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Auf dem Boulevard wurde gestern Abend neueste Anleihe zu 91.75 ge­

lautet :

Wir, Albert, von Gottes Gnaden König von Sachsen k. rc. rc., thun

Lokal-Notiz.

B e s I ü ( f e

des Gemeinderaths aus 4>er Sitzung vom 23. October 1873.

Anwesend waren: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Gcmeinderathsmitglieder Bücking, Felsing, Gail, Hanstein, Heß, Homberger, Keller, Körber, Lüdeking, Nagel, Noll, Pietsch, Silber­eisen und Wenzel.

handelt

Versailles, 31. October. DieAgcnce Havas" meldet: In Folge des Briefes des Grafen Chambord scheint die Absicht der Proclamirung der Monarchie völlig aufgegeben zu sein. Man versichert, daß die conservativen Fractionen darin einig seien, die Verlängerung der Vollmachten Mac Mahon^s zu beantragen. Die Bureaux der Rechten werden heute Abend in Paris zu­sammentreten.

Skizze des Bischofs Christoph Florentius Kött (Nr. 286 Ihres Blattes vom. nirgends gestört. DasJournal des Debats" will als gewiß wissen, daß 19. d. Mrs.) kommt der Paffus vor:An seinem Todestage sollte er nochsMac Mahon eine Botschaft an die Nationalversammlung richten wird. ausgepfändet werden, weil die Einziehung des Gehaltes nicht genügte, um die 400 Thlr., die ihm als Strafe zuerkannt waren, zu hiuterlegen. Die Pfän­dung unterblieb, weil er schon im Todcskampfe lag."" Diese Behauptungen sind unwahr. Die bereits früher verfügte executvrische Beitreibung der Geld­strafe wurde mit Rücksicht auf den damaligen Krankheitszustand des Verurtheil- ten diesseits ausdrücklich sistirt. Um mit möglichster Schonung die Strafe ein­zuziehen, wurde nun auf diesseitige Veranlassung die am 1. d. Mts. fällige Rate der bischöflichen Dotation einbehalten. Ebenso hat die Kassenverwaltung des Kreisgerichts aus gleichem Gruude die wegen der Kosten bereits angeord­nete Execution einstweilen sistirt. Es ist hiernach am Todestage des Verlebten weder wegen der Geldstrafe noch wegen der Kosten eine Pfändung beabsichtigt, noch weniger versucht worden."

Dresden, 30. October. Das Thronbesteigungs-Manifest König Albert's

hiermit kund und zu wissen:

Nachdem durch Gottes unerforschlicheu Rathschluß des Allerdurchlauchtig­sten Königs und Herrn, Johann, Königs von Sachsen, Unseres vielgeliebten Herrn Vaters Königliche Majestät, zum größten Schmerze Seines Hauses wie Seiner Unterthanen aus diesem Leben abgernfen worden ist, haben Wir die Regierung des Königreichs Sachsen vermöge des nach der verfassungsmäßigen Erbfolge an Uns geschehenen Anfalls der Krone übernommen. Wir versehen Uns daher zu Unseren getreuen Ständen, den Königlichen, sowie den sonst zu öffentlichen Diensten eingestellten geistlichen und weltlichen Beamten und Die­nern, auch zu alle» Unterthanen und Einwohnern Unseres Königreichs, daß sie Uns als den rechtmäßigen angestammten Landesherrn die schuldige Dienstpflicht, Treue und Gehorsam so willig als pflichtmäßig leisten werden. Dagegen ver­sichern Wir sie Unserer, auf Handhabung von Recht und Gerechtigkeit und Beförderung der Wohlfahrt und des Besten des Landes unausgesetzt gerichteten landesväterlichen Fürsorge, werden auch die Verfassung des Landes in allen ihren Bestimmungen während Unserer Regierung beobachten, aufrecht halten und beschützen. Damit der Gang der Staatsgeschäfte nicht unterbrochen werde, ist Unser Wille, daß sämmtliche Behörden ihre Verrichtungen bis auf Unsere weitere Bestimmung pflichtmäßig fortsetzen.

Gegeben zu Pillnitz, am 29. October 1873.

Albert.

Richard Freiherr v. Friesen. Georg Friedrich Albert v. Fabrice. Hermann v. Nostiz-Wallwitz. Dr. Karl Friedrich Wilhelm v. Gerber,

Christian Wilhelm Ludwig Abeken.

Dresden, 31 October. Der Beisetzung der Leiche des Königs Jo­hann in der Fürstengruft der katholische» Hoskirche wohnten außer dem König Albert und dem Prinzen Georg viele fürstliche Personen an, deren Reihe der deutsche Kronprinz, Prjnz Alfred von England und Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich eröffneten. Sodann folgte der Großherzog von Baden, der Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar, die regierenden Herzoge von Altenburg und Meiningen, Prinz Hermann von Weimar, der Erbprinz von Meiningen, die Prinzen Elimar von Oldenburg, August von Coburg, Günther von Rudol­stadt, endlich beide regierende Fürsten von Reuß. Die preußischen, bayerischen und österreichischen Regimenter, deren Chef König Johann gewesen, waren durch Deputationen vertreten. Morgen wird Prinz Adalbert von Bayern erwartet.

iMeiTeidj.

Wien, 31. October. DieNeue Fr. Presse" meldet, Graf Cham­bord habe in Folge ungünstiger Nachrichten über die Restaurations-Angelegen­heit die Reise nach der französischen Grenze vertagt; Graf Chambord sei nicht zu bewegen gewesen, ein von dem fusionistischen Unterhändler Falloux aufge­stelltes Manifest zu erlaffen.

Wien, 31. October. Die von dem Tagblatt gebrachte Nachricht, die preußische Negierung habe hier 100 Millionen für Anlehen zur Verfügung ge­stellt, findet wenig Glauben. Immerhin bereiten sich große Finanz-Operationen vor, welche zwar geheim gehalten werden, mit denen aber Bleichröder wahr­scheinlich in Verbindung steht.

öchweiz.

Genf, 31. October. Nach dem officiellen Bericht Turretins an den Stadtrath über die Hinterlassenschaft des verstorbenen Herzogs von Braun­schweig beträgt das Activ-Vermögen 20,510,000 Frcs., die Schulden 1,964,000 Frcs. Zu ersterem kommt noch dasHotel Beaujou" in Paris im Werthe von 520,000 Frcs., und Actien von Eisenbahnen in Amerika und Deutschland, worüber später berichtet wird.

Frankreich.

Paris, 30. October. Heute Abend bringt dieUnion" einen Brief Chambord's an Chesnelong, worin er erklärt, daß er seinem Princip getreu bleibe. Der Brief erregt große Sensation in Paris und macht selbst unter den Legitimisten einen schlechten Eindruck.Bien Public" bringt den Brief um 7 Uhr in einer Extra-Ausgabe und bemerkt dazu: DerRoy" will sei­nem Princip getreu bleiben. Er gibt in Nichts nach und weigert sich, König der Revolution zu sein. Die Monarchie ist noch nicht gemacht und dieser Brief setzt die in große Verlegenheit, welche früher, um den zu weit Vsrgegangeneu Muth zu machen, ankündigten, daß sie die Brücken hinter sich abgeschnitten, um zu vcrhinderu, daß man zurückgehen könne.

Paris, 31. October. DerAgence Havas" zufolge hätte der Mar­schall-Präsident Mac Mahon heute einem ihn befragenden Mitgliede der Neu- ner-Commission gegenüber erklärt, daß er nicht anstehen werde, auf seinem Posten zu bleiben, wenn die conservative Majorität geneigt sei, mit ihm die Verlängerung der Gewalt auf einer neuen Basis zu vereinbaren. Die Nach­richten über die Ministerkrisis sind als verfrüht zu bezeichnen; es wird aber der Austritt des Justizministers Ernoul und des Handelsministers de la Bouille- rie sicher erwartet. Nachrichten aus den Departements melden, der Brief des Grafen Chambord habe die größte Sensation erregt, doch sei die Ruhe

1. Gelegentlich der Verhandlung wegen Erhöhung des Schulgeldes an der Realschule und der Vorschule wurde bestimmt, daß das von den Schülern vierteljährig mit 27 kr. zu ent­richtende Tinten- und Vibliotheksgeld vom 1. Juli d. I. nicht mehr erhoben werden, und daß dem Realjchulpedellen, welcher die Tinte zu liefern habe, hierfür eine noch zu bestimmende Ver­gütung aus der Stadtkasse geleistet werden solle. Heute wurde diese Vergütung nach Antrag Großherzogl. Realschulvirection bestimmt und beschlossen, dem Pedellen Link hierfür jährlich 100 st., für Lieferung der Tinte in die Vorschulklassen 40 fi. und als Diener der Letzteren 20 fl. jährlich zu bewilligen. Die Auszahlung dieser Beträge soll vom 1. Juli d. I. an ge­schehen.

2 Bei der am 12. Mai d. I. abgehaltenen Holzversteigerung ist der Tarifpreis nicht erreicht worden, da aber von Großherzogl. Oberförsterei die Genehmigung befürwortet wurde, so gab auch der Gcmeinderath seine Einwilligung und Genehmigung zur Versteigerung.

3. Eine Offerte des Heinrich Adami, aus den Brüchen von Fr. Schwaab, 200 Kubik­meter Pflastersteine 1. Sorte und 30 Cubikmeter Pflastersteine 2. Sorte für den Preis, erstere

für 9 fl. 55 kr. und letztere für 8 fl. 24 kr. per Cubikmeter zu liefern, wurde acceptirt, wenn

die Ablieferung auf die vom Stadtbaumeister bestimmt werdende Plätze erfolge.

4. Die bei Pflasterung der Schulstraße für Sandlieferung entstandenen Mehrkosten mit 93 fl. 11 kr. wurden genehmigt und die Mittel hierfür zu Lasten der Ueberjchüsse des Jahres 1873 bewilligt.

5. Auf den Bericht des Stadtbaumeistcrs in Betreff der Errichtung eines Denkmals für die dahier beerdigten deutschen Soldaten wurde beschlossen:

a) den mit Heinrich Spahr von Lich abgeschlossenen Vertrag über Aufstellung des Denkmals zu genehmigen,

b) dem Todtengräber Noll die Herstellung der Gräber zu übertragen und ihm hier­für als Vergütung 30 kr. pro Grab zu bewilligen.

6. Das Spalten der Tanncn-Prügel für das städtische Magazin war dem Paul Happel in Hausen für 16 kr. pro Meter veraccordirt worden und hierzu crtheilte der Gemeinderath seine Zustimmung.

7. Nachdem die Besitzer des zur Fortsetzung der Reichensandstraße erforderlichen Ge­ländes sich bereit gefunden, dasselbe für 4 fl. pro Klafter abzutreten, wurde beschlossen mit diesen und dem Herrn Heß, welcher sein Gelände zu diesem Zweck unentgeldlich offcrirt hat, Kaufverträge abzuschließen

8. Auf eine Beschwerde der Firma Flick & Kröll über gehemmten Wafferabfluß aus ihrem Hof, lehnte der Gemeinderath die ihm angesonnene Mitwirkung zur Beseitigung des für sie gewordenen Mißstandes ab, weil das hier in Betracht kommende Gäßchen nicht städtisches Eigenthum sei.

Gießen, 2. November. Auf den hiesigen Bleichen ist in der letzten Zeit öfters Wäsche gestohlen worden. Gestern wurde die Frau des Percr Jakob aus Erda von der Polizei ver­haftet, weil ihr ein großer Theil der verübten Wäsche-Diebstähle zur Last fällt. Sie hatte sehr vorsichtig, ein Stück nach dem anderen, gestohlen und so nach und nach bedeutende Vorräthe zusammengetrage». Ihr Mann, der vor einigen Jahren hierher überzog, ist wegen mehrerer auf der Eisenbahn begangener Diebstähle im November v. I. verhaftet und mit 11 2 Jahren Zuchthaus bestraft worden. Die Gemeinde wird nun die 3 kleinen Kinder ver in Gefängnissen itzenden Eltern verpflegen lassen müssen.

--In der Nacht vom letzten Freitag auf den Samstag ist einem jenseits der Lahn wohnenden Bürger ein Fensterladen und ein Fenster cingeschlagen worden, was die Hausbewoh­ner sehr erschreckt hat. Der übermüthige Thäter ist ermittelt worden, er sieht seiner Bestrafung entgegen.

Die Klagen der arbeitsscheuen Subjeete über die geringen Strafen werden immer lauter. Ciü eben hier sitzender wegen Diebstahls und Bettelns schon oft bestrafter Strolch aus Gelnhaar äußerte in diesen Tagen, nackdem er wegen Bettelns bestraft worden war:ich sehe ein, das Verteln thuts nicht; ich muß wieder stehlen gehen" und ein hiesiger junger, die Arbeit hassender, den Brandwein liebender, schon mehrfach bestrafter Bursche, äußerte gegen die Polizei:in der Meinung, ich könnte freies Winter-Quartier kriegen, habe ich ein Hemd gestohlen; aber sie haben mich gleich wiederaus dem Gefängniß gejagt; es bleibt mir nun nichts übrig als ein paar Ochsen zu stehlen oder Einem den Hals abzuschneiven" Wie wohlthätig würde ein Zwangsarbeitshaus wirken, wenn es den Abschaum der Menschheit zwischen seinen Mauern beherbergte!

Gießen, 3. November. Man ist es sozusagen hier gewohnt, daß dem Publikum von Zeit zu Zeit im Wenzel'schen Garten irgend ein Genuß seltener Art geboten wird, den man neben dem Alltäglichen sehr gut milnehmen kann. So hat der unermüdliche Wirth des Gartens mit sehr bedeutendem Risteo daS Erste Europäische Damenorchester veranlaßt, hier zwei Coneerte zu geben, was verschiedenen Herren in Mainz und Offenbach nicht möglich gewesen. Wir glauben, daß Herr Wenzel wohl sein Geschäft nicht im Auge hatte, sondern nur dem Publikum einen Genuß bieten wollte, als er das Orchester engagirte; denn bei einer so bedeutenden Garantiesumme, wie sie gegeben, wird wohl schwerlich ein Ueberfluß erzielt. Wir möchten unsere Musikfreunde hierauf aufmerksam gemacht haben.

Vermischtes.

Köln. DieKölner Zeitung" schreibt unterm 26. Octobcr: Die Erderschütterungen, die in der Rhein-Provinz in den jüngsten Tagen aufgetreten sind, scheinen sich seit dem 22. d. M., wo die Stöße am heftigsten waren und in weitester Ausdehnung auftraten, bis heute nicht wiederholt zu haben. Es sind uns noch sehr viele Mittheilungen zugegangen, aus denen her­vorgeht, daß man in Herzogenrath, nördlich von Aachen, und Umgegend die Erschütterungen allgemein und am heftigsten wahraenommen. Besonders sind noch als Orte des Erschütterungs- bczirks zu erwähnen: Stolberg, Eupen, Crefeld, Düsseldorf-Oberbilk und Umgegend, Bonn und Umgegend und am entferntesten Gießen, von wo wir nachstehendes Schreiben erhalten: Bei den zahlreichen Mittheilungen über das Erdbeben vom 22. d. M. aus Orten westlich des Rheins wird es von Jntereffe sein, zu wissen, daß dasselbe auch hier in Gießen von mir beob­achtet worden ist. Nach der Bahnhofsuhr, welche gewöhnlich ziemlich genau die mittlere Zeit von Gießen angiebt, bemerkte ich den Stoß um 9 Uhr 49 Min. 15 See."

In einem Kreisstädtchen im Nordwesten unserer Provinz ereignete sich dieser Tage folgende Seene: Ein ultramontaner Caplan kommt zum Arzt:Unsere Partei stellt den Lichterzieher Dunkel als Wahlmann der zweiten Classe auf, während die liberale Partei auf den Kaufmann Ehrlich stimmen wird, ich hoffe, Herr Doetor, Sie," Arzt:Ich merke schon, Herr Caplan, Sie leiden am ultramontanen Wahlsieber; lesen Sie bis auf Weiteres zwei Mal täglich die Kölnische Zeitung, enthalten Sie Sich jeder Agitation., und Sie werden in einigen Tagen wieder hergestellt Mn. Meiden Sie aber in Zukunft den Umgang mit Ihrem Pastor, von dem Sie jevenfalls angesteckt sind.--- Der nächste Patient kann eintreten."

Berlin, 23. Oet. In dem Foyer des Schwurgerichtsgebäudes spielte sich am Dienstag eine ergreifende Scene ab. Ein junges Mädchen hatte sich von einem hiesigen Kaufmann auf Grund eines Briefes mit gefälschter Unterschrift ein Pfund Choeolade und zehn Sgr. haar erschwindelt und war in Folge dessen wegen Urkundenfälschung angeklagt. Im Gefühl ihrer bereits in der Voruntersuchung reumüthig eingestandenen Schuld erschien sie gestern zum Audienz­termine, war aber durch fetnetlei Zureden zu bewegen, in den Saal einzutreten und auf der