Ausgabe 
15.9.1873
 
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dem dort ihrer harrenden Beamten vorgestellt. Im Laufe des Verhörs wur­den auch zwei der Hauptattentäter vorgeführt, von denen unsere Landsleute aber nur einen recognosciren konnten, welcher aber ganz offen bemerkte, daß er wiedervorkommenden Falles eben so handeln werde. Die Verhandlungen wurden streng unparteiisch geführt, was hauptsächlich der Intervention des Herrn Ober-Präsidenten v. Möller zu danken ist, auf dessen Betreiben die Angelegenheit zum Gegenstände gebracht wurde. Worin die Satisfaction bestehen wird, ob in einem Schmerzensgelde oder einem Entschuldigungsschrei­ben, ist nicht bekannt.

Schweiz.

Genf, 13. September. Der Congreß der Internationalen beschloß, Betheiligung der Arbeiterklasse an jeder Politik, welche ihre Emancipation be­zweckt, anzuemvfehlen. Den Bundesgenossen in den verschiedenen Ländern soll überlassen bleiben, nach den jeweilig gegebenen Umständen zu handeln. Die Vorlage des Generalraths, betr. die Gründung einer internationalen Gewerks- Union, wurde angenommen. Die Voraussetzung für die Mitgliedschaft bei der Gewerks-Union ist Anerkennung des Programms der Internationalen. Die Gründung einer Kasse für politische Flüchtlinge wird damit verbunden, j 7 <;

Frankreich.

Paris, 11. September. In der heutigen Sitzung des ständigen Aus­schusses (Permanenz-Commission) lenkte Noel Parfait (Republikaner) die Auf­merksamkeit des Ministers des Auswärtigen auf den Hirtenbrief des Erzbischofs von Paris. Der Minister erwiderte, die auswärtige Politik der Regierung sei unverändert dieselbe, wie sie in den Botschaften und Rundschreiben dargelegt worden; für das, was die Bischöfe sagten, sei die Regierung nicht verantwort­lich. Noel Parfait erklärte, von dieser indirecten Verwerfung des erzbischöfli­chen Hirtenbriefes Act nehmen zu wollen. Mahy (Republikaner) verlangte darauf Auskunft über die Lage der Departements, in denen nächstens die Wah­len vorgenommen werden sollen. Broglie erwidert, die Regierung werde den Wählern alle gesetzliche Freiheit lassen, könne sich aber nicht ihre eigenen Machtbefugnisse aus den Händen winden lassen; über ihre Handlungen werde sie der National-Versammlung Rede stehen.

Die Antwort des Herzogs v. Broglie in der Sitzung des ständigen Ausschusses in Betreff des Hirtenbriefes des Erzbischofs von Paris lautete vollständig: Die Schriftstücke, um die es sich hier handelt, sind, so achtenswerth auch ihre Quelle ist, der Regierung fremd; ihre Verfasser bekunden keineswegs die Absicht, im Namen der Regierung zu sprechen, sie in Verantwortlichkeiten zu bringen oder auf ihre Entschließungen einzuwirken. Die auswärtige Politik der Regierung ist mehrere Male in Botschaften und Rundschreiben dargelcgt. Sie ist die Politik des Friedens, der Eintracht und der guten Beziehungen zu den fremden Mächten ohne Ausnahme. Sie ist die Politik, die Europa so nimmt, wie es ist und nichts daran zu ändern sucht. Dieses Verhalten wurde bei mehreren Gelegenheiten von der National-Versammlung gebilligt. Der Redner erklärt, daß er deßhalb keine Aenderung in derselben vornehmen werde. Zum Schluß bemerkte er, daß, wenn sich in dem besagten Schriftstücke einige Behauptungen finden, die von dieser Politik abweichen, die Negierung dafür in keiner Weise die Verantwortlichkeit tragen könnte. Der Cultus-Minister fügt hinzu, daß die Bischöfe keine öffentlichen Beamten seien und die Regie­rung daher in dieser Angelegenheit nicht beschuldet werden könne.

Versailles, 12. September. Briefen aus Verdun zufolge wird der Abmarsch der dortigen deutschen Garnison morgen 8 Uhr früh beginnen; die­selbe dürfte Dienstag früh die Grenze überschreiten.

Verdun, 13. September. Der Abmarsch der deutschen Truppen ist heute Morgen 8 Uhr ohne die geringste Störung der Ruhe und Ordnung erfolgt.

Italien.

Nom, 13. September. Der Minister des Innern, Visconti-Venosta, ist gestern Abend nach Turin abgereist, wohin Minghetti am Montag geht. Beide schließen sich von dort, von ihrem Cabinets-Chef begleitet, der könig­lichen Suite an. Einige Journale versichern, der Herzog v. Aosta habe ein Truppen-Commando in Sicilien übernommen. Die Nachricht ist, gutem Ver- nehmeu nach, verfrüht. Zwar schweben hierüber feit einiger Zeit Verhandlun­gen, doch ist bis jetzt nichts entschieden.

Turin, 13. September. Der deutsche Gesandte, Herr v. Keudell, ist^ heute vom König empfangen worden und hat demselben ein Einladungsschreiben i des Deutschen Kaisers überreicht. Der König wird Sonntag 7y2 Uhr Mor­gens nach Wien abreisen.

flmerifta.

New-Uork, 10. September. Die Republikaner haben Mashburn zum Gouverneur von Maffachusets erwählt. Sein Gegencandidat war Gene­ral Buttler.

In Baltimore ist Ford's Theater und das St. Nichalas Hotel ab­gebrannt. Der Schaden wird auf 700,000 Doll, geschätzt.

DiePolaris" wurde verlaffen. Dieselbe ist gesunken, man glaubt über, daß die Bemannung gerettet sei.

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Vermischtes.

München, 8. September. Wie demN. K." mitgethetlt wird, hat der König da? Todesurtheil, welches der oberfälzische Gerichtshof unterm 23. Juli ds. Js. gegen den fünf­fachen Mörder Laver Marchner verhängt hat, bestätigt.

* Rothschild von Wien durchgebrannt aber nicht der große, der reiche, sondern Rothschild und Co., ersterer Julius Friedrich auS Offenbach gebürtig undCo." ein gewisser Heinrich Benzion Schottenfels aus Frankfurt a. M. Es ist dieses ein interessantes Nachspiel zum Krach und ein ebenso interessanter Beitrag zur Naturgeschichte desBanquiers." Das große Haus Rothschild batte es sich zur Gewohnheit gemacht, zur Neinerhaltung seines Namens den etwaigen Namensvettern, wenn sie Banquiergeschäfte eröffnen wollten, die Firma abzukaufen. I. Fr. Rothschild aber zog cs vor, seinen Namen selbst berühmt zu machen und lehnte diesfällige Anträge ab. Und einerseits hatten Rothschild und Co. recht; denn sie mach­ten zum größten Theil wohl in Folge des Namens bald glänzende Geschäfte (stit Februar 1869) und lebten demgemäß alsBanquier" und Kinder ihrer Zeit. Beispielsweise ließCo." bei anderen Liebesverhältnissen auch eine Auserwählte zum Theater ausbilden, welche ihm monat­lich 2000 Gulden kostete. Der wettere Verlauf der Geschäfte gleicht den derartigen übrigen: Gründungen, bei welchen der Name im Prospectus ein mächtiges Zugmittel war, so bei der in unseligem Andenken stehenden Central-Baubank, Annahme von Depositen und von Nateneinzah- lungen auf Lotterie-Effecten und dann Luftveränderung, das war ihr Geschäftszweig. Beim großen Krach im Mai fand die gerichtliche Revision, welche durch das Ministerium angeordnet war, eine günstige Bilanz, bis dann endlich am 1. September das Comptoir Nr. 21 am Opern­ring im 1. Stock sich geschlossen fand und blieb. Die Zahl der Betrogenen ist eine sehr bedeu­tende. Ein oberösterreichischer Veteran verliert sein ganzes, seit einem halben Jahrhundert zu­sammengespartes Vermögen und ist darüber dem Wahnsinn nahe, ein anderer, der schon früher . bei Placht, Reichenberg 2c. stark betroffen wurde, verliert den Rest seines Vermögens.

* Aus G enf wird demBund" über einen cigenthümlichen Landfriedensbruch berichtet. Das Tambourencorps von Genf hatte die Genehmigung erbeten und erhalten, in corpore unv uniformirt die Gassen der Stadt zu durchziehen und für die Opfer einer im Kanton vorgekom­menen Feuersbrunst zu trommeln und zu collcctiren. Am Sonnabend verwirklichten sie den Plan und sammelten für die Abgebrannten. Zu diesen zählten sie sich nun offenbar selbst und löschten weidlich ihren brennenden Durst, so weidlich, daß sie die Wohnungslosen aux Grolles vergaßen, ja nicht mehr wußten, daß sie in Uniform und theilweise bewaffnet waren, daß Domi- cil, Person und Eigenthum unverletzlich sind in einem civilisirten Staate, wo man Trommler braucht.

Etwas nach 11 Uhr präsentirten sie sich vor einer Bterwirthschaft. Dieselbe war aber schon geschlossen und erwiderte der Wirth von Innen, es sei zu spät, er laffe Niemanden mehr herein. Etwa 10 Minuten später klopft es abermals, und war hierin offenbar die Polizei nachgeahmt. Der Wirth fragt:Wer da?"Oeffnct im Namen der Polizei!" war die Ant­wort. Da öffnete der Mann natürlich, sicht aber sogleich, daß die zahlreiche Schaar zwar uni­formirt, doch nicht von der Polizei ist und schließt die Thüre wieder. Allein die 1518 Mann starke Bande schlägt dieselbe ein und Einer derselben versetzt ihm einen Säbelhieb an den Hals. Hierauf wirft sich die Bande über den Kellner her und maltraitirt ihn. Die Wirthsfrau und das Dienstmädchen kommen erschrocken vom ersten Stock in die Wirtschaft herunter, werden aber ebenfalls mißhandelt und müssen flüchten. Ja eines der bewaffneten Individuen wollte ihnen, den Säbel in der Faust, bis in's Schlafzimmer nachdringen, und konnte die Frau nur mit genauer Roth die Thüre schließen, sonst wäre sie von dem Rasenden wahrscheinlich zusam­mengehauen worden. Die wenigen anwesenden Gäste hatten nicht den Muth, Widerstand zu leisten, flüchteten sich, so gut sie konnten und holten die Polizei. Unterdessen wirthschaftete die rohe Bande nach Gutdünken fort, warf Blumentöpfe, Flaschen und Gläser zu Boden, zerschlug Stühle, leerte die SpirituSflaschen und nahm andere mit, drohte, mit denAllemand ein Ende zu machen (der Wirth ist Deutsch-Schweitzer), bis endlich die Polizei änrückte. Statt Ver­stärkung zu holen und die ganze Rotte in Nummer Sicher zu bringen, nahm sie aber, wie es scheint, nur eines der Individuen mit und ließ den Rest laufen.

Börsennachrichten.

13 September 1873.

Aclieii.

50/0 östr. F. St. E. B. 353

Lombard. Bahn 1791/2

Ludwigsh. Bexbach 188

Maxbahn 132

Bayer. Ostbahn 117% Rhein-Nahebahn-Act.

Hess. Ludwigsb.-Act. 150

Oberhessen 7 41/2

Wechsel« Amsterdam k.. S. 98%

Augsburg k. 8. 100

Berlin k. S 104%

Bremen k. S. 105%

Brüssel k. S. 92%

Hamburg k. S. 105%

Leipzig k. S. 105

London k. 8. 118%

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 92%

Wien k. 8. 104%

ditto m. S.

ditto 1. 8. 104

Disconto 4 °/°

Preuss. 41/3% Oblig. 104% Frankf. 31/2% Oblig. 871/4 Nass. 4i/2o.0 Obi. 963, § Kurhess. 4°, ° 97% Gr. Hess. 50/0 Obi. 1013/.

n , 40/0 991/4

n n 3%% i>

Bayer. 50/0

*%% 4jährige

40 0 1jährige 96%

Würtemb. 4*/20/0 Obi. 100% Baden 41/2% Obi. c. E. L. 1001/2 Oesterr. Silberrente 65%

n Papierrente 621/g Spanier, neuest. 3% 17 % Amerik. Bonds 1881 r 100% n 1882r 971/r

n 1885r 993/8

1887r 100

Prioritäten.

3% östr. Stsb.-Prior. 60%

3% östr s. Lombard 49%

3% Livorneser 33%

5% Toscaner 523/8

5% Elisabeth.-Prior. 86% do. II. Emiss.

Goldsorten.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . 9 3941

doppelte 9 3638 Holl. fl. 10 St. 9 5254 Ducaten . . 5 3436 20 Frankenst. 9 2122 Engi. Sover. 11 4749 Ruse. Imper. 9 4042 Dollar in Gold 2 24%25%

Anleliensloose» Darmstädter fl. 50Loose 212% n n 25

Kurh. 40 Thlr. Loose Nassau 25 fl. 46 Braunschweiger 221/2 30,o Oldenburg. ä40Thlr. 37?/fc 4°/0 bayr. Präm.-Anl. 4O/o badische Locse HOVg Badische fl. 35 Loose 67% Oestr. fl. 250 v. 1854 1858r Prioritätsloose 202 1860r Loose 90% 1864r 147%

Actien«

Frankf. Bank 148%

Frankf. Vereins-Kasse 110%

Darmst. Bankact. 408%

Rheinische Hyp.-Bank 100 Wien Bankactien 1001

Oest. Creditact. 240

Galizien 119

Für Jmmenstadt find ferner bei uns eingegangen:

Adolph Noll 5 fl., Franz Peppler & Co. 10 fl., Wittwe N. N. 30 fr., Brm. 1 fl. 16 fl. 30 fr., mit früherer Quittung 39 fl. 57 fr.

Bet Herren Burf & Storck gingen ein: O. Kempff 17 fl. 30 fr., H. Schirmer 3 fl. 30 fr., Georgi & Klingspor 2 fl., Kraatz 1 fl., Roth 1 fl., Horst 5 fl.,> A. Müller 2 fl., A. Schaumann 24 fl. 10 fr. = 56 fl. 20 fr.

Um weitere Gaben bittet

Die Expedition des Gießener Anzeigers.

allgemeiner Anzeiger.

dersiergerungen.

Obstversteigerung.

Dtnnerstag den 18. September d. I., von Morgens 9 Uhr an, soll das Gemeinde-Obst, bestehend in Aepfeln und Birnen, versteigert werden.

Eberstadt, am 12. September 1873. Großherzogliche Bürgermeisterei Eberstadt. (4178) Görlach.

- 4173) Das durch Erbauung der Lud- iwigsstraße überflüssig gewordene städtische ! Grabengelände auf der Stephansmarf, Zwischen dem Eigenthum der Herren Actuar 'Fünf, I. Hanstein und Lehrer Jung gele­igen, zusammen mit 10,05 ^Klafter Flä- ichengehalt, soll

Mittwoch den 17. ds. Mts., Vormittags 9 Uhr

im Rathhause öffentlich verkauft werden. Gießen, am 12. September 1873. Grotzherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt.

Versteigerung.

4161) Dienstag den \ß. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, soll in dem Vorhofe der Universitätsbiblio- thef eine Parthie gut erhaltener Stuben- thüren, Fenster, Läden, Glasthüren, Flü- gelthüren, Topfgestelle, sowie Glasschränfe, gegen sofortige Zahlung versteigert werden.

Gießen, am 12. September 1873. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen.

In Verh. des Kreisbaumeisters: Miessell, Bauaccessist.

Jagdverpachtung.

4188) Die am 12. August er. stattgehabte Jagdverpachtung der Gemeinde Königsberg ist nicht genehmigt worden.

Es soll deßhalb

Freitag den 19. September er., des Nachmittags um 2 Uhr, eine nochmalige Verpachtung derselben im Ganzen im Gemeindehaus daselbst statt- finden.

Königsberg, den 11. September 1873.

Griebel, Beigeordneter.