Ausgabe 
7.7.1881
 
Einzelbild herunterladen

-ir 141 Donnerstag den 7. Juli 1881.

Kießencr MnMer

A«M-11) AmtStilM für de« Kreis Gießen.

Ä " Preis vierteljährlich 2 Mark 2V Ps. mit Bnngerlohn.

MMi «chulstraße B. 18. ^rsch^mt täglich mit Ausnahme de« Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, den 5. Juli 1881.

Die Großherzo>;liche Polizcivcnvalmng Gießen

an die (Yroßherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises Gießen^

Johann Kilian Mehrfeld von hier, 13 Jahr alt, schulpflichtig, schmal, blond, braune Augen, blasse Gesichtsfarbe, bekleidet mit bräunlichen Hasen, grauer Weste, grauwollenem Jäckchen, schwarzem Filzhütchen und eiwaS großen Stiefeln, bat sich vor circa 14 Tagen heimlich von hier entfernt und treibt sich außerhalb umher. Er haustrt in der Regel mit Blumen, welche er aus einem Präsentirteller oder in einem Cigarrenkistchen bei sich fuhrt. Man bittet um Fahndung nach Mehrfeld und Zuführung desselben hierher beim Betreten.

_________________FreleniuS.______________.

Bekannt mach u n g.

Wir bringen nochmals zur allgemeinen Kenntntß, daß, abgesehen von s<hr dringenden Fällen und selbstverständlich von Vorladungen, die Richtn nur Mittwochs zu sprechen sind, Anträge bet den GerichtSschre bereien aber gestellt werden können jeden Mittwoch und Samstag Morgen- zwischen 10und12Uhr, an den anderen Wochentagen Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr.

Gießen, den 1. Juli 1881. Großherzoglicheb Amtsgericht Gteßen.

Langsdorfs._______ __

Ezechiscbe Heldenthaten.

3« mehr die in Prag vorgrkommenen E;ceffe in ihren Details bekannt werden, desto wehr gewinnt das Gefühl deS Ekels über solche Rohheiten und der Entrüstung über die Haltung der Behörden die Oberhand. Die That- sachen find bekannt und brauchen hier nur angedeutet zu werden. Ueberfall deutscher Studentin, Steinwürfe, Mesierstiche, das waren bis jetzt die Helden- thaten der studirenden czechiichen Jugend gegen ihre deutschen Eommtlitonen. Nach den letzten Nachrichten beschränken sich aber die Angriffe des akademi­schen Czechenpöbrls nicht wehr auf die Personen deutscher Studenten, sondern man geht schon zu frechsten Attaken auf deutsche Institute, wie Casino, Lese Halle rr. über.

Wir stehen hier vor einer Erscheinung, die weit über die Bedeutung gewöhnlicher Studenten-Paukereien hmauSgeht und einen Grad der Erbltterung auf Seiten der Ezechen erkennen läßt, der zu den schwersten Bedenken Veralt laffung geben muß. Wodurch dieselbe hervorgerusen sein mag, ist völlig urep stndlich; kein einziger der detaillirten Prager und Wiener Berichte der Presse führt irgend einen daraus hindeutendrn äußeren Umstand an und wir haben somit lediglich den ausgesprochensten Racenhaß vor uns. Es ist nicht das erste Mal, daß da- Volk deS betbgen WenceSlaus den ti: ihm kochenden Haß und Groll gegen Alles, was Deutsch ist und heißt, in seiner Art Ausdruck gtebt wir erinnern nur an bit Vorgänge in Smiech-w bis dahin waren eS aber doch nur die rohesten, ungebildetsien Schichten ter Nation, aufgehetzt und aufgestachelt von politischen Agitatoren, welche in blinder Wuth über daS derfieleu, was sie nicht verstehen konnten oder wollten, diesmal aber ist es die jugendliche Blütbe der Nation, die mit wohlüberlegtem Plan, wohlvorberei- xetetn Anschläge in einer Art und We.se, die jeder Ewilisation spottet, ihre Studiengenossen deutscher Nationalität in feigster Weise überfällt und sich noch Ihrer Heldenthaten .ühmt.

Daß zwischin jugendlichen Hitzköpfen verschiedener Nationalität eS nicht immer ganz glatt und ohne Zusammenstöße abgeht, ist sehr natürlich und wird von Jedermann, der das Studentenleben kennt, begriffen, wenn auch i.icht ge­billigt werden. Hier aber ist wesentlich mehr, hier lodert ein fanatischer Haß, der weit über die Grenzen deffcn hinausgeht, waS man der leicht entflammten Jugend verleihen kann und darf. W'.e ist es denn aber nur möglich, daß nationale Gegensätze, die stetS vorhanden sein werden und unter Umständen ihre unzweifelhafte und häufig wohlthätig wirkende Berechtigung haben, zu solch' empörenden Ausbrüchen führen können? Wir berühren damit d'.e Wurzel und Quille des Uebels, den Panslamsmus. Von Rußland ausge- ganzen und dort lange Zet gehegt und gepflegt, hat er fein Hauptlager seit langer Zeit schon in der böhmischen Metropole aufgeschlagen und dort weiter gewuchert. Mag die Idee eines einheitlichen Sclavcnreiches jemals zur Wirk- ltchkcit werden ober nicht, die unglaubliche Art und Welse, wie ihre Durch- führung jetzt durch die unreifen Burschen der Prager Hochschule versucht wor- den, zeigt die wüsten Gefahren, welche sie für deutsche Gefiltung und Cultur in sich birgt. Und zu dem politischen und Racen-Fanatismus scheint sich auch noch der religiöse gesellt zu haben. Die national. czechisch gesonnene Geistlich, keit hat wenigstens niemals etwas dazu beigetragen, die scharf herrortretenden nationalen Gegensätze zu mildern und zu versöhnen. Was aber haben die Sicherheitsbehörden diesen wüsten Ausschreitungen gegenüber gethan? Nicht einmal ihre eirfalbste Pflicht. Ungeschick und Feigheit, vielleicht sogar Sym. pathifiren mit den Excedenten, haben das verbrecherische Treiben zu einer Höhe und Ausdehnung kommen laffen, die nun freilich wieder die äußerste Strenge der staatlichen Behörden nöthig machte. Kaiser und Kronprinz haben ihre entschiedenste Mißbilligung des Geschehenen in unverhohlenster Weise aus­gesprochen , der Letztere sogar seinen Fortgang aus Prag in Aussicht gestellt und auch die Univerfitäts-Behörden, sogar der Gememderath von Wien haben sich zu geharnischten Erklärungen und energischen Maßregeln auf.geraffr. Dies scheint gewirkt zu haben, denn die neuesten Depeschen melden, daß die Ruhe wieder hergestellt ist.

Z>eUt/chland.

m. Darmftadt, 5. Juli. Das soeben erschienene Regierungsblatt enthalt zu­nächst eine Bekanntmachung des Gr. Ministeriums des Innern und der Justiz und der Finanzen, wonach zu denjenigen Stellen und Beamten, bet welchen die tn einer fpecteUen Prüfung der ersten Kategorie bestandenen Aspiranten des Finanzfaches nach ihrer Wahl und nach erhaltener Genehmigung der dem betreffenden Dienstzweig vor­stehenden Centralbehöide den mindestens einjährigen praktischen Cursue, zu belieben haben, auch die Kaste- und Hausverwaltung der Landes-Irrenanstalt gerechnet werden soll. Eine weitere Bekanntmachung derselben. Ministerien betrifft die Abnahme der übernommenen Beamten und Bediensteten der Lberhestischen Eisenbahnen in das tfioil- diener-Wittwen Jnstitut. Hiernach sind aufzunehmen: In Klasse Hl. der Dtrector der Oberhessischen (tifenbalmei: in Klasse IV. Eisenbahnbaumeister, der Hauptkassirer, der Maschinenmeister, der Cbergüterinfpector, der Dorstand des Gentralbureaus; in Elaste per Assistent des Maschinenmeisters, der Betriebs'- Controleur, Eisenbahnremsoren 1. Klaffe, der Sccretär der Tirection: inKlasse VI. Eiscnbabnwerkmeister, der Registra­tor der Direcston, Effenbabnreoisoren 2. Klasse, der Telegraphen-Jnspector; in Klasse VII. Calculatoren, Locomotiv'ührer, Stationsvorsteher; in Klasse VIII E'ienbahnmetster, Eisenbadnexpeditoren für den Güterdienst, Eisenbahnkanzlisten, Zugführer, Elsenbahn- Stationsmeifter, Enenbahnstationsassistenten, Wagenrevisoren; m Klaffe IX., Eisen­bahnbureaudiener, Eisenbabnschaffner und Bremser, Haltestelleaufseher und Hetzer bei der Eisenbahn. Schl'eßlich machen die oben genannten Ministerien bekannt, datz zwei weitere Arten Sternpklmarken - ju 200 JL unb 300 JL - anaefertißt worden sjfld, welche von der Hauptstempelverwaltung vom I-Juli d I. ab gleichwie bU andern Arten Stempelmarken gegen Vorausbezahlung des Stempelbetrags an die Stempel- marken-Austheiler auf Bestellung abgegeben werden.

Berlin, 4. Juli. [Die Krankheit ber Kaiserin-^ In Berlin waren gestern sehr beunruhigenbe Nachrichten über das Befinden ber Kaiserin Augusta verbreitet, welche angaben, baß Ihre Majestät große Schwäche zeige unb stunbenlang ohne Besinnung sei. Die oinriellen Depeschen melben nun, baß zwar ber Verlauf der Heilung der Operationswunde normal unb zufriebenstellenb sei, baß aber tn der Nacht vom 3. zum 4. Juli Nervenschwäche unb Älhmungsbeschwerden aufgetreten seien, die ü» gegen Morgen verminderten, aber die hohe Patientin sehr angegriffen haben- Ihre Majestät vollendet bald ihr siebzigstes Lebensjahr, unb es ist baher natürlich, baß ein schwieriger unb bebeutenbeT operativer Eingriff lange Zeit zur völligen Heilung bedarf; hoffentlich ist daher die e,ngetrctcne Verschlimmerung bereits die wohlthatige Krisis des Wunb- fiebers, welches zwar zu milbern, aber nicht völlig fern zu halten Selcmg. Das ganze Laub sieht nach Koblenz mit allergrößter Theilnahme, ba. bieftanenn ai5 Wohlthaterkn unb als Förderin aller Humanitätsbestrebungen im Reiche sich große Verbienste, ganz besonbers m ben schweren Kriegszeiten, erworben hat, unb es bedarf wohl nicht erst der SerMmma, ba® die Wünsche unb Gebete für bie baldige -olle Genesung Ihrer Majestät noch an Innigkeit gewinnen, da die Möglichkett des Derlustes bereits Kaiser Wilhelm tief erschüttert hat, so dah man in allen Kreisen der Hoffnung Ausdeuck geben hört, Gott möge die Lebensgefährtin Kaiser Wilhelms, die verehrte brutsche Kaiserin, noch lange erhalten. L

®etlin, 4. Juli. Der Bundesrat» benelh IN leinet Svnnabead-Sitzung den die Kosten für die Berufung eines deutschen Volkswirthschaftsraths aileh- nenden Beschluß des Reichstags und beschloß, von der Publicatiou der Ver­ordnung zur Berufung des Volkswirthschaftsraths für Deutschland einstweilen Abstand zu nehmen, sowie die Wiederetibrtugung des betr. StatsPostens im Reichstage sich rorzubehalten. Darnach dürfte also zunächst der preußische Rath allein weiter tagen, wenn richt etwa die übrigen Bundesstaaten dem Beispiele PreußenS folgen, unb auch für ihr Gebiet einen VolkSwirthschastS- rath emrichten. Segen bringen kann jedoch, davon find wir kest übnzeugt, nur der aus freier Wahl der interesfirten Kreise heroorgeganzene Volkswtrth- schastsratb, nicht d,r par ordre zusamrnenges-tztk.

Einem Telegramm aus Königsberg zufolge erfährt dieHart. Ztg. von zuverliistast'r Stile von einer recht bemerkenswerthen Aeußeruvg des zur 8e,l dort weilenden Finanzministers Roch Ansicht des Herrn Finanzmimsters wäre die Einführung des TabakSmoncpols unabweisbar, aber, selbst wenn sie (wann? das ist sr eben die Fraget erfolgt sei, könne für d e ersten Jahre von einer Steuererleichterung, besonders auch lm Falle der Uebernahme bu Schullasten auf den Staat nicht die Rede sein. t

- Eine Nachricht, daß zum Vorsitzenden des RetchSpatent.Amtes der Geb. Rath Reuleav; vom Bundesrathe gewählt werden werde,,hat sich nicht bestätigt. In der letzten Plenarsitzung ist vielmehr die Wahl auf den Geh. Rath Stuve aus dem HanbelSmimgerium, einem geborenem Hannoveraner, fcet in den letzten Jahren an den mit Oesterreich wegen Abschlusses eines Han,