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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme MontagS.

vMedition: Canzletberz Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen.

Nr. 174. Sonntag den 30. Juli " 1871.

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Beftxtlungen auf de« Gietzeuer Anzeiger 8fL»-KKNLZLk?K L L'SLL 3K.1,? -

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Amtlicher T h e i l.

über die am 10. Mai 1871 zu Gießen stattgehabte Generalversammlung deö landwirthschaftlichen Bezirkövereins Gießen.

Zur heutigen Versammlung war von dem Ansschußmitglied, Großh. Regieruugsrath Hab-rkorn, durch Bekanutmachuug im Gießener Anreiqeblatt emgeladen worden und hatten sich zu derselben anfänglich 26, später etwa 35 Mitglieder eingefunden. V "nzeigemail

Rcgierungsrath Haber körn theilte der Versammlung mit, daß er, da die Stellen des I. und des II. Directors durch den Wegzug des Großh Provmzmld.rectors Dr Goldman» und des Großh. Oberappellatious- und Cassatiousgerichtsraths Dr. Kraft in Erledigung gekommen, von den llbriaen Ausschußmitgliedern ersucht «orten sei, sich der Führung der Geschäfte eiustweileu zu uuterziehen. Er habe deßhalb diese Versammlung einberufen, um vor Allem die Wahl zweier neuer Directoren zu veranlassen. H 1 ' vvl

Nachdem hierauf die Versammlung sich dahin geeinigt hatte, daß die Dienstzeit der Neuzuwählenden sich über den Rest der laufenden und über di- folgende, mit dem Jahr 1872 beginnende, dreijährige Periode zu erstrecken habe, schritt man zur

* Wahl des I. Direktors.

bm abgegebenen 26 Stimmen fielen auf den Großh Provinzialdirector Freiherrn von Starck zu Gießen 25 Stimmen. Derselbe nahm die erk?ärrt " Be^der'h^erauf^v^rgenommcnen 9te8<etun98ra^ ^a6ctfoni bcn Vorsitz in der heutigen Sitzung noch fortzuführen, wozu sich dieser bereit

28 a h l des 11. Directors

falls^mit^Dank ^^gebenen 31 Stimmen der Großh. Negierungsrath Hab er körn 26 Stimmen. Derselbe nahm die somit auf ihn gefallene Wahl eben-

106

23

342 fl. 38-/4

kr.

25

fl-

140

60

50

98 fl. 15-/4 kr. 120 -

der statutenmäßige Antheil an den Einnahmen des Provinzialvereins mit circa

der Beitrag der Aachen-Münchener Feuerversicheruugsgesellschaft, nach dem Ergebniß des Jahres 1870 .

so daß für 1871 zur Verfügung stünden circa

Ueber Verwendung dieser Mittel pro 1871 sei Beschluß zu fassen.

Nach eingehender Discussion wurde beschlossen, folgende Ausgaben für 1871 in das Budget aufzunehmen.-

1) als Beitrag zur landwirthschaftlichen Controle- und Versuchsstation für ein Jahr

2) für Stipendien an Solche, welche an der Ackerbauschule und an dem Cursus für Obstbaumzüchter zu Darmstadt als Schüler sich betheiligen und für landwirthschaftliche Unterrichtszwecke überhaupt .

(Die näheren Modalitäten der Verwendung dieses Betrags sollen der Beschlußfassung des Ausschusses anheimgestellt werden.)

3) als Beitrag zum Gehalt eines Wanderlehrers

4) Bereitung nützlicher, landwirthschaftlicher Schriften in den Schulen, insbesondere solcher über nützliche und schädliche

c. Versammlung beschloß sodann, die durch den Tod zweier Ausschußmitglieder, des Herrn Phil. Möhl und Poststallmeister Kempsf, sowie durch

die Wahl des Ausschußnntgliedes Haberkorn zum II. Direktor, nöthige Ergänzung des Ausschusses zu verschieben bis zu der gegen Ende dieses Jahres statutenmäßig vorzunehmenden Neuwahl des gesammten Ausschusses. 0 ' ;

Rechnungsablage pro 187 0.

Qr Ä , ?er Vorsitzende bemerkte, daß die Vereinsrechnung pro 1870 gestellt und geprüft worden sei und mit einer Einnahme von 243 fl. 51V. kr., einer Ausgabe von 145 fl. 3b kr. und einem Cassevorrath von 98 fl. 15«/4 kr. abschließe. Er bitte, die Ausgabe von 50 fl. Beitrag zu einem Ehrengeschenk für den Generalsekretär, Oecononnerath lli. Kramer, welche nicht vorgesehen gewesen, und bezüglich deren wegen Kürze der Zeit die Zustimmung der General- versammlung früher nicht habe erngeholt werden können nachträglich zu genehmigen. Die Versammlung ertheilte diese Genchmigung und werden auch zu den übrigen Posten der Rechnung, welche verlesen wurde, keine Bemerkungen gemacht. 0 2 6

Der Vorsitzende bemerkte sodann weiter:

Wie angegeben, schließe die Rechnung pro 1870 mit einem Kassevorrath von ab; hierzu kämen pro 1871 :

Der Ueberschuß soll dem Reservefonds zufallen. Summa 275 fl.

. , m waren die Fragen aufgeworfen worden, ob zur Anschaffung und unentgeltlichen Abgabe von künstlichem Dünger und zur Prämiirung von Fassel- vreh Betrage, wie früher, vorzusehen seren. Ersteres befürwortete Herr Lehrer Schlapp von Rödgen; es wurde jedoch von verschiedenen Seiten aus die ungünstigen Erfahrungen, zu welchen die bisher mit künstlichem Dünger im Bereich des Vereins angestellteii Versuche geführt hätten, sowie aus die seitherige geringe Nachfrage nach solchem hingewlesen und wurde hiernach die bezügliche Frage durch Stitnmenmehrheit verneint. Ebenso sprach sich die Versammlung in ihrer Majorität gegen Pramnrung von Fasselvieh aus, nachdem ein Mitglied der Besichtigungscommission, Herr Secretär Gros von Arnsburg, auf dei Schwierigkeit ewer richtigen Classtficirung der Fasse! und somit einer gerechten Vertheilung der Prämien bei der dermalen eingeführten Besichtigungswei e der Thiere m den Stallen aufmerksam gemacht, auch hcrvorgehoben hatte, daß der Provinzialverein schon jährlich 1000 fl. zu ähnlichen Zwecken vmvende, und nachdem ferner die Herren Bürgermeister Lang von Wieseck, Professor Dr. Pflug von Gießen und Andere auS Gründen, die auch bei früheren Gelegenheiten schon geltend gemacht worden sind, sich entschiedeii gegen die Zusammenfuhrung der Thiere an bestimmten Stationen erklärt hatten.

Nachdem hiermit der eigentliche Gegenstand der heutigen Tagesordnung erschöpft war, hielt Herr Professor Dr. Thaer von Gießen einen von der Versammlung mit großem Interesse verfolgten Vortrag über die Rindviehracen Mittel-Europas. Er bezeichnete Weckerlin als Denjenigen, welcher zuerst eine Eintheilung der Rindviehracen vorgenommen und folgende fünf Hauptracen angenommen habe:

1) die große, graue Race im südöstlichen Europa (podolischeö Vieh);

2) das rothe Landvieh des nordwestlichen Europa, zu welchem das Vogelsberger Vieh gehöre;

3) die große, schwarz und weiß gefleckte Race, an den Küsten der Nordsee (Holland, Holstein, Dänemark);

4) die große, rothe und roth und weiß gefleckte Nace der Schweiz und

5) die schwarzbraune, dachsfarbige, ebendaselbst. *

f. Aus diesen fünf Hauptracen seien dann verschiedene Mischracen hervorgegangen. Unter Vorführung sehr gelungener Abbildungen von Vertretern der verfcyiebenen Haupt- und Mischracen ging sodann Redner zur näheren Schilderung des Baues, der sonstigen Eiaenthüinlichkeiten und des Verbreitungskreises oerserven über und erwähnte dabei namentlich auch die großen Vorzüge des Vogelsberger Viehes, von dessen Zucht abzugehen, er durchaus nicht rathen möchte.

. . Der Vorsitzende schloß sodann die Versammlung, indem er dem Redner in deren Namen seinen Dank und die Hoffnung aussprach, daß derselbe noch öfter die Bestrebungen des Vereins durch Mitthetlungen aus dem Gebiete seiner Wissenschaft unterstützen werde.

Zur Beglaubigung:

Haberkorn.