Ausgabe 
15.9.1873
 
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im Wesentlichen nur der Stimmung Frankreichs Ausdruck verlieh, nämlich nur ein Italien von Frankreichs Gnaden zu dulden, entscheidend sein in seinen even­tuellen Maßnahmen. Allerdings zeigt sich Bismarck in seiner ganzen diploma­tischen Größe, wenn er Govoni's Worten, Preußen könne doch im Falle des Steges, Italiens gutes Beispiel nachahmen und ebenfalls ein Stuck Land an Frankreich abtreten,ohne zu erstaunen", zubört. Also, in jedem Fall soll Frankreich seinen Löwenantheil an der Beute erhalten und ohne sein Schwert zu ziehen, erhalten. Siegt Oesterreich, dann soll es, durch Frankreichs mora­lischen Einfluß zur Abtretung Venetiens gezwungen werden und geht Preußen als Sieger hervor, dannglaubt man in den Tuilerien allgemein wie De­peschen von Nigra und Barrel beweisen, daß cs nur dann seine Erwerbungen behalten wird, wenn es Frankreich in ausgiebiger Weise am Rhein entschädigt." Der betrogene Betrüger Louis Napoleon hat sein Spiel verloren und daß es Italien nicht büßte, daß es den Nathschlägen Jenes mehr gehorchte, als billig war, hat es lediglich den schneidigen Waffen Preußens zu verdanken! Dies wird man in Nom wohl jetzt im vollsten Maße anerkennen.

Nach anderer Richtung hin ist die Politik Bismarcks mit den revolutio­nären, resp. nationalen Elementen Ungarns, sich zu verbinden, nicht minder beachtenswerth, allein hierin sind die Enthüllungen eine Ilias post Homerum. Bismarck mußte den Krieg mit allen Mitteln führen und daß er den Wider­stand gewisser Kreise gegen diese anrüchige Verbindung zu überwinden wußte, ist eben diesesdiplomalico maniaco (wie Herr Lamarmora zu sagen beliebt) großes Verdienst. Jedes Mittel zum Siege ist ihm eben recht, und daß er keines außer Acht gelassen, ist eben das Zeichen dieses durchaus unzunftmäßigen Diplomaten. So wie er jedoch der Hilfe dieser Elemente entrathen konnte, schüttelte er den Staub von seinen Füßen, und der Verbündete Klapka's und Kossuth's sühnte seine Nothsünde und hielt später im Parlament seine berühm­ten Reden über das Gottesgnadenthum. A ls Bismarck für die Todesstrafe jene ebenfalls unsterbliche Rede hielt, da büßte er reuigen Herzens jene poli- tische Henchelet!

Nicht geringes Aufsehen dürfte endlich Lamarmora's Depesche vom 12. Juni 1866 erregen, durch welche diechronique scandaleusc superieure um ein Capitalblatt bereichert wird. Der Depesche zufolge soll Gramont von einem Briefe Kenutniß erhalten haben,welchen die Königin von Preußen an den österreichischen Kaiser geschrieben habe und ihn versichert, der König von Preußen habe ihr sein Wort darauf gegeben, daß kein eigentlicher Vertrag zwischen Preußen und Italien bestehe und daß, wenn Italien Oesterreich angreife, Preußen nicht verbunden sei, ihm zu folgen." Die Wahrheit dieser Gra- montiade lassen wir dahingestellt, allein wir glauben zu wissen, daß es sich hier um ein qui pro quo oder richtiger um ein quac pro qua handelt. So viel wir zu wissen glauben, dürfte hier eben eine Personenverwechselling vorlie- gen. Schon im Jahre 1866 erzählte man sich von Briefen der Königin- Wtttwe an den Kaiser und die Erzherzogin Sophie, deren Inhalt dem in jener Depesche entsprach. Mit diesen Briefen hat es eine sehr pikante Be­wandtnis;, die wir jedoch zu enthüllen keinen Beruf haben; vielleicht findet sich auch hierfür noch ein Diplomat, der diese Lücke in der inneren Geschichte des Jahres 1866 ausfüllt.

Deutschland.

Darmstadt, 12. September. Priuz Ludwig ist nach Beendigung der Manöver nach Seeheim zurückgekehrt.

Berlin, 11. September. Wie man derSpen. Ztg." aus Wilhclms- hafen mittheilt, wird sich Capitän Werner dort im Lause der nächsten Woche vor einem Kriegsgericht über sein Verhalten in den spanischen Gewässern zu verantworten haben. Aus derselben Ouelle wird bestätigt, daß Eapitän Wer­ner die Geschäfte eines Oberwerst-Directors aus Gesundheitsrücksichten noch nicht habe übernehmen können, und noch längere Zeit der Ruhe bedürfen werde, bevor er dazu im Stande sein wird.

Berlin, 12. September. Herr Hasenclever, der Präsident deS Allge­meinen deutschen Arbeitervereins, erläßt an der Spitze desN. Social-Dcmo- krat" aus Anlaß der bevorstehenden Neichstagswahlen einen Allfrnf an die Parteigenossen. Der Artikel schließt:Die Feinde sind zwar übermächtig; ihr Geschrei, ihr Geschimpfe, ihr wüthendes Gebühren kann aber nur Kinder erschrecken. Sagen wir gleich dem Spartaner Leonidas, der die Nachricht er­hielt, daß die Feinde so zahlreich seien, daß ihre abgeschossenen Pfeile die Sonne verdunkelten:Gut, so können wir im Schatten kämpfen!" Bei Leo­nidas bedeutete dasim Schatten kämpfen" so viel wie sterben, und wenn der Allgemeine deutsche Arbeiterverein" hierin in die Fnßstapfen des Leonidas treten will, so wollen wir ihm unser aufrichtiges Mitgefühl wenigstens nicht versagen.

Posen, 10. September. Der Geistliche Krnszka, der jetzt bekanntlich widerrechtlich in Kröbcn als Vicar amtirt, ist vom Kreisgericht in Kröben ans Requisition des Kreisgcrichts in Schönlanke gefänglich eingezogcn worden, um eine zweimonatliche und eine sechswöchentliche Strafe zu verbüßen, zu der er wegen Verbreitung der Volandcn'schen Bücher und wegen Majestätsbeleidigung vernrtheilt ist. Das Kreisgericht in Schönlanke hat die Herausgabe der incri- minirten Bücher angeordnet, die Staatsanwaltschaft aber hiergegen appcllirt, wurde jedoch mit der Appellation zurückgewiesen. (Ostd. Z.)

Der Seminar- und Religionslehrer Schröter in Posen ist bekanntlich wegen der Unterzeichnung der Loyalitätsadresse der staatstrcnen Katholiken vom Erzbischof Grafen Lcdochowski zur Verantwortung gezogen und mit der großen Excommunication bedroht worden. Wie nun der Schl. Ztg. aus Posen geschrieben wird, hat Herr Schröter eine Vertheidignngsschrift an den Erzbi­schof eingeretcht, worin er nachweist,daß in der Loyalitätsadresse der staats­trcnen Katholiken das katholische Dogma vollständig gewahrt sei, daß er durch Unterzeichnung dieser Adresse die Treue gegen die katholische Kirche nicht im geringsten verletzt habe, und worin er, nachdem er den Erzbischof ernst daran gemahnt, daß er durch den Kampf gegen die von Gott eingesetzte Obrigkeit einen Weg betreten habe, der dem ausdrücklichen Gebot des Christenthnms widerspricht und der Kirche nur zum Verderben gereichen kann, die bestimmte Erklärung abgiebt, daß er seine Unterschrift nicht zurücknehmen könne und werde."

Köln, 12. September. Der von Kyll und Genossen in der gestrigen

Stadtverordneten-Versammlung gestellte motioirte Antrag, die hiesigen Proces- ftonen und Wallfahrten betreffend, lautet, wie folgt:Nachdem es bekannt geworden, daß die königliche Staatsregierung das Proeessionsweseu im Allge­meinen in legislatorischem Wege zu ordnen beabsichtigt, beschließt die Stadtver- ' ordneten-Versammlung, der königlichen Regierung zu Köln gegenüber den Wunsch auszusprechen, dieselbe möge geeigneten Ortes hierbei auch die Abstellung der mißlichen Verkehrsstörungen befürworten, welche in den engen Straßen Kölns durch die hierorts zahlreichen Proeesstonen und Wallfahrten verursach t werden." Der Antrag wurde nach längerer Debatte mit 18 gegen 6 (Stimmen ange­nommen.

AuÄ Kurhessen, 10. September. DerHcss. Morgen-Ztg." wird aus Fulda geschrieben: Die meisten Zöglinge des aufgelösten Knabenseminars sind nun genöthigt; zu Gymnasien überzutreten, mehrere Andere derselben wollen bis zu der Wiedereinführung der Anstalt darauf hat man sie näm­lich clericalerseits getröstet Privatunterricht nehmen, während nur sehr wenige sich einem bürgerlichen Berufe zu widmen gesonnen sind. Ueberzcugt von der Unmöglichkeit des Fortbestehens des hiesigen Priesterscminars soll man neuerdings sich entschlossen haben, dasselbe mit dem Schlüsse des Studienjahres freiwillig eingehen lassen zu wollen. Die wenigen Zöglinge desselben werden alsdann die Hochschule Würzburg zu beziehen. In dem Befinden des Bischofs Kött ist trotz der gegentheiligen Versicherung einiger Zeitungen bis jetzt leider immer noch keine günstigere Wendung eingetreten.

München, 12. September. Sehr bemerkenswcrth ist ein erst in den jüngsten Tagen erfolgter Erlaß des Herrn v. Lutz, wonach den bayerischen Kandidaten der Theologie verboten wird, das collegium romanum, diesen Mit­telpunkt jesuitischer Pädagogik, zu besuchen. Der Schwerpunkt dieser Maß­regel liegt im Princip, das nicht verfehlen wird, in dieser categorischen Form Aufsehen zu errgen; praktisch genommen, ist die Zahl der von diesem Verbot betroffenen Priester keine sehr bedeutende.

Nürnberg, 13. September. Der Kronprinz des Deutschen Nciche- kehrte gestern um 3 Uhr Nachmittags von Cadolzburg zurück, besuchte noch einige Kirchen, das Nathhaus und die Kunstsammlungen und verließ um 7 Uhr 50 Min. mit dem Ostbahnzug, von tausendstimmigem Zuruf begleitet, die fest­lich illuminirte Stadt.

Constanz, 11. September. Bis jetzt haben über zweihundert Dele- girte aus allen Theilen Deutschlands Legitimationskarten gelöst, unter Anderen besonders: Professor Friedrich, Geheimerath Windscheid, Oberregierungsrath Wülffing, Professor Cornelius, Lutterbeck aus Gießen. Holland ist vertreten durch mehrere Geistliche, die anglicanische Kirche durch den Right Rev. William Crosswcll, Doane, Bischof von Albany (Amerika), und eine Anzahl von Geist­lichen , unter anderen Rev Nevin (Nom) und Dr. Lymann, erwählter Bischof von Nord-Carolina; die Schweizer werden erwartet.

Constanz, 12. September. In der gestrigen Vorversammlung des Altkatholiken-Congresses begrüßte der Staatsanwalt Fieser als Vorstand des Lacal-Comitös die Anwesenden. Dann sprachen der anglikanische Bischof Doane aus Albany, der Obcrpriester Wascilieff aus Petersburg, Prof. Holtzmann aus Heidelberg Namens des Protestantenvereins, Abb6 Michand aus Paris, : Der anglikanische Pfarrer Heidenheim aus Zürich, der Landammann Keller auß Aarau und der Bischof Neinkcns. Letzterer wurde mit Beifall empfangen. Die | heutige erste Dclegirten- Versammlung war stark besucht Den Vorsitz führte Prof. Schulte, als seine Stellvertreter fungirten Prof. Kornelius und Landammann Keller. Prof. Schulte gab einen Rückblick auf die Attkatholikcn-Bewegung des verflosseueu Jahres und machte Mittheilungeu über die mit der preußischen Regierung gepflogenen Verhandlungen, welche der Bischofswahl vorausgeganM seien. Er versicherte, daß keine politischen Abmachungen stattgesunden hätten. Die leitenden Personen hätten die Anerkennung des Bischofs als gerechte For- | derung der deutschen Altkatholiken anerkannt und sähen die Sache derselben als Angelegenheit der Cultur an.

Constanz, 12. September. In der heutigen Sitzung des Altkatholikcn- Congresses, welche bis 7]/2 Uhr Abends währte, wurde die Synodal- und ' Gemeinde-Ordnung nach der Vorlage der Synadal-Repräsentanz mit unerheb­lichen Amendements angenommen. Dieselbe dient als Vorlage für die erste Synode.

Constanz, 13. September. Die Delegirtensitzung des Altkatholiken« Congresses beschloß die Einsetzung von Subcommissionen behufs Anbahnung einer Vereinigung aller christlichen Confessionen. Ferner wurde die Bildung zweier Fonds für Studirende der Theologie und enicritirte Geistliche beschlos­sen. Anträge bezüglich der Verbreitung geeigneter Schriften wurden durch die Erklärung erledigt, daß die Bonner Profcfforen ein Verzeichniß anfstellen wol­len. Nach Erledigung der Tagesordnung nahm der Dekan von Chester das Wort zu einer Rede, in der er seiner Sympathie für den Altkatholicismus Ausdruck gab. Bischof Reinkens dankte Namens der Altkatholiken. Hierauf hielt Präsident Schulte die Schlußrede, die mit einem Hoch auf den,Bischof endigte. Die Versammlung trennte sich mit einem Hoch auf den Präsidenten Schulte. Heute Nachmittag und morgen Nachmittag finden Volksversammlun­gen statt, bei denen die hervorragendsten Führer als Redner auftrelen werden.

Constanz, 13. September. Die beute im Concilinms - Saale stattge­habte Volks-Versammlung war von circa 1500 Personen besucht und währte von 3 bis 6 Uhr. Prof. Schulte eröffnete die Versammlung, worauf Dele- girte die Beschlüffe des Congresses mittheilten. Dann sprachen Knoll als Geist­licher der Utrechter Kirche, Jobbcs (Crefeld), Weber (Luzern), Johlen (Cre- feld) und Meßmer (München) unter stürmischem Beifall.

Strastburg, 10. September. Heute Mittag fand der Schluß des unterelsässischen Bezirksraths statt. Den jungen Herren, welche gestern dein französischen Ober-Procnrator ihre Angaben über die ihnen in Lnneville ange- thanen Mißhandlungen zu Protocoll gaben, wurde Seitens desselben im Namen Der französischen Negierung die Zusicherung vollständiger Satissaction zu Thcil. Sie weigerten sich zuerst, sich in Luncville verhören zu lasten, da sie neue Exccste befürchteten, worauf ihnen auf telegraphischem Wege die Zusicherung !wurde, daß alle Vorkehrungen für ihre Sicherheit getroffen seien und sie sich Glicht in die Stadt selbst zu begeben hätten, sondern in einem bereit gehaltenen Saale des dortigen Bahnhofsgebäudes ihre Angaben machen dürften. Sie wurden dann schon auf der Lnnevitler zunächst gelegenen Station von einein Polizei-Commissar freundlich empfangen, begleitet und am Bahnhof in Lnneville

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