Fulda, 16. October. Der verstorbene Bischof hat den Regens des Priester-Seminars, Komp, zum Testamentsvollstrecker ernannt. Zum Bisthums- Verweser wurde der Dom-Dechant Labrenz erwählt.
Stuttgart, 16. October. Der „Schw. Merkur" berichtet aus Heidelberg, Prof. Treitschke habe einen neuen Ruf nach Berlin erhalten, welchem er unzweifelhaft folgen werde, nur sei es noch fraglich, ob er im Frübjahr oder im Herbst nächsten Jahres nach Berlin übersiedeln werde.
Lokal-Notiz.
Gießen, 17. Oktober. Vorgestern Abend wurde in der Sonnenstraße in einem Cafö ein Nest von Nacktvögeln (vulgo Streichschnepfen) ausgenommen. Der Ncsthuttch wird sich jedenfalls über Kuppelei zu verantworten haben. Gleichfalls wurde ein Fräulein wegen zu starkem Annectionsgefühl bei einem hiesigen Docker, sowie wegen starker Parlirung des Französischen in Haft genommen.
England.
London, 16. October. Die liberalen Journale billigen die Antwort des Kaisers Wilhelm auf den Brief des Papstes und drücken die Sympathieen des protestantischen England für Deutschland in seinem Kampf gegen die päpstlichen Prätensionen aus. Die „Times" sagt bei Besprechung des päpstlichen Briefes, man könne sich nicht leicht einen Brief denken, welcher unter der Maske der christlichen Liebe so viele unerträgliche Beleidigungen enthalte. Die Stellung Englands Rom gegenüber gleiche derjenigen Deutschlands. Das Rom, welches Deutschland beunruhige und mit Zerstückelung bedrohe, sei dasselbe Rom, welches mit jeder Art von Aufsässigkeit in England fraternisire. Das Papstthum sei der gemeinsame Feind, gegen den die Mächte von Europa zu streiten haben werden. „Daily News" und „Daily Telegraph" sprechen sich in demselben Sinne ans. Der Ton der conservativen Journale ist reser virter und weniger sympathisch für Deutschland.
Amerika.
New-Uork, 14. October. Privatnachrichten zufolge hat die Baum- wollerndte in letzter Zeit noch erheblich durch die Dürre, sowie durch Würmer gelitten, namentlich in Arkansas und Tennessee. Die Maiserndte hatte — jedoch ohne besonderen Schaden — einige Fröste erhalten. Die Aussaat von Winterwaizen war in größerem Maßstabe als sonst erfolgt.
— Nach aus Shreveport eingelangten Nachrichten war das dort herrschende gelbe Fieber im Abnehmen. Die Gesammtzahl der bis jetzt daran Verstorbenen betrug 600.
New-^ork, 15. October. Die in Ohio, Pennsylvanien, Iowa unb Columbia gewählten Republikaner haben eine geringere Majorität erlangt, als bei den letzten Wahlen. In Oregon ist der demokratische Candidat gewählt worden.
— Der Abschieds-Gottesdienst der evangelischen Allianz ist am 12. October unter ungeheurem Andrange gefeiert worden. Ein furchtbarer Sturm brach am 10. October, Abends, über Havannah herein. Die See wälzte sich über die Schiffe, welche den Hasen verließen. Der Leuchtthurm und die Telegra- phenleitung auf der Insel wurden gänzlich zerstört und mehrere Schiffe an'S Land getrieben.
Oesterreich.
Wien, 16. October. Sämmtliche liberalen Blätter Wiens feiern die Antwort des Kaisers Wilhelm auf das Schreiben des Papstes als ein epochemachendes Ereigniß, das jeden Deutschen mit Stolz erfüllen müßte.
Frankreich.
Pari-, 15. October. Mac Mahon verweigerte die von den Ministern geforderte Landesverweisung des Prinzen Napoleon.
Die Regierung geht gegen die Prcffe mit äußerster Strenge vor. Im Seine- und Marne-Departement ist, mit Ausnahme des „Figaro" und fünf anderer Blätter, allen anderen Journalen der öffentliche Straßenverkauf entzogen worden.
Die Beschlagnahme der Photographieen vom kaiserlichen Prinzen ist wieder aufgehoben worden.
— Thiers erhielt am Donnerstag den Besuch des Grafen Arnim und dinirte am Freitag bei Odo Russell, dem englischen Botschafter in Berlin.
neuerdings sehr auf Erledigung der Sache. — In der Untersuchung wider Pfarrvikar Basset, welcher nach fortgesetzten Diebstählen zum Nachtheilc zweier Ktrchenkassen das Weite gesucht hat, ergab sich bis jetzt unter andern das interessante Resultat, daß dieser würdige geistliche Herr die Civilstandsregister während dreier Jahre nicht fortgeführt hat; es droht begreiflich die größte Verwirrung. Ein Theil derselben wird sich zwar bis auf das letzte Jahr aus den gerichtlichen Duplikaten ersetzen lassen, allein bei andern fehlt dieses Ersatzmittel und für das letzte Jahr wird man Geburten und Todesfälle aus dein Gcdächtniffe in Einnahme und Ausgabe dekretiren müssen. Die That- sache, daß in drei Jahren keine Visitation stattgefunden, hat eigenthümliche Gerückte wachgernfen, die durch eingelaufene Briefe des Flüchtigen Bestärkung fanden, wir hoffen, daß sie sich nicht bestätigen. Dieser Fall möge aber beii Staat um so mehr anfeuern, die Führung so wichtiger Dokumente den völlig ungeeigneten geistlichen Händen, die sie nur als Nebensache behandeln, zu entziehen und eigenen verantwortlichen Stellen zu übertragen. — Das Ministerium hat sich heute über seine Haltung gegenüber dem Schulgesetzentwurf und der ersten Kammer der Stände schlüssig gemacht. Es steht fest, daß das Ministerium die Schulreform durchzuführen entschlossen ist, ja der Director des Ministeriums des Innern, Herr v. Starck, scheint diese Durchführung als eine Bedingung seines längeren Verbleibens im Amte zu betrachten. Wenn wir recht berichtet sind, so hat das Ministerium die Hoffnung nicht aufgegeben, bei der Rückkunft des Entwurfs aus der die früheren Beschlüsse aufrecht haltenden zweiten Kammer in das Haus unserer Pairs eine Majorität für den Entwurf zu gewinnen, gleichzeitig aber den Beschluß gefaßt, im Falle der wiederholten Ablehnung des Entwurfs durch die erste Kammer die Session zu schließen, dem neuen Landtage den Entwurf wieder vorzulegen und ihm auf dem Wege der Durchstimmung die erforderliche Majorität zu verschaffen. Die liberale Partei kann sich bei dieser Haltung des Ministeriums vollkommen beruhigen.
(N. Fr. Pr.)
Mainz, 14. October. Endlich soll, wie aus guter Quelle verlautet, auch hier wieder etwas „Schutt" hinweggeräumt werden. Die Pensionirung des Geheimen Raths Schmitt, des treuen Freundes und Nachfolgers unseres unvergeßlichen Kreisraths und späteren Ministers von Dalwigk, ist beschlossen und soll in der Kürze vollzogen werden. Als sein Nachfolger iii der wichtigen, auch äußerlich sehr gut ausgestatteten Stellung wird der Provtnzial-Director und Kreisrath Dr. Goldmann zu Darmstadt genannt. Herr Goldmann wird Berge zu versetzen finden, und dieses nicht, wie der Apostel Paulus meint, nur mit dem Glauben und der Liebe fertig bringen. Was die Jesuiten und ihre dienstbaren Geister aufschießen ließen, wird nur mit schwerer Arbeit weg- zuräumen sein. (Franks. Journ.)
Berlin, 14. Oct. Das Reichs-Eisenbahnamt hat, wie die „Spen. Ztg." hört, Anlaß genommen, die Bestimmungen in den §§ 9 und 14 des Betriebs - Reglements für die Eisenbahnen Deutschlands ihrer Verwirklichung entgegen zu führen. Diese Bestimmungen setzen bekanntlich fest, daß die Billet- und Gepäck Expeditionen resp. die Wartesäle auf den Stationen mit größerer Frequenz spätestens eine Stunde, auf den Stationen mit geringerer Frequenz mindestens eine halbe Stunde vor Abgang eines jeden Zuges geöffnet sein uni ff cn, und der Btlletverkauf innerhalb der gleichen Frist stattzufinden hat, sofern nicht zwischen zwei nach derselben Richtung abgehenden Zügen eine kürzere Zwischenzeit liegt. Die zur Regel gewordene Nichtbeachtung dieser Vorschrift in Verbindung mit der häufig durchaus unzweckmäßigen Lage der Schalter erschwert dem Reisenden die rechtzeitige Lösung eines Billets; sie wird insbesondere bei gesteigertem Verkehr zu einer Plage des Publikums, das ost nur unter Drängen und Stößen in den Besitz eines Billets gelangen kann und führt alsdann Scandalscencn herbei, wie sie auf einzelnen Berliner Bahnhöfen oft beobachtet und durch die Presse, allerdings bisher ohne nennenswerthen Erfolg, gerügt sind. Die vom Reichs-Eisenbahnamt gegebene Anregung ist daher sehr erfreulich und wir hoffen von derselben auch eine günstige Rückwirkung auf die Regelmäßigkeit des Betriebes, da eine verspätete Billetlösung, der nicht selten eine mangelhafte und unzureichende Disposition über die Wagen hinzutritt, in der Regel auch eine verspätete Abfahrt und Ucberlastung der Züge zur Folge hat. Nothwendig wird es freilich sein, daß die Stationen, auf denen die Oeffnung der Dtensträumc eine Stunde vor Abgang der betreffenden Züge zu bewirken ist, zur Kenntniß des Publicumö noch durch Anschlag am Schalter gebracht werden, da eine wirksame Controle nur vom Publicum selbst geübt werden kann.
Kassel, 14. October. Es wurde bereits früher mitgetheilt, daß der Handelsminifter beschlosicn habe, die Locomotivführer der preußischen Staatsund der unter Staatsverwaltung stehenden Bahnen in die vierte Classe des Wohnungsgeld Tarifs einzurcihen, während die Zugführer in der fünften Classe verblieben sind. Heute haben nun sämmtliche Zugführer der hessischen Nordbahn — 16 an der Zahl — eine Collectiv - Eingabe an den Handelsminister gerichtet und in derselben um Gleichstellung mit den Maschinenführern gebeten. Begründet wird die Petition einerseits damit, daß die Zugführer mit den Maschincnführcrn mindestens in gleichem Range stehen, sowie andererseits nut dem Umstande, daß der Servisbetrag der fünften Classe wesentlich geringer ist, als der der vierten Classe. Die Zugführer der Main-Weser- und Bebra- Hanauer-Bahn wollen denselben Weg wählen, um die ihnen gewordene Zurücksetzung zu beseitigen. Je nach Umständen haben die Beschwerdeführer eine Vorlage beim Landtage in Aussicht genommen. Es bleibt zwar die Ausführung keines Finanzgesetzes ohne Härten und Widersprüche; auffallender aber sind solche noch nicht an den Tag getreten, als gerade in dem vorliegenden Falle.
Melsungen, 16. October. Heute Nacht ist abermals ein starker Brand ausgcbrochen. Es sind bereits über 20 Häuser niedergebrannt. Das Feuer dauert fort.
Vermischtes.
— Das Direktorium be8 „deutschen Lokomotivführer - Vereinö" hatte zur eingehenden Beantwortung den Zweigvereinen folgende Fragen vorgelegt- „Welches sind die Ursachen der Eisenbahn-Unglücksfälle?" und „Welches sind dic Mittel, um die Beseitigung, resp. Verminderung derselben herbeizuführen?" In einer kürzlich Statt gefundenen Versammlung wurde nach langen und eingehenden Debatten die Beantwortung der betreffenden Fragen wie folgt festgestellt. I. Hauptsächlich: a) die mangelhafte Beschaffenheit der Strecke, b) die incorrecte und nicht genug gewissenhafte Bedienung der Weichen, c) die in letzter Zeit namentlich so häufig vorgekommene Annahme ungeeigneter oder unzulänglicher Kräfte beim praktischen Fährbetriebe. II. In Bezug, auf die Frage „Welches sind die Mittel um die Beseitigung, resp. Verminderung der Unglücksfälle herbeizuführen?" wurde darauf hingewiesen: a) daß mehr Fleiß auf die Instandhaltung der Strecke verwandt werde, b) daß nur verantwortliche Beamt«' mit der Bedienung der Weichen betraut werden, so wie daß die Bahnwärter des Nachts schärfer controlirt werden, c) daß die Stationsbeamten in Bezug auf das Folgen der Züge und Maschinen die größte Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit beobachten, stets ihren Dienst selbst versehen, sich nicht, wie oft vorgekommen, durch Weichensteller oder auch Arbeiter vertreten lassen, und daß dieselben mehr praktisch als bisher ausgebildet werden; d) daß das optische Signalwesen einer gründlichen Reform unterworfen wird, und daß das ganze Zugpersonal mit verantwortlich gr-
Darmstadt. 15. Oct. Der Wiederzusanuneutritt der zweiten Stimmer findet am 17. d. Mts.. Vormittags, statt. Mit dem Tode des Bischofs aekt bis 20. I. M. ist noch nicht entschieden. Inzwischen hat der Finanzausschutz die Machtbefugniß desselben ans das Dom-Capitel über, welches einen Cavilels. mehrere Sitzungen gehalten, um einige neue Vorlagen und Anträge in Erledi- Verweser erwählt, dessen Bestätigung zum Bisthums-Vcrweser dem Papste un- gung zu bringen; von diesen verdient und erregt die Vorlage wegen eines Zu- terliegt. Die Neuwahl des Diöcesan-Bischofs findet nach den Bcstinimunaen schusses zu dem Theaternenbau besonders Interesse, der Vorsitzende des Aus-^der Bulle Provida solersque vom Zahre 1827 statt. ö
schusses, Abg. Metz, hat das Referat hierüber selbst übernommen. Das Mini-^ ~ ‘" *
sterium, das dem Landtage keine allzulange Dauer zu versprechen scheint, drängt
macht wird in Betreff des Haltens auf das Signal der Dampfpfeife. Als dringend nothwendig wurde hierbei hervorgehoben, daß bei den Personenzügen der Sckaffnerdienst vom Bremscr- c*- ' i, es l < -c . „ „ ,r, , _ dienst getrennt wird, ferner, daß daS Umsetzen der Züge nur auf Nebengeleisen und nicht auf
tylllöd, 14. October. Die Beisetzung des Bischofs Kött in dem Dome Hauptgeleisen Statt finden darf; e) daß die Verwaltung vom Dau getrennt wird und daß


