Gikhcm Anzeiger
Anzeige- itib Amtsblatt für den Areis Kieszen
1871
Nr. 1
bem 1. Januar erfolgende Abonnements mit vollständigen Exemplaren zu bedienen.
Die Redaction.
31. December.
Die „Köln. Ztg." schreibt: Wir Haden Oie Dlätt vom 24. December aus _ fchtcfen, während wir eine so kleine «Streitmacht von regulären Truppen und nur erhalten. Sie sind namentlich gegen die Kood.e ger.chtct, Vie der Tausende von stehender Miliz besitzen? Warum heben wir nicht, durch
tor mit der rothen Fahne spielt. „Kein Schmerz, in Schrecken wird uns ^ttelwahl wenn nöthig, 100,000 Mann aus und kleiden dieselben ein? . . . . IV* klagt die France. „Nicht genug, daß die Preun Verderben und Ber- vergleiche unfern Staat mit der großen überwältigenden Autocratie oder viel-
Sonntag den 1. Jannar
Bordeaux erhalten. -
Diktator mit der rothen Fahne spielt.
bebörde steigerte. Die rothe Fahne, die kürzlich erst wieder in den Fenstern de- Stadthauses ausgefrischt wurde, war das Symbol dieser schmählichen Situation. Während die rothe Fahne überall nach kurzem Auftauchen wieder vor dem allgemeinen Unwillen verschwand, zwang in Lyon eine meuterische Minorität die rothe Fahne der Schwäche der Behörden aus. Gambetta hielt in Tours vom Balkon Lobreden auf die Trikolore, aber seine Beredsamkeit fand in Lyon taube Ohren. Gambetta ist jetzt in Lvon, wohlan, wird die rothe Fahne, dieses beständige Reizmittel zur Anarchie und brutalen Gelüsten, endlich verschwinden?" Die France beschwört den Dickator, endlich dem Unfuge zu steuern und in Lyon Ordnung zu stiften; allein bis jetzt paßt es ihm besser in den Kram, diese Fahne als Honig sür die europäischen rothen Schmeißfliegen zu schonen, und wenn er dem allgemeinen Unwillen demnächst nachgiebt, so wird er nicht verfehlen, dem Vater Gari- oaldi und seinen Jüngern sein Bedauern über die Bornirtheit der Franzosen auszusprechen. Uedrigens läßt der Diktator jetzt eine neue Adresscnflut in Bewegung. Bordeaux geht dabei voran; Stichwort ist der Satz: „Frankreich kann nicht anders, als durch die Republik gerettet werden, durch sehr beträchtliche Opfer und durch außerordentliche Mittel, welche die Bürger auf den Altar des Vaterlandes zu legen haben; Frankreich hat unermeßliche Hülfsquellen, es ist Pflicht der Regierung, dieselben flüssig zu machen." Der Diktator braucht Geld, die Gemeinde- räthe müssen ihn jetzt darum in hochtönenden Adressen bitten, es zu nehmen. Das (Siede hält den Fürsten Europa'S bereits eine Standrede: „Man beunruhigt sich über die.Neutralität VeS Schwarzen Meeres, und die Barbaren verwüsten Frankreich! Was beabsichtigen die Monarchen Europa's, die ein solches Verbrechen zu- lassen? Die Republik tödten, die stets nur ein Ziel erstrebte, eine große intellektuelle und moralische^ Nation zu schassen? Ha, mögen sie sich in Acht nehmen! So stark sie sein mögen, so ohnmächtig sind sie doch, ein Volk zu bändigen, das durch sein militärisches Genie unbesiegbar ist! . . /' Die Phrase ist Alles, die
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Expedition: Canzletberg Lit. B. Nr. 1.
Einladung nun Abonnement
auf den
Wirklichkeit nichts, wie man sieht. , ,
In einem mit fast jugendlichem Feuer geschriebenen Briefe an die „Times ermahnt der greise Staatsmann Earl Rüssel Parlament und Regierung Anstalten zu Rüstungen zu treffen. „Wir sind" — sagt er, — unglücklicherweise eine Zielscheibe für nationale Erbitterung auf vielen Seiten. . . . Neid und Feindseligkeit, welche jede wohlhabende Handelsnation in alter und neuer Zelt verfolgt haben, sind uns nun auf den Fersen und werden eines Tages in offene Aggression ausbrechen. Die Leichtigkeit, mit welcher Fürst Gortschakoff und Graf Bismarck die Fesseln von Vertragen aus eigener Ursache und auf ihr eigenes Zeugniß hin von sich geworfen, zeigt nur zu deutlich, wie leicht es fein würde, einen Vorwand
mehr Stratocratie Rußlands. Ich vergleiche unsere Lage mit den Anstrengungen, welche seit 1789 Frankreich vergeblich gemacht hat, um Freiheit und Ordnung zu vereinigen. Ich vergleiche sie mit den Zuständen Deutschlands, dem ich aufrichtig Erfolg zu feintn muen Institutionen wünsche, während ich zugleich einige Befürchtungen hege, daß feine Freiheit durch einen Ueberfluß an Königs, Fürsten, Edelleuten und Junkern erstickt werden dürste. Inmitten dieser Beispiele wünsche ich England unüberwindlich gemacht zu sehen, mit dem My/ito unserem Freiwilligen „Defence, not Defiance“ (Schutz, nicht Trotz!)
Derselbe erscheint täglich, isst Ausnahme Montags, uni) beträgt der Abonnementsprcis in der Stadt Gießen vierteljährlich 1 1 Den ftühnigen^AdchEt^^^'d" Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch
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»üflunä durch« Land'tragen," V« "müssen "auch' noch Schidbuben unser Unglück benutzen/um^ihreni wilden Treiben die Zügel schützen z lassen." Lee Franee findet e« besonder« empörend, datz eine ganze Bevolkerung,ine grotze Stadt wie Lnon, in der Gambetta persönlich anwesend war, am heb, Tage einem Morde zuschauen konnte, „ohne datz sich auch nur eine St.mmjn der Menge gegen wese« unerhörte Attentat erhob, ohne datz em Versuch gemeu wurde, da« Opfer ru retten Jeder, der die Geschichte r>°n Lpon , dem 4. September
kennt weisi datz diese Stadt in einer exceptivnellen anar fden Versüssung gc- lassen wurde, die sich täglich durch Zänkereien zwischen de Militär- und Etvil-
„Viel Glück zun Neuen Jahr!"
Diesen Wunsch rufen wir von Hirzen unsern Lesern in Stadt und Land in’ Möae er sich erfüllen und möge das niue Jahr uns einen dauernden fegens- reifen Frieden bringen; möge das neue Jahr die vielen schmerzhaften Wunden heilen welche das vergangene Jahr uns gefchagen! Wer hätie zu Anfang des alten ^n( akdacht, daß dasselbe so reich an Kuwner und Schmerzen werden wurde < In Ä’rtta Familien wünschte man sich nicht mit fröhlichen Gesichtern Viel Glück rum Neuen Jahr!" und wie buer «ar die Täuschung, wie traurig ist der Schluß de« Jahre«! Ein Kr.eg, ae ihn m seiner Grotzart.g e.t und k inen Schrecken die Welt noch nicht sah, envaun sich zwischen zwe, Volkern, die ihren Handel und ihre Industrie ausemander angewiesen waren. Viele Tau-ende die zur Mitte de« Jahres au«gezzen waren, sroh und begeistert um Deutschland« Wach, am Rhein» zu beziehen, ruhen letzt in fremder E^d Sie rufen un« nicht zu: „Viel Glst zum Neuen Jahr!" Tausend An-ere mit lahmen, zerschossenen Gliedern oderuechem Körper, au, ihre Lebenszeit ^ckreln schmerzlich u diesem Gruß. Ud wie viele der Tausende sind es IU5 ' * toir t,e(en ®rufe nicht zurufen könwi, weil sie fern von der Heimath, s"rn'v°n ihren Sieben sind, um für de« Vaierlao« Ruhm und Grotze zu- streiten, um den Erbfeind de« deutschen Volke« blutig u züchNgen? Die Folgen eine« sch» entsetzt ch »erheerenden Kriege« konnten chl au-ble.ben; man spurt sie Lil, ull in in Frankreich, nein auch Deut chl.nd,alte unter denselben merklich zu le» n Der Verkehr stockte, die Industrie erlah« in Folge der ihr entzogenen ArbätSkräste und mancher Geschäsl«mann, manch, Familienvater sieht zu Ansang L Ja ,-« nicht wie sonst mit frohem Gemu.h .n die Zukunst. -Doch wem d N wir unteren Blick ab von diesem traurrgen tot. Bucken wir aus die Er- schae de« vergangenen Jahre«. Deutschland« Einst ist Thatsache. La« deutsche Kchterreich^steb t da in Stärke und Einmüthigkeit, toi nie zuvor; Jahrhunderte lang verloren gewesene deutsche Provinzen sind wiedervem Mutterlande ernverleibt- Muü nicht da in den Augen anderer Völker undNationen dre deutsche Nation höher steigen und diejenige achtunggebretende Stelng ernnehmen, tie ihr ge- Mhrt? Da« >Jahr 1870 brachte Deutschland unter eine starke mächtige Hand vereinigte Sud- und Norddeutschlaud zu ein, Reiche. Auch unser Groß- berwätbum >st wieder zu einem politischen Ganzen eretmgt und Cie Mainlinie . . . La, mehr von den süddeutschen Brüdn. Wir können also Ver-
trennt uns nicht meyr ®vn ut» iuvv ~ oie rrciicin vvn vniiuum uu» --- -»..... -
tr0Uen in die Zukunft haben. Hoffen wir darum, atz uns da» Jahr 18?Z. #on „ surfen, zeigt nur zu deutlich, wie leicht e« sein würde, einen Vorwand den Segen bringe, den wir alle nach einem so schMtch »erlebten unglücklichen um ^erst einen AUiirten England«, wie z. B. Holland oder Oesterreich,
Jahre bedürfen. Möge in dem neuen Jahre der Fede un« baldigst be cheert 6ann @nßlanD «nzugreifen. Seit 1815 waren wir gelegentlichen, oft werden, nach dem wir Alle von ganzem Herzen un« hnen. Friede und Freude grunt|l)f£n unt g^ohnlich Übertriebenen Paniken ausgesetzt. Aber wenn wir in darum allen Menschen aus Erden! ■ früherer Zeit von unvernünftiger Furcht geplagt wurden, so ist kein Grund vor-
——-------— Händen, un« jetzt extravaganten Hoffnungen hinzugeben. Warum sollten toir den
_ . . , britiftben Canal al« unpassierbar für feindliche Schiffe und Boote halten? Ist e«
V Der frühere Relch«tag«'AbgevrVnete, der S°cial.)emokrat Hasenelever, Ist, ünmi . e . (iBeglotte erforderlich sein mag, um unsere Mitbürger in Jamaika wie die Ger.-Ztg. mittheilt, vor einigen Tagen al« mdwehrmann emgezogen ju ^freien, während in Texel sich eine Expedition zur Invasion Eng.
worden und bereit« zu seinem Regiment abgegangen. ...» land« vorbereitet? Könnten wir einen Theil unserer Armee einem ^Alliirteu zur
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