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Missions-Deutschland, ist es, der ihr Herz bekehrt und durch seine Mahnungen an dieGlaubeustreuen" sich freies Entree in ihren Spalten verschafft hat. Angesichts solchen Umschwungs der Dinge ist es für uns nicht schicklich, noch länger unser Herz zu verhärten, und darum möge auch hier jetzt dieses neueste bischöfliche Wort' Gehör finden und zwar unverkürztes.

Paderborn, 20. August. Wie derGerm." von hier gemeldet wird, haben bereits an zwanzig Studenten das Seminarium Theodorianum verlassen, um in Amerika sich dem Dienste der Kirche zu weihen.

Köln, 24. August. In der hiesigen Diöcese sind bei dem Widerstreben der geistlichen Behörde gegen die neuen, sog. Kirchengesetze bis heute fast 40 Pfarr- und Caplanstellen vacant geworden und unbesetzt. Heute wurden unge­fähr 30 Zöglinge des Kölner Priester-Seminars zu Priestern geweiht, und sollen dieselben, wie wir hören, älteren Geistlichen zur völligen Ausbildung zu- getheilt werden, wahrscheinlich, wie ehemals die eben Geweihten zur Aushülfe als Capläne angestellt wurden. Jedoch dürste der Unterschied vorhanden sein, daß den noch in derAusbildung Begriffenen" nicht das Gehalt der Capläne ausgezahlt wird.

Witten, 22. August. Gestern fand hier das erste Alt-Katholcken- Begräbniß statt und führte, wie vorauszusehen, zu einem Conflicte mit der ultramontanen Geistlichkeit. Kurz nachdem dem Haupt-Pastor der Todesfall anzezeigt worden, wodurch das Mitbenutzungsrecht des Kirchhofs Seitens der Altkatholiken constatirt werden sollte, reiste Hochwürden nach Paderborn, um sich bei dem Bischof Martin Instructionen zu holen. Wie diese gelautet haben mögen, erfahren wir daraus, daß der Pastor dem hiesigen Bürgermeister erklärte, er werde das Begräbniß mit allen Mitteln hindern, jedenfalls nur der Gewalt weichen. Da man bei unserer fanatischen Arbeiterbevölkerung Alles fürchten mußte, so requirirte man aus der Nachbarschaft 16 Gendarmen und die nöthige Polizei, die im Vereine mit der hiesigen Polizei dem Zuge assistiren sollten. Am Morgen des Begräbnißtages wurde unter polizeilicher Ueberwa- chung ein Grab in der Nähe der anderen Gräber ausgeworfen und dieses bis zum Augenblicke der Beerdigung polizeilich überwacht. Als nun der Zug, an dem sich Berufene und Unberufene in großer Zahl betheiligt hatten, mit dem altkatholischen Pastor aus Essen au der Spitze, am Friedhofsthore angekommen war, stand auf einmal der unfehlbare Streiter des Herrn mit seinem Caplan, Beide in vollem Amrs-Ornat, vor dem Zuge und gebot Halt.An dieser Stelle bin ich gewohnt, die Leichen zu empfangen und einzusegnen," meinte Hochwürden.I wat, man voran!" ertönte die Stimme des Wachtmeisters, der dem altkatholischen Priester zur Seite ging,Sie hebben hier nix tau seggen," schob Hochwürden bei Seite, und vorwärts ging der Zug zur Grab­stätte, wo, in Anbetracht der entfalteten Streitmacht, die Beerdigung verhält- nißmäßig ruhig verlief, wenn man von einigen störenden Bemerkungen der massenhaft umstehenden Neukatholiken absehen will. Nach Beendigung der Feierlichkeit und nachdem sich die Altkatholiken entfernt hatten, wurde der Kirchhof polizeilich geräumt.

München, 21. August. Stand der Cholera: Von Dienstag den 19. d. Mts., Abends, bis Mittwoch den 20. d. Mts., Abends, 22 Erkrankungen, 7 Todesfälle. (Im Jahre 1854 an demselben Tage: 187 Erkrankungen, 69 Todesfälle.) Gesammtstand aller seit 25. Juni vorgekommenen Fälle: 375 Erkrankungen, 145 Todesfälle (im Jahre 1854 bis 20. August 1191 Erkran­kungen , 499 Todesfälle.) Witterung sonnig und warm. Es sind zur Zeit drei autorisirte Desinfectionsanstalten in Thätigkeit. Das Publikum benützt die errichteten ärztlichen Besuchsstationen sehr fleißig. ee. Maj. der König hat der Polizeidirection eine Baarsumme nebst Vettfournituren rc. zur Verwendung überwiesen.

Stand der Cholera in Würzburg: Vom 18. bis zum 19. d. Mts. neue Erkrankungen 1, Todesfälle. Gesammtstand aller seit 8. Juli vorge­kommenen Fälle: 94 Erkrankungen, 41 Todesfälle.

In Ingolstadt sind 9 Cholerafälle, 3 mit tödtlichem Ausgang vorge­kommen ; ebenso ist in der Frohnfeste zu Landshut bei 3 Sträflingen die Cho­lera ausgebrochen.

Aus Elsaß-Lothringen, 23. August. Sie werden sich erinnern, daß eine Anzahl von Elsaß - Lothringern, die von der französischen Regierung wegen Verbrecken nach Cayenne verbannt waren, für Deutschland optirt haben. Ein Theil derselben ist nun vor einigen Tagen der deutschen Regierung ausge- liesert worden, worauf dieselben theils in die Strafanstalt zu Ensisheim gebracht, theils auf freien Fuß gesetzt wurden. Unter den letzteren befanden sich Jene, welche in Cayenne ihre eigentliche Strafzeit abgebüßt hatten, aber zufolge dem französischen Strafgesetze noch einmal so lange, als ihre Strafzeit dauerte, als sog. Freie auf jener Insel hätte zubringen müssen. .Dies wird wohl auch die Hauptursache ihrer Option für Deutschland sein.

Schweiz.

Genf, 23. August. DasJournal de Genöve" meldet: Der Präsi­dent des Civiltribunals hat durch Schreiben vom heutigen Tage der Stadt Genf von dem ihr zu Theil gewordenen Vermächtniß des Herzogs von Braun­schweig Kenntniß gegeben. Bis jetzt ist von den Verwandten des Verstorbenen keinerlei Aenderung eingegaugen, noch ein Codicill vorgezeigt worden. Da die Testamentsvollstrecker das benöthigte Material zur Abhaltung des vorgeschrie­benen fürstlichen Leicheilbegänguisses Hierselbst nicht beschaffen konnten, mußten sie sich deshalb nach Paris wenden. Die Beisetzung wird deshalb erst Donner­stag oder Freitag erfolgen.

Frankreich.

Paris, 24. August. Es heißt, der Fürst von Rumänien würde dem­nächst Paris besuchen. Die Zeitungen beurtheilen die Rede des Herzogs v. Vroglie verschieden. Republikanische Blätter sehen darin die Bestätigung einer Schlappe der Fusionisten, conservative meinen, die Rede sei nur das mehr acceutuirte Regierungsprogramm vom 24. Mai und habe einen günstigen Eindruck gemacht.

Paris, 24. August. Der Ministerrath hat den Minister des Innern beauftragt, der täglich zunehmenden Veröffentlichung wissentlich falscher zur Alarmiruug der öffentlichen Meinung dienender Nachrichten sofort Einhalt zu thun.

Otafien.

Nom, 25. August. DieFanfulla" meldet: Der König erhielt ein Schreiben des Deutschen Kaisers, worin er eingeladen wird, falls er nach Wien reise, auch Berlin zu besuchen.

Spanien.

Madrid, 22. August. Der Widerspruch unter den Nachrichten aus Catalonieu setzt sich fort. Die Carlisten behaupteu, 2400 Mann stark unter Alfonso, Saballs und Tristany bei Caseras 7000 Republikaner geschlagen, denselben einen Verlust von 200 Todten (also insgesammt wohl von 1000 Manu) zugefügt und mehrere Kanonen abgenommen zu haben. Dieser groß­artigen Siegesnachricht gegenüber lese man folgenden Bericht des Brigadiers Reyes aus Gironelle vom 16. August:Indem ich zu der Colonne Casanova ließ, die in einem Gefechte mit Carlisten begriffen war, bemächtigte ich mich des Dorfes und trieb die Carlisten bis auf Caseras zurück. Die Verluste sind auf beiden Seiten beträchtlich. Wegen der eingetretenen Nacht und der Schwie­rigkeiten der Verbindungen mit den Corpschefs kann ich jedoch nichts näher be- timmen " Danach wären also die Carlisten die Zurückgetriebenen. Ueber Berga elbst fehlen noch immer zuverlässige Nachrichteu.

In Zaragoza wurde in dem Jäger-Bataillon Navarra eine Verschwö­rung entdeckt. Drei Hornisten, zwei Sapeurs und fünf Corporale wurden verhaftet und sollen nach Cuba geschickt werden.

Madrid, 23. August. In der gestrigen Cortessitzung erklärte Castelar, man müsse die Republik retten, der Regierung Geld und Soldaten verschaffen, die Sitzungen suspeudiren und die Berathung der Verfassung vertagen. Nach­richten, welche die Regierung erhielt, zufolge, marschirte Bregua Bilbao zu Hülfe, während Estella deu Carlisten noch widerstand-

Madrid, 24. August. Die Carlisten haben am 21. d. Mts. den Bri­gadier Lewa bei Oyarzun geschlagen. Zwischen dem Deputaten Olavo und dem Generalcapitän von Madrid, Hidalgo, steht wegen Aeußerungen, die Olave in den Cortes über Hidalgo gethan hat, ein Duell bevor.

Madrid, 24. August. Eine Partei-Versammlung der Cortesmajorität beschloß für Castelar als Cortes-Präsidenten, sowie für die Bewilligung aller von der Regierung geforderten Gelder und Mannschaften zu stimmen. Die Behörden von Bilbao setzten den Ausländern eine viertägige Frist, um ihre Personen und ihr Eigenthum in Sicherheit zu bringen und die Freiheit der militärischen Action bei einem erwarteten wiederholten Angriff der Carlisten nicht zu hindern.

Perpignan, 25. August. Die Carlisten haben zwei Eisenbahnbrücken bei Gerona zerstört. Die Verbindungen mit Frankreich sind unterbrochen Eine Abtheilung rückte, ohne auf Widerstand zu stoßen, in Fraya ein, erhob eine Contribution von 30,000 Duros und nahm 100 Flinten mit.

England.

London, 23. August. Ueber die Aufbringung derDeerhound" und die Gefangennahme des Obersten Stuart und des Capitäns Travers äußert sich derDaily Telegraph" viel vernünftiger und unparteiischer, als unlängst dieMorning Post." Seeraub freilich hätten die Waffenschmuggler nicht ge­trieben. Wären sie in spanischen Gewässern erwischt worden, so müßten sie mindestens die Strafe von Kriegsgefangenen erwarten. Selbst wenn sie dann als Rebellen behandelt würden, so läge wenig Veranlassung zu interuationalem Einschreiten vor.Sie kommen nicht mit reinen Händen. Sie haben, wie zu befürchten steht, sich gegen die englische Neutralitätsgesetzgebung (die Foreign Enlistment Act von 1870) vergangen, und wenn sie nach England znrückkehren sollten, so dürfte eine gerichtliche Untersuchung gegen sie wesentlich nothwindig erscheinen. Sie haben mit offenen Augen und Angesichts der Gefahr den Wür­fel geworfen in der Hoffnung, daß die hohe Nummer herauskommen würde. Soll denn die Nation eingreifen, weil der Wurf ein unglücklicher war? Die Lehre kann nicht zu früh heimgebracht werden. Hätte der Deerhound guten Erfolg gehabt, so würde er wahrscheinlich Nachahmer gefunden haben. Unser Land wäre unschuldiger Weise zur Operationsbasis gegen einen befreundeten Staat mißbraucht worden und wir hätten uns möglicher Weise eine Last neuer Schwierigkeiten, ähnlich denen, welche uns jüngst so viel zu schaffen gemacht, aufgebürdet."

Lokal-Notiz.

Gießen, 25. August. (M ilchfäls cyer.) In den letzten drei Tagen hat die hiesige Polizei die Milchverkäufer in Angst und Schrecken versetzt, indem sic große Quantitäten Milch, die theils 1/2, I3, theils '/« Wasserzusatz hatte, wegnahm, und dieselbe an viele arme Leute verschenkte. Wohlverdiente Strafen werden nachfolgen.

Um sich zu überzeugen, ob die zur Prüfung der Milch angeschafften Apparate auch sicher seien, hatte die Polizei sich vor Beginn der Visitation reine Milch verschafft und dieselbe nach verschiedenen Arten geprüft, wobei der Galaktometer wirklich reine Milch andeutete. Als­dann hat sie der Milch/i und dann noch mehr Wasser zugesetzt, was der Galaktometer jedes" mal mit Genauigkeit angezcigt hat.

Nachdem die Polizei "diese Proben angcstellt hatte, begann sie ihre Jagd auf die Milch­fälscher, die hoffentlich künftig nicht so reiche Beute etnbrtngen wird als heute, wo die Beschlag­nahmen massenhaft waren.

Gießen, 26. August. Nachträglich erfahren wir noch, daß die dem Herrn Cigarrcn- fabrikanten Adolf Noll dahier bei der Preisvertheilung in Wien zuerkannte Fortschritts- Medaille, die höchste und ehrenhafteste Auszeichnung in dem von ihm vertretenen Industriezweige und derselbe der einzige süddeutsche Cigarrenfabrikant, dem diese Anerkennung zu Theil gewor­den ist.

Vermischte-.

* (Der österreichische Silbergulden.)Wie kommt es denn, daß der hübsch geprägte handliche österreichische Silbergulden an den Staatskaffen in Deutschland nicht mehr für voll genommen wird, da er doch unserm zukünftigen Zweimarkstück entspricht?" Diese Frage ist an uns gerichtet worden, und da der Gulden jetzt das Reich überschwemmt, so wollen wir die Frage hier ausführlicher erörtern. Zunächst gehen die Gulden von großen Bankhäusern aus, welche das im Preise ziemlich gesunkene Silber in Barrenform in London aufkaufen , von der gefälligen österreichischen Regierung in Wien Gulven daraus prägen lassen und diese in Deutschland als dem einheimischen gleichstehcndes Geld ausgebcn, wobei sie einen hübschen Ge­winn machen. Indessen hat diese Spekulation noch eine andere Seite, auf welche dasLeip­ziger Tageblatt" im Nachstehenden bekannt macht.

! Gegen die in Circulation gesetzten Gulden nämlich ziehen die Herren Bankiers deutsches Silbergelv ein, welches sie wiederum an den Kassen des Deutschen Reichs gegen neue Reichs-