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Amtlicher TheiL. Bekanntmachung.
Es find in der neuesten Zett unbefugter Weise Versuche gemacht worden, die Eingerinn- brzw. AuSgeriur.schleuße zu öffnen, auch find ied,n- Beschädigungen an diesen Schleusten durch Emwerfen von Steinen, Qmtfrrnung von Schrauben rc. verübt worden, sodaß wir uns veranlaßt f'Bcr, ausdrücklich darauf hinzuweijen, daß jede- unbefugte Oeffnen und Schließen der Eingerinnschleußen nach dem Localreglement vom 2. Ottober 1875 m \\ strafe bis zu 30 und daß jede vorsätzliche Beschädigung einer Schleußt als eine- Gegenstände-, welcher zum öffentlichen Nutzen dient, nach $ X Retch-strasgesetze- mit Gesängmß bi- zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe bi- zu eintausend fünfhundert Mark bestraft wird. Der Versuch einer so Beschädigung ist ebenfalls strafbar.
Gießen, den 30. December 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresentu-.______
Bekanntmachung.
Die Privat-Befitzer der Heegstrauchwiesen und der Wiesen auf der Letsenhaide werden hiermit auf Antrag he- WiesenvorstandeS aufgefordert, innerhalb der Zeit bi- zum 1. April 1881 die Grenzgräben, welche zugleich die Entwässerungsgräben bilden, aushrben und die au-gehobenen Rasen nach der Mitte ihrer Wiesen bringen zu laffen. Wir bemerken hierbei, daß gegen die Säumigen die Bestimmungen de- Art. 3t deS FeldstrafgesetzeS zur Anordnung gebracht werden.
Gießen, den 30. December 1880. Großherzogliche Pollzeiverwaltung Gießen.
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B e kann t m a ch u n g.
Gefunden: 1 grauer Handschuh, 1 Goldstück, 1 Sonnenschirm, 3 Mark an Geld, 1 Kopfkiffenüberzug, 1 Haarzopf, 1 Farbzeichen, 1 Gchellenglöckchen, 1 Musterkarte, 2 Balken (an der Lahn geländrt), mehrere Schlüssel.
Zugelaufen: 1 kleine- weiße- Hündchen.
Die gefundenen Gegenstände find auf der Polizeiwache (W^dengaffe 93) aufbewahrt.
Tteßen, den 30,L)ecember 1880. Großberzogliche Polizei^rrwaltung Gießen.
F r e . u -.
Der Jahreswechsel.
So alt wie die Welt auch werden mag, wird jeder denkende Mensch beim Jahreswechsel seine Betrachtungen machen l — Wa- wir im vergangenen Jahre erreicht, wie viele schöne Hoffnungen haben wir zu Grabe tragen müften, wa- wird da- neue Jahr un- bringen? Da- ist der Kernpunkt unserer Reflexionen. Genau wie im Leben eine- Jede- Einzelnen, so ist es auch im Leben der Nationen.
Da- Geläute der WeihnachtSglocken hat da- politische Leien auf einige Tage zum Schweigen gebracht, die Festftimmung wirkt so wächitg nach, daß die politischen Stimmungen und Verstimmungen allerorten in den Hintergrund gedrängt find: Die Politik hat Ferien.
Au- der Welt der Träume rang der deutsche Geist unabläßlich danach, sein Ideal zu verkörpern, ihm plastische Gestalt zu geben. In jahrelangem, unausgesetztem Ringen strebte bie Nation nach der Eonstuuirung ihrer Einheit, und wa- lange in den Gemütheru gelebt, wofür Tausende freudig ihr Blut hingegeben h^ben, wa- unsere Dichter und Denker erträumt und e strebt, das wurde in blutigen Cchlachtenwettern errungen, da- gewann greifbare Wirklichkeit, al- zu dem ideellen Streben sich die materielle Kraft gesellte. Vor zehn Jahren war es, alL in der Eonstituirung des Deutschen Kaiserreich- die neu errungene Einheit ihren äußeren Au-truck und ihre Krönung sand. Aber aus'- Neue hat fich in diesem Jahrzehnt gezeigt, daß Vollkommenheit nur im Reich der Träume möglich ist, daß die reale Erscheinung niemals dem Bilde entspricht, welche- der Phantasie vorschwebte. Wa- haben wir in diesem Jahr» zehnt seit der Eonflituirurg deS neuen Deutschen Reichs nicht Alles an wider- wärtigen und häßlichen Erscheinungen erleben müssen.
Glücklicher Akise herrscht in diesem Augenblicke in unserem Welttheil der äußere Frieden. Alle im Lause de- Jahre- drohenden Verwickelungen haben fich friedlich gelöst und wir können heule mit Geruathuung conpauren, daß eine Gefährdung des Frieden- auch für die nächste Zeit nicht zu befürchten "ebf- Mißlicher aber steht eS mit dem inneren Frieden; wohin wir blicken, fthrn wir denselben aus'- Aeußerste gefährdet; in Rußland durch eine im nkeln schleichende Propaganda, die, wenn eine Zeit lang in ihren Aeuste- gen unterdrückt, deck auf- Neue bei der ersten fich dalbietenden Gelegen» zu verbrecherischen Tharen bereit scheint; — in Irland durch eine Ver» rörung gegen Leben und Eigenthum der Grundbesitzer und gegen die .gierung; — in Frankreich durch den Skandal streitend^.. Parteien; — in Deutschland endlich an allen Ecken und Enden.
DaS Weihnacht-fest verursachte in diesem Kampfe Aller gegen Alle eine -ze Pause. Möchte e- eine Mahnung fein, den heiligen Worten der heiligen schäft, die vor zweitausend Jahren erklang, nachzustreben, den Haß zu be- i und den Lehren Deffen zu folgen, der da gekommen ist, der Welt das lelium der Liebe zu verkünden.
erlitt, 29. Decbr. Die „Köln. Ztg." schreibt: ES ist riftlloS, ISHer zur erneuten Vorlage an bei. Reichstag bestimmten roor
mit ihren finanziellen Erträgen im Stande find, die S - fform Regierung zur Ausführung zu bringen, und daß also zu b* ’ann«
ten Steuervorlagen sicherlich noch diese oder jene hin zukommt. Nun weiß man aber im Rückblick auf die vielfachen Bedenkt«, welche in der letzten R'.ichstagSsrsfion bereit- gegen alle diese Vorlagen erhoben wurden, daß an deren unveränderte Annahme Seiten- derselben Versammlung in der bevorstehenden Session nicht zu denken ist. E- wird bereits vielfach die Dermuthng ausgesprochen, eine Ablehnung der Stemrvorlagin würde die Auflösung des Reichstag- zur Folge haben und sein Rachfolger dem Tabaksmonopo! sich gegenüber gestellt sehen. Bezüglich de- letzteren steht e-, wie wir wiederholt ausgesprochen haben, fest, daß dre Regierung n(e ausgehört hat, damit zu rech» neu; ja, daß sie möglicher Weise schon im Verlaus der bevorstehenden Session Anlaß nehmen wird, fich daiüber deutlicher al- bi-her au-zusprechen.
— Die Absicht der Deutsch'Eonservativen, die deutsche Reich-Partei für irgend ein Compromiß bezüglich der Beseitigung der obligatorischen Civilehe iu gewinnen, wird fich n-cht verwirklichen laffen. Die Freiconservativen find entschieden gegen die Aufhebung der jetzigen EivUstandö-Gesetzgebung und wollen die- brr irgendwie paffender Geleger-Heit bereits im Abgeordnetenhause erklären. Mit Recht geht btc Partei dabei wohl von der Annahme au-, daß diese Frage bei ctn nächsten Reich-tagSwahlen eine sehr gewichtige Rolle spielen und gegen jene eneichieven wird, welche den jetzigen Rechtszuftand aufheben wollen.
Stuttgart, 29. December. Wie schon lange vorau-bestimmt, haben beute König und Königin die Reise nach Eanne- angetreten. Zwar mußten sie r och den traurigen Fall erleben, daß der Stammhalter des Thronfolgers, des Prinzen Wilhelm, der kleine Prinz Ulrich, ein K äbchen von 5 Monaten, schnell hinwegstarb. Vor wenigen Tagen hatte die FamUie de- Thronfolgers ihre Uebeifletlung von dem kleinen Landhaus Manenwahl bei LudwigSburg nach dem drefigen weiträumigen Kro»Prinzen»Palais vollzogen. Gleichzeitig mußte die Entwöhnui g des Kindes vorgenommen werden. Beide Eir fiüff? zu» sammen scheinen die Erkrankung hervorgerufen zu haben, die gleich gefährluh h,roortrat. gestern aber wieder hoffnung-voller angesehen wurde, bis fie Abends die tödiliche Werbung nahm. Di? Therlnahme. insbesondere mit der Prinzessin, einer liebenswürdigen, schlichten jungen Frau au- dem Waldeck'schen Hause, ist allgemein. Dem König, der körperlich schwer leidend und im Ge- mürh noch durch den Tod deS Gesandten in Berlin, de- Herrn v. Spitzem- berg, Bruders seines intimen Freu.,de- und General-Adjutanten, verwundet ist, wird man ee vergönnen, daß er durch die verwickelte Vorausbestellung der winterlichen Reise mit der gleichfalls kranken Königin veranlaßt -oai den traurigen Eindrücken hier schnell zu entzieh
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Ltrelitz, 30. Decbr. Heut Jon M ckier bürg» Streby, 85 Jahre Dublin, 30. Decbr. D e stärkuig n, weÜ die Regierung bü f*'. Jn Dublin werden ” troffen. Alle Dn.- mehrt. — In


