Ausgabe 
27.5.1873
 
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Paris, 25. Mai. Der gestrige Abend verlief ohne jede Störung der

Sicherheitsdienst eine besondere militärisch organisirte Schutzmannschaft zu er-

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missär übertragen.

«fraitkreich.

den

Lokal-Notiz.

fortgesetzt überall.

Vormittags 9 Uhr,

London, 21. Mai.

Worttarif auf 4 sh.

Engsaiw.

Die Kabelgesellschaften reduciren vom 1. Juni ab

Desvaux und Dampierre d'Hornoy sollen zum Kriegs- und bzw. Marinemini­ster ernannt werden, wenn Cissey und Pothuau nicht einwilligen, ihre Porte­feuilles zu behalten. Jules und Charles Ferry haben ihre Entlassung gegeben. Neue Anleihe Mittags 89, jetzt 88.80.

Paris, 25. Mai, 11 Uhr 25 Min.

Gießen, 26. Mai. In der heute stattgehaben öffentlichen Sitzung Großherzoglicken * 'r i wurden die Haupt- und Ergänzungs-Geschworenen für das

gehandelt. ,

Paris, 26 Mai. Dem Vernehmen nach geht die Negierung mit der fccm ^cg jUtn Präsidenten des Schwurgerichtshofs bestimmten Großherzoglichen

Absicht um, die Nationalversammlung zu vertagen. Der erste -Lhnl der jetzt Hofgerjchts-Raths Herrn l>r. Stammler, beziehungsweise des zum Stellvertreter desselben fälligen Ratenzahlung auf die Kriegsentschädigung besteht in 50 Mill. Gold ernannten Großherzoglichen HofgcrichtS-Raths Herrn Hoffmann werden eröffnet werben, in und 20 Mill. Silber. folgender Reihenfolge auSgeloost.

nehmen, oder wohl auch einA bas les trois!, da es irrthümlich hieß, daß ein Triumvirat Mac Mahon-Daru-Buffet ernannt worden sei; ein Berichter-

Italien.

Nom, 23. Mai. DieVoce della verita" bringt einen Artikel, welcher die Eventualität eines Conclaves bespricht und im Wesentlichen gegen die Aus­lassungen italienischer und ausländischer Zeitungen, und namentlich gegen den Artikel derAugsb. Allg. Ztg." über 4>ie Papstwahl gerichtet ist. Das kleri­kale Blatt hebt besonders hervor, daß die auswärtigen Mächte niemals ein Exclusionsrecht bei der Papstwahl gehabt hätten; das Veto sei nur ein Zuge- ständniß der Cardinäle gegenüber den katholischen Souveränen gewesen, welche der Kirche ihren Schutz gewährt hätten. Jetzt könne diese Befugniß keinem Staate mehr zustehen, da alle Negierungen die Gleichberechtigung der Cnlte anerkannt hätten; jedenfalls kämen die nichtkatholischen Regie­rungen gar nicht in Frage und würden die Republiken Spanien und Frankreich wenig Gewicht in die Wagschale legen DieVoce della verita" führt dann aus, der Papst müsse nothwendig ein Italiener sein, da in ganz Italien der Wunsch herrsche, eine Persönlichkeit auf dem päpstlichen Stuhle zu sehen, welche die italienische Sprache rede, und da jener Souverän eines Staates sei, den die Italiener selbst ihm gewiß restituiren würden. Es gäbe nur einen deut­schen Cardinal, ein Umstand, welcher eineWahl" ausschließe; bei der etwaigen Wahl eines französischen Cardinals werde die beunruhigende Erinnerung an Avignon geweckt, und die beiden österreichischen Cardinäle dächten sicherlich nicht daran, die Papstwürde zu erlangen, abgesehen davon, daß dies auch seitens der österreichischen Regierung nicht begünstigt werde. Das Geheimniß der in der Presse sich kundgebenden Bewegung sei einfach, daß die italienische Regie­rung einen ausländischen Papst wolle, welchem die Wiederherstellung der welt­lichen Macht erschwert und die Herzen des italienischen Volkes entfremdet wer­den würde. Ein Papst, der von den Ufern der Spree, Seine, Donau oder Themse komme, werde mit den allergrößten Schwierigkeiten zu kämpfen haben; die klerikale Partei selber werde mit dem besten Willen Gefahr lausen, daß sie weder den Papst noch dieser sie verstehen würde.

Regien.

DieJnd^peudance" meldet:Prinz Napoleon An der Börse ist die französische Rente im

Brüssel, 26. Mai. kommt heute in Paris an." Steigen.

tatter desFigaro" will sogar in der Nähe der Bastille auch vereinzelte Rufe A Berlin! gehört haben, aber es kam nirgends zu einem Conflict mit den Sicherheits-Agenten oder den Patrouillen, welche in kurzen Zwischenräumen die Straßen durchzogen. Als nach Mitternacht der letzte Zug von Versailles auf dem Westbahnhofe cintraf, war dieser so überfüllt, und die Menge stürzte sich mit so stürmischer Ungeduld auf die Eintreffenden, daß der General Gueslin, der eigens zur Aufrechterhaltung der Ordnung in dem Bahnhof erschienen war, die Halle durch Polizei-Agenten räumen ließ. Sogleich stob das Volk ohne Widerstand auseinander. Die Abendbörse verkehrte in starker Baisse; neue Anleihe notirte 87.50, 86.90 und zuletzt 87.15.

Paris, 26 Mai. Die Truppen waren am letzten Samstag, der Agence Havas" zufolge, aus Vorsicht cousignirt; seit gestern aber ist die Be­reitschaft aufgehoben. Paris hat vollkommen das gewöhnliche Aussehen wieder­gewonnen ; in den Departements ist die Ordnung nirgends gestört worden. Mau hofft auf einen großen Aufschwung der Arbeit.

.JJlul, Al Mt/4. Die vollständigste Ruhe herrscht Hofgerichts der Provinz Oberhessm 1

Auf dem Boulevard wurde französische Anleihe zu 89.50 Schwurgericht vom III. Quartal l. I., besten Sitzungen

1 J Dienstag den 1. Juli.

Paris, 24. Mai. Nach Pariser Correspondenzeu zu urtheilen, herrscht dort sehr bedeutende Aufregung. Alle Parteien sind trotz oder wegen des modificirten Cabinets in großer Bewegung; im Ganzen spricht sich sehr germ ; aes Vertrauen auf die nächste Zukunft aus. Das neue Cabinet wird als ein provisorisches betrachtet, das nicht lange amtiren wird. Casimir Perier ist selbst dieser Ansicht. Von einem seiner Freunde um seine Hoffnung wegen der Dauer und der Kraft des Cabinets befragt, erwiderte er:Wer kann dieses wissen. Wir können bei unserer Geburt sterben. Man muß einen gewissen Muth haben, um einer solchen Lage Trotz zu bieten. Es ist leicht möglich, daß wir binnen acht Tagen in die Luft gesprengt sind." Im Ganzen genom­men, nahm das große Publikum die neuen Minister gut auf. Zwei derselben Casimir Perier und Verenger, haben sich noch kürzlich mit großer Entschlossen­heit für die Republik ausgesprochen, und was Waddington anbelangt, so gab derselbe vor einem Jahre bei Gelegenheit seines Austritts aus dem rechten Centrum und seines Eintritts in das linke Centrum der conservativen Repu­blik seine Zustimmung. Die mehrfach erwähnte Reise Gambetta's galt nach Republ. Franchise der Heimath der Wunder von Lourd, der Stadt Nantes. Der ehemalige Dictator kam dort Freitag Mittags an und wohnte einem Ban­ket bei. In seiner Rede wies er nach, wie die Wahlen es immer deutlicher aussprechen, daß zwischen der Majorität des Landes und der Majorität der Kammer sich ein durch nichts auszufüllender Abgrund gebildet hat. Von her­vorragendem Interesse war der Schluß der Rede Gambetta's, welcher die repu­blikanische Partei aufforderte, einig und compact zu bleiben und sich vor einer Ungeduld zu hüten, welche den Eintritt der definitiven Republik nur verzögern könnte. Nach diesem Appell an die Mäßigung der Republikaner scheint es fast, als wenn Gambetta sich bereits mit dem Gedanken der Proclamirung der defi­nitiven Republick durch die gegenwärtige Kammer versöhnt hätte.

Paris, 25. Mai. DasJournal officiel" meldet, daß die National­versammlung die Demission Thiers' angenommen und zum Präsidenten der Republik den Marschall Mac Mahon gewählt hat, welch Letzterer angenommen habe. Der Präsident der Nationalversammlung hat beim Ausgang der gestri­gen Sitzung von Mac Mahon folgendes Schreiben erhalten:Meine Herren Repräsentanten! Ich gehorche dem Willen der Nationalversammlung, welche die Nationalsouveränetät bewahrt, indem ich das Amt eines Präsidenten der Republik annehme. Es ist eine schwere Verantwortlichkeit, welche meinem Patrio­tismus auferlegt wird, aber mit der Hülse Gortes und der Hingebung der Armee, welche immer die Armee des Gesetzes sein wird, und mit der Unter­stützung aller ehrlichen Leute, werden wir zusammen das Werk der Befreiung des Gebietes und der Wiederherstellung der moralischen Ordnung im Lande sortsetzen. Wir werden den inneren Frieden und die Grundsätze, auf welchen die Gesellschaft ruht, aufrechterhalten. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort als ehrlicher Mann und Soldat." Auf dem Boulevard wurde die Neue Anleihe Vormittags zu 87.85 gehandelt.

Paris, 25. Mai. Ein durch Anschlag in den Straßen bekannt gege­benes Rundschreiben Mac Mahon's an die Präfecten sagt:Ich bin soeber durch das Vertrauen der Nationalversammlung zur Präsidentschaft der Republik berufen worden. Weder die bestehenden Gesetze noch die Institutionen werden eine Verletzung erfahren. Ich bürge für die materielle Ordnung und zähle au Ihre Wachsamkeit und patriotische Mitwirkung. Das Ministerium wird noch heute gebildet werden." Paris zeigt eine ruhige Physiognomie. Die Procla- mation Mac Mahon's bringt einen guten Eindruck hervor. Nach den Depeschen aus den Departements ist die Ordnung nirgends gestört worden. Man ver­sichert, daß Broglie das Portefeuille des Innern, Magne das der Finanzen erhalten werde. Außer Frage steht, daß Andiffret-Pasquier und zwei Mitglie­der der Rechten, wahrscheinlich Larcy und Ernoul, in das Cabinet eintreten werden Der Eintritt von Batbie und Goulard ist ebenfalls wahrscheinlich.

^walls die totale Unzulänglichkeit der bestehenden Polizei-Einrichtun-j Paris, 26. Mai. DasJournal offuielT meldet, daß das Ministe- 5-n wr di- jetzigen Verhältnis,'/ Stutt^rts und dessen fortwährende enorme rinm folgendermaßen zusammengesetzt ist : Broglie Aeußeres, Ernoul Justiz Ausdebnuna erkannt und daher vom Gemeinderath der Beschluß gefaßt, die Benlä Inneres, Magne Finanzen, Dampierre Marine, Batbie Untemchr und Nvli.eiAbtbeiluna mit einem Bericht darüber zu beauftragen, wie und in wel- Cultns, Desfeilligny Arbeiten, Laboulllerie Handel. Cisseh behalt interimistisch cker^W^se ein"Reorganisation ^stattfinden solle, und ob nicht etwa für den das Portefeuille des Krieges Pascal Unt-rstaatssecretär des Innern.

/ . . z l .. hil ~ 4-a 11t PT: 25 M.ii. Der aeftriae Abend verlies ol

Rußland.

Das von Der russischen Regierung bereits acceptirte Project des unter­nehmenden Herrn v. Lesseps von Orenburg durch Centralasien bis Peschawer in Ostindien eine ungefähr 500 Meilen lange Eisenbahn zu legen, wird zu sei­ner Vorbereitung und Ausführung ohne Zweifel eine längere Reihe von Jahren und ungeheure Kosten erfordern, stellt dafür aber dem Handel und Weltverkehr die glänzendsten noch völlig unberechenbaren Vortheile in Aussicht. Die rus­sische Regierung hatte sich längst mit dem Gedanken getragen, die Schienenver­bindung zwischen Europa und Indien, für welche bekanntlich auch der Weg über Konstantinopel und die asiatische Türkei in Vorschlag gebracht ist, durch ihr unermeßliches-Gebiet zu lenken. Unerwartet rasch scheint sich nun dieser große Gedanke verwirklichen zu wollen. Die energische russische Politik steht wieder einmal im Begriffe, in Asien der englischen Unentschlossenheit den Rang abzulaufen. Im allgemeinen Culturintereffe kann man dem großen Unternehmen nur den besten Erfolg wünschen, wenn man auch die Ansicht des Herrn v. Les­seps, daß diese Bahn dem Antagonismus zwischen Rußland und England ein Ende machen werde, nicht unbedingt theilt.

tmXyi fei <\n der aeftriaen Sitzung des Gemeinderaths wurde nun dieser Be- äußeren Ruhe Der Westbahnhof und die Boulevards waren wohl von einer TiSf ermattet Der wesentliche Inhalt des Vortrags geht dahin: Von der dichten Volksmenge angefüllt, die sich um die Abendblätter riß und in fieber- ßrriräti na einer besonderen militärisch organisirten Schutzmannschaft neben der Hafter Aufregung die neuesten Nachrichten aus Versailles mittheilte und erläu» Abstand genommen ; da-terte; hie und da ließ sich ein Hochruf aus Thiers und auf die Republik ver- qeaen soll die zur Zeit aus 90 Mann bestehende Polizeimannschaft, auf 152 ^pt mirh ptnA bas les trois! . ba -6 irrthumhA fupfi bafc

Mann verstärkt, neu eingetheilt und organisirt, besser montirt, bewaffnet, cafei^ nirt und besoldet, ihr auch die jetzt noch ausgetragenen, nicht zum Polizeidienst gehörenden Geschäfte und auch Nebenbezüge ab genommen und letztere durch em jährliches Aversum ersetzt werden. Die Bewaffnung wurde für den Nacht- Patrouillen- und Sicherheitsdienst durch ein Schießgewehr vermehrt die Be,ol- dunq um 150 st. für den Mann erhöht, das Aversum auf je 75 fl. gesetzt werden, wodurch der Mann als Minimum, ohne seine Montimng rc. jährlich 725 fl. erhielte. Die Mehrkosten würden sich auf etwa 75,000 fl. jährlich und der einmalige Aufwand ohne die Casernirung auf 20 25,000 fl belaufen.

Straßburg, 26. Mai. Drrch kaiserliche Verordnung vom 17. Mai sind die Gemeinderaths-Mitglieder Weyer, Hueber und Goguis ihres Amtes als Beigeordnete enthoben und in Folge Verordnung des Bezlrksprafidenten wurde heute die Verwaltung der Stelle eines Beigeordneten der Stadt dem Regierungs - Assessor Freiherrn v. Reichlin-Meldegg als außerordentlichem Corn-