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von dem Kreisrath sofort eine Geschäftsordüung dictiren ließen, dann müsse man die ganze Kreisordnung verwerfen. Der Referent vertheidigt nochmals die Ausschußanträge, er hat keinen realen Grund gehört gegen die Vorlage und erwartet deren Annahme. Diese wird darauf mit 33 Stimmen gegen 13 an­genommen , ebenso mit 36 gegen 8 Stimmen der Antrag Gebhardt's, wonach der Bezirksrath den Stellvertretenden des Vorsitzenden wählen soll. Das Amendement über Behandlung dringlicher Gegenstände wird mit 32 gegen 14 Stimmen und dann der ganze Art. 33 des Gesetzentwurfs angenommen. Art. 45 gab zu einer längeren Discussion Veranlassung. Die Abstimmung ergab An­nahme des Artikels unter Ablehnung des Zusatzes, betr. die Wahl von Ersatz­männern und Annahme des Antrages, wonach außer den Geistlichen und Leh­rern auch die activen Staatsbeamten von der Wählbarkeit in den Kreisausschuß ausgenommen sind. Der letztere Antrag wurde mit allen gegen 5 Stimmen angenommen. Die folgenden Artikel bis 74 wurden mit einigen redactionellen Aenderungen angenommen.

Berlin, 18. Juni. Mit eben so viel Recht als Beharrlichkeit hat der Abg. Bamberger wiederholt nach dem Schicksal des Münzgesetzes gefragt. Der Reichstag hat sicherlich in seiner allergrößten Mehrheit die Ueberzeugung, daß er ohne Lösung der Münzgesetzfragen und der damit im Zusammenhang stehen­den Aufgaben nicht auseinander gehen darf, soll nicht die gerechte Erwartung der Nation bitter getäuscht werden. Die Schuld der Verzögerung liegt ersicht­lich nicht bei der Volksvertretung, welche schon lange den betreffenden Vorla­gen aus dem Bundesrath cntgegenstcht. Nur scheint im Schooße des letzteren die erforderliche Uebereinstimmung, welche, wie bei allen solchen Fragen, noth- wendig den Charakter des Commpromisses tragen muß, noch nicht hergestellt zu sein. Der durch die Zeitungen schon seit einigen Tagen verbreitete Entwurf eines solchen Ausgleichs hat im Allgemeinen einen sehr guten Eindruck hervor­gebracht, und man sollte denken, daß auf dieser Grundlage eine Einigung er­zielt werden könnte. Einigung selbst auf dem bekanntlich sehr schwierigen Ge­biete des Gebens und Nehmens, wo die Gemüthlichkeit aufhört. Gewiß ist es auch ein hohes nationales Interesse, daß nicht der Schein erweckt wird, als wenn die Negierungen und Einzelstaaten, welche, den ersten deutschen Reichstag so einmüthig begründet und begrüßt haben, am Schluffe desselben über eine Geldfrage zwiespältig auseinander gehen-

Berlin, 21. Juni. Die k- Eisenbahn-Direction Kassel hat auf eine Anfrage des Handelsministers, ob sie- den Bau der Berlin-Coblenzer Bahn von Frankfurt aus leiten könne, bejahend geantwortet.

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Spanien.

Madrid, 18. Juni. Der Carlistenführer Pino hat den Telegraphen und das ganze Betriebsmaterial im Bahnhofe von Blana auf der Linie von Reus nach Montblanch zerstört. Derselbe durchstreift mit 2000 Mann die Provinz Tarragona, ohne beunruhigt zu werden. Aus dem an der Eisenbahn von Barcelona nach Mataro gelegenen Städtchen Masnou, welches die verlangte Contribution nicht zahlen wollte, führten die Carlisten achtzehn Geiseln fort.

Madrid, 20. Ium. Eine Carlistenbandc wurde bei Suncosa in der Provinz Lerida geschlagen, wobei sie 33 Todte verlor. Durch Regierungs- decret ist eine Commission eingesetzt worden, welche die Aufgabe hat, über die Mittel der Heeresorganisation zu berathen, Die Commission soll in 3 Mona­ten ihre Arbeiten beendet haben. Gerüchtweise verlautet von einer Mi­nisterkrisis.

Madrid, 21. Juni. Die Cortes beschlossen den Antrag Blanc, wo­nach die einzelnen Deputirten ihre Wähler zum Kampfe gegen die Carlisten mobil machen sollen, in Erwägung zu ziehen. In Barcelona machte die socialistische Partei den Versuch, ein Comitä der öffentlichen Wohlfahrt einzu­setzen, die Nationalgarde hielt indeß die Ordnung aufrecht- Gerüchtweise verlautet, daß Castelar mit einem Constitutionsproject beschäftigt sei. Daffelbe soll eine Organisation anolog den Vereinigten Staaten Amerikas Vorschlägen und folgende Haupt6estimmungen enthalten: Die Zahl der Föderativstaaten wird auf 15 festgesetzt, Cuba und die Philippinen inbegriffen. Madrid bleibt Hauptstadt. Der Präsident der Republik wird auf fünf Jahre durch das allgemeine Stimmrecht gewählt. Der Senat besteht ans gewählten Repräsen­tanten der einzelnen Staaten. Die Deputirten gehen aus dem allgemeinen Wahlrecht hervor. Es scheint, daß Castelar's Project die Cortes-Majorität für sich haben wird.

Bayonne, 21. Juni. Ein Manifest von Santa-Cruz ordnet für alle die Provinz Guipuzcoa Bereisende Pässe an. Das Manifest unterscheidet vier Classen von Reisenden nach deren socialer Stellung und bestimmt harte Stra­fen gegen die Zuwiderhandelnden. Die Pässe sollen vom 1. Juli obligatorisch sein.

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London, 20. Juni. Unterhaus. Unterstaatssecretär des Aeußern, Vis­count Einfield, erklärt, er habe gehört, daß zwischen Italien, Oesterreich und

Deutschland eine Convention wegen Aufhebung der Gepäck-Revision an den amtlich sei ihm der Wortlaut der bezüglichen

Türkei.

Konstantinopel, 21. Juni. Die Gerüchte von einer bedenklichen

anläßlich seines Geburtstages ein in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abge­faßtes Handschreiben gerichtet.

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Wien, 20. Juni. DieNeue frei Presse" nimmt Notiz von hier cir- culircnden Gerüchten, wonach aus Konstantinopel Nachrichten über den angeb­lich sehr bedenklichen Gesundheitszustand des Sultans eingelaufen wären.

8chmeiz.

Bern, 18. Juni. Wie von gut unterrichteter Seite versichert wird, hat die Exkaiserin Eugenie mit ihrem Sohne die Reise nach der Schweiz nicht bloß zum Vergnügen unternommen, sie soll vielmehr mit dem für letzteren ent­worfenen Erziehungsplane in enger Verbindung stehen. Derselbe soll nämlich seine erste militärische Ausbildung gleich seinem Vater auf dem republikanischen Boden der Schweiz erhalten, zu welchem Zwecke vorläufig die eidgenössischen Behörden sondirt werden sollen. Schwierigkeiten von dieser Seite sind wohl nicht zu befürchten; sie würden auch den hiesigen Grundsätzen nicht entsprechen und im vollständigen Widerspruche mit ähnlichen Antecedenzfällen stehen. Frei­lich ist damit nicht gesagt, daß man es nicht lieber sehen würde, wenn man für den Sohn des Kaisers Louis Napoleon III. zu solchem Zwecke die Gast- fr. undschaft eines andern Landes in Anspruch nehmen würde.

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Paris, 20. Juni. Der Präsident des Civiltribunals verfügte die Be schlagnahme des Vermögens des Communemitgliedes Courbet zur Deckung der Kosten für die Herstellung der Vendomesäule. Heute fand die Civilbeerdi- gung des Deputirten Brousses statt. Eine Deputation der Nationalversamm­lung unter Kürassier-Escorte begab sich nach dem Sterbehanse; das Geleite bis auf den Kirchhof gaben nur persönliche Freunde des Verstorbenen.

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Nom, 21. Juni. Die Kammer war auch heute nicht beschlußfähig. Der Papst empfing anläßlich seines 28. Jahrestages seines Pontificats 200 Mitglieder des Vereins der katholischen Jugend. Die Königin Isabella mit ihren Töchtern, die Cardinäle, sonstige Prälaten und andere Persönlichkeiten wohnten dem Empfange bei. Der Papst befürwortete die von dem Verein überreichte Adresse, indem er zum Gebete und zur Uebung der Sacramente er­mahnte, die Civilehe tadelte und den Wunsch ausdrückte, daß die Königin Isa­bella das Ende der Uebel ihres Vaterlandes erblicken möge. Nachdem der Papst die Versammelten gesegnet, begab er sich in den festlich geschmückten Garten.

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mit dem Kreisrath eine Körperschaft bilde; er habe allerdings kein Stimmrecht, i wohl um seinen Einfluß zu schwächen. Das ganze Gesetz habe den Zweck, das i bureaukratische Element zu beseitigen; der Vorsitzende könnte 18 oder 24 Män-1 nern gegenüber keinen allzugroßen Einfluß ausüber. Auch in Preußen habe man dem Landrath den Vorsitz gelassen; entziehe man ihm den Vorsitz, dann i dränge man ihn gerade in eine bureaukratische Stellung hinein. Goldmann ' spricht für den Vorsitz des Kreisrathes; der Einfluß des Kreisrathes als solcher sei nicht bedeutend, nur seine Tüchtigkeit verschaffe ihm diese; durch den Ver­lust des Vorsitzes entziehe man ihm einen großen Theil einer gedeihlichen Wirk­samkeit. Der Regierungscommissär erwartet, daß das Volk seine Rechte zu wahren wisse, dann werde aber der Vorsitz des Kreisrathes keine Bedenken haben. Es handle sich um die Kreiscommune, bei der eine Zusammenwirkung der Gemeinde- und Staatsorgane stattfinden müsse, und sei deshalb die Ver­tretung des Staates durch den Kreisrath nöthig. Nur aus Respect vor dem Besteuerungsrecht habe man dem Kreisrath das Stimmrecht entzogen. Der Kreisrath müsse integrirender Bestandtheil des Bezirksrathes bleiben. Auch gegen das Amendement Gebhardt's, wonach der Stellvertreter des Vorsitzen­den gewählt werden soll, erklärt sich die Regierung, da der Kreisaffeffor der Stellvertreter des Kreisrathes sein müsse, wie in allen anderen amtlichen Fällen Schaum erklärt sich ebenfalls gegen den Vorsitz des Kreisrathes; in Preußen seien die Landräthe keine eigentlichen Beamten, sondern würden gewählt, die dortigen Verhältnisse also nicht maßgebend für uns. Die Wählbarkeit desselben will er übrigens nicht ausgeschlossen haben. Der Kreistag werde nur durch Wahl seines Vorsitzenden auf eigene Füße gestellt. Der Ministerial-Director berichtigt Herrn Schaum, daß in Preußen die Landräthe vom König ernannt würden und nur11 ein bescheidenes Vorschlagsrecht bestehe. Schuchardt gibt zu, daß die Kreisräthe seither eine zu große Macht geübt haben, das sei bei der künftigen Zusammensetzung der Kreisräthe nicht möglich. Er ist also für den Vorsitz des Kreisrathes, aber auch für das Amendement Gebhardt's, wonach der Stellvertreter gewählt werden soll. Ministerial-Director v. Starck bemerkt, es werde für die Folge nicht Vorkommen, daß ein Accessist Vorsitzender des Bezirksrathes werden könne, da die Regierung beabsichtige, die Kreise bedeu­tend zu reduciren und für genügende Organe zu sorgen. Matthy kann nach den gemachten Erfahrungen nicht wünschen, daß der Kreisrath Vorsitzender des Kreistags sei; er will jedoch, daß derselbe wählbar sei. Greim glaubt, daß das Volk tüchtige und selbstständige Männer in den Bezirksrath wählen, sodann sei der Vorsitz des Kreisrathes wenig bedenklich und wird er dafür stimmen; dagegen ist er auch gegen den Vorsitz von Kreisassessoren und für die Wahl der Stellvertreter. Königer glaubt, das Princip des Gesetzes werde durch die Ablehnung des Vorsitzes des Kreisrathes verletzt. Scriba hält dafür, daß die vorher erfolgte Annahme des Antrags, daß der Bezirksrath sich eine Geschäfts­ordnung geben müsse, einen genügenden Schutz gegen etwaige Uebergriffe des Kreisrathes innerhalb des Bezirksrathes biete. Dumont vertheidigt nochmals seinen Antrag; die Stellung des Kreisrathes als Staatsbeamter widerspreche principiell der als Vorsitzender einer communalen Körperschaft, bei der er seine Anträge vorzubringen und durckzusetzen habe. Auch der Antrag über Berathun g nicht auf der Tagesordnung befindlicher dringlicher Gegenstände will er abge­lehnt wissen. Ministerialrath v. Starck bemerkt, daß alle sachlichen Gründe für die Regierungsvorlage sprechen; der Kreisrath habe keine so große Macht­stellung, der Einfluß liege in seiner Persönlichkeit. Die im Volke befindlichen Bedenken beruhten auf unrichtiger Auffassung. Man solle das Gesetz, das eine wichtige Reform bedeute, nicht wegen dieser Frage gefährden. Schaum noch­mals für den Antrag Dumont's; die Geschäftsordnung, die Abg. Scriba ver­lange, werde unter dem Einfluß des Kreisrathes gemacht und gebe daher doch keine Garantieen. Goldmann bemerkt, wenn sich die Bezirksrathsmitglieder

ihren Vorsitzenden zu wählen. Nicht nur in Städten, sondern auch auf dem, Danzig 21. Juni. Von den polnischen Flößern auf der Weichsel sind Lande seien Männer vorhanden, die zur Leitung der Geschäfte des Bezirksra- bisher an der Cholera erkrankt 42, veistorben 25, genesen 4. Wegen der thes qualificirt feien. Der Referent führt aus, daß der jetzige Bezirksrath'Zunahme der Erkrankungen ist ein drittes Lazareth im Fort Neufähr errichtet ' P1 ----- -----i(Neufähr liegt an der Weichsel, eine Meile oberhalb Danzigs, und wird von

den den Danziger Hafen besuchenden Schiffen nicht berührt). In Danzig und dem Hafen Neufahrwaffer ist bis jetzt kein Cholerafall vorgekommen.

Eins, 21. Juni. Der deutsche Kronprinz ist zum Besuch des Kaisers von Rußland dahier eingetroffen, durch Letzteren auf dem Bahnhof begrüßt. Abends findet bengalische Beleuchtung der Bäder statt.

München, 21. Juni. Der König hat an den General v. d. Tann