippi Gustav Schneider Gg. Philipp Görlach Joh. Georg Jakob Karl Scherer Gg. Karl Hensel Heinrich Sommer Georg Reitz Karl Stork IV. Konrad Debold Heinrich Weil Georg Hammann V. Landwirth Fülberth Friedrich Kraft II. Georg Glöckner II. Heinrich Horst
Atzbach Gießen Launfpach Holzheim Wiefeck Wtejeck Hörnsheim Wieseck Biebesheim Trais-Münzenberg Ober-Hörgern Obbornhofen Hof Schwalheim Eberstadt Ulfa Unterwiddersheim Södel Ettingshausen Echzell Berstadt Wölfersheim Berstadt Biebesheim Utphe Hungen Berstadt Berstadt
Vogelsberger SimmenlhalerBaft. Vogelsberger Bast. Simmenthaler Bast.
Vogelsberger Vogelsberger Berner Bastard Berncr Bastard Simmenthaler Simmenthaler Bast.
Berner Bastard Simmenthaler Bast.
Simmenthaler Simmenthaler Bast. Berner Bastard Simmenthaler Bast.
IVs Jahr V/t Jahr 16 Monat 17 Monat l‘/2 Jahr 14 Monat 14 Monat 16 Monat V/2 Jahr IV« Jahr l'/r Jahr 13 Monat 16 Monat 1V< Jahr IVa Jahr 14 Monat IVa Jahr 14 Monat 13 Monat 13 Monat l«/4 Jahr 13 Monat 16 Monat 2 Jahr 1V2 Jahr 1'/. Jahr 17a Jahr
rothbraun gelb und weiß geldroth gelb und weiß dunkelroth
gelbroth u. weiß roth und weiß gelb und weiß gelbroth u. weiß
gelb und weiß
grau und weiß gelb und weiß
roth und weiß gelb und weiß roth und weiß gelb und weiß
roth und weiß gelb und weiß
genügend gut
genügend desgl. desgl. desgl. desgl. desgl.
gut gut genügend desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl.
gut genügend desgl. desgl. desgl. desgl. desgl.
genügend desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl.
gut gut genügend desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. deSgl.
gut genügend desgl. desgl. desgl. desgl. desgl.
lAn die Ge- <meindeLangs- Ibotf verkauft.
lAn die Ge- 1 meinde Ran- Iftabt verkauft.
Feuilleton.
Das Klima im tropischen Asien.
(Fortsetzung aus Nr. 227.)
Ebenso schwer lastet aus Südindien die heiße Zeit. In Madras leiden die Europäer vom Mai bis Juli schwer unter der auch hier mit trockenen, glühenden Westwinden einsetzenden Hitze, obschon sie hier keine so riesige Höhe erreicht wie im Pandschah. „Schon 86° F. (— 30° C.) in einem Zimmer ist heiß", sagt Schlagintweit („Indien und Hochasien"), „aber man sühle einmal 125° F. (51z7° C.) im Schatten und im Freien! Solche Luft heißt, in der englischen Terminologie der Panjabbewohner nicht mehr „heiß", sondern „scorching, grilling“, das heißt „röstend"."
Aus die heiße Jahreszeit folgt die Regenzeit, die im Wesentlichen durch das Auftreten des Südwestmon- sunes hervorgerusen wird und in den einzelnen Theilen Indiens zu verschiedener Zeit eintritt.
Der Südwestmonsun wird durch die starke sommerliche Erwärmung Vorderindiens erzeugt. Infolge der Ausdehnung der erwärmten Lust nach oben wird das Gleichgewicht der Lustschichten gestört- oben strömt die Lust seitwärts ab und unter diesem Strome wehen zum Ersätze neue Lustmassen in das Druckminimum hinein, die, von Süden kommend, durch die Rotation der Erde in einen Südwestwind umgewandelt werden. Im äußersten Süden Indiens spürt man den Süd- weftmonsnn zuerst Ende April oder Anfang Mai, in Bombay Mitte Juni, an der Ostküste oft erst im Juli, und an der Westküste ist der Sommermonsun ein mehr westlicher, in Bengalen ein mehr südlicher Wind. Die Luftströmungen bewegen sich cyclonal um das Lustdruckminimum über Mittelindien, ja über das Pandschab und die Hochstationen des Himalaja bewegt sich dann sogar ein östlicher bis südöstlicher Luststrom; überall aber bringt der Sommermonsun Regen.
Es währt mehrere Wochen, bis sich der Monsun in seiner ganzen Mächtigkeit über Indien verbreitet hat. Wenn er herannaht, zeigen sich als Vorboten an den Abhängen der Westghats zuerst Reihen von Hausenwolken, die lange, sich zusammenballend und verdichtend, am Kamme des Gebirges schweben, ihn aber selbst in den niedrigen Pässen nicht zu überschreiten vermögen. Gewitter und Regen erscheinen in ihrem Gefolge, nach ihrem Austoben ziehen sich jedoch die Wolkenmassen zunächst nach Westen zurück, als ob sie erst Verstärkungen heranziehen müßten, um das Gebirge überschreiten zu können. Wenn der Monsun längere Zeit zu
seiner vollen Entwickelung braucht, dann kommen auch wohl vom Osten Wolken heraus, bis endlich die westlichen Wolkenmaffen mit gewaltigem Andrange den Gebirgswall überfluthen und, in die heißen Ebenen des Ostens hinabstürzend, sich auslöjen. Regen ergießt sich nun in endlosen Strömen auch über die östlichen niederen Landschaften, nachdem sich aber der Wind der Feuchtigkeit entledigt hat, wird das Wetter heiterer.
Im Pandschab leitet sich die Regenzeit mit gewaltigen Gewittern ein, die von Mitte Juli bis Mitte September andauert, aber trotzdem die Temperatur noch über 30 Grad erhält. Nach mehrwöchentlichen Regengüssen erfolgt eine vorübergehende Aufklärung, dann aber setzt die Regenzeit aufs Neue ein und statt der verdorrenden Gluth der heißen Zeit macht sich nun eine alles durchdringende und darum fast ebenso lästige Feuchtigkeit fühlbar, welche die Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände verdirbt, Legionen quälender In« fecten hervorruft und durch die unvermeidlichen Miasmen Fieber, Dysentrie und Cholera verursacht.
Vom Inneren Dekans werden die Regenwinde ost durch die dortige überaus große Wärme und Trockenheit des Landes und der Luft ferngehalten, so daß sie erst nach der langsamen Abkühlung des Gebietes verhältnißmäßig spät einsetzen- dann aber regnet es oft 2—3 Tage ununterbrochen. Je stärker die Abnahme der Temperatur ist, desto früher hört auch der Sommermonsun aus, meist Mitte October, frühestens Mitte September- an seine Stelle treten leichte Nordwestwinde, worauf die Herrschaft des Wintermonsunes beginnt, den das über Südafrika liegende Lustdruckminimum hervorrust. Die Lust wird von diesem Minimum angesogen und fließt in der Richtung nach Südwesten, also als Nordostmonsun über ganz Südasien hinweg. In Bengalen beginnt diese Luftströmung, die sich nun langsam, aber in geringerer Stärke als der Sommermonsun südwärts ausbreitet, im October und weht über Dekan aus Nordosten, über Bengalen aus Norden bis Nordnordosten, über dem Gangesthal aus Nordwesten, im Pandschab aus Nordnordwesten und Norden.
Namentlich im Norden Indiens ist die Schnelligkeit dieser nördlichen Lustströmung gering- am Aequator setzen die Nordwinde erst um die Wende des Jahres ein, während sie in Bengalen Ende Januar schon wieder aushören. Jrn Pandschab wehen sie vorn October bis Anfang Januar und sind die Ursache der kalten Jahreszeit, der dritten, die man in Indien unterscheiden kann, denn zu dieser Zeit sinkt die Temperatur unter dem Einflüsse der vom Himalaja kommenden Winde ziemlich tief und zuweilen tritt dann eine zweite Regenzeit ein, die die Monate Januar, Februar, März umfaßt, aber
ohne starke Niederschläge, wenn auch für die Ernte von großer Wichtigkeit ist.
Die Nordostwinde gelten über den echt tropischen Theilen Indiens, z. B. in Ceylon, dann als ungesund, wenn sie als Landwinde wehen. Im Nordosten Ceylons ist der Nordosi- monsun Seewind, also gesund, im Südwesten aber kommt er aus dem Inneren und bringt Fieber, Rheumatismus und Dysenterie.
Im Februar und März geht der Nordostmonsun nach und nach in unregelmäßige Winde über. Um diese Zeit, wie auch dann, wenn der Südwest- dem Nordostmonsun weichen muß, pflegen die gewaltigen Taifune, in Indien meist Cyclone genannt, zu entstehen, die namentlich die Bai von Bengalen, aber auch den persischen Meerbusen hcimsuchen und im October und November, im April und Mai am häufigsten sind. Von den Nikobaren und Andamanen schreiten sie gegen Nordwesten nach Bengalen vor und werden vor Allem durch das Aufstauen der Flüsse gefährlich, wie z. B. während der Spring- fluth im Hugli am 5. October 1864 48,000 Menschen und 100,000 Stück Vieh ertrunken sein sollen. Auch die Küste Koromandel ist den Cyclonen ausgesetzt, aber nur selten kommt es vor, daß sie über dte Halbinsel hinüber nach Westen Vordringen.
Von größter Wichtigkeit ist die Regenmenge und die Ver- theilung des Regens über die Jahreszeiten, vor Allem für das zuweilen von Dürren und Hungersnöthen heimgesuchte Vorderindien, denn die einzelnen Theile Vorderindiens erhalten ein sehr ungleiches Maß von Niederschlägen. In den Khasia- bergen in Assam fällt auf der Station Cherra Punji dte größte bekannte Regenmenge der Erde mit 1270 Cm. - an einem einzigen Tage, dem 14. Juli 1876, fielen 103,6 Cm. Regen, im Jahre 1861 2299 Cm., eine Erscheinung, die sich übrigens leicht aus der Lage der Station erklärt, denn der Südwestmonsun steigt unmittelbar am Gebirge auf, nachdem er eine überhitzte, unter Wasser stehende Ebene am Fuße der Khasiaberge bestrichen hat. Abgesehen von diesem Ausnahmefalle, der nur localen Einflüssen zuzuschreiben ist, sind die Westküsten infolge des Südwestmonsunes die regenreichsten Gebiete Indiens - Mahabaleswar, etwas südöstlich von Bombay, und das noch weiter südlich gelegene Baura erreichen mit 653 und 646 Cm. die größten Regenhöhen und ihnen gibt Sandoway an der Küste von Pegu, südlich von Arakan, mit 537 Cm. nur wenig nach.
(Schluß folgt.)


