nicht ertragen, so sehr dieselben auch im Interesse der Bittsteller liegen möchten. | Der Finanzausschuß müsse mit Vorsicht verfahren. Abg. Welker vertheidigt^ ebenfalls den Ausschußantrag aus Ablehnung des Gesuchs, das zu weit gehen-' den Lonsequenzen führe. — Büchner wünscht eine Verweisung der Sache an! die Regierung, damit sie näher geprüft werde. Goldmann ist aus Billigkeits-. rücksichten für die Petition. Nach verschiedenen Bemerkungen der Abgg. Heinzer-! ling, Königer, Becker und Stüber, entgegnet Dumont, indem er behauptet, daß er immer für die Aufbesserung der Pensionen gewesen sei, und für sich das Recht der Kritik der Arbeiten des Finanzausschusses beansprucht. Edinger spracht gegen die Ideen des modernen Liberalismus und die Manchesterschulen. Goldmann führt aus, daß es sich nach seinen Ermittelungen nur um eine kleine Summe handele. Metz rechtfertigt nochmals den Ausschußantrag, es seien viele Beamten vorhanden, die heute noch nicht so viel Gehalt hätten, als die Bittsteller Pension. Die Berechnung Goldmann's könne er nicht als richtig anerkennen. Der Finanzausschuß muffe von festen leitenden Grundsätzen ausgehen und könne nicht nach persönlichen Gesühlsrücksichten handeln. Dernburg erklärt, wenn die Berücksichtigung der finanziellen Lage des Landes ein Kriterium der liberalen Partei sei, so sei dwse jedenfalls eine sehr berechtigte. Die sociale Partet mit der Staatshilfe, wie sie Herr Edinger zu wünschen scheine, würde zu einer allgemeinen Speculation auf den Staatssäckel führen. Edinger bestreitet dieses, er wolle nur Staatsgesetze, die Jedem eine gedeihliche Entwicklung möglich machten. Die Abstimmung ergab Annahme des Ausschußantrags und Ablehnung des Antrags Dumont's.
Darmstadt, 5. November. Die von unS mitgetbeilten Notizen aus dem Nachtrags-Budget für 1874/75 ergeben, welche Behörden und Stellen in den Ressorts der einzelnen Ministerien künftig in Wegfall kommen sollen. Es ist von Interesse, die Beträge kennen zu lernen, welche hierdurch an Gehalten erspart werden. Wir bringen deshalb nachstehende Zusammenstellung, bei welcher die in Folge veränderter Organisation im Ressort des Ministeriums des Innern vorgesehenen Neuanforderungen im Gesammtbetrage von 58,728 st. außer Betracht gelassen sind, zur Kenntniß unserer Leser.
Unter Zugrundelegung der seitherigen Besoldungsetats würden bei Annahme sämmtlicher von den einzelnen Ministeriell proponirten Reductionen an Gehalten jährlich erspart:
1) im Ressort des Ministeriums des Innern . . 54,370 st.,
2) im Ressort des Ministeriums der Justiz . . . 38,550 st.,
3) im Ressort des Ministeriums der Finanzen . 86,025 st.
Sa. 178,945 fl.
Unter Hinzurechnung der in dem Nachtrags-Budget eingeforderteu Besol- dungserhöhung um % (soweit dies überhaupt in Ansatz zu kommen hat), würde sich dagegen die Gesammtsumme der jährlichen Erfparniß auf 205,256 fl. 40 fr. (63,431 'fl. 40 fr. + 44,975 4- 96,850 fl) belaufen (Darmst. Ztg.)
Berlin, 5. November. Die „Prov.-Corresp." bespricht in einem län-. geren Artifel die verschiedenen Parteien und Parteibestrebungen in Frankreich und hebt hervor, daß es die Geistlichkeit fei, welche sich an die Spitze- der lei- denfchaftlichen Erregung des nationalen Dünkels und der Revanchebestrebungen stelle und den populären Leidenschaften huldige, um darin eine Spitze für die eigenen Hoffnungen auf eine Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes, sowie eine allseitige Befestigung der gelstlichen Herrschaftsgelüste zu finden. Ihr habe der Graf Ehambord als willfährigstes Werkze-ig zur Erreichung dieser Zwecke gegolten. Der Artikel schließt: Deutschland könne den jüngsten Entwickelungen Frankreichs, obwohl die leitenden Geister aus ihren Absichten und Hoffnungen Deutschland gegenüber fein Hehl machten, mit zuversichtlicher Ruhe folgen. „Unserer Kraft bewußt und im Hinblick auf die Lage der euro päischeu Politik, können wir unbefangen und aufrichtig im Interesse Frankreichs den Wunsch hegen, daß es demselben gelingen möge, wieder zu Einrichtungen zu gelangen, welche eine ruhige innere Entwickelung möglich machen und dasselbe vor thörichten Unternehmungen nach Außen bewahren."
Posen, 1. November. In Betreff der Abpfändung der Pferde und Equipage Ledochowski's kann die „Pos. Ztg." noch Folgendes mittheilen: „Bekanntlich wurden bereits vor Kurzem Pferde und Equipage Ledochowski's gerichtlich mit Arrest belegt. Da nun auch bis gestern der Erzbischof die Geldstrafe von 200 Thlrn., zu der er in Angelegenheit Arndt's (Filehne) verur- theilt worden war, nicht bezahlt hatte, so wurde die Abpfändung der mit Arrest belegten Gegenstände verfügt und mit der Ausführung derselben der Execntions-Jnspector und ein Executor beauftragt. Die Equipage und die beiden Pferde wurden gestern um 6 Uhr Abends, um welche Zeit die Execution stattfand, ohne Weiteres herausgegeben, nicht aber das Geschirr, welches nicht mit Arrest belegt worden war. Es wurden demnach drei Soldaten reguirirt, welche die Equipage nach der Stadt zogen, während die Pferde am Zügel geführt wurden. Equipage und Pferde befinden sich gegenwärtig in einem für derartige Zwecke bestimmten Stalle auf St. Adalbert."
Schmelz.
Bern, 3. November. Von 28 für den Jura zu wählenden Pfarrern hat die Berner Negierung bis jetzt 9 ernannt. Ein Circular der Negierung an die jurassischen Gemeindevorstände erinnert daran, daß, wenn im Falle von Unruhen eine militärische Occupation nothwendig wird, die Kosten derselben auf die Gemeinde fallen; zugleich wird die Auflegung von Listen angeordnet, in welche die ruheliebenden Bürger sich einschreiben sollen, wodurch sie, wenn sie nicht dawider handeln, von dem Beitrag zu den Occupationskosten entho bcu find.
Jniiilirvidj.
der aus und blieb zurück. In seiner Ermangelung bot unser Schnellzug eine ganze Heerschau bekannter militärischer Größen, wie Canrobert, mit ärgerlicher Miene, da er wieder vorgeladen ist, und Palikao, der Plünderer der chinesischen Herrlichkeiten und letzter Kriegsminister Napoleon's III., der in den Kriegsjahren, obschon er keinen thätigen Antheil an den Ereignissen genommen, sehr gealtert ist. Sonst war Cousin-Montauban, Graf Palikao, ein fein geschniegelter Greis, pomadisirten Kopfes, geglätteten Zügen, der der Kunst alle Mittel entlieh, um die Spuren des Alters zu verscheuchen. Jetzt trägt er sein wahres Alter zur Schau und scheint auf die Gunst des schonen Geschlechts verzichtet zu haben. Im Audienz-Saal defilirt bei Beginn der Sitzung ein ganzer Zug von Lothringer Boten, die sich besonders durch die Verschiedenheit ihrer groben Umschlagtücher auszeichnen. Dann hören wir die Aussage einer netten jungen Frau, der Schwester des Lieutenants Muth, die ihrem Namen Ehre gemacht und sich kühn durch die preußischen Vorposten durchgescklichen hatte, um nach Metz Depeschen zu bringen. Unter den unwichtigen Zeugen zeichnet sich endlich der 76jährige Lalouette aus, der mit einem Blick der höchsten Verachtung Bazaine beim Weggehen anblickt und ihm, ohne ihn eines Grußes zu würdigen, fest in's Auge schaut. Das Alles scheint indeß den Marschall ziemlich unbekümmert zu lassen. Der Oberst Turnier kommt nochmals zum Vorschein und beruft sich wieder auf fein mangelndes Gcdächtniß. Seit dem berühmten Proceß der Königin Karoline von England hat man wohl feiten so oft von einem Zeugen jenes berühmte „non me ricordo “ gehört. Der Befehlshaber von Montmedy, Oberst Massarotti, ein alter Officirr von unentschlossenem Aussehen, gibt sehr unklare Auskunft und scheint seine Pflicht auch nur sehr mäßig gethan zu haben. Dann tritt das bedeutendste Ereiguiß der Sitzung ein, in der wahrscheinlich der ersehnte Oberst Stoffel nicht erscheinen wird. Die schriftliche Aussage Mac Mahon's ist höchst bedeutend. Mac Mahon hat nur eine Depesche vom 19. August von Bazaine erhalten, als er im Begriff war, auf Paris zu marschiren. In Folge der Anzeige Ba- zaine's, daß er beabsichtige, sich gegen Norden zu wenden, hat Mac Mahon seinen Marsch verändert und jene Richtung genommen, welche seine Vereinigung mit Bazaine ermöglichte. Er erinnert sich nicht, eine weitere Depesche vom 20. August erhalten zu haben, worin von der Nothwendigkeit, den Soldaten einige Tage Ruhe zu gönnen, die Rede gewesen. Eine Depesche von solcher Wichtigkeit, die seine ferneren Bewegungen bestimmt hätte, fönnte feinem Ge- dächtniß nicht entgangen sein. Die Aussage Mac Mahon's gibt zu dem Zwischenfall Anlaß, daß der Actuar beim Verlesen der Unterschrift der gestellten Fragen inne hält, ohne den Namen „Henri d'Orlöans" zu lesen. Der Präsident fordert ihn lächelnd dazu auf. Nach der gewohnten Pause erscheint der Zeuge Nabaffe. Dieser Zeuge stand unter dem direkten Befehl des Obersten Stoffel und hatte von diesem die Ordre erhalten, ihm alle einlaufenden Depeschen zuzustellen, weshalb Rabasse die wichtigsten Depeschen Bazaine's für Mac Mahon, den Kriegsminister und den Kaiser Napoleon an den Obersten Stoffel adressirte, anstatt an die Original-Adressaten direct zu befördern. Ein College dieses Zeugen, Miös, gleichfalls Polizei-Agent, erregt Bewegung durch Mittheilung der Depesche mit der Unterschrift Coffiniöres, die also lautet: „Ich bin auf Metz mit 12,000 Blessirten zurückgedrängt (accule) ohne Lebensmittel und ohne Munition. Ich warte ab." Der Oberst d'Abzac soll jene Depesche empfangen und als bekannten Inhalts bezeichnet haben. d'Abzac leugnet den Vorfall, dessen Wahrheit der Zeuge auf Eid in Jenes Gegenwart wieder erhärtet. Diese Scene macht einen höchst peinlichen Eindruck. Ein Stabsoberst mit vielen Ehrenzeichen geschmückt, der stete Begleiter des Marschall-Präsidenten, wird öffentlich von einem Polizei-Agenten der Lüge geziehen! Die Meinungen im Publikum sind getheilt. Manche wollen in der Aussage des Polizisten Miös nur einen Kniff Stoffel's und der bonapartistischen Partei erkennen, womit Stoffel der Verantwortlichkeit enthoben und Mac Mahon schließlich ganz allein die Schuld am unglücklichen Marsch auf Sedan ^geschrieben werden soll. Andere halten d'Abzac für den Schuldigen und den Lügner und lassen ihn als Agenten der Kaiserin bei Mac Mahon derart wirken, daß dieser den Zug gegen Norden unternehme.
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Nom, 5. November. In Bezug auf das noch unbestätigte Gerücht, daß der Papst dem Deutschen Kaiser auf dessen Antwort einen zweiten Brief geschrieben habe, bemerkt ein römischer Berichterstatter der florentiner Nazione: „Man bespricht in clericalen Kriisen sogar den Inhalt jenes angeblichen Briefes. Der Papst soll darin gesagt haben, daß es ihm in seiner Gefangenschaft den größten Schmerz verursache, sich und die Seinen zuletzt noch von dem verfolgt zu sehen, welcher vormals auf fein ausschließlich göttliches Recht so stolz gewesen fei; daß er nicht erwartet habe, die vom Kaiser gegen ihn geführte Sprache zu uernebmen ; daß der seit 10 Jahren und liameutlich zur Zeit der Besetzung Noms durch die italienischen Truppen unterhaltene Briefwechsel ihn zu ganz anderen Hoffnungen berechtigt hätte; daß Nichts fein unerschütterliches Vertrauen auf Gottes Hülfe und feinen zuversichtlichen Glauben an den endlichen Triumph der katholischen Kirche wankend machen könnte, daß er aber jeden Tag zu Gott bete, daß er ihre und seine von den vorübergehenden Siegen ihrer Waffen berauschten unb verblendeten Feinde erleuchten und mit ihnen Erbarmen haben möchte, weil sie vergessen konnten, daß alle Throne umgestürzt werden können, nur der von Christo gegründete nicht n. f. w. Ich kann natürlich diese Lesart »licht verbürgen. Aber wenn der Brief wirklich existirt, so können wir nicht begreifen, warum die Anhänger des Vaticans, die doch sollst Geheimniß machen aus Allem, was der Papst spricht und thut, ihn nicht der Oeffentlichkeit übergeben."
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Niviere stark angegriffen ist, und der feine kurze Popularität seit dem Bekannt-
Trianon, 3. November, Abends. Großer Zlidrang des Publlkums lange schon vor Eröffnung des Kriegsgerichts über Bazaine. Malt erwartet das Verhör des Obersten Stoffel, dessen Charakter im Bericht des Generals
London, 3. November. Als der Briefwechsel zwischen dem Papst und dem Kaiser an die Oeffentlichkeit trat, hatte das Organ des Cardinals Cullen, r— -•O-O--H- - i— —o- i— —die „Dubliner Evening Post", nichts Eiligeres zu thun, als das päpstliche
werden seines Verhaltens vor seiner Ankunft in Paris rasch wieder eingebüßt.Schreiben als eine unverschämte und lächerliche Fälschung, eine alberne Erfin- hat. Im Wagen, der mich nach Versailles brachte, befand sich auch der Ge- düng der Feinde des Vaticans hinzustellen. Wie schon damals hervorgehobeu, neral Frossard, der bei Spicheren geschlagen wurde, unb dem die Collegeu tmiivar dies dte vernichtendste Kritik, welche der Brief Pins IX. erfahren konnte. Heere sonst den Spottnamen „Schulmeister" (pion) gaben ; kurz vor der Ab- Provinzialblättern geht nun ein Telegramm zu, nach lvelchem den» Cardinal fahrt des Zugs rief ihn aber eine Depesche ab, und er stieg verdrießlich wie- Cullen das voreilige Urtheil einen scharfen Verweis von Rom aus zugezogen


