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Bekanntmachung.

Betreffend: Das Verbot von Fußpfaden in der Gemarknng Ruttershausen.

Auf den Antrag des OrtSvorstandes zu Ruttershausen werden hierdurch die in der Gemarkung Ruttershausen zwischen der Lahn und dem neuen Vicinalweg nach Odenhausen über die Aecker am Höllenberg und die Höllenbergswiese führenden Fußpfade, vorbehaltlich etwaiger privatrechtlicher Berechtigungen, für verbotene Wege erklärt. Die unbefugte Benutzung derselben wird mit dec in §. 368 pos. 9 des Strafgesetzbuchs, beziehungsweise in Art. 58 deS Feldstrafgesetzes vorgesehenen Strafe geahndet.

Gießen, den 27. Juli 1871. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Starck.

Polizeiliche Bekanntmachung.

Einer heute dahier verhafteten Diebin wurden abgenommen:

1) eine Brieftasche mit mehreren Photographien eines französischen Soldaten und Briefen in französischer Sprache geschrieben, und

2) ein Kindertäschchen, auf welchem ein weißer Pudel mit Perlen gestickt ist,

welche solche dahier gefunden haben will. Wahrscheinlich sind diese Gegenstände von der Person aus einem Hause gestohlen worden, weßhalb man die Eigen- thümer auffordert, sich baldigst bei uns zu melden. ,

Gießen, den 27. Juli 1871. Großherzogüche Poltzer-Verwaltung.

Nover.

Poßitischer T h e i L.

29. Juli.

f Mit dem 1. August d. I. treten die Bestimmungen des neuen Militär- peusionsgesetzes vom 24. Juni in Kraft, wonach die Pensionen der im Reichs-, Staats- oder Communaldienst angestellten oder vorübergehend beschäftigten Offiziere im letztem Falle wie zeither nicht vor Ablauf der ersten sechs Monate der Be­schäftigung nur insoweit zu kürzen sind, als das Civildiensteinkommen sammt der Pension den Betrag des vor der Pensionirung bezogenen Diensteinkommens übersteigt; mit demselben Tage treten auch die Bestimmungen der CabinetSorbre vom 5. December 1857 außer Kraft, welche bekanntlich jene Kürzung der Offizier­pensionen schon bei einem Civileinkommen von 250 Thlr. jährlich beginnen ließen. Diejenigen im Civildienste angestellten oder beschäftigten Offiziere, deren Pensionen vom Kriegsministerium resortiren und die nach Maßgabe der Bestimmungen des neuen Pensionsgesetzes erhöhte Ansprüche auf Belassung der Pension neben dem Civileinkommen zu haben vermeinen, müssen sich mit ihren desfallsigen Anträgen an diejenige königl. Regierungsbehörde wenden, aus deren Hauptkasse sie ihre PensionScompetenz beziehen; den betreffenden Anträgen ist eine von der vorgesetzten Reichs-, Staats- oder Communalbehörde des Antragstellers ausgesetzte Bescheini- gung beizufügen, in welcher unzweifelhaft auSgedrückt sein muß, ob der Offizier angestellt, dauernd oder nur vorübergehend beschäftigt, sowie welches Einkommen, ob Gehalt, Remuneration rc., in welcher Höhe und seit wann er das bezieht. Die königl. Regierungsbehörden geben die eingehenden Anträge, nach Prüfung der­selben und mit ihren Bemerkungen versehen, an das Kriegsministerium zur Ent­scheidung resp. Feststellung des neben dem Civileinkommen zu gewährenden Pen­sionsbetrages ab. Es ist dabei zu bemerken, daß nach dem Militärper.sionSreglement vom 13. Juni 1825 das pensionsfähige Diensteinkommen beträgt für den Seconde- lieutenant 480 Thlr., für den Premierlieutenant 600 Thlr., für den Haupt­mann 3. Klasse 700 Thlr., für den Hauptmann 2. Klasse 1000 Thlr., für den Hauptmann 1. Klasse 1500 Thlr., für den Major und Oberstlieutenant 2000 Thlr. und für den Oberst 2800 Thlr. jährlich.

f Die unerquicklichen Zustände in Elsaß-Lothringen, die dort herrschende Unzufriedenheit, die massenhaften Auswanderungen aus dem neuen Reichslande haben, wie es scheint, den Feinden des deutschen Reiches große Freude bereitet. Man jubelt nicht wenig im feindlichen Heerlager, daß Deutschland mit der Er­werbung dieser neuen Landestheile sich eine große Last aufgebürdet hat, daß diese Annexion noch auf lange Zeit hinaus einen Theil seiner militärischen Kräfte ab- sorbiren werde u. s. w.; allein man übersieht dabei merkwürdigerweise ganz und gar, daß der Bortheil der neuesten Eroberung für Deutschland nicht, wenigstens für Vie nächste Zukunft nicht, in dem Zuwachs der Seelenzahl und der nach dem deutschen Wehrsystem dadurch bedingten größeren Truppenstärke, sondern für die Gegenwart einzig und allein in den Terratnkräften der neuen Grenzlande liegt. Dieser Bortheil ist nun aber ein ganz immenser, so daß, selbst wenn die Hälfte der Bevölkerung und darüber aus Elsaß-Lothringen auswandern würde, nichts für uns verloren ginge, insofern unsere Politik im Westen Europas auf lange Zeit hinaus lediglich in der Sicherung unserer Grenzen gegen einen neuen Angriff von Seiten Frankreichs gipfelt. Wenn uns das neue Reichsland auch nicht einen ein- zigen Soldaten zubrächte, so würden wir doch durch die neue Grenzlinie immerhin mehr als hunderttausend Soldaten gewonnen haben, denn unter den heutigen Ber- hältniffen brauchen wir für den Fall eines neuen Angriffskrieges von Seiten Frank­reichs kaum die Hälfte der Truppenzahl, welche uns Frankreich entgegensetzen müßte, um mit einiger Aussicht auf Erfolg den Versuch zu wagen, unsere Linien zu durch­brechen. Würde Deutschland jemals in die Lage versetzt, einer europäischen Coalition gegenüberzutreten, so würde es diese Gefahr um so leichter überstehen können, als wir den Krieg gegen unsere Hauplgegner nur defensiv zu führen brauchen, während wir mit unserer Hauptmacht die übrigen Staaten offensiv be­impfen und niederwerfen könnten, ehe diese von ihren an der westlichen und süd­östlichen Grenze festgehaltenen Alliirten SuccurS zu erhalten im Stande sind. Der Hauptvortheil, den wir durch das neue Reichslanv gewonnen haben, wirkt also zurück auf unsere Gesammtposition in Europa überhaupt, die für die Erhol- tung des europäischen Friedens von entscheidendem Gewicht ist.

Die Clerikalen aller Länder haben durch die Darlegung deS Chefs der französischen Exekutivgewalt in Bezug auf das Berhältniß Frankreichs zur römi­schen Frage einen harten Schlag erlitten. Die Ohnmacht Frankreichs, europäische Politik zu treiben, ist von Herrn Thiers ganz offen eingestanden, und daß dies ein Segen für sämmtliche europäische Nationen ist, für die großen nicht minder wie für die kleinen, bedarf keiner eingehenderen Auseinandersetzung. Europa war immer schwach und unfrei, wenn Frankreich das Übergewicht hatte: die von Frankreich am Ende des vorigen Jahrhunderts präliminirte allgemeine Völker- freiheit endete mit der allgemeinen Knechtschaft. Hätte in dem letzten mörderischen Kriege Frankreich den Sieg über Deutschland davongetragen, dann wäre Italien in Fetzen zerrissen, die Priesterherrschaft in Rom wieverhergestellt, und die Völker

Europas würden so lange und so schwer unter demVorrang" Frankreichs ge­litten haben, bis eine allgemeine Katastrophe dem unerträglichen Drucke ein Ende gemacht hätte. Um wie viel günstiger muß dagegen die neue Constellation der europäischen Verhältnisse von jedem Unbefangenen betrachtet werden, denn Deutsch­land sucht seine Aufgabe nicht in der Niederhaltung der Nationen, sondern in der Sicherung der Freiheit und Unabhängigkeit derselben gegen jedweden Ehrgeiz der großen Continentalmächte Europas.

Das AusführungScomite des Ausschusses des Congreffes deutscher Landwirthe theilt mit, daß für die nothleidenden Landwirthe in Elsaß-Lothringen bis zum 15. Juli mehr denn 25,000 Thaler an freiwilligen Gaben eingegangen sind, von denen 23,000 Thaler bereits an Ort und Stelle zur Vcrtheilung gelangten.

Seitens des Bundcsrathes ist der Entwurf eines VkreinSgefetzes an die ein­zelnen Bundesregierungen vertheilt worden, mit der Aufforderung, sich darüber gutachtlich zu äußern.

Die Reibereien zwischen den deutschen OccupationStruppen und der Bevöl­kerung der besetzten Landestheile in Frankreich dauern fort. Tag für Tag melden die Journale die unerquicklichsten Austritte, die natürlich von den französischen Federn in der gehässigsten Weise dargestellt werden. Es läßt sich leider nicht ver­kennen, daß diese für die Eitelkeit des Franzosen unerträgliche Occupation minde­stens ebensoviel zur Entfremdung beider Nationen beigetragen hat, als der Krieg selbst. Eine Reihe gewissenloser Blätter macht es sich zur Ausgabe, die Einwohner der besetzten Departements systematisch aufzuhetzen und so zu Excessen zu verleiten, die für Niemanden unangenehmere Folgen nach sich ziehen, als für die thörichtm Excedenten selbst. Besagten Blättern ober liefern solche Confliete den erwünschten Anlaß, über dieSchergen Wilhelms ' herzufahren und ihre Chronique scandaleuse mit pikanten Mannichsaltigkeiten auszuputzen, und weiter hat ja die Perfidie keinen Zweck.

Daily News" äußert sich mit Entrüstung über das Rachegeschrei einiger französischer Journale, und erhebt ihren ernsten Protest gegen dieses Treiben. Wir erinnern uns (sagt das liberale Blatt) an gewisse, vor einem Jahre im Figaro" undGauloiS" erschienene Artikel, die den Krieg verherrlichten und im Voraus die Einnahme von Berlin feierten, und wir finden nicht, daß diese Zi­geunerorgane sich nach den Ereignissen der letzten zwölf Monate zu ihrem Besseren verändert haben. Sie sind kaum ein Haar wahrheitsliebender, bescheidener oder weniger unverschämt und prahlerisch als zuvor. Noch ehe die Deutschen die öst­lichen Forts der Hauptstadt geräumt haben, schreien diese Gassenbuben nach Rache. Wir wissen, wie viel Schmerz und Scham diese Tollheiten patriotischen Franzosen, welche sich, wie Baron Stoffel, durch Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe um ihr Vaterland hoch verdient gemacht haben, verursachen."

Die letzten Nachrichten aus Algerien, die von Mitte des laufenden Monats datirt sind, lauten wieder sehr beunruhigend. Thatsache ist, daß sich gegenwärtig 70,000 Mann in Algerien befinden, und daß dieselben nicht genügen, um den Ausstand zu unterdrücken. Der Kriegsminister hat daher die abermalige Absen­dung von Truppen angeordnet. Die Insurrektion wüthet gegenwärtig in den Provinzen von Algier und Constantine und insbesondere in den Distrikten vom Fort National, Cherchell und Milah, sowie in den Sub-Diviflonen von Bona, Batna und Setif.

Der persische Gesandte in London behauptet zwar, daß die Erzählungen von der HungerSnoth in Persien nicht nur übertrieben, sondern sogar unbegründet seien. Die Nachrichten aus Indien über die Zustände im persischen Reiche sind jedoch zu sehr übereinstimmend, als daß man jene amtlichen Abläugnungen für wahr halten könnte. So schreibt dieTimes of Jndia":Da die Ernte in der Provinz Farsistan, dem fruchtbarsten Landstriche von Persien, mißrathen ist, so haben die unglücklichen Einwohner, die sich selbst durch den Verkauf ihrer Kinder kein Brod mehr verschaffen können, ihre Heimath verlassen und sind in ferne Städte geflohen. In Kirman sind die Weizenpreise auf das Neunfache gestiegen. Die Behörden sind durch die Wehklagen der Verhungernden gezwungen worden, in allen Häusern und Borrathskammern nach Korn zu suchen und es zum Verkaufe an die Armen für die Bazars in Beschlag zu nehmen. Die Sterblichkeit in Kir­man ist furchtbar. Was Iesd betrifft, so hat dessen Boden stets dem Baumwoll- und Opiumbau gedient, nie dem Kornbau; der Weizenbedarf wurde daher aus Schiras, Kirman und Jspahan eingeführt. Da nun diese letzteren Städte seit vorigem Jahre keine Ausfuhr mehr leisten konnten, so läßt sich das entsetzliche Elend in IeSd vorstellen. Obwohl 20* bis 30,000 der Bewohner die Stadt verlassen haben, so verkaufen Vie dort gebliebenen doch ihre Kinder um geringen Preis. Im ersten Zeiträume der HungerSnoth fristeten die Leute ihr Leben mit dem Fleische der Kameele, Esel, Pferde und Katzen; als diese thierische Nahrung ausging, fingen viele Unglückliche Der niederen Klassen an, Kinder zu rauben und zu verzehren! Selbst Leichen sollen von der durch den Hunger wahnsinnig wer­denden Bevölkerung nicht verschmäht worden fein." Sollte nutt auch von dieser

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