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*) Hier folgen einige Aeußerungen wie sie Franz Moor in SchillersRäuber" macht.

Erkrankung des Sultans sind vollständig unbegründet. Der Sulran machte gestern eine längere Ausfahrt.

Lokal-Notiz.

Gießen, den 23. Juni, folgendes Ausschreiben:

Die Großherzogliche Polizei-Verwaltung erläßt Gießen, den 23. Juni 1873.

Am Mittwoch den 28. Mai Abends gegen 7 Uhr hat sich ein sehr fein gekleideter, unbekannter junger Mann auf dem hiesigen Friedhöfe mit emem neuen Revolver erschossen. Da es bis jetzt nicht gelungen, die Identität des­selben festzustellen, sieht man sich veranlaßt, die Nachforschungen weiter aus­zudehnen.

Der Mann kann 23 bis 27 Jahre alt gewesen sein, er war schlanker Statur, hatte hellbraune, etwas gelockte Haare, spitze vorstehende Nase, voll­ständige Zähne, ovales Gesicht, keinen Bart. Er trug einen braunen Ueberzieher, schwarzen Rock, schwarze Hosen, weiße Strümpfe, Stiefeletten mit Doppelsohlen, feines Faltenhemd, schwarzen spitzen Hnt, einen goldenen Ring in Form eines Traurings ohne Nameszeichen. Im Gasthof ließ er einen braunen Handkoffer mit vielen Effecten, darunter mehrere feine Falterihemden, einen braunen seidenen Regenschirm, einen braunen Knotenstock mit goldenem Plättchen zurück. Die Wäsche war durchaus F. R. (meist mit gestickten gothischen Buchstaben) ge­zeichnet. Es fand sich unter den Sachen nichts vor, was über Namen und Heimath des Todten Aufschluß geben könnte. Nach vorgefundenen, von seiner Hand geschriebenen Notizen war er am 6. Mai in Triest, am 8. Mai in Wien, am 23. Mai in Köln. In der Nacht vom 21. zum 22. Mai hat er imKarpfen" zu Mainz logirt, wo er sich:Friedrich Riedl, Bahnbeamter von Wien" ins Fremdenbuch eingeschrieben hat. In Wien ist aber der Name Riedl nicht bekannt. Nach einer andern mit Bleistift ge­schriebenen Notiz scheint er eine Reise über Nürnberg, Gunzenhausen, Nörb- lingen, Donauwörth, Augsburg, Kempten, Lindau nach Chur (Schweiz) ge­macht zu haben.

Am 24. Mai kehrte er, von Köln kommend, im Rappen dahier ein, wo­selbst er aber nicht nach Namen, Stand und Heimath gefragt wurde. Das Dienstpersonal des Gasthofs meint, der Fremde habe den östr eich isch en Dialect gesprochen. Nachdem er hier zwei Nächte logirt und dabeiWertheFs Leiden" gelesen hatte, bezahlte er seine Zeche und entfernte sich am 26. Mai mit leeren Händen, indem er seine Effecten im Gasthofe zurückließ. Wo cr sich am 26. und 27. Mai anfgehalten, ist nicht bekannt; vom 27. zum 28. Mai logirte er in dem benachbarten Dorf Rödgen, am 28. Mai Mittags fand er stch auf dem hiesigen Friedhöfe ein und nachdem er sich die Grabsteine mehrere Stunden lang angesehen hatte, tödtete er sich mittelst eines Schusses in die rechte Schläfe.

In einem an die hiesigen Studenten gerichteten,an Seine Hochehrwürden den Herrn Rector der Universität" adressirten Briefe kommen folgende Stellen vor:

Ich habe eine Mutter, die ich gerne vor meinem Tode noch geküßt hätte ich riß mich los und ging weit weg von meiner Heimath hierher, um den Meinen das Herze­leid zu ersparen. Sie wissen nichts von mir ich bleibe für sie blos verschwunden-, verschollen.

Noch Eins! Wenn ich auch viel verschuldet Eine hat auch Theil an meinem Geschick ich will nicht mit Groll die Welt verlassen, ich verzeihe ihr das Leid, daS sie über mich gebracht.

Und nun Collegen bitte ich Euch, für meine Beerdigung zu sorgen......

Ich will in den Kleivern, in denen man mich findet, unberührt begraben sein. Meinen Leichnam zu seciren, ist nicht nöthig, wozu auch? Was würde man auch darin finden? Ich bin nicht unzurechnungsfähig, ich sterbe bei vollem klaren Bewußtsein. Und nun lebt wohl! Habt Mitleid mit dem Geschicke des fremden unbekannten Collegen, erfüllt den letzten Willen eines Unglücklichen.

F. R.

Nachschrift:

. Die silberne Taschenuhr könnt Ihr auch verschenken. Den Ring

laßt mir

Ohne Zweifel hat der hier beschriebene junge Mann einer Familie ange­hört, welcher viel daran gelegen ist, daß der Tod ihres Sohnes und Bruders festgestellt werde.

Die resp. Sicherheitsbehörden, insbesondere die in den deutschen Universitäts­städten, werden daher ersucht, uns gefällig Nachricht zu geben, wenn ihnen be­kannt sein sollte, wo ein junger Mann Namens Friedrich Riedl wohnhaft gewesen ist, oder ob ein anders heißender junger Mann, dessen Namen mit den Anfangsbuchstaben F. R. geschrieben wird, vermißt wird.

Großherzoglich Hessische Polizeiverwaltung Nove r.

Vermischtes.

Geestemünde, 17. Juni. Ein hiesiger Anwalt ist mit der Ermittelung der Erben eines in Holland depontrten Bermögens beauftragt; dieselben sollen vor ca. 20 Jahren nach unserer Gegend verzogen, später aber nach Amerika ausgewandert sein und haben sicher keine Ahnung, daß ihnen nach so langen Jahren eine Erbschaft zufällt, auf welche sie gewiß nicht gerechnet haben. Die näheren Umstände sind außerordentlich genug, um wiedergegeben zu werden. Vor ungefähr 25 Jahren bewohnte eme sehr reiche Wittwe mit ihrer Tochter ganz allein ein Haus in Amsterdam. Eines Tages fanden Besucher die Fensterläden und die Thür verschlossen und an letzterer einen Zettel:Wegen Abreise 8 Tage geschlossen." Man kümmerte sich nicht weiter darum; als aber 14 Tage, 3 Wochen vergingen, ohne daß vas Haus geöffnet wurde, schöpfte man Verdacht, benachrichtigte die Polizei und diese ließ die Thür sprengen. Ein schrecklicher Anblick bot sich den Anwesenden dar. Mutter und Tochter lagen todt und schon stark verwest in ihrem Schlafzimmer; man hatte ihnen den Hals abgeschnitten. Alle Möbeln waren erbro­chen und bedeutende Wcrthe in Papieren, baarem Gelbe und besonders in Diamanten, verschwun­den. Alle Bemühungen der Justiz, den Thäter aufzufinden und eine Spur von dem gestohlenen Gute zu entdecken, waren vergebens und endlich wurde die Sache ad acta gelegt. Jetzt, vor wenigen Wochen, führte der Zufall eine Lösung des Räthsels herbei. Man brach ein Haus ab, welches unmittelbar neben demjenigen stand, in welchem der Mord geschehen war, und fand in dem kaum 1 Fuß breiten Zwischenräume ein Skelett eingezwängt. Unten lag ein Ledersack welcher außer einer bedeutenden Summe Geld die Werthpapiere und Diamanten enthielt, welche bei dem Morde gestohlen waren. Die Lösung ist einfach. Der Mörder hatte sich nach voll­brachter That über das Dach des Nachbarhauses retten wollen, war ausgeglitscht und in den zwischen beiden Häusern befindlichen engen Raum gefallen, und dort dermaßen cingezwängt wor­den, daß er entweder erstickt oder Hungers gestorben war.

Gießen, den 25. Mai 1873.

Wechsel.

Amsterdam

Oberhessen

727$.

6

Pistolen

9 3840

Amerik. Bonds

Augsburg Berlin Bremen Brüssel

Hamburg Leipzig London Lyon Paris Wien ditto ditto

Disconto

5°/0 Elisabeth.-Prior. 86 i/2 do. II. Emiss. 833/<

Oestr. 1858r 1860r 1864r

Börsennachrichten.

21. Juni 1873.

Prioritäten, östr. Stsb. Prior. 595/8 östr s. Lombard 49 ,/2 Livorneser 34 Toscaner 553/4

k.. 8. 973/4 k. 8. 997/a k. 8 1047/8 k. 8. 1051/e k. 8. 933/8 k. 8. 105i/8 k. 8. 105 k. 8. 118 k. 8. k. 8. 923/8 k. 8. 104 m. 8.

I. 8. 1035/d 0/0

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fl. kr.

Pr. Friedrdor 957i/a

30/0 3%

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5°/o

fl. 250 v. 1854 Prioritätsloose Loose 921,2

n 158'

Actieiie

Frankf. Bank 145

Frankf. Vereins-Kasse 119

Darmst. Bankact. 422 >/r Wien Bankactien 1042 Oest. Creditaot. 280 Galizien 122

Aciien.

5% östr. F. St. E. B. 350

Lombard. Bahn 201

Ludwigsh. Bexbach 1881/2

Maxbahn 129

Bayer. Ostbahn 121 Rhein-Nahebahn-Act. Hess. Ludwigsb.-Act.

Anleliensloose«

Darmstädter fl. 50Loose 204

Kurh. 40 Thlr. Loose 693 4 Nassau 25 fl. Braunschweiger 233/4 *

3° 0 Oldenburg, ä 40Thlr. 40;0 bayr. Präm.-Anl. 1107/e 4°/o badische Locse 109 Badische fl. 35 Loose

2812) Das Annoncen -Bureau von Rudolph Mosse, vertreten durch Heidingsfelder in Gießen, ist für die Beförderung von Inseraten jeden Inhalts, wie Empfehiungsanzeigen, Kauf- und Verkaufgesuche, Stellengesuche, Familiennach-

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Spanier, neuest. 8°/o IS1/«

- ' 1881r 99-.

1882r 961,8

1885r 97' 4

1887r 98

Preuss. 47g0/g Oblig. 104 >,4 Frankf. 3 i/g°/o Oblig- 87 Nass. 41/2°/o Obi.

Kurhess. 4»/" 97 Gr. Hess. 53,0 Obi. 1013/4

» 40/0 99

n 31/2o/o 96

Bayer. 50/0

4i,60/0 1jährige

40,0 1jährige 933/8

Würtemb. 4l/2°/o Obi. 100 /8 Baden 4i/20/0 ObL c. E. L. 100% Oesterr. Silberrente 653/6

Papierrente 605/6

Studenten!

Ich richte meine letzten Worte an Euch in der Voraussetzung, daß Ihr selbe berücksichtigen und meiner Bitte Genüge leisten werdet."

Das Leben ist der Güter höchstes nicht, Der Nebel größtes aber ist die Schuld."

Ein Wahrwort, das ich nie tiefer, nie wahrer empfunden als jetzt ! Spät, und doch bin ich zur Erkenntniß gelangt, daß mein ganzes Dasein ein Leben der Sünde, ein Leben der Schuld ist. Ich hoffe kaum, All' Dies sühnen zu können. Vom ersten kindlichen Vergehen an bis zu meiner letzten Schlechtigkeit ist mein Leben nichts als Lüge. Verstellung, Sünde! Und Das was meine letzte That werden soll, wohl weiß ich es; es wird die größte Sünde sein, doch kann ich nicht anders, als meinen Vor- thaten die Krone aufsetzen, mich zu tobten! Ha! Da habt Ihr mein ganzes Leben: geboren, verdorben, gestorben!"Von Kindheit auf war mir das Gold die Sonne, deren Strahlen mich entzückt, die mich belebten, die mich anzogen und der Mammon, dieser höllische Schein, ward auch das Irrlicht, das mich dem finsteren Abgrunde zuführte, in den ich mich stürzen muß. Wohl weiß ich, daß Selbstmord eine That ist, die nicht mehr gesühnt werden kann , doch ich bin wie ein insolventer Kaufmann, der em ehr­licher Mann sein will und seine Schulden durch Ausgleichin Prozenten" tilgt. Er ruinirt sich dabei, er giebt sein Alles hin, und doch bezahlt er nicht ganz. Ich sühne mein Leben durch meinen Tod, doch den Tod - den Selbstmord selbst - kann ich nicht sühnen. Wenn es wahr wäre, daß es ein Jenseits giebt?! Ich mag daran nicht glauben! Die Erde die Freude, das Leid, - das ist das Paradies, das ist der, Himmels Eine KinderjahreWie so hoffnungsvoll gestaltete es sich in'

meiner Studienzeit?! Wohl war ich berechtigt zu den schönsten Hoffnungen; alles war mir gut, alles ging nach meinen Wünschen. Da später va kam eme Zeit: 0 ich. mag nicht an sie denken, und doch, der Gedanke an sie will nicht weichen es ist zum Rasendwirden! Von da an istUnschuld, Freude, Leben" - dahm, alles dahin, es verwandelt sich in Sünde, Qual und Tod! ,

Von da an verfolgt mich die Nemesis durch eine innere Stimme; die Gewiffens- bisse 0 ich kann sie nicht crtödten!- wachsen wie das Medusenhaupt!! ......

Golb undLiebe", Verschwendung und Schwelgerei, Ausschweifung und Unzucht und endlich eigenes Verderben. Das ist der Inbegriff eines kurzenschnellen" Lebens. . . . . Seit ich Göthe's Werth er gelesen, wird es mir leicht, zu sterben. Freilich, Weither ist ein Heiliger, mit dem ich mich nur in einem Punkt vergleichen kann. Werther <vlv , ..... -

das Leid der Liebe durchkostet tote es war bitter! und ich suchte cs zu e^ jrieten u- s- w. als besonders zuverlässig zu empfehlen, tobten im Laster! *) - ~ ---------------------------------

Allgemeiner Anzeiger.

Besondere Bekanntmachungen.

Bekanntmachn ng.

2912) Die verfallenen Pfänder müssen längstens bis zum 5. des nächsten Monat prolongirt werden, widrigenfalls dieselben auf öffentliche Versteigerung kommen.

Gießen, den 21. Juni 1873.

St. Grünbau m.

wegen kann die auf den 26. d. Mts. ttn hiesigen Stadtwalde anberaumte Holzver­steigerung nicht an diesem Tage, sondern erst

Freitag den27. 1, Mts.,

Morgens 8 Uhr anfangend, abgehalten werden, was hiermit zur öffent­lichen Kenntniß gebracht wird.

Butzbach, den 21. Juni 1873.

Grotzherzogliche Bürgermeisterei Butzbach. Küchel.

meindewiesen meistbietend versteigert werden.

Leihgestern, den 21. Juni 1873.

Großherzogliche Bürgermeisterei Leihgestern.

(2886) H e ß.

HengraS Versteigerung.

2885) Donnerstag den 26. d. Mts.,' Vormittags von 9 Uhr an,

soll das Heugras von den hiesigen Ge­meindewiesen an Ort und Stelle versteigert werden

Der Anfang ist in der Lehmkaut am Weg nach Groß-Buseck.

Alt Buseck, am 20. Juni 1873.

Großherzogliche Bürgermeisterei Alt-Buseck.

W a g e n b a ch.

2284) Donnerstag den 26. l M-, Nachmtstags 2 Uhr,

soll das Heugras auf der hiesigen Pfarr- wiese versteigert werden.

Alt-Buseck, am 20. Juni 1873.

Wagenbach, Bürgermeister.

2882) Mittwoch den 2o. Juni, Vormittags ',29 Uhr, wird ein junges Pferd am Promenadehaus freiwillig versteigert.

Bekanntmachung.

2883) Eingetretener weiterer Hindernisse

Künftigen Donnerstag, den 26. Ium, Vormittags 9 Uhr, soll das Heugras von den hiesigen Ge-

2906) Ein Arbeiter und ein Lehrling gesucht von Karl Gut bub, Schuhmacher