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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Sh* nähme Sonntags.

Expedition: Eanzleiber^. Vrt. B. Nr. t.

Mnzeige- und Mmtsötatt für den Areis Kressen.

Skr. 137. Montag den 16. Juni 1873.

Amtlicher Theis

Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 26. November 1872, den Gehalt der Volksschullehrer betreffend.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Mit^nächster Post wird Ihnen ein von Großherzoglichem Ministerium des Innern in obigem Betreff unterm 26. v. M. erlassenes Ausschreiben zu­gehen, das Sie zur Kenntniß des Gemeinderaths bringen und sodann an den Schulvorstand abgeben wollen, damit auch dieser davon Kenntniß nehmen nnd die Lehrer entsprechend bedeuten kann.

v. Röder.

Betreffend

Gießen, am 12. Juni 1873.

Die Ausführung des Gesetzes vom 26. November 1872, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend.

Das Grvhi)r rhhji tche Kreisamt Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Durch die betreffende Großherzogliche Bürgermeisterei wird Ihnen ein in obigem Betreff von Großherzoglichem Ministerium des Innern erlassenes Ausschreiben zugehen, von dessen Inhalt Sie, zur Beseitigung von Mißverständnissen und unrichtigen Annahmen, die Ihnen unterstehenden Lehrer alsbald in Kenntniß setzen wollen.

v. Röder.

B e k a n n t m a ch u n g.

Betreffend: Den landwirthschLftttcherr Mrterrichtskursus für Bolksschullehrer in Darmstadt.

Der Unterzeichnete bringt hiermit zur Kenntniß der Interessenten, daß der landw. Unterrichtskursus für Volksschullehrer in Folge des Abganges des seitherigen Generalsekretärs der landw. Vereine und der noch nicht wieder erfolgten Besetzung seiner Stelle im laufenden Sommer nicht abgehalten werden kann.

Friedelhausen, am 8. Juni 1873. Der Präsident des landw. Vereins für Oberhessen:

A. Freiherr v. N o r d e ck zur Rabenau.

politischer Thei l.

* * Herr August Metz contra Landesuniverfität.

Bei dem Streite, in welchem sich der Senat der Landesuniversität Gießen mit dem Finanzausschüsse der zweiten Kammer der Stände über einige harmlose ? Bemerkungen des Ausschußberichtes eingelassen hat, wird der Präsident dieses Ausschusses, der Abgeordnete Metz, in oft recht liebloser Weise in den Vor­dergrund gestellt. Wir fühlen uns verpflichtet, für diesen Mann in die Schranken zu trete».

Herr Metz, das verehrte Oberhaupt unserer zweiten Kammer, der Ver­trauensmann von neun Zehntheilen der hessischen Wähler, ist ein Charakter; sein Herz schlägt warm für alles Schöne; seine Ehrenhaftigkeit, seine Ueber- zeugungstreue ist über jeden Zweifel erhaben, seine Reinlichkeit sprüch- wörtlich. Wie es aber politischen Männern zu gehen pflegt, ist er in man­chen Fällen durch die Umstände genöthigt, seine wahre Willensmeinung zu verbergen, um auf Umwegen seinen Zweck zu erreichen.

Unwissende nennen dasSchleichwege", Gewissenlose stellen gar unseren Landesdirector auf gleiche Linie mit Bankdirectoren und Gründern. Wissende | dagegen bewundern seine feine Action, und aufmerksame Beobachter haben ! längst erkannt, daß er seit seinem öffentlichen Auftreten stets dasselbe Ziel verfolgte.

Wie sicher unser Metz den Knoten von Gordon zu knüpfen und 'zu lösen weiß, davon nur ein Beispiel. Er gehörte von jeher und zwar schon lange vor dem verhängnißvollen Jahre 1866 zu den leidenschaftlichsten Verehrern des : jetzigen Reichskanzlers, Fürsten Bismarck. Er fühlte sich mit diesem geistes­verwandt. Während aber Bismarck als Minister seine Politik im Conflicte mit den liberalen Parteien und mit Verachtung aller Phrasen durchführte, nahm Metz, um als Volksvertreter einen bestimmenden Einfluß auf die Ge­schicke Deutschlands zu erlangen, zu dem umgekehrten Mittel seine Zuflucht; er ging einig mit allen liberalen Parteien und bemächtigte sich aller landläufi­ger Schlagwörter. Beide, der Minister und der Deputirte, hatten mit dem Unverstände der eigenen Partei zu kämpfen, welche sie sicher im Stiche gelassen hätte, wenn, was sie planten, zur Unzeit bekannt geworden wäre. Während aber Bismarck den süddeutschen Agitator zu ignoriren schien, griff Metz den norddeutschen Staatsmann in Wort und Schrift inentsetzlich energischer" Weise an.

Man höre nur, wie bös er war,

Er fluchte Herrn von Bismarck gar! *)

Zu seinen glänzendsten Thaten zählen die Reden, welche der seltene Mann

*) Anm. Zu Frankfurt im Saalbau am 24. Jan. 1864.

im Juni 1866 in der Darmstädter Kammer über den deutschen Krieg gehalten hat. Er sagte damals unter andern::

Ich bin überzeugt, der endliche Sieg bleibt dem guten Rechte trotz aller Bajonette, trotz aller Redensarten von Macht, die über Recht geht, trotz aller Bismarck er und Bis m arckiad en."

Nachdem wir Angesichts der Nation .....das gute Recht der

Herzogthümer (Schleswig-Holstein) anerkannt haben, können wir, falls wir nicht jedes Funkens von Ehre verlustig gehen wollen, dieses Banner nicht verlassen; es wird nie und nimmer gelingen, den ge­sunden Sinn des deutschen Volkes zu trüben und es zu überzeugen, daß es recht sei, wenn die Führer des Volkes die nämlichen Schlechtigkeiten und Falschheiten sich erlauben, wie sie lei­der nur allzuhäufig von Regierungen und Diplomaten geübt wird."

Dieser Bismarck mit seinem System, das, wie ein Anderer sagt, die wahrhafte Verkörperung der Gottlosigkeit ist, verdient kein Vertrauen."

Glauben Sie denn, meine Herren, daß wir wirklich so hirn­verbrannt sind, wir, die ganze Fortschrittspartei, daß sie das Ministerium Bismarck unterstützen will? Ist nach der ganzen Vergangenheit von uns im Ernste daran zu denken?"

Und, wenn er endlich mit bebender Stimme rief:

Ich bin bereit, meine ganze Existenz zu opfern und nöthigenfalls mein Haupt auf den Block zu legen!"

fühlte da nicht jeder vernunftbegabte Hörer, daß hier ein Stück Weltgeschichte sich abwickle?

Wacker, herrlich, unvergleichlich! Jeder Zoll ein Deutscher und ein Stamm! Blieb' ihm auch der Schmerz nicht erspart, nachdem er drei Tage lang tapfer gegen die Verwilliguna des Anlehns zum Kriege mit Preußen gesprochen hatte, in der Schlußsitzung vom 20. Juni dafür stimmen zu müssen, so sah er doch durch deu Ausgang des Krieges und die darauf folgenden poli­tischen Veränderungen die kühnsten Träume seiner Jugend verwirklicht. Er sah Preußen an der Spitze von Deutschland und durfte öffentlich in Wort und Schrift sein Einverstäudniß mit der Politik des Reichskanzlers erklären.

Ihr blinden Hessen, ach, wie schön Ist solch ein Beispiel anzusel/n!

Unsere Leser werden nach dieser Probe nicht mehr im Zweifel sein über die Entwickelung des neuesten Sturmes im Glase Wasser, den die Empfind­lichkeit der Gießener Professoren freventlich heranfbeschworen hat! Unser August ist persönlich von dem größten Wohlwollen gegen die Landes- universität und die Stadt Gießen erfüllt; dankt er doch der ersteren