momentan hingenommen werden müssen. Besserung muß auch hier der Zeit^ überlassen werden.
Der 9. Juli aber, wir wiederholen es, war ein verhängnißvoller Tag für den hessischen Particularismus. (Hess- Lolksblätter.)
Deulfdjfantk
Gießen, 14. Juli. Indem wir einem Gefühle Ausdruck geben, dem man jetzt überall in Gießen begegnet, sprechen wir unserem Abgeordneten, Herrn Professor Dr. Oncken, unseren herzlichsten Dank aus für die ebenso glänzende als energische Lertheidigung der Landes-Universität, mit deren Gedeihen ja das Wohl unserer Stadt auf das Engste verknüpft ist. Wenn auch die Majorität unserer zweiten Kammer es für nöthig erachtete, durch ihre Abstimmung das schwer erschütterte Ansehen ihres seitherigen Leiters wieder einigermaßen zu stützen, so ist doch der moralische Sieg auf Seiten Oncken's zu suchen; denn der scheinbare'Erfolg des Herrn Metz ist theuer genug erkauft worden. Mußte er doch den letzten Trumpf ausspielen und im Vertrauen auf seine Unentbehrlichkeit mit dem ganzen Finanzausschuß erklären, sein Abgeordneten - Mandat niederlegen zu wollen, wenn nicht die von ihm beliebte Tagesordnung angenommen würde. Nehmen wir dazu die glänzende Ehrenerklärung, die Herr Ministerialrath v. Starck der Universität gegeben hat, und erwähnen wir, daß Herr Metz und seine Anbeter für die im Finanzausschußbericht gemachten Ausstellungen und Vorwürfe keinen einzigen sachlichen Grund beizubringen Der- mochten, so ist leicht zu erkennen, was von dem in der Main-Zeitung ausposaunten Triumphe ihres Beschützers zu halten ist Es war endlich an der Zeit, daß der Jnfallibilität des Herrn Metz ein gelinder Stoß versetzt und ihm gezeigt wurde, daß seine oft an Inhalt arme, an Worten reiche Tiraden wohl manchen, doch nicht allen Leuten im Hessenlande unbedingt zu imponiren im Stande sind.
Hoffentlich zieht Herr Metz aus diesem Vorgang die gute Lehre, daß man sich über die Tinge, von denen man nichts versteht, aber doch öffentlich reden will, entweder vorher genau unterrichtet oder bester schweigt, wenn man nicht Gefahr laufen will, seine Stellung als Parteiführer zu gefährden. Wir können Angesichts dieser Thatsachen unseren Wahlmännern und der ganzen Stadt nur Glück wünschen, daß sie einen solchen Vertreter, wie Herrn Oncken, in unsere Abgeordneten Kammer gesendet haben, der auch in jeder anderen Beziehung das Interesse der Stadt und des wahren Fortschritts ebenso glänzend vertreten wird.
Darmstadt, 11. Jul. Wie erinnerlich, hat die Negierung den Ständen eine Vorlage zugehen lassen, wonach der Art. 14 der Militär-Convention vom 13. Juni 1871 , in Gemäßheit einer mit Preußen getroffenen Vereinbarung, dahin geändert werden soll, daß „die höhere und niedere Militär-Gerichtsbarkeit über die Angehörigen des Contingents nach Maßgabe der Bestimmungen des preußischen Militär-Strafgesetzbuchs, Th. II, diejenige über die großh Garde Unterosficiers Compagnie von dem Gerichte der großh. hessischen (25.) Division ausgeübt wird " Wie wir aus dem vom Abg. Dumont erstatteten Bericht des Gesetzgebungs-Ausschusses ersehen, hat dieser lentere einstimmig die Zustimmung zu der betreffenden Vorlage beantragt. — Mit gleicher Einstimmigkeit befürwortet der Ausschuß den Antrag des Abgeordneten Heinzerling auf Aufhebung der Bestimmung des Pfälzer Landrechts, wonach die Bürgschaften der Bürger und Bauern als null und nichtig erscheinen, wenn sie nicht gerichtlich errichtet und bestätigt sind. Der ebenfalls vom Abg. Dumont erstattete Bericht bezieht sich einfach auf die erschöpfende, nach allen Richtungen zu billigende Motivirung des Antrags. — Die aus den Waisenhaus-Büchsen- und Kirchcn-Collecten der hessischen Landes-Waisen-Anstalt zufließeuden Geldbeträge kommen in gleicher Weise den katholischen wie den evangelischen Waisenkindern zu gut. Es entspricht daher eigentlich der Gerechtigkeit, daß auch den Angehörigen beider Confejsionen gleichmäßig Gelegenheit gegeben werde, ihre Beiträge zu diesen Sammlungen zu leisten. Gleichwohl ist dies bei uns nicht der Fall, denn in vielen, vielleicht den meisten katholischen Gemeinden werden keine bezüglichen Sammlungen durch Collecte und Waisenhaus-Büchse veranstaltet. Mit Rücksicht hierauf haben die Abgg. Landmann, ©reim und Schaub heute an die Negierung eine Interpellation gerichtet, ob dieselbe nicht Vorkehrung zu treffen beabsichtige, um dem fraglichen Mißstand abzuhelfen. Damit ist ein Punkt öffentlich angeregt, welcher unseres Erachtelts schon längst einer gründlichen Beleuchtung und Remedur bedurft hätte.
Berlin, 10. Juli. Propst Hoppe in Elbing hat neuerdings einigen gemischten Brautpaaren, welche katholische Kindererziehung versprechen wollten, das Ansinnen gestellt, daß sie ebenso auch für die katholische Verheirathung der etwaigen Kruder Garantie leisten sollten! Derselbe erklärte im Allgemeinen, er könne nur ausführen, was ihm von Frauenburg anbefohlen werde, und er rathe darum geradezu, daß die Betreffenden sich doch lieber evangelisch trauen lassen möchten. Da auch verschiedene andere Pfarrer sich ähnlich geäußert haben, so scheint eine geheime Ordre der bischöflichen Behörde ergangen zu sein, die Assistenz allen irgendwie altkatholischer Sympathien verdächtigen gemischten Brautpaaren zu verweigern, wobei natürlich die Ehe eines Altkatholiken mit einer Neukatholckin als gemischt betrachtet wird. Neu ist dabei nur, daß die Eltern sich jetzt auch für die zukünftige Verheirathung ihrer Kinder im Voraus verpflichten sollen; der Kinderhandel, sowert blos die Taufe in Betracht kam, war schon längst im Gange.
Ems, 9. Juli Der Kaiser von Rußland ist heute nach vterwöchigem Curausenthalt zunächst nach Jugenheim abgereist und wird daselbst im Kreise seiner Familie 14 Tage verweilen. Kaiser Wilhelm mit seiner ganzen Suite gab ihm bis zum Bahnhofe das Geleit. Gestern Abend hatten die beiden Majestäten noch einer Vorstellung des Cursaal-Theaters beigewohnt, vom gejammten Publikum durch Erheben von den Sitzen ehrfurchtsvoll begrüßt. Den übrigen Theil des Abends brachte Kaiser Wilhelm bei dem Czaar, der letztere heute die Stunden vor seiner Abreise bei Kaiser Wilhelm zu. In dem gegen seitigcn Verkehre der Monarchen prägte sich stets die größte Herzlichkeit und Vertraulichkeit aus. Wie man ans bester Quelle erfährt, wird Kaiser Alexander, durch den sehr günstigen Erfolg seiner hiesigen Kuren veranlaßt, in Zu- fim(t jährlich in Ems einen Curaufenthalt nehmen. Außer Orden und anderen Geschenken, welche derselbe an hiesige Beamte hat zur Vertheilung gelangen lassen, hat er vor seiner Abreise dem Fonds zur Erbauung einer russischen Kirche dahier eine Summe von 3000 Thlrn. überweisen lassen.
Braunschweig, 7. Juli. So eben ist die 4. Lieferung der „Briefe deutscher Vettelpatrioten an Louis Bonaparte" von Bernhaid Becker im Verlage von W Bracke jr. erschienen. Unter den in diesem Hefte figurirenden Patrioten heben wir Einen hervor, welcher uiiterm 29. April 1868 folgenden Brief an Napoleon schrieb: „Sire! Ermnthigt durch das Jntereffe, welches Eure erhabene Majestät (sa Hauleur Votre Majesle) für einen einfachen Industriellen und die glücklichen Ergebnisse seiner Bemühungen und seiner unerhörten Opfer bewiesen haben, wage ich von Neuem, mich allerhöchst derselben mit der Bitte zu nahen, geruhen zu wollen, den beifolgenden Atlas anzunehmen. Er enthält eine Sammlung von Zeichnungen verschiedener in meinen Werkstätten ausgeführter Gegenstände. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß besonders die vier letzten Seiten, welche die Gußstahl-Kanonen darstellen, die ich für verschiedene hohe Regierungen Europas angefertigt habe, einen Augenblick die Aufmerksamkeit Eurer Majestät auf sich lenken dürften und meine Kühnheit entschuldigen werden. Mit dem tiefsten Respect, mit der größten Bewunderung, bin ich Eurer Majestät unterthänigster und ergebenster Diener." Der deutsche Patriot ist der Fabrikant A. Krupp in Essen. (Fr. I.)
Pclplin, 9 Juli. Auch der Bischof v. d. Marwitz hat jetzt die Anfragen des Ober Präsidenten in Betreff des hiesigen Priester-Seminars im Sinne seiner College« zu Paderborn, Posen, Fulda u s. w. beantwortet. Er könne, sagt er, nicht zur staatlichen Anerkennung seines Seminars mitwirken; die Einsendung des Lehrplanes sei daher überflüssig, zumal derselbe schon 1835 bei Errichtung des Seminars dem Ministerium mitgetheilt.
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Wien, 11. Juli Gegenüber dem von hier aus telegraphisch verbreiteten Dementi angeblicher Gerüchte über die wegen der Cholera beabsichtigte Schließung der Weltausstellung meldet das amtliche „Telegraphen-Correspon- denzbureau," daß ein derartiges Gerücht nie existirt hat und nur von Corre- spondenten erfunden ist.
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Paris, 9. Juli. Der Schah empfing heute um 2 Uhr das diplomatische Corps. Der Schah war in großer Uniform.
— Fournier, französischer Gesandter in Italien, ist, angeblich aus Urlaub, in Paris airgekommen. Der officiöse Moniteur behauptet, Fournier's Reise nach Paris habe nichts mit Politik zu thun, man glaubt jedoch vielfach, Fournier werde nicht nach Italien zurückkehren.
— Das Fort Miotte bei Belfort ist, wie man hierher meldet, in letzter Nacht eingestürzt, da die Deutschen die von ihnen angebrachten Stützen weg- genommen hatten.
Paris, 10. Juli Der „Franyais", das officiöse Journal des Herzogs de Broglie, enthalt folgende Note: „Die Nachrichten ans dem Osteii berichten über die progressive Räumung der deutschen Truppen. Alles geht bis jetzt in vollständiger Ordnung vor sich. Die Bevölkerungen der occupirten Departements, welche während der beiden letzten Jahre eine so große patriotische Würde an den Tag gelegt, werden, wir zweifeln nicht daran, bis zum Schluß auf der Höhe ihrer Aufgabe bleiben. Man versichert uns, daß die Negierung der Ansicht ist, daß man aus leicht zu begreifenden Gründen der Klugheit jede öffentliche Kundgebung nicht allein beim Abmarsch der Preußen, sondern auch bei der Ankunft der französischen Truppen vermeiden muß. Können übrigens die Lothringer ein vollständiges Fest feiern; befürchten sie nicht, daß der Wiederhall ihrer Freudenbezeigungen den Schmerz und die Bitterkeit ihrer Metzer und Straßburger Brüder vermehrt und diesen wie ein Vergeffen ihrer Leiden und Trauer erscheint?" Die Regierung ist gegen die Feste nach der Räumung, weil sie befürchtet, daß bei dieser Gelegenheit Demonstrationen zu Gunsten des Herrn Thiers gemacht werden. Sie ist in dieser Hinsicht um so besorgter, als der Gemeinderath von Nancy einstimmig beschlossen hat, den Ex-Präsidenten der Republik, den „wirklichen Befreier Frankreichs", zu den Festen einzuladen, die er bei Gelegenheit der Räumung veranstalten will. Die Vorbereitungen für die Räumung der noch von den Deutschen occupirten Departements gehen übrigens rasch vor sich. Das Kriegsgeräth der Deutschen auch im Vogesen- Departemeiö wird bereits fortgeschafft. Der Abzug der Truppen beginnt jedoch nicht vor dem 25. und wird am 31. Juli beendet fein. In Epinal beginnt die Räumung mit der Artillerie und dem Lazareth, worauf die Dragoner und die Infanterie abziehen. Am 28. Juli soll diese Stadt gänzlich frei fein. Die Truppen benutzen nicht die Eisenbahn, sondern marschiren zu Fuß nach Deutschland zurück. Die ersten französischen Truppen, nämlich mobile Gelisd'armerie, treffen am 15. in den Vogesen ein. Die Stadt Clermont ist seit dem 8. bereits vollständig geräumt. Das deutsche Bataillon, welches dort lag, traf heute in Verdun ein. Die Soldaten werden dort in den Wirthöhäusern ein- quartiert werden. Die bayerische Garnison von Montm6dy soll am 15. Juli abmarschiren.
Paris, 10. Juli. Der heutige Tag hat rothe Hosen an; zum ersten Mal erhält die Ex Hauptstadt seit dem Kriege wieder das Schauspiel einer großen Truppenschau und aller Chauvinisten Herzen schlagen höher. Die Armee, die Armee! schallt es durch die Blätter wie Trommelwirbel, und den Bonapartisten, die bei Wörth, Metz und Sedan fielen, wie dem Gefangenen von Wilhelmshöhe müßten Die Ohren gellen, wenn sie noch auf Die Neveille, wie Heinrich Heine von bei großen Armee des Corsen sang, hören könnten. Die Republikaner erlauben sich heute wieder laut von den Dummheiten der Ollivier und Leboeuf, de Failly und Frossard zu reden, aus Vazaiiw zu hauen, um die Armee rein zu waschen und der Mit- und Nachwelt zu verkünden, daß der französische Soldat nach wie vor Nummer Eins in der Soldatenliste Europas sei und bleibe. Von Mac Mahon spricht man heute nicht viel, offenbar, um ihn und die Nation nicht daran zu erinnern, daß Frankreich, als es eine „Schildwache" gebrauchte, keinen anderen finden konnte, als den braven, doch nichts weniger als genialen oder brillanten Nachkommen eines irischen Flüchtlings." Der Ordre hatte die Frechheit begangen, zu behaupten, man beleidige die Armee, wenn man aus Napoleon Hl- schelte. Siscle weist dem bonapartistischen Organ das Loch, das der Zimmermann gemacht hat, und erinnert an die Adressen der 3000 gefangenen französischen Officiere aus ihrer deutschen Gefangenschaft. Aber die Franzosen haben ein. Spatzengedächtniß, der Knall des Schusses, der mitten unter sie fuhr, ist kaum vorüber, und schon zwitschern sie wieder im Weizen, als seien sie die Herren des Ackers und alle


