Ausgabe 
1.10.1892 Erstes Blatt
 
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Nr. 229

Erstes Blatt

samstag de., 1. Oktober

1892

Gichcner Anzeiger

Heneral'-Anzeiger.

Amts- und Anzcigeblatt für -en "Kreis Giefzen

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Der chleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS.

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Amtlicher Theil.

Aaszag

<tUs der von Großh. Oberrechnungskammer revi- dirten Rechnung der Provinzialkajse der Provinz Oberhessen pro 1890/91.

Einnahme.

Rubr. Nr. Betrag

1 Kassevorrath aus vorhergehenden Jahren 60 980,91 at

2. Ausstände

3. Beiträge der Kreise 210 000,00

4. Kapitalzinsen 2 487,36

5. Prozeßkosten 1 161,05

6. Beitrag aus der Staatskaffe 28 120,00

8. Ersatzposten 1 315,16

11. Agiogewinn 926,75

12. Zurückempfangene Capitalien 69000,00

Summe der Einnahme 373 991,23 at

Ausgabe.

14. Besoldungen 2 387,49 at.

15. Diäten und Gebühren 1 960,30

16. Botenlohn und Verkündigungskosten 112,95

17. Für Büreaugegenstände und Geräth- schasten 376,72

18. Unterhaltung von Kreisstraßen 164 731,85

19. Neubau von Kreisftraßen 67 640,42

21. Uneinbringliche Posten und Nachläffe 91,95

22. Beitrag zu den Unkosten des Verbandes

für Naturalverpflegungsstationen 110,00

23. Auszuleihende Kapitalien 83 491,42

24. Agioverlust, Zinsenvergütung, Reichs­

stempelsteuer 2C. 1 130,66

Summe der Ausgaben 322 033,76

Abschluß.

Gesammtsumme der Einnahmen 373 991,23 at.

n Ausgaben 322 033,76

Verglichen bleibt Rest 51 957,47 und dieser besteht:

1. in baarem Vorrath 50 957,47 ai.

2. in liquidirten Ausständen 1 000,00

3. in Vorlagen

Gleiche Summe wie oben 51 957,47 at.

Gießen, den 22. Februar 1892.

Der Rechner der Provinzialkasse für Oberhessen: Grüneberg, Rendant.

Revidirt, ohne daß sich für den vorstehenden Abschluß eine Aenderung ergeben hat.

Darmstadt, den 21. September 1892.

Großherzogl. Ober-Rechnungs-Kammer: gez.: Lorbacher.

Fritzges.

In Gemäßheit des Art. 93 bezw. 43 der Kreis- und Provinzialordnung wird der vorstehende Auszug zur öffent» lichen Kenntniß gebracht.

Gießen, den 29. September 1892.

Der Vorsitzende

des Provinzialausschuffeö der Provinz Oberhessen:

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betr. Zuchlstationen für Rindvieh Vogelsberger Raffe.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß auf der Zuchtstation Bingmühle bei Lauter 3 Stück, zu Obern- seenerhof 5 Stück und zu Hof Zwiefalten 1 Stück sprung- sähiger sehr schöner reiner Vogelsberger Bullen zu ver­kaufen sind.

Gießen, den 29. September 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. __________ v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend die landwirthschaftliche Winterschule des landwirth- schaftlichen Vereins für die Provinz Oberhesien zu Büdingen.

Winter -Cursus 1892/93*

Der Unterricht der landwirthschaftlichen Winterschule zu Büdingen beginnt in diesem Jahre Donnerstag den

3. November 1892 und wird Ende März des kommen­den Jahres geschloffen.

Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung des Bildungs- bedürsnifles des mittleren und kleinen Landwirths bestimmt, wird den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächern die Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwirthschast übermitteln. Es erstreckt sich der Unterricht aus Ackerbau* lehre, Viehzucht, Obstbaumzucht, landwirthschaftliche Betriebs­lehre, Molkereiwesen, Schreiben, Rechnen, Mathematik, Deutsch, allgemeine Naturkunde, Verfaffungs- und Verwaltungslehre. Der diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von der Großherzog­lichen Regierung für die landwirthschaftlichen Winterschulen festgestellten Unterrichtsplan entworfen und erstreckt sich auf zwei Wintercurse. Es bestehen daher zwei zusammengehörige Klaffen.

Zum Eintritt in die untere Klaffe sind die Absolvirung der Volksschule und einige Kenntnisse des praktischen Betriebs der Landwirthschast Vorbedingung. In die obere Klaffe können nur solche junge Leute ausgenommen werden, welche entweder bereits im Vorjahre die untere Klaffe einer land­wirthschaftlichen Winterschule mit Erfolg besucht, oder sich doch anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntnisse angeeignet haben. Rach jedesmaligem Schulschluß empfangen die Schüler der unteren Klaffe ein Interims-, die der oberen Klaffe ein Abgangszeugniß.

Dann soll ebenso wie früher auch in dem Winter-Cursus 1892/93 den in den vorderen Jahren aus der Anstalt ent­lassenen Schülern gestattet werden, unentgeltlich an dem Unterricht von speciell landwirthschaftlichen Fächern in der ersten Klaffe noch einmal Theil zu nehmen, so daß dieselben zur Erweiterung resp. größeren Gründlichkeit ihrer landwirth­schaftlichen Kenntnisse noch einen dritten Cursus absolviren.

Unterrichten werden außer den beiden Landwirthschasts- lehrern Andrae und Hey, Amtmann Dr. Göttelmann, Kreis­veterinärarzt Schmidt, Lehrer i. P. Freimann, Lehrer Ruth und Becker. Der Unterricht wird durch eine Sammlung werthvoller Lehrmittel unterstützt. Auch wird durch zahl­reiche Excursionen nach nahegelegenen mittleren und größeren Gutswirthschaften und Hofraithen, nach größeren Obstbaum­schulen und gewerblichen Etablissements, durch Feldmeßübungen und Feldtaxationen, durch Besichtigung von zweckmäßigen Wiesenanlagen und Drainagen die praktische Seite im Unter­richt besonders berücksichtigt werden.

Die Unterrichtsstunden sind so gelegt, daß Schüler aus solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingen oder in der Nähe der Oberhessischen Eisenbahn liegen, zu Fuß oder per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen können. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Wohnung und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten.

Vom Besuche der Fortbildungsschule sind die Schüler der landwirthschaftlichen Winterschule entbunden.

Das Schulgeld beträgt für jeden der beiden Curse nur 12 Mark.

Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an die Mit­glieder des Kuratoriums odcr den Dirigirten der Anstalt, Großh. Landwirthschaftslehrer Andrae zu richten. Auch sind dieselben zu anderweitiger, bezüglicher Auskunftsertheilung gern bereit.

Büdingen, den 12. September 1892.

Der Aufsichtsrath:

Klietsch. Andrae. Knaf. Hahn. Mäser.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. September. Die über den Jag dausent­halt Kaiser Wilhelms in Ostpreußen eingehenden Berichte bekunden, daß sich der hohe Herr des fcefftn Wohl- « befindens erfreut und daß sein waidmännisches Werk fortge- etzt von günstigem Erfolge begleitet ist. Sogleich nach seiner Rückkehr von den Jagden in den Rominter Forsten gedenkt der Kaiser noch eine dreitägige Hosjagd in der Schorshaide abzuhalten, woraus er nach Weimar reist, um daselbst der Feier der goldenen Hochzeit des grobherzoglichen Paares beizuwohnen. Uebrigens widmet sich der erlauchte Monarch " in Rominten keineswegs nur dem Jagdvergnügen, sondern er \ nimmt auch in seinem einsamen ostpreußischen Jagdschlösse ! täglich Vorträge entgegen und erledigt Regierungsgeschäfte. '

Die Beratungen der Sachverständigen- Commission, welche seit vorigen Montag in Berlin zur Vorerörterung eines Reichs-Seuchengesetzes versammelt ist, ' vollziehen sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, so daß sich \ über ihren Verlaus einstweilen nichts weiter berichten läßt. Jedenfalls sind aber diese Verhandlungen sehr wichtiger Natur, I wie schon aus dem bekannt gegebenen Inhalt des der ' Commission unterbreiteten provisorischen Entwurfes erhellt.

Neben letzterem sollten aber der Commission noch andere Maßregeln, die mit der Bekämpfung von Menschenseuchen Zusammenhängen, zur Begutachtung unterbreitet werden, Maßregeln, welche sich einerseits weit in das Gebiet der Gewerbeordnung, anderseits in dasjenige des Vereins- und Versammlungsrechtes hineinerstrecken. Es sind daher weit­tragende und gewichtige Entscheidungen von der zur Zeit in der Reichshauptstadt versammelten Sanitäts Commission zu erwarten nnd es ist darum wahrscheinlich, daß deren Ver­handlungen noch nicht so bald zum Abschluß gelangen werden.

Neueste 2Iad?rtd?*ew,

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 29. September. Bei der heute stattgesundenen Oberbürgermeisterwahl wurde Bürgermeister Zelle mit 94 Stimmen gewählt. 22 unbeschriebene Zettel wurden abgegeben.

Berlin, 29. September. DiePost" bespricht die preußische Finanzlage und berührt den andauernden Rückgang der Betriebseinnahmen der Eisenbahn. Es erscheine mehr als zweifelhaft, ob es im Etatjahre 1893/94 gelingen werde, den Etat ohne Zuhilfenahme außerordentlicher Deck­ungsmittel zu balanciren. Die Pläne aus eine regelmäßige Tilgung der Consols, sowie die stärkere Heranziehung der Eisenbahnbetriebs-Einnahmen zu außerordentlichen Aufwen­dungen für Eisenbahnzwecke seien daher vorerst nur fromme Wünsche.

Berlin, 29. September. DerPost" zufolge geht btr Militärvorlage dem Bundesrath unmittelbar nach dem Wiederzusammentritt zu. Weder eine amtliche noch eine halb­amtliche diesbezügliche Veröffentlichung erfolge vorher. Be­treffs Deckung der Mehrbedürfnisse des Reiches lägen Be­schlüsse vorerst nicht vor. Es sei nicht wahrscheinlich, daß in erster Linie die Tabak- und Reichsstempelsteuer in Be- tracht gezogen würde.

Flensburg, 29. September. Die hiesige Handelskammer verbreitet einen Ausrus, die Handelsbeziehungen zu Hamburg, Altona und Wandsbeck in großem Umfange wieder­herzustellen.

Aden, 29. September. Französische Berichte kündigen für den Winter den Marsch der arabischen Armeen gegen Süden zwecks Vernichtung der Deutschen, Eng­länder und Belgier in Mittel- und Südafrika an. Die Sclavenjagden und -Ausfuhr nehmen rasch zu, namentlich in Mamonka, Unio, Urungi und Ugogo. Alle Sudan'Araber verschwören sich gegen die Europäer, verladen ungehindert die Sclaven über Ditu, Gardafin, Maffauah und Suak'm. Siebzig Prozent Sclaven sterben aus dem Transport.

Die Cholera.

Die aus Hamburg gemeldeten täglichen Cholera- zifsern werden endlich, Gott sei Dank, immer niedriger, und da die Hamburger Behörden jetzt mit sanitären Maß­nahmen in durchgreifendster Weise vorgehen, so kann wohl das baldige Erlöschen der Seuche auf Hamburger Erde erhofft werden. Die Choleranachrichten aus dem übrigen Deutschland sind belanglos- die beunruhigende Mittheilung, nach welcher in Charlottenburg 17 Fälle asiatischer Cholera innerhalb 24 Stunden sestgestellt worden sein sollten, hat sich glücklicher Weise nicht bestätigt.

Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 28. bis 29. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrank- ungs- und Todesfälle:________________

Staat und Bezirk

O r t

Datum

25./9.

erkrankt ro gestorben S®

erkrankt ro gestorben 5^

28./9.

erkrankt

gestorben

erkrankt

gestorben

Hamburg

Preußen

Schleswig Stetlin

Hamburg

Altona Liepgarten

126

11

-

47

7

70 33

11 4

58 42

9 9

-1 -

70

9

3

25

6

1

Vereinzelte Erkrankungen:

Regierungsbezirk Stettin: in der Stadt Stettin und einem Orte des Kreises Greifenhagen je 1 Erkrankung.

Regierungsbezirk Magdeburg: in einem Orte des Kreises Stendal 1 Todesfall.

Regierungsbezirk Schleswig: in der Stadt Wandsbeck, Kreis Stormarn, 1 Todesfall, in einem Orte deffelben Kreises, sowie in der Stadt Rendsburg je 1 Erkrankung.