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seine akademische Bildung und die Freundschaft so vieler Trefflichen und wäre er doch von der letzteren in den 60er Jahren beinahe in bte zweite Kammer gewählt worden, wenn nicht einige schlechte Menschen dazwischen getreten waren! Wer im Stande war, längere Zeit in der unmittelbaren Nähe des großen Mannes auszuharren, wird uns beistimmen, wenn wir behaupten: Metz liebt nächst der Jungfrau Germania nur noch die Wissenschaft und ihre Trä­ger' Aber Alles hat seine Zeit und seine Grenze. Die Bevölkerung der Residenz Darmstadt ist ganz rabiat auf das Polytechnikum versessen und möchte wo möglich die Landesuniversität noch dazu haben. Würde nun unser Metz sich diesem Strome der öffentlichen Meinung entgegenstemmen, so wäre leicht die Stellung gefährdet, die er zum Heile unseres Landes gegenwärtig einnimmt. Niemand außer ihm könnte das Ministerium Hofmann nach oben und nach unten stützen, wie sein Bruder, der schöne Ignatius, Jedem der es hören will versichert. Es mußte also lavirt werden. Wenn, so mag unser August calculirt haben, alle Anforderungen für die Universität Gießen vom Finanzausschuffe und den Ständen verwilligt werden, so ist die Form, unter welcher das geschieht, verflucht gleichgültig, gänzlich Wurscht. Manchmal wird ja ein moralischer Lump zum großen Manne emporge- schwrndelt; warum sollte man nicht auch einmal Männern von Ehre einen Klecks anhängen dürfen? Reden wir also frisch von der Leber weg vonklein­lichem Neptonismus, beschränktem Brodneid" und dergl. mehr. Wer uns kennt, weiß wie es gemeint ist. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe; Darmstadt hat den Ruhm und Gießen das Geld!

Meine Liebchen, was wollt Ihr noch mehr?"

Ein solcher Mann sollte kein ernster und ehrlicher Politiker sein? So etwas wird uns Niemand, die ganze Universität nicht, einreden können!

Deulfdj(Qiii).

Darmstadt, 14. Juni. Die Landstände haben heute das Finanzgesetz auf 6 Monate prorogirt und beschlossen, eine Glückwunschadresse an den Groß­herzog aus Anlaß des Negierungs-Jubiläums zu richten.

Berlin, 11. Juni. Für den Fall der Berathung der Civilehe sollen die Ultramontanen gedroht haben, das Haus beschlußunfähig zu machen. Ca- nonicus Graf Galen hat seine durch Verletzung des Kanzlerparagraphen ver­wirkte vicrwöchentliche Festungshaft in Wesel angetreten. Die Collectivnote der Bischöfe traf merkwürdiger Weise gerade an demselben Tage im Cultus- ministerium ein, an welchem dieses den Befehl an die Oberpräsidenten hatte ergehen lassen, die Bischöfe zur Mitwirkung bei der Ausführung der Kirchenge­setze aufzufordcrn. Hierdurch ist das sonst unverständlichefrenndliche Ersuchen" der Oberpräsidenten erklärt.

Der preußische Gesetzentwurf wegen des Staatspapiergeldes beantragt Ausgabe von Reichspapiergeld in Höhe von 1 Thlr. pro Kopf und gleichzeitige Einziehung des sämmtlichen Staatspapiergeldes. Seitens Sachsens, Bayerns 2C. wird beantragt, den Termin für Einziehung des Staatspapiergeldes bis zum 1. Januar 1875 auszudehnen und den Staaten einen höheren Betrag an Reichspapiergeld zur Verfügung zu stellen, um ihnen die Deckung des Ausfalles zu erleichteru. Dieser Betrag soll indessen die Hälfte des Nestes des Staats­papiergeldes, nach Abzug der entsprechenden Quote an Reichspapiergeld, nicht übersteigen.

Berlin, 13. Juni. Der Reichstag nahm im weiteren Verlauf der heutigen Sitzung den Lasker'schen Antrag fast einstimmig an. Nachdem der Reichskanzler gegenüber Hoverbeck noch bemerkt hatte, daß der Mangel der Diäten mit der Beschlußfähigkeit des Hauses nicht Zusammenhänge, was eine vergleichende Liste der fehlenden Abgeordneten und der Einkommensteuer-Liste ergebe, schritt das Haus zur dritten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Errichtung eines Reichs-Eisenbahuamtes. Der Abg. Bamberger erwähnte im Laufe der Debatte die Begünstigung der Mont-Cenis-Linie Seitens der in französischen Händen befindlichen lombardischen Bahnen, zum Nachtheil der dem deutschen Verkehr dienenden Brenner-Linie, welche auch im italienischen Parla­mente angeregt worden sei. Der Reichskanzler erwiderte darauf, daß der deutsche Gesandte in dieser Angelegenheit bereits im Sinne Bamberger's instruirt wor­den sei, doch würde er (der Reichskanzler) weiteres informatorisches Material Bamberger's gern benutzen. Das Haus vertagte sich darauf, nachdem noch eine längere Debatte über den Gesetzentwurf in der ihm in zweiter Berathung gegebenen Fassung und eine von Lasker und Genossen beantragte Umarbeitung desselben stattgefunden hatte.

Berlin, 13. Juni. Der Bundesrath hat sich gestern für die Ausgabe von Reichspapiergeld im Gesammtbetrage von drei Mark oder einem Thaler pro Kopf der Bevölkerung ausgesprochen, jedch einen definitiven Beschluß noch Vorbehalten.

Berlin, 14. Juni. DemDeutschen Wochenblatt" zufolge gilt es in Regierungskreiscn für wahrscheinlich, daß die Herbst-Session des Reichstages im November beginnen und den December hindurch dauern soll, worauf der preußische Landtag, kurz vor dem verfaffungsmäßigen letzten Termin, im Ja­nuar einberufen würde. Demselben Blatt zufolge werden in dem voll Deutsch­land mit Persien abgeschlossenen Vertrage den deutschen Consuln größere Rechte und dadurch dem delltschen Handelsstande größere Rechtssicherheit gewährt.

München, 13. Juni. Das Münchener Altkatholiken-Comite hatte noch vor der Bischofswahl eine Eingabe folgenden Jilhalts an das bayerische Cul- tusministerium eingesendet:Angesichts der am 4. Juni bevorstehenden Wahl eines Bischofs für die vom alten Glauben nicht abgefallenen Katholiken Deutsch lands erachten die 2C Unterzeichneten es für pflichtmäßig, all Ew. kgl. Majestät Staatsregiermrg die Erklärung zu richten, daß sie den ihrerseits zu dieser Handlung Deligirten den Auftrag gegeben haben, an der Wahl eines Bischofs nur unter dem ausdrücklichen Vorbehalt Theil zu nehmen, daß der gewählte Bischof erst dann über bayerische Staatsangehörige seine Jurisdiction zll erstrecken habe, wenll von Seite der hohen Staatsregierung seine Anerkeilnung oder die Erklärung, daß seiner Wirksamkeit im bayerischen Staatsgebiete kein Hinderiliß entgegellstehe, erfolgt sein werde." Man ist natürlich gespannt, wann und wie diese Erklärnng erfolgen wird.

Metz, 9. Juni. Folgende in einem lothringischen Dorfe vorgekommene Thatsache, die für die clericale Wühlerei charakteristisch ist, wird demRh. C." mitgetheilt: Ein geistlicher Herr hat dort, glaubwürdiger Nachricht zufolge,

von der Kanzel herab gepredigt:Feige Memmen seit ihr, Nichtswürdige, nur einer unter euch hatte den Muth, für sein Vaterland einzustehen, optirte für Frankreich; ihr anderen bliebet alle da." Diese an die jungen militärpflichtigen Leute des Dorfes gerichtete Ansprache erzeugte aber nicht die gewünschte Wir­kung, iydem alle sofort die Kirche verließen. Der Vorsteher des Dorfes aber wußte, was seines Amtes ist, und unterließ nicht, den für Frankreich schwär­menden geistlichen Herrn, der Unfrieden in seine Gemeinde zu säen bestrebt war, ur Anzeige zu bringen, und so wird denn unserem Eiferer Gelegenheit geboten werden, einmal ernstlicher über die wahren Aufgaben eines Geistlichen und peciell über die wahre Bestimmung der Kanzel nachzudenken.

tzchmeiz.

Bern, 12. Juni. Der Bundesrath verlangt von der Züricher Regie­rung einen Bericht über das russische Decret, welches den Russinnen von 1874 an den Aufenthalt an der Züricher Hochschule verbietet. Der Bundesrath hat die zweite Berathung der Bundesrevision begonnen. Der Große Rath von St. Gallen erklärte den Antrag auf Ausübung des Placetrechts und Revision der confessionellen Gesetze im Sinne einer größeren Gemeinde-Autonomie als erheblich.

Bern, 13. Juni. Der Regierungsrath des Cantons Schaffhausen erläßt eine Proclamation, welche das Volk auffordert, seinen Wünschen bezüg­lich der Verfassungs-Revision Ausdruck zu geben.

Bern, 14. Juni. Sämmtliche in Zürich studirende Russinnen, mit Ausnahme von zweien, gehen vorläufig nicht nach Rußland zurück, sondern nach anderen nicht schweizerischen Universitäten.

JranluTidj.

Paris, 12. Juni. Man veröffentlicht ein Schreiben, das Thiers an einen Bewohner von Nancy gerichtet hat. In demselben sagt er, daß er sich zurückge­zogen habe, weil er tief überzeugt gewesen sei, daß eine reine Parteiregierung in Frankreich widersinnig sei und nur die ohnehin bestehenden Spaltungen ver­mehren könne. Nöthig sei eine Regierung, die Unordnungen kräftig zu unter­drücken wisse, aber zugleich allen Parteien, die sich innerhalb der Schranken des Gesetzes halten, Gerechtigkeit widerfahren lasse. Frankreich wolle sich keine Politik aufdrängen lassen, die seiner Neigung widerstrebe. Mit der Rechten gehen heißt noch lange nicht, die Majorität des Landes auf seiner Seite haben. Er selbst, setzt Thiers hinzu, sei zur literarischen Ruhe zurückgekehrt.

In der Nationalversammlung verliest Buffet ein Schreiben des Gouverneurs von Paris, das ihm der Kriegsminister übermittelt hat und worin die Ermächtigung nachgesucht wird, Ranc zu verfolgen als Theil- nehmer an dem Aufstande und Mitglied der Commune. Am Samstag werden die Bureaux sich über die Frage schlüssig machen.

Paris, 12. Juni. In Chislehurst wurde letzten Samstag der Grund­stein zu einer Trauercapelle gelegt, in welcher die irdischen Ueberreste Napo- leon's III. beigesetzt werden sollen. Die Kaiserin Eugeuie vollzog, wie der Ordre" berichtet, im Beisein ihres Sohnes, der katholischen Geistlichkeit des Ortes und einer Anzahl geladener Gäste die Feierlichkeit der Grundsteinlegung, wobei goldene, silberne mit) kupferne Münzen mit dem Bildnisse des Kaisers und der Jahreszahl 1870, sowie ein Pergament, welches ein Protokoll der Ceremonie enthielt, in den Grund des künftigen Gebäudes gesenkt wurden. Dann begab sich die Kaiserin mit ihrem Sohne in die nahe Kirche Sainte- Marie und legte dort auf den Sarg ihres Gatten einen Kranz von weißen Blumen und von dem Papste gesegnete Palmeuzweige nieder, welche der Car­dinal Bonaparte kürzlich aus Rom mitgebracht hatte. Die Capelle wird 12 englische Fuß breit, 18 Fuß lang und 24 Fuß hoch sein; man glaubt, daß sie im August werde eingcweiht werden können.

Paris, 14. Juni. Der oberste Handelsrath hat sich gestern einstimmig für die Aufhebung der Flaggen- und der Rohstoffsteuer entschieden.

Versailles, 14. Juni. In der heutigen Sitzung der Nationalversamm­lung berichtet Baragnon über die Prüfung der Wahlen Guyot's und Ranc's. In dem Bericht wird die Gültigkeit beider Wahlen befürwortet, da auch Ranc alle Bedingungen der Wählbarkeit in sich vereinigt. Dem Anträge ent­sprechend, erklärt die Versammlung die Wahlen Guyot's und Ranc's für gültig.

Italien.

Rom, 12. Juni. Die clericalen Blätter speien Feuer und Flamme über die Rede Bismarck's im Reichstage, in welcher der Reichskanzler sich über die Stellung des Reiches zur zukünfttgen Papstwahl ausließ.

Der Czar wird nicht nach Rom kommen, sondern der Kaiserin in Deutschland begegnen.

Fournier ist vom Könige empfangen worden und hat sodann seine Ferien angetreten.

Rom, 13. Juni. DieItalienischen Nachrichten" dementiren die Nach­richt desPester Lloyd," daß während der Anwesenheit des deutschen Kron­prinzen in Mailand ein italienisch-deutscher Allianz-Vertrag abgeschlossen worden sei. Die Begegnung des deutschen Kronprinzen mit dem Kronprinzen Humbert, welcher übrigens nicht in Mailand, sondern in Venedig stattfand, hatte, den Italienischen Nachrichten" zufolge, keinerlei politischen Zweck, sondern war nur ein Act der Höflichkeit und Freundschaft. Der Papst empfing gestern die Generale und Procuratoren der religiösen Körperschaften. Der Jesuiten-General verlas eine Adreffe.

Spanien.

Madrid, 12. Juni Meuterische Soldaten haben in Murviedro einen Oberst-Lieutenant erniordet. Morgen wird in den Cortes die Wahl des definitiven Präsidenten derselben vorgenommen. Die Wahl Nicolas Salmeron's scheint gesichert.

Madrid, 13. Juni. In der heutigen Cortessitzung wurde Nicolaus Salmeron mit 176 gegen 74 Stimmen, welche auf Figueras fielen, zum Prä­sidenten gewählt. Die Regierung legte ein Programm vor, wonach sie die Trennung zwischen Staat und Kirche, die Reorganisation der Armee, die Ab­schaffung der Sclaverei und andere soci.üe Reformen beabsichtigt. In kürzester Frist soll eine Commission zur Feststellung der Demarcationslinien der einzel­nen föderirten Staaten ernannt werden. Das Budget wird erst nach der