durch Stellung und Verhältnisse irgendwie in der Lage sind, die Anstalt heben
Adolph Noll, Neue Anlage.
1(4634)
Der Vorstand.
Redactton, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietscb) in Gtetzen.
Gemüthlichkeit "
verdanken, daß die Bildung unseres Volkes jetzt schon die anderen Nationen weit überragt, und derselbe Schulzwang ist nöthig, wenn die Fortbildungsschule den höher gestellten Anforderungen unserer Zeit genügen soll. So lange aber dieser Schulzwang nicht durch staatliche Einrichtungen geschaffen ist, muß er ersetzt werden durch eine gründliche Unterstützung seitens Derer, die, wie Väter, Vormünder, Lehr- und Dienstherrn, auf die Erziehung und Bildung der Jugend zu wirken berechtigt und berufen sind, sowie auch dadurch, daß allgemein die Aufnahme junger Leute in's Handwerk, in's Comptoir, in den Laden, in's Büreau, von Zeugnissen über den Besuch der Fortbildungsschule abhängig gemacht wird. Ein mit der sicheren Aussicht auf eine solche Unterstützung von Außen begonnenes Werk kann allein die Bürgschaft des Gedeihens und einer segensreichen Wirksamkeit in
mündlich oder schriftlich geschieht. Dieselben verpflichten sich dadurch, die ihnen untergebenen jungen Leute zum regelmäßigen Besuch des Unterrichts nach Kräften anzuhalten und so die Anstalt in ihren Bestrebungen zu unterstützen.
Von Zeit zu Zeit sollen Mittheilungen über den Stand und Fortgang der Schule "veröffentlicht und den Schülern Zeugnisse über den Besuch des Unterrichts und ihre Leistungen ausgestellt werden. Die Anstalt wird es sich zur Aufgabe machen, soweit ihr Einfluß reicht, tüchtigen Schülern durch Empfehlungen rc. bezüglich ihres Fortkommens Vorschub zu leisten.
Die betheiligten Lehrer wollen der neuen Anstalt gern Zeit und Kräfte widmen und wünschen nur, mit einem recht großen Schülerkreise tüchtige Er-
zur Erhaltung und Verbreitung von Volksbildung sein von dem Augenblick an, wo der Besuch derselben in gleicher Weise wie der Besuch der Elementarschule ' ’ '. Dem Schulzwange allein haben wir zu
sich tragen.
Das Bedürfniß einer solchen Fortbildungsschule gerade auch für unsere neu aufblühcnde Stadt Gießen schon längst fühlend und in der Hoffnung auf eine ausreichende Unterstützung seitens der Einwohnerschaft, hat sich eine Anzahl hiesiger Lehrer entschlossen, einen Versuch zur Gründung einer Fortbildungsschule zu machen, nachdem wohllöblicher Stadtvorstand ihnen in bereitwilligster Weise für Local, Heizung und Beleuchtung zu sorgen versprochen hat.
Der Unterricht soll jungen Leuten von 14—18 Jahren und zwar unentgeltlich ertheilt werden.
Vorläufig sind an vier Abenden in der Woche die Stunden von 8—10 Uhr für den Unterricht in Aussicht genommen.
Die zu behandelnden Unterrichtsgegenstände sind vorerst Rechnen und Geometrie, Geschäftsaufsätze, Geschichte, Geographie, Lesen und Literatur, Schreiben. Nach Umständen aber kann der Lehrplan noch erweitert werden, und ist unter anderm in Aussicht genommen, daß, wenn bei einzelnen Schülern das Bedürfniß sich ergeben sollte, auch Unterricht in Französisch und Englisch ertheilt werden kann.
Wenn dem Unternehmen auch die Absicht zu Grunde liegt, daß eine Fortbildungsschule für alle aus der Elementarschule entlassenen jungen Leute geschaffen werden soll, die nicht Schüler einer höheren Lehranstalt sind, so sollen doch nur solche ausgenommen werden, bei denen eine Garantie vorhanden ist, daß sie den Unterricht regelmäßig und bis zu einem gewissen Abschlüsse besuchen werden, und darum ist es nothwendig, daß die Anmeldung von Schülern durch die Eltern oder deren Stellvertreter (Vormünder, Lehr- und Dienstherrn rc.)
genommen. i 453j) (SzUt vlutllulwty —o-;_____ -
Fortbildungsschulen in direktem Anschluß an die Elementarschule'fann fofort Eintreten. Bei wem? sagt dieses Stiftungsfestes, find das dringendste Bedürfniß unserer Zeit, und sie werden das beste Mittel Exped. d. Bltts.
4592) Ein tüchtiger Ackerknecht, welcher 4605) Eine tüchtige Köchin uud ein die Behandlung von Pferden versteht, wird braves gewandtes Kindermädchen, welches
und fördern zu helfeu.
Indem die betreffenden Lehrer hiermit ihr Unternehmen allen hiesigen Bewohnern dringend ans Herz legen, bitten sie um baldige Anmeldungen, die täglich von 12 — 2 Uhr in der Wohnung des mituntcrzeichneten Lehrers Müller (Ferber'sche Buchhandlung geschehen können.
Gießen, am 25. October 1871.
Der Ausschuß:
Albach, Reallchrer. Freienfehner, Mitpr.-Vikar. Müller, Lehrer.
Bekannt m a ch u 11 g.
Die Annahme von Inseraten für den öffentlichen Anzeiger findet in der Expedition dieses Blattes, Zietenplatz Nr. 3-, statt. Außerdem kann dieselbe jedoch auch durch
So weit der Aufruf.
Es handelt sich hier um eine der wichtigsten Fragen unsrer Zeit, um eine Frage, die das höchste Interesse eines.Jeden verdient, der fühlt und erkennt, daß die Bildung unseres Volkes entsprechend fein muß der Weltstellung, die es errungen, eines Jeden, der weiß, daß Bildung in neuer Zeit ein nothwen- digeS Bedürfniß ist zum materiellen Fortkommen und eine schöne Zierde sowohl des Einzelnen wie auch eines ganzen Volkes. Leider aber müssen wir mit dem Aufrufe" darin übereinstimmen, daß es mit der Bildung der großen Masse unseres Volkes noch lange nicht so bestellt ist, wie es fein sollte, und zwar vor- zuasweise darum, tveil in beit meisten Fällcu bet 11 nfertiebt ba vollständia aufkört, wo er erst anfantfen kann, nacbkaltig für das Leben zu wirken, mit der Coufirmatlon, und weil
bilbung.---- r - c o r c .
An alle Freunde deutscher Bildung und Gesittung, besonders aber an dte bereits bestehenden Volksbildungsvereine richten wir daher die Aufforderung, sich mit uns zu vereinigen znr Gründung einer „Gesellschaft zut Ver- breitung von Volksbilbung", welche sich folgende Ziele stellt: 1) an allen Orten, welche noch keine Fortbildungsschnleu haben, solche zu begründen, und zwar zunächst in den städtischen Gemeinden, später, soweit sich dies als ausführbar erweist, auch in den ländlichen Bezirken. 2) Einen Verband herzu- stellen zwischen allen Vereinen, welche sich die Hebung der Volksbildung zur Aufgabe gestellt haben, behufs gegenseitiger Anregung, behufs Austausch der |vivuicu unv wu u .......... ,...........
Ansichten und gesammelten Erfahrungen und behufs gegenseitiger Unterstützung. eßj crue{en iU können; sie glauben sich aber darum auch der Unterstützung 3) Gründung eines Blattes, welches ausschließlich den Interessen des frei- a^er Derer versichert halten zu dürfen, die für die Sache Interesse haben und willigen Bildiingswesens gewidmet ist rc. 4) Gewinnung befähigter Lehrer zur Abhaltung volksthümlicher Vorträge über wichtige Angelegenheiten des öffentlichen Lebens und Gegenstände von allgemeinem Interesse.
Mehr als je drängen jetzt die Unistände zu einem derartigen Unternehmen. Die nächste Folge des Krieges wird eine gewaltige wirthschaftliche Anspannung seich um das Verlorne wieder eiuzubringen, um unsere Stellung auf dem Weltmärkte zu behaupten, wo möglich zu erweitern; aber diese Periode wird zugleich ein Zeitraum der politischen Erschlaffung und der Lähmung des Sinnes für geistigen Fortschritt sein. Schon die Wahlen zum preußischeii Landtag im „co- vember 1870, mehr noch die diesjährigen Reichstagswahlen haben dies bewiesen; iiach Verkündigung der „Unfehlbarkeitslehre" trat die ultraniontaue Partei zahlreicher als je in geschlossener Phalanx in den preußischen Landtag lind in den deutschen Reichstag. Kein würdigeres Denkmal können wir dem jungen Frieden widmen, keins, das ihm längere Dauer verbürgt, das uns mehr vor dem Neide der Fremden und vor eigener Ueberhebung schützt, als indem wir nach großen kriegerischen Siegen mit Ernst und aus freiem Antriebe zur Ausfüllung der Lücken unserer Volksbildung schreiten, stets eingedenk, daß die großen socialen , politischen und freiheitlichen Fragen der Gegenwart allein durch die Theil- uahme der Bildungsmittcl über sein jetziges Niveau emporgehoben werden muß, im Sinne menschheitlicher Gesittung gelöst werden könne.--
Preise von 2'/2 Sgr. pro Zeile zu sammeln und an uns abzuführen.
Die Rtdactio» des Deutschen Reichs-Anzeigers und König!. Preußischen SteicttS-Anzeigers.
Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung empfehle ich mich zur Entgegennahme von geeigneten Annoncen für den „Deutschen Reichs- und Kgl. Prcuss. Staats-Anzeiger.“
Klldoif VlOSSe, Berlin,
officieller Agent sämmtl. Zeitungen,
ferner domicilirt in Hamburg;, Breslau, Halle a. <1. S., Leipzig, Frankfurt a. SI., M üneben, Nürnberg;, Prag, Wien, Zürich, Strassburg.
die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Berlin und deren auswärtige F linlen bewirkt werden, da die letztgenannte Expedition zur Bequemlichkeit des größeren Publikums, namentlich auswärts, sowie zur Abkürzung des desfallsigen Geschäftsverkehrs von der unterzeichneten Redaction contractlid) bevollmächtigt und verpflichtet ist, geeignete Annoncen zudem Orig'naltartf-
UUV «Will .---' X. ----! ine -Oeynnvruilg uun -pirrven uciucyi, ivuu ui uuey yuuunuics inuciuiuuuitu, ivuu/i»
bann, wie die VrfaNrnng vielfach jettjbjiadi wentg Jahren zum 1. Januar 1872 gesucht- Schriftliche Liebe zu Kindern hat, weiden gegen hohen fdwn bie X-rnchte eines" acbtiäbriqcn LchnlunterrichtS zum M-limnam nimmt di- Exp-d. d. Bltts. Lohn bis Weil,nachten «fu4t mm Sn Sbcilwieberveifcbtv.inben linb. (Sine Grundlnge znr'Bil-unter A. D. ent eaen._________________| Mb.ipi, »o.i, «cue «£«8±_
tu na tes Menschen in lesen ist, wie such ter Auftuf hcrvvrhcbt, die. Aufgabe 4608) Em Blonden Schleier ist amFrei-l - - ------
der Schule; die Erhaltung und Erweiterung ihrer Erfolge bedarf eines noch!l"«Kamansaaste ^^laren^w^dem j jahrelang fortgesetzten Unterrichts, und darum ist auch in jenem Aufrufe zu- G^'n gwe ablL^st^C iDienstag, den 31. Ortetet. Abend 9 Uhr,
nächst und vor Allem die Einrichtung von Fortbildungsschulen in Aussicht; Nr. 225.__________________________ I Generalversammlung.
4531) Ein ordentlickes Dienstmädchens Tagesordnung: Berathung über die Feier
4625) Vor einiger Zeit ging von einer Anzahl deutscher Schulmänner, der Jugend zur Pflicht gemacht wird. Beamten, Schriftsteller, Reichs- und Landtagsabgeordneter rc. ein Aufruf mig, ^rbonfcn. dak bie Btlduna unseres der nicht warm genug zur Beachtung empfohlen werden kann und den die Un- j terzeichneten zur Begründung eines aus Nachfolgendem ersichtlichen Planes in seinen wesentlichsten Theilen hier mittheilen: „Aufforderung zur Gründung einer Gesellschaft snr
Verbreitung von Volksbildung."
Ein neues Zeitalter hat in dem Augenblick begonnen, da die deutsche Kraft sich unwiderstehlich zur Einheit gesammelt, da der Nachkomme Friedrichs d. Gr. an die Spitze eines wirklich vorhandenen, eines an Geist und Körper lebendigen und hochmächtigen deutschen Staates getreten ist. Nicht auf eine einzige Ursache ist dieses weltgeschichtliche Ereigniß zurückzuführen, aber darin stimmen die denkenden Betrachter aller Nationen überein, daß die beispiellosen Thaten des deutschen Heeres auf der in demselben vertretenen geistigen Einsicht und Bildung beruhen, aus denen zu gleicher Zeit eine reiche Quelle hoher sittlicher Kraft entsprang. Die großen Errungenschaften dieser Tage würden wir schon jetzt an ihrer Wurzel untergraben, wenn wir uns durch sie zu eitler Selbstbespiegelnng verleiten ließen. Der wiedergewonnene Friede muß uns zur ernstesten Selbstprüfung und zu erneuter Aufnahme der Etilturarbeiten bereit finden, die der Krieg gewaltsam und wider unsern Willen uuteibrochen hat. Hier steht in erster Linie die Arbeit an ber allgemeinen Volksbtlbung.
Gestehen wir uns offen: mag bei uns auch die Zahl der Gebildeten vergleichsweise eine große sein, an sich genommen ist sie nur gering. Große Massen unserer Bevölkerung sind noch unwissend und geistig träge; unfähig, selbstständig zu urtheilen und zu handeln, folgen sie der (Ltrömung, wo sie zum Guten führt, aber auch dort, wo sie vom Nebel ist. Der Erfolg, den wenige gewissenlose Männer mit ihren socialistijchen Bestrebungen hatten, gibt uns einen deutlichen Beleg hierfür; wohin diese führen, zeigt heutzutage Frankreich. Die Schulzeit ist für den gewöhnlichen Mann zu kurz und häufig genug noch vielfach unterbrochen, um ihm mehr als die Grundlage iind elementaren Mittel der Bildung zu bieten. Wenn darauf nicht weitergebaut wird, verkommen diese bald und werden vom Unkraut überwuchert. Es kommt nicht allein darauf an, ob das Volk lesen und schreiben kann, sondern vielmehr, ob cs überhaupt liest und was es liest. Daher gibt ber blosie Prozentsatz Derjenigen, bie in ihrer Jugenb lesen «nb schreiben gelernt haben, keinen ausreichenben Masistab snr bie Volks-
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