Bedingungen und Vorbehalt mit derselben Ueberzeugung und Wärme auch dann, wenn seiner Meinung widersprechende Wege eingeschlagen worden seien. Der Redner schilderte ferner die Verdienste des Dahingeschiedenen um die Entwickelung Berlins, die reiche Erfahrung desselben auf dem Gebiete der städtischen Verwaltung und schloß mit den Worten: „Die vierzehn Jahre der Verwaltung Forckenbecks wird man in Berlin noch lange Zeit rühmen hören, wir aber, auS deren Kreise er herausgerissen worden ist, werden das Andenken an ihn treu bewahren und werth halten." Hierauf ergriff Herr Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stryck das Wort und gab der Trauer der großen Anzahl unbesoldeter Gemeindebeamten Berlins um den Heimgegangenen Ausdruck, welcher der eigentliche Mittelpunkt jeder communalen Thätigkeit gewesen sei. Immer werde man die Stadt preisen, in welcher ein Forckenbeck an der Spitze der Verwaltung gestanden habe. Nach Beendigung der Trauerfeierlichkeit wurde der Sarg nach dem Nicolaikirchhof überführt. Dort hielt Licentiat Hösbach eine kurze Ansprache, die etwa folgendermaßen eingeleitet wurde: „So betten wir den Sohn westfälischer Erde in märkischen Sand, den Sohn der katholischen Kirche auf evangelischem Friedhof. Wir scheiden von einem Manne, in welchem, ob er auch unserer Kirche nicht angehörte, ein protestantisches Herz schlug, — denn zu dem Wesen des Protestantismus vor Allem gehört die unbedingte Gebundenheit an das Gewissen als alleinigen obersten Richter und Leitstern, — von einem Manne, dem, was daß Gewissen gebot, auch unbekümmert um Volksgunst und Fürstengunst als heilige Pflicht erschien. Seine Werke, so schloß der Redner, folgen ihm nach- sein Andenken wird in Ehren unter uns sortleben. — Die ganze Trauerseier nahm einen weihevollen Verlauf.
Wildpark, 30. Mai. Die Königin und die Königin- Regentin der Niederlande sind heute Abend hier eingetroffen, vom Kaiserpaar, sämmtlichen Prinzen, der Generalität, dem Staatssecretair von Marschall am Bahnhof empfangen. Beim Einlaufen des Zuges wurde die niederländische Nationalhymne, alsdann das alte Oranienlied intonirt. Der Kaiser fuhr mit der Königin-Regentin, die Kaiserin mit der Königin nach dem neuen Palais. Der Bahnhof und dessen Umgebung waren geschmückt. Im neuen Palais fand Familiendiner im engsten Kreise statt. D:r Kaiser wird morgen nach der Parade zu Pferde sich an die Spitze der Fahnencompagnie setzen, letztere sowie die Standartenescadron nach dem Königlichen Schlöffe führen und persönlich vor der Königin Wilhelmine, welche aus den Schloßbalkon hinaustritt, in Parade vorbeisühren.
Paris, 29. Mai. Heute Nachmittag sand auf dem Friedhöfe Pere Lachaise an dem Grabe der während des Com- munarden-Ausftandes im Jahre 1871 gefallenen Mitglieder der „Federation* eine revolutionäre Kundgebung statt. Zahlreiche rothe Fahnen wurden entfaltet- mehrere Ansprachen wurden gehalten und die zahlreich versammelte Menge brach wiederholt in den Ruf „Es lebe die Commune" aus. Die Kundgebung verlies jedoch ohne jeden ernsteren Zwischenfall.
Teheran, 30. Mai. „Times"-Meldung. Die Todesfälle an Cholera in Mesched werden auf 60 Procent geschätzt.
Bombay, 30. Mai. Reutermeldung. Aus Srinagar in Kaschmir wird eine wesentliche Zunahme der Cholera gemeldet. Von 1731 Fällen der letzten vier Tage sind 990 tödtlich verlausen.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 30. Mai. Bei der Uebersührung des Schriftstellers P e u s zur Verbüßung seiner Gesängnißstrase erfolgten heute zwei Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Peus begleitenden Genossen. Mehrere unerhebliche Verletzungen kamen vor.
Berlin, 30. Mai. Die Nachricht, daß Großfürst Georg Michaelowitsch in geheimer Mission hierher gesandt sei, ist unbegründet. Der Großfürst hält sich hier auf, um sich bei Professor Bergmann einer Operation zu unterwerfen. Aus der ersten Thatsache sei zu schließen, daß der Czar schwerlich nach Berlin kommen wird.
Berlin, 30. Mai. Im „Reichsanzeiger" veröffentlicht der Kriegsminister zu der Angelegenheit der „I u d e n f l i n t e n" eine Erklärung, nach der sämmtliche von Löwe gelieferten 425 000 Gewehre allen Anforderungen der Kriegsbrauchbarkeit entsprechen und sämmtliche von Ahlwardt angeführten Sprengungen die Löwe'schen Gewehre nicht betreffen.
Berlin, 30. Mai. Der Minister der Landwirthschast lehnte in veterinärpolizeilichem Interesse die Einsuhr srischen Ochsenfleisches aus Rumänien ab.
Berlin, 30. Mai. Der Kaiser richtete ein Condolenz- schreiben an den Sohn Forckenbecks.
Berlin, 31. Mai. Die „Kreuzzeitung" schreibt: Der Dresdener Staatsanwalt hat den Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft, betr. Beschlagnahme des zweiten Theiles der Broschüre „Judenflinten", abgelehnt.
Berlin, 31. Mai. Die „Voss. Zeitung" meldet aus Zwickau: Der kürzlich neu gewählte Vorstand des Verbandes der sächsischen Berg- und Hüttenarbeiter ist ausschließlich socialdemokratisch. Die gemäßigteren Mitglieder blieben mit 800 gegen 2800 Stimmen in der Minderheit.
Nürnberg, 31. Mai. Nach feierlichem Umzuge der Vereine mit Fahnen und Musik durch die Stadt wurde aus dem Maxseld die von Proseffor Wanderer entworfene große prächtige Marmorvase zur Erinnerung an das 1861 statt- gehabte deutsche Sängersest feierlich unter Abhaltung von Reden und Musikvorträgen enthüllt.
Brüssel, 30. Mai. Der Anderlueser Bergwerksbrand ist nach der Ansicht von Fachleuten nicht zu löschen. Das Bergwerk gilt für dauernd verloren.
CocaU» un6 provinzielle».
' Sieb«», 31. Mai 1892.
— In der aus gestern Abend anberaumten Festsitzung des Oberhesfische« Geschichtsvereius boten die von den Herren Professor Dr. Höhlbaum und Oberbibliothekar Dr. Haupt gehaltenen Vorträge Gelegenheit zu einem lehrreichen Einblick in die „Geschichte der Verleihung der Reichs- fürstenwürde an Landgraf Heinrich von Hessen 1 29 2". Herr Proseffor Dr. Höhlbaum berichtete über die politische und staatsrechtliche Stellung der zu Ausgang des 13. Jahrhunderts unter dem Namen Hessen bestehenden Ge- bietstheile, zu welchem auch Gießen gehörte. Eine eingehende Darlegung dieses historischen Actes, speziell eine Beschreibung der über denselben auggefertigten Urkunden befindet sich im ersten Theile der Festschrift, die gestern Abend unter die Anwesenden vertheilt wurde. — Herr Oberbibliothekar Dr. Haupt berichtete eingehend über die Geschichte Lothringens und Brabants, speziell der Regenten beider Reiche, aus welche sich die Stammfolge der Landgrccken von Hessen und somit unseres Fürstenhauses gründet. Der Herr Vortragende bemerkte am Schluffe seiner Betrachtungen, daß letztere mit einem dankbaren Rückblick auf jene große Zeit beschlossen werden möchten, in der der Nachkomme der alten Herzoge von Lothringen und Brabant seinen tapferen hessischen Heerbann von Sieg zu Sieg auf lothringischen und französischen Schlachtfeldern geführt und mit ihm so ruhmvollen Antheil an der Wiedergewinnung der längst verloren gegebenen alten Reichslande, Deutsch-Lothringens und des Elsasses, genommen hat. Dte Ausführungen des Herrn Dr. Haupt bilden den zweiten Theil der hier bezeichneten Festschrift. — Den Vorträgen folgte eine eingehende Diskussion. Wie der Herr Vorsitzende mittheilte, findet am 12. Juni ein Ausflug des Geschichtsvereins nach Laubach statt, welchem später noch solche nach Friedberg nnd Wetzlar folgen sollen.
— Ertrunken. Gestern Nachmittag gegen 3 Uhr ertrank in der Lahn ein Soldat des hiesigen Regiments, welcher ohne Aussicht gebadet hatte. Die Leiche wurde erst um 7 Uhr gefunden und gelänbet.
— Verhaftet wurde gestern ein Mensch, der in äußerst frecher Weise gebettelt hatte.
— Widerstand. Als heute Morgen ein bekannter Raufbold und Spectakelmacher verhaftet werden sollte, widersetzte er sich dem Schutzmanne und riß ihm den Uniformsrock entzwei- erst mit Hilfe eines weiteren Schutzmannes war der Transport des Verhafteten möglich.
— Zur Beachtung. Die Einwohner werden, um vor Schaden sich zu bewahren, daraus hingewiesen, daß im amtlichen Theile das Polizeiamt eine Bekanntmachung im wohlverstandenen öffentlichen Interesse erlassen hat, welche den allzustarken Wasserverbrauch hindern soll.
— Pflügst Souderzüge. Von der Eisenbahn-Verwaltung wird beabsichtigt, zur Bewältigung des zu erwartenden Pfingst- personenverkehrs besondere Vorkehrungen zu treffen. So werden namentlich aus einzelnen Strecken vor den Personenzügen, welche ersahrungsmäßig einen starken Verkehr haben, Vorzüge zur Adlaffung kommen. Diese Vorzüge werden den fahrplanmäßigen Personenzügen in kurzem Abstande vorauffahren, auf denselben Stationen wie letztere halten und in Bezug aus Fahrkarten genau wie die Hauptzüge behandelt werden. Den Reisenden kann nur dringend empfohlen werden, sich möglichst frühzeitig zur Benutzung der Vorzüge auf den Abgangsstationen einzufinden, wobei darauf aufmerksam gemacht wird, daß diese Züge mit Sicherheit die Anschlüsse aus den Uebergangsstationen erreichen. Soweit der Verkehr der hiesigen Gegend in Frage kommt, sind besonders folgende Vorzüge bemerkenswerth: Samstag den 4. Juni: Vorzug zu Zug Nr. 100 von Gießen bis Frankfurt a. M. ; derselbe geht 10 Minuten vor dem 4 Uhr 36 Min. Nachm. von Gießen abgehenden Personenzuge. Vorzug zu Zug Nr. 97 von Gießen bis Cassel- derselbe geht 10 Minuten vor dem 4 Uhr 40 Min. Nachm. abgehenden Personenzuge. Sonntag den 5. Juni: Sonder-Personenzug von Marburg, bezw. Bad-Nauheim nach Frankfurt a. M. Derselbe geht 8 Uhr 40 Min. Abends von Marburg ab, trifft 9 Uhr 24 Min. in Gießen ein, geht von hier 9 Uhr 29 Min. ab und trifft in Frankfurt 11 Uhr 23 Min. ein. Der Zug hält außerdem auf den Stationen Nieder - Weimar, Fronhausen, Friedelhausen, Lollar, Butzbach, Bad-Nauheim, Friedberg, Bruchenbrücken, Nieder-Wöllstadt, Groß-Karben, Dortelweil, Vilbel, Berkersheim, Bonames, Eschersheim und Bockenheim. Montag den 6. Juni geht derselbe Sonderzug wie am Sonntag. Dienstag den 7. Juni gehen die Vorzüge zu den Zügen Nr. 100 und 97 wie am SamStag den 4. Juni.
— Schuldienst - Nachrichten. Am 20. Mai wurde der von dem Herrn Prinzen Albrecht zu Solms-Braunfels auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wölfersheim i. Kr. Friedberg präsentirte Schullehrer Heinrich Fink daselbst für diese Stelle bestätigt.
— Erledigte Lehrerftelleu. Erledigt sind: Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppenheim mit einem nach dem Dienstalter sich bemeffenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1200 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende zweite Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Brensbach, Kreis Dieburg, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Grasen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu.
A Aus dem Ohmthal, 30. Mai. Unter den seitherigen trocknen, heißen Tagen kann der vorgestrige Samstag als der heißeste bezeichnet werden. DaS Thermometer zeigte 25® R. im Schatten, in der Sonne 32®, die Ohm hatte Abends zwischen 6 und 7 Uhr volle 20®. Eine solche tropische Hitze im Mai ist in der That als eine seltene Erscheinung zu betrachten. Wir können uns niemals erinnern, daß man
um diese Zeit schon hier in der Ohm so fleißig baden konnte. Eine aussallende meteorologische Erscheinung tritt hierbei zu Tage, nämlich, daß diese heiße, trockene Witterung bei einem sehr niedrigen Barometerstand herrscht. Bekanntlich ist trockenes, heißes Wetter durch hohen Luftdruck, einem barometrischen Maximum, bedingt. Das seitherige heiße Wetter war aber von einem barometrischen Minimum begleitet. Ja, daS Barometer fiel so tief, daß man sicher einen Umschlag der Witterung erwartete, er trat indeß nicht ein, sondern nur die Hitze steigerte sich noch. Gestern war allerdings die Temperatur zur Gewitterbildung sehr geneigt, hier fanden indessen solche nicht statt, leichte Regengüsse gingen nur in der Umgegend nieder, woraus etwas Abkühlung sich bemerkbar machte. Heute herrscht wieder große Hitze. Wenn dieses Wetter so weiter lange anhält, ohne daß Regen eintritt, dann ist namentlich Schaden für Klee- und Graswuchs unausbleiblich. Schon jetzt welkt der Klee auf leichtem Felsboden und das Gras bleibt auf trocknen Wiesen aus. Auch die Pflanzen im Garten leiden unter der herrschenden Trocknung. Die übrige Saat steht dagegen bis jetzt vortrefflich und berechtigt zu den besten Hoffnungen, wenn der Regen nicht zu lange ausbleibt.
Friedberg, 29. Mai. Gestern Abend kurz nach 6 Uhr sind vom Schnellzug Nr. 56 Maschine und Tender südlich vom hiesigen Bahnhof entgleist. Da der Zug sich erst in Bewegung gesetzt hatte, so gelang es dem Bedienungspersonal, ihn zum Halten zu bringen und die Entgleisung der Personenwagen zu verhindern. Personen wurden nicht verletzt- das Material wurde etwas beschädigt.
A Mainz, 30. Mai. Gegenwärtig befindet sich eine Gewehr-Prüsungscommission aus Cassel hier, um eine Prüfung der Löwe'schen Gewehre vorzunehmen. Wie verlautet, soll die Prüsung bis jetzt nichts ergeben haben, welches die Ahlwardt'schen Behauptungen rechtfertigen könnte. — Im Alter von 62 Jahren ist heute Morgen in Folge eines Schlaganfalles der Landgerichtsdirector Dr. K. I. Verbelle plötzlich gestorben. In dem Dahingeschiedenen verliert der rheinhessische Richterstand einen seiner hervorragendsten Vertreter, der wie kein zweiter das bei uns noch geltende französische Civilrecht beherrschte. Berdelle war ein Richter von scharfem Urtheil und strenger Rechtlichkeit und ein Mann von bescheidenem, anspruchslosem Wesen. — Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts wurde heute der Redacteur der „Mainzer Nachrichten" wegen Beleidigung des Majors Sorsche vom 87. Regiment zu einer Geldstrafe von 150 Mk. verurtheilt. Beantragt war ein Monat Gesängniß. Die Beleidigung wurde in einer Notiz in dem genannten Blatte gefunden, welche einem Referat über eine Verhandlung wegen Beleidigung desselben Major Sorsche angefügt und mit einer ironischen Spitzmarke versehen war.
Mainz, 27. Mai. Die bereinigten Conservenfabrikanten der Provinz Rheinhessen haben an das Großh. Kreisamt Mainz in Bezug auf den Verkehr mit frischem Obst eine Eingabe gerichtet, die auf die Nothwendigkeit hinweist, den Obsthandel im Interesse der Produzenten und Consumenten in solide Bahnen zu lenken und Mittel dazu in Vorschlag bringt. — Der Güterverkehr aus den Strecken der Hessischen Ludwigsbahn ist gegenwärtig ein so lebhafter, daß saft täglich Extragüterzüge gefahren werden müssen.
Mainz, 30. Mai. Gestern Nachmittag gerieth die Eisenbahnbrücke in Brand, und zwar durch die aus einer Locomotive herausgesallenen glühenden Kohlen. Da rasch Hilfe zur Stelle war, so konnte das Feuer localisirt, bezw. bald gelöscht werden.
Mainz, 28. Mai. Zur Erbauung einer zweiten evangelischen Kirche, wofür bereits am unteren Ende der Kaiserstraße em geeigneter Bauplatz vorgesehen ist, besitzt der evang. Kirchenbauverein ein Capital von über 200 000 Mk.
vermischtes
* Bei der Ausräumung einer Senkgrube in EottbuS sind vier Personen, Vater, Mutter und zwei erwachsene Söhne, umgekommen. Beide Söhne trugen mit Eimern den Inhalt der Grube nach dem draußen haltenden Gefährt, als der auf einer Leiter stehende Vater plötzlich lautlos umsank und in die Grube hinabstürzte. Ein Sohn wollte dem Vater zur Hilfe kommen, aber kaum hatte er die Leiter betreten und war einige Stufen abwärts gestiegen, als auch er, von den giftigen Gasen betäubt, zusammenbrach. Dasselbe Schicksal ereilte den zweiten, zur Hilfe herbeigeeilten Sohn. Die Mutter, welche mit Entsetzen diese in unglaublicher Schnelligkeit sich abspielenden Vorgänge verfolgt hqtte, machte nun auch einen Versuch, die Erstickenden vom Tode zu retten, aber auch sie wurde ein Opfer ihrer Bemühung. Alle vier Personen wurden als Leichen aus der Senkgrube hervorgezogen.
♦ Mannheim, 30. Mai. Vom Bodensee und Oberrhein wird infolge des starken Schmelzens des Alpenschnees rasches Steigen gemeldet. Der Bodensee ist seit Samstag um 30 Zentimeter gestiegen.
♦ Metz, 30. Mai. Gestern früh halb 11 Uhr stießen zwei Männer ein sie begleitendes Mädchen in den tobten Mo sei arm. Obgleich mehrere Zuschauer in der Nähe waren, gelang es den Thätern, gegen Montigny zu entfliehen. Die Ertrunkene wurde nach anderthalb Stunden gefunden und heute als die 23jährige lebige Strickerin Marie Hollänber aus Lothringen agnoscirt. Die Begleiter unb muthmaßlichen Mürber ber Hollänber, Jigr Geliebter unb sein Freund, sind später verhaftet worden.
* Braubach, 28. Mai. Von einem gräßlichen Unglück wurden sieben mit dem Reinigen des großen Kaminschachts beschäftigte Arbeiter des hiesigen SilberbergwerkeS betroffen. Ein großer Theil des Rußes fiel auf die Leute unb verschüttete sie. Sofortige Hilfe rettete zwar bie Verunglückten vom sicheren Tobe, doch drang ihnen das Blut au5 Mund und Nase. Sämmtliche sieben Arbeiter sind erblindet.


