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7.7.1881
 
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einzuprägen.

Pari-, 5. Juli. Der Ministerrath beschäftigte sich heute Vormttlag mit den algerischen Angelegenheiten. Die Regierung hat Befehl zum Born- bardement auf Sfax gegeben. General Sausster wird sich unverzüglich nach Algier begeben, derselbe dürfte, falls der jetzige Generalgouverneur, Albert Greoy, seine Entlastung nehmen sollte, bte Militär- und Civilverwaltung über­nehmen. Neue Trupprnsendungen nach Algier sind nicht in Aussicht genommen, da die gegenwärtigen Streitkräfte in Algier vollständig genügen.

Tunis, 5 Juli. Es ist bis jetzt noch nicht gelungen, den Mörder des französischen Art'.llenehauptmanns Mattel zu ermitteln. Ein Malteser, welchem Mattei den Verkauf von Absynth untersagt hatte und welcher seitdem ver­schwunden, ist der Tbat dringend verdächtig.

Glasgow, 5. Juli. Der Capitän Hansen, welcher mit Schlepp­dampfern ausgesandt war, dieVandalia" auszusuchen, ist mit einem Dampfer erfolglos hierher zurückgekehrt. Es werden stärkere Dampfer ausgesandt, um die Nachforschungen fortzusetzm. Der Vertreter der Dampfschiffs-Compagnie hat bei der Admiralität das Ersuchen gestellt, Kriegsschiffe abzusenden, um sich Angesichts der Dringlichkeit des Falles an den Nrchsuchungen zu betheillgen-

London, 5. Juli. Die Admiralität hat den KriegSdampferSeahorse" beordert, dieVandalia" aufzusuchen.

Washington, 5. Juli. Der Staatssecretär Blaine hat gestern Abend ein Schreiben an die amerikanischen Zeitungen gerichtet, in welchem er dicsel- ben ersucht, dem Publikum den Ausdruck des Dankes von Seiten deS Präfi. deuten Garfield und dessen Gemahlin zur Kenntntß zu bringen für die Beweise des Beileids, deren Zahl zu groß sei, als daß deren Beantwortung im Ein- zelnen möglich wäre.

Washington, 5. Juli. Der Privatsecretär des Präsidenten Grrfielv hat heute früh 7 Uhr die Mittheilung an die Mitglieder deS Cabinets getan- gen lassen, daß sich in dem Befinden deS Präsidenten eine merkliche Besse­rung zeige.

Arankreich.

Paris, 4. Juli. Die schlimmen Nachrichten aus der etwa 7000 Ein­wohner, darunter viele Europäer zählenden tunesischen Hafenstadt L>säkes und aus Gabes, erregen die lebhafteste Sensation, weil daraus erhallt, oaß eine neue tunesische Expedition unvermeidlich ist, und daß jetzt energische und um­fassende Anstrengungen gemacht werben müssen, um zu verhindern, daß das ganze Renoms Frankreichs in Afrika nicht ernstlich compromitttrt werde. Außer­dem erscheint ein Conflict mit der Pforte wegen Tripolis jetzt kaum mehr vermeidlich. Der Ausstand im Südosten von Tunesien wird von dem frauzö- fischen Consul in Ssükes als das Werk der Pforte bezeichnet. Daher muß bte Eventualität Auge gefaßt werden, daß Frankreich fich im Interesse der Sicherheit von Tunesien und Algerien gezwungen sehen wird, den nach Tripolis gesandten türkischen Kriegsschiffen den Weg zu versperren. Sonntag sollte ein Ministerrath stattstnd?n, in welchem der ernsten Situation entsprechende Be­schlüsse gefaßt werden sollen. Es heißt, der Civil-Generalgouverneur von Algerien, Albert Greoy, habe in Folge der letzten Interpellation seine Ent­lassung eingrretcht und der Knegsmmister General Farre habe ebenfalls sein Portefeuille niederlegen wollen, sei aber von seinem Collegen ersucht worden, mindestens die Debatte über das Budget des Kriegsministeriums abzuwarten. Die Zustände sind wir ltch ganz allerliebst, und man sieht jetzt, wie jehr Die- jenigen im Unrecht waren, welche sich hinsichtlich der tunesischen Frage einer allzu optimistischen Auffassung Hingaben. Die eigentliche Schwierigkeit beginnt jetzt erst.

zrußland.

Petersburg, 4. Juli. Die in auswärtigen Blättern verbreitete Nach­richt, daß der Letter des auswärtigen Ministeriums, Herr v. Giers, sich auf längeren Urlaub begebe und Herr v. Jomtnt seine Functionen übernehme, ist unrichtig. Die Berichte über die Ernte-Erwurtungen liegen jetzt aus den meisten Gouvernements vor; sie lauten überaus günstig und stellen für das ganze Reich das Gesammtergebntß einer sehr guten Ernte in Aussicht.

Amerika.

Stew-Bork. sDas amerikanische Attentats Präsident Garfield ist durch die Kugel eines Attentäters schwer verwundet worden- So lauteten die Telegramme aus Amerika vom 2' Juli. Die weiteren ausführlichen Berichte brachten nähere Details, auch über bte Person des Verbrechers. Hiernach ist es ein amerikanisch gewordener Franzose, Charles Guitteau, früher Advocat in Chicago, der sich vergeblich bemüht hatte, den Posten eines Consuls in Marseille zu erhalten. Politische Motive sollen ferne gelegen und lediglich persönliche Rache dem Verbrecher die Waffe in bte Hanb gedrückt haben. In einem Lande aber, wo jeder Wechsel in der Präsidentschaft eine totale Veränderung in der Besetzung der staatlichen Stellungen mit sich bringt, wo die herrschende Partei geradezu die Aemter an ihre Anhänger vertheilt und Männer anderer politischer Meinung nicht duldet, sondern einfach entsetzt, in einem solchen Lande kann man nicht wohl von einem Attentate dieser Art als von einem rein persönlichen Racheacte sprechen, es schmeckt aber sehr nach Politik, hat wenigstens die politischen Verhältnisse und Gewohnheiten des Landes offenbar zur Grundlage. Noch scheint es zweifelhaft zu sein, ob der Präsident vermöge seiner sonst starken und kräftigen Natur mit dem Leben davonkommen wird; die letzten Telegramme lauten sehr bedenklich; die Kugel ist noch nicht aus dem Körper entfernt und die Stelle, wo sie eindrang der Verbrecher schoß dem Präsidenten von hinten in das Rückgrat eine äußerst gefährliche.

Sollte Garfield seiner Verwundung erliegen, so würde nach den Verfassungs­bestimmungen der Vereinigten Staaten der jetzige Vicepräsident M. Arthur berufen sein, die Leitung der Regierung in bte Hand zu nehmen und an die Spitze der Repu­blik treien Er ist bis jetzt nur wenig hervorgetreten und man weiß eigentlich nur von ihm, daß er ein scharfer und entschiedener politischer Gegner Garfield's ist. Mit diesem Regierungswechsel würde natürlich sofort wieder eine totale Umwandlung in der Verwaltung des Staates eintreten, was für das Wohlbefinden des noch von dec letzten Wahl- und Aemterjagd tief erregten Landes nicht zu wünschen wäre.

Washington, 4. Jult. Präsident Garfield erwachte um 21/2 Uhr und sagte, daß er sich besser fühle. Das um 5*/4 Uhr veröffentlichte Bulletin constatirte, daß der Präsident etwas Bouillon zu sich genommen und bei sich behalten hatte, und sodann wieder eingeschlaseu war. Der Zustand ist fast derselbe, wie zur Zett der Veröffentlichung des letzten Bulletins. Ein weiteres Bulletin von 7 Uhr 45 Min. früh berichtete, daß sich der Präsident nicht mehr so wohl fühle, als vorher. Er klagt weniger über Schmerzen in den Füßen, da­gegen ist neuerdings Blähsucht eingetreten. Puls 126, Temperatur 101,9, Respiration 24.

Mittags. In dem Befinden drs Präsidenten Garfield sind leichte Symptome der Besserung eingetreten. Während der letzten zwei Stunden hat kein Er­brechen stattgesunden. In dieser Zeit war der Puls 124, die Temperatur 101 und die Respiration 24.

Lokales.

Gießen, 6. Juli. fSterbUchkett in Gießen.j In der Woche vom 26. Juni bis 2. Juli kamen hier im Ganzen 10 Todesfälle vor. wovon sich 7 bei Erwachsenen ereigneten. (58 würbe bei diesen als Todesursache angegeben: Rückenmarkentzündung, Luftansamm.ung in der Brusthöhle, Lungenschwindsucht, Schlagfiuß, Unterleibstyphus, Flecktyphus (bei einem von auswärts hierbergebrachten Manne). Außerdem endete ein Mann, der in Irrsinn verfallen war, sein Leben durch Selbstmord. Von 2 Kindern, die das 2 Lebensjahr schon überschritten, starb eins an Krämpfen, das andere an Diphteritts. Bei einem 1/4 Jahr allen Kinde, das nicht ärztlich behandelt worden war, konnte eine bestimmte Todesursache nicht angegeben werden. G.

In der gestern Abend ubgehaltenen Generalversammlung des Vereins der nationalen und liberalen Partei wurde Herr Rechtsanwalt Or. G u t f l e i s ch einstimmig.als Reichstagskandidat für unseren Wahlkreis proktamirt. Der Jahresrechnung wurde Decharge ertheilt und der bestandene Vorstand des Vereins per Acclamation für das neue Vereinsjahr einfach wieder- gewäblt.

Gießen, 6. Juli. Wir wollen nickt verfehlen, unsere geschätzten Leser auf die am 17. d. M. in Naubeim von bei diesigen Rubergesellschaft orrangirten dritten Ludwigs^Negatta aufmerksam zu macken. Wenn schon bte Bethetligung bei ben früheren beiben Regatten in Nauheim eine rege war, so ist die Anmeldung zu betreiben in biesem Jahre eine geradezu über­raschende, was uns wohl eine Bürgschaft dafür sein kann, baß es die hiesige Ruver-Gesellickaft verstand, den verschiedenen Vereinen den Besuch der Regatta angenehm zu machen Wi: wir hören, meldeten sick bis jetzt definitiv der Kölner. Heidelberger, Mainzer, Casteler, Oberraver, Höchster Ruderelub, sowie die Offenbacher, Sachsenhausener und Hanauer Rudergesellschaft an. Mit bei hiesigen Rudergesellschaft würben wir also 10 Vereine ihre Kräfte messen sehen und darf man mit Bestimmtheit auf ein schönes Programm rechnen. Wahrscheinlich wird, n ie auch tm vorig-.n Jahre S. K- H-. unser verehrter Großherzog, einen Pceis stiften. Von den passiven Mitgliedern des hiesigen Vereins ist solche« aus eigenem Antriebe schon geschehen- Das Interesse am Rudersport wird in allen Kreisen von Tag zu Tag ein regeres und möchten wir an dieser Stelle dem Sport gerne das Wort reden. Avgesehcn von bei DiSciplin, Mäßig­keit, die in den Rudervereinen gepflegt wird, gibt es wohl wenig körperliche Hebungen, di- dem Rudern vorzuzieben sind. Voraussichtlich gelingt es der Bemühung des Ruderclubs nock, für den festgesetzten Tag eine Ermäßigung der Fahrpreise nach Nauheim zu erzielen, was wohl noch viel dazu beitraaen würde, den Besuck des eben so reizenden Badeortes an dem frag: lichm Tage von hier zu fördern- Unsere herzlichsten Glückwünsche begleiten den hiesigen Ruderclub.

Allgemeinbefinden der Prinzessin gut.

Wien, 5. Juli. Nach einer Meldung derPolit. Corcesp.' Athen sind heute früh 4000 Mann griechischer Truppen unter Anführung des Generals Soutzv in das türkische Dors Dimario e-nzezog-n. Der Einzug der Truppen in Arta findet wahrscheinlich morgen statt. Wie es heißt, würde der König von Griechenland in der nächsten Woche nach Arta g hen.

Rom, 5. Juli. Die zweite Äbtheilung des italienischen Mittelmeer- Geschwaders, bestehend aus den PanzerschiffenRoma" undCHel-Fwardo", ist heute früh im Piräus eingetroffen. Der DampserCagliari- und der AvisoAnthton" haben den Befehl erhalten, nach Tunis abzugehen.

Rom, 5. Juli. DieAurora" veröffentlicht eine päpstliche Encyklika vom 29. Juni, worin es heißt, die Lchren Christi seien besonders geeignet, sowohl Gehorchende als Befehlende in Schranken zu halten und jene Ueber- einstimmung des Willens zwischen denselben hervorzubringeu, aus welcher die öffentliche Ruhe heroorgehe. Die politische Autorität kämme von Gott, keinerlei Regterungsfotm widerstreite der katholischen Kirche. Sodann werden in der Encyklika diese Grundsätze, sowie die Pflichten der Regierenden und Unter- thanen unter Anführung zahlreicher Stellen der heiligen Schrift weiter ent­wickelt. Zum Schluß betont der Papst, daß die Welt der Kirche die beste Kenntntß dieser Pflichten verdanke und ermahnt die Bischöse, dieselben Allen

Dermischtrs.

WeckeSbeim in Oberhessen. Dreier Tage würbe bahier ein kleines Sinb, baS im Hofe auf einem Stühlchen sitzenb ipielte. von einem Schwein auf entsetzliche Art zugerichtet. Es würbe von demselben dem Kinde ein Ohr abgefressen unb bas Kinb am Körper berart ver­letzt, baß an seinem Aufkommen gezweifelt wirb.

Darmstabt, 5. Juli. In bte P fennigs p arkasse zu Darmstadt würbe

Lelegraphischr Depeschen.

Koblenz, 5. Juli. Nach dem heule auSgegebenen Bulletin schreitet die Besserung in dem Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin auch heute in erfreu­licher Weise fort.

Berlin, 5. Juli. DerReichs-Anzeiger" bringt an der Spitze des Blattes folgende Mittheilung: Die seit Erkrankung der Kaiserin zu Koblenz täglich eintreffrnden Nachfragen auswärtiger Höfe sowohl, als auch von zahl­reichen anderen fürstlichen und Privatpersonen geben Beweis des allgemeinen weit verbreiteten AntheilS, welcher an dem Befinden der Kaiserin genommen wird. Dasselbe kann, obwohl bis vor Kurzem erhchl-chcn Sckwankungen unterworfen, nunmehr als ein die Aerzte befriedigendes bezeichnet werden und darf man sich daher der Hoffnung aus einen weiteren normalen, wenn auch langsamen Verlauf der Krankheit und auf glückliche Genesung hingebcn.

In einem Prozeß gegen den Vorstand eines hiesigen Bezirksvereins und den Redner in der betr. Versammlung Rechtsanwalt Munkel wegen Ver­stoßes gegen daö Vereinsgesetz erklärte daS Schöffengericht, das Gesetz verbiete nirgends die Theilnahm: von Gästen an den Verhandlungen und sprach sämmt- liche Angeklagte frei.

Graf Limburg-Stirum erhielt den Rothen Adlerorden 2. Classe mit Eichenlaub.

Dresden, 5. Juli. Die Prinzessin Georg zog sich, wie dasDresdner Journal" meldet, heute Morgen bei einem mit ihrem Ge nahl unternommenen .. 14-» itnh Rieder, Novrik durlfi einen Slur; vom

im 1. Vierteljahr ihres Bestehens: 8787.75 12429.40

zusammen vom 1. October 1880 bis 1- Juli 188 i in über 77,000 einzelnen Einlageposten . ... JL 3 5060.07 so baß wohl im ersten Jahre schon bie Ersparnisse 50 000 X erreichen werben. Diese im ersten Jahre ersparte Summe wirb aber jährlich» 2000 X Zinsen tragen.

Recht toobltbuenbe Gebauten knüpfen sich an bieses Ergebniß. In 10 Jahren werben bie ersparten Pfennige (ohne bie Zinsen^ bereits 500,000, in 20 Jahren eine Million Maik betragen, wenn wir anne'. men, daß ebenso fortgespart wirb wie bisher. Es wird aber nicht ' ' andern es wirb mehr gespart werben. Bei dem Sparen ist nämlich nut'ber

h,18n,rtraae8 aefübtten SBtrba iblurwn einen hervorragenden A. ih il genommen \ Pferde einen einfachen Bruch der linken Ellenbogenröhre zu. Sonst keine Ver­bat, aefallen. ^Geh. Rath Reuleaux soll für einen anderen hohen Posten in letzungen odn Erschütterungen^ dem veroffmtllchten Buültui >st das der'Reichsverwaitung ausersehen sein.