die Beleuchtung der Soffiten zuletzt angezündet werden, um bei dem nach 5 Uhrl eintretenden Zunehmen des Gasdrucks eine Feuersgefahr zu verhüten. Diese Vor-! schrift scheint nicht beachtet worden zu sein, denn eine in der Nähe des Vorhangs, befindliche Soffite fing zuerst Feuer. Der Beleuchter Mietz fiel dem Brande zum Opfer. Er schien die Entzündung der Soffite zuerst bemerkt zu haben. Angehörige des Theaters, welche, als man die ersten Spuren des Brandes wahrnahm, aus dem Hause flohen, sahen ihn, wie er sich an einer Flugmaschine in die Höhe ließ, vermuthlich in der Absicht, die brennende Soffite oben auf dem Speicher, an den Punkten, wo sie befestigt war, abzuschneiden und weiteres Unglück zu verhüten. Es gelang nicht, der große Vorhang fing Fcuer, und Mietz selbst scheint umge- kommen zu sein, denn seit dem gestrigen Abend wirb er vermißt. Man vermuthet, daß ihn, als er auf dem Speicher angekommen, die Kräfte verließen und er in die Tiefe stürzte. Der Verlust des Theaters ist für unsere Stadt ein höchst be- klagenswerthes Ereigniß. Keines unserer BildungS- und Kunstinstitute ist gleich ihm mit "allen Kreisen verwachsen. Die Person des Großherzogs selbst, dec der Bühne seine besondere Protection angedeihen ließ, ist durch diesen Verlust in nächste M.tleidenschaft gezogen. Man hofft daher, daß auch hier, ähnlich wie in DceSben, sobald es möglich ist, ein JnterimStheater eröffnet werde. Schon im Interesse der Humanität wäre eine derartige Maßregel geboten, wenn nicht eine Reihe von Familien der Noth preisgegeben werden sollen. Das Hoflheater wurde am 3. November 1821 mit Spontini's „Cortez" eröffnet. Am 23. d. M. gab man in ihm zum Erstenmale und zugleich als letzte Vorstellung Mozart'S „Jdomeneo".
Darmstadt, 25. Oltobkr. Bühne und Zuschauerraum in unserem Hoftheater sind voUstänoig ausgebrannt und bieten in ihren zerbröckelten Mauertrümmern, dem zahlreichen durchglühten Eisenwerk, unter welchen insbesondere der bald nach Ausbruch des Brandes herabgestürzte mächtige Kronleuchter in seinen Trümmern einen ungemein traurigen Anblick gewährt, ein grauenvolles Bild der Verwüstung. Von der Garderobe ist, was man gestern Abend stark bezweifelte, dennoch ein nicht unbedeutender Theil gerettet worden, allein der Gesammtschaden ist jedenfalls ein sehr beträchtlicher, weit über 500,000 ft, obwohl die Umfassungsmauern bei dem Neubau zu verwenden se>n werten. Das Feuer lodert zur Stunde manchmal noch hoch auf, so daß immer noch mehrere Spritzen in Thätigkeit sind. Mit der Aufräumung des Schuttes wird man erst in einigen Tagen beginnen können.
Darmstadt, 25. Oct., Nachmittags. Gegen 12 Uhr fand man auf einer noch erhaltenen Treppe in der Nähe der Bühne die vollständig verkohlte, kaum erkenntliche Leiche des verunglückten Bcleuchtungsgehülfen Mictz. Nach der ganzen Lage der Leiche zu urtheilen, fand er den Erstickungstod. Die Taschenuhr des Verunglückten ist auf 3/46 Uhr stehen geblieben. Nach der „Mainzeitung" ist ein anderer Arbeiter Namens Kunitsch nur dadurch dem Tode entgangen, daß er sich auf das Dach der Südfront rettete und von da herab, von den Flammen bedroht, mit seltener Geistesgegenwart am Blitzableiter herunterflieg. Der Neubau eines provisorischen Theaters ist als gesichert zu betrachten.
Das Theater ist wieder zugänglich, und man kann die Verwüstung über* blicken, welche das Feuer in den bis zum Keller ausgebrannten Räumen verursacht hat. Maler und Photographen sind eifrig mit der Aufnahme der Ruinen beschäftigt. Das Interesse der Künstler, sowie dasjenige zahlreicher Bewohner unserer Stadt ist durch den Brand schwer gefährdet; jedoch können wir bereits versichern, daß man nichts, was dazu dienen kann, das Interesse Beider zu wahren, versäumen wird.
Mainz, 24. Oct. Eine große Anzahl französischer Zwischenhändler geht darauf aus, französisches Kriegsmaterial, welches als Kriegsbeute nach Deutschland gelangt ist, aufzukaufen und zu ansehnlich n Preisen wieder in Frankreich zu ver- werthen. Die Wege zur Erlangung desselben scheinen sich merkwürdig zu verästeln. Während bei der kürzlich in Darmstadt stattgehabten Auction von Tüchern u. s. w. von solchen Handelsleuten sehr ansehnliche Posten zu hohen Preisen erstanden wur- den, hat man in unserem Nachbarstädtchen Castel eine Waffenspedition entdeckt, deren ziemlich umfänglicher Versandt von Chassepots u. dergl. auf weniger ehrlichen Wegen zu Stande gekommen zu sein scheint. Der Untersuchung haben sich die zwei Hauptagenten, pensionirte französische Militärbeamten, durch die Flucht entzogen. Die Waffen wurden meistens nach Frankreich zurück spevirt und scheinen aus den hiesigen Magazinen herzurühren. — Der Auskauf von Schlachtvieh für Frankreich nimmt immer größere Dimensionen an. Die französischen Handelsleute erscheinen wieder selbst am Rhein; eine einzige hiesige Firma hat für Paris allein Lieferung für über 1000 Schafe und ebensoviel Schweine per Woche übernommen, so baß dieser Handel regelmäßige Extrazüge erfordert. (F. I.)
Wiesbaden, 26. Octobcr. Der Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reiches sind heute Nachmittag 3 Uhr 15 Min. hier eingetroffen und von einer großen Volksmenge mit Hochrufen begrüßt worden. Die Behörden der Stadt wurdcn im Schloß empfangen. Abends findet Fackelzug und Serenade statt. Der Marktplatz wirb bengalisch erleuchtet.
t Berlin, 25. October. Deutscher Reichstag. 9. Sitzung. Präsident Dr. Simson eröffnet die Sitzung um lJ/4 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Fürst Bismarck, Delbrück, v. Kirchbach und Andere.
Nach Erledigung verschiebiner Urlaubsgesuche (das des Grafen Renard, um 14täg:gen Urlaub, wird abgelehnt) tritt das Haus sofort in die Tagesordnung ein.
1) Interpellation von Schulze und Gen.: „1) Welche Resultate sind durch Vertheilung der den Bundesregierungen durch Reichsgesctz vom 22. Juni 1871 zur Verfügung gestellten vier Millionen Thlr. an die durch die Einziehung zur Fahne besonders schwer geschädigten Offiziere, Aerzte und Mannschaften der Re- feroe und Landwehr in ben Einzelstaaten erreicht worden? 2) Ist bei der Ver- theilung der Beihilfen von den einzelnen Regierungen nach gleichmäßigen Grund- sätzen verfahren? 3) Hat sich nach den gemachten Erfahrungen ein Bedürfniß fernerer Unterstützungen herausgcstrllt? 4) Beabsichtigt die Reichsregierung, wenn Vies der Fall fein sollte, eine weitere Bewilligung aus Reichsmitteln zu den vorgedachten Zwecken zu beantragen?"
Dr. Holder begründet die Interpellation mit dem Hinweis auf die Berechtigung des Reichstags, Auskunft darüber zu verlangen, ob und in tote weit die bei BeVill'gung der vier Millionen, die Befriedigung eines dringenden Bedürfnisses in Erfüllung gegangen fei.
Minister Delbrück wirft zunächst einen Rückblick auf die Entstehung des Gesetzes. Man ging damals von dem Grundsatz aus, daß die Fürsorge für die Reserven und Landwehr Sache der einzelnen Regierungen sei, und daß die Reichsgesetzgebung nur deshalb in Anspruch genommen wurde, weil Die Mehrzahl der
verbündeten Regierungen momentan nicht in der Lage war, sich von ihren Landes- Vertretungen die Zustimmung zu einer solchen Unterstützung zu verschaffen. Deshalb wurde die Maßregel auch nur als eine vorschußweise Zahlung an die einzelnen Bundesregierungen bezeichnet, im Reichstage habe darüber nie ein Zveifel obgewaltet, und in diesem Sinne beschloß ebenfalls der Bundesrath, baß die vier Millionen den einzelnen Bundesregierungen als eine Vorauszahlung auf ben ihnen zustehenden Antheil an der französischen Kriegsentschädigung zu überweisen seien. Die Folge dieses Verfahrens des Bundesraths ist die, daß dem BundeSrathe ein Recht nicht zusteht, von den einzelnen Regierungen eine Mmheilung über Die Verwendung des Vorschuss?- zu verlangen. Ich kann deshalb Die erste der gestellien Fragen nur in Beziehung auf Preußen beantworten. Der Antheil, welchen Preußen von den 4 Millionen erhalten hat, beträgt 2,494,000 Thlr., er ist zu zwei Dritteln, auf die einzelnen Provinzen nach Maßgabe Der eingezogenen Reservisten und Land, wehrleute vertheilt. Ein Drittel ist zurückbehalten worden, weil die Vertheilung nach diesem Maßstabe keine absolut richtige war. Die gestellten Nachforderungen haben aus dem zurückbehaltenen Drittel nicht vollständig befriedigt werden können; es wird mithin eine Nachdewilligung nöthlg fein. Wie sich dies in Den anderen Bundesstaaten herauSstellc, weiß ich nicht. Daß überall in Deutschland nach gleichen Grundsätzen verfahren ist, das zu bejah?« bin ich nicht im Stande; im Gegentheil glaube ich, daß nicht nach gleichen Grundsätzen verfahren ist, weil es nicht möglich war. In Preußen wenigstens ist dies nicht der Fall gewesen. — Damit ist die Interpellation erledigt.
2) Interpellation von Dr. Völck, Wiggers und Gen.: „Die Unterzeichneten stellen an den Herrn Reichskanzler die Anfrage: Was ist in Bezug auf den Gesetz- Entwurf, betr. die Kautionspflichtigkeit periodischer Druckschristen und die Entziehung der Befugniß zum Betriebe eines PreßgewerbeS, welcher in Der Sitzung des Reichstages vom 15. Mai 1871 dessen Zustimmung erhalten hat, geschehen? Wird dem gegenwärtigen Reichstage der Entwurf eines ReichS-PreßgesetzeS vorge- legt werden?"
Dr. Völck begründet Die Interpellation; bei den vielen Vexationen, denen die Presse unterliegt, werde es nöthig sein, baß ein Reichs-Preßgesetz so bald als möglich ins Leben gerufen werde.
Minister Delbrück. Der BunDeSrath hat Bedenken getragen, dem von dem Hause angenommenen Gesetze in Beziehung auf Kautionen und Concesstonsentzieyung zuzustimmen. Er hat gleichzeitig beschlossen, in Verfolg des vom Reichstage ge- stellten weiteren Antrages in Betreff des Paßgesetzes, ein solches so bald wie möglich auSarbeitcn zu lassen, solches den einzelnen Bundesregierungen zur Erilärung zugehen zu lassen und dann dem Reichstage eine Vorlage zu machen. Dieser Entwurf mit den Motiven ist fertig; er wird Den Bundesregierungen M'tgetheilt, und ich glaube, mit Bestimmtheit vorauSsetzrn zu können, daß er in Der FrühjahrS- Session des nächsten Jahres dem Reichstage vorgelegt werDen wir.
3) Dritte Lesung der Gesetz-Entwürfe, betr. die Zurückzahlung der fünf» procentigen Kriegsanleihe, die Controle des Reichshaushaltes pro 1871, das Post- wesen und das Posttaxwesen im Deutschen Reiche. — Sämmtliche Entwürfe werden ohne Debatte Definitiv genehmigt.
4) Erste und zweite Lesung der Ucbereinkunft vom 18. October 1871 zu dem Friedensvertrage mit Frankreich.
Fürst Bismarck. Es war bereits in dem Frieden von Frankfurt und Versailles schon in Aussicht genommen, eine finanzielle Bürgschaft der materiellen Bürgschaft zu substituiren. Unter gewissen Umständen lag eine solche Bürgschaft im Interesse beider Staaten; die Occupation ist für Frankreich eine große Last und für uns unter Umständen eine nothwendigc Last, welche wir uns auferlegen müssen. Ich erinnere nur an die Interpellation, welche gestern hier verhandelt wurde. ich hoffe, daß Der Hr. Interpellant erfreut fein wirD, daß Die Last Durch Die Vorlage hat vermindert werben können. Es haben sich nun Bankiers bereit erklärt, für Die von Frankreich zu zahlenden 650 Millionen Frcs. Bürgschaft zu leisten; die französische Regierung würde auch bereit gewesen fein , diese Bürgschaft selbst bei Dem ziemlich bedeutenden Verlust von 1 i/2 pCt. zu acceptiren, wenn dieselbe ür uns ann-hmbar gewesen wäre. Wir hätten verlangen müssen, daß Gelbwerhe in unsere Hände gelegt werben, und Dazu erklärten sich Die Bankiers außer Stane. Unter diesen Umständen habe ich mit Genehmigung S. M. des Kaisers mich f.r ermächtigt gehalten, einen anderen Modus zu adoptiren, welcher für Frankreri eine große Erleichterung und für uns keine Gefahr enthält, nämlich an Stelle dk finanziellen Bürgschaft eine territoriale dadurch einzusühren, daß gewisse Thcil Frankreichs gewissermaßen neutral bleiben sollen und Die sofort wiederbesetzt wer Den können, wenn Die französische Regierung ihre Verpflichtungen nicht ei fällt. Wir haben dadurch Dem französischen Lande einen großen Dienst erwiesen, und ich bin Damit zufrieden, weil ich cs nicht für unfrre Aufgabe halte, unsere Nachbarschaft mehr zu schädigen, als es im Interesse Der Erhaltung DcS FrieDens noth- wendig ist. Die Landestheile, welche wir nach Der abgeschlossenen Convention noch besetzt halten, gewähren uns eine Stellung, Die uns vollständig Sicherheit bietet. Was die Zollerleichterung Der Elsässer betrifft, so war Der Wunsch gusgesprochen, einen längeren Termin in Aussicht zu nehmen; ich weiß nicht, ob Dies nothwendig gewesen wäre, mir schien es nicht annehmbar, es ist daher ein solcher festgcstcllt werden, der der französischen Regierung die Möglichkeit gewährte, mit ihrer Volksvertretung sich ins Einvernehmen zu setzen. — Der Reichskanzler giebt zum Schluß eine kurze Uebnsicht über die durch die Territorialveränderung geschloffenen Lage und bittet um Genehmigung der Vorlage.
Nach kurzer Bemerkung Richter'S wird die Convention in erster und zweiter Lesung einstimmig angenommen.
Schluß 2V2 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr.
Berlin, 26. October. Die Budgetcommission des Reichstags nahm gestern Den §. 1 des Reichskriegsschatzgesetzes mit 14 gegen 5 Stimmen mit dem Zusatze an, daß die Bildung des Ncichskriegsschatzes erfolgt, sobald Der preußische Staatsschatz Durch Gesetz aufgehoben wirD.
Köln, 25 Oct. Sämmtliche Arbeiter in den hiesigen Werkstätten der Rheinischen Eisenbahugesellschaft, etwa 1000 Mann, stellen heute Abenv Die Arbeit ein.
Wien, 25. Oct. Das „Oesterr. Journal" meldet: Wenngleich Die formelle Entscheidung des Kaisers noch nicht erfolgt ist, unterliegt es kaum noch einem Zweifel, daß Die Ausgleichspolitik als aufgegeben betrachtet werden muß. Das vom Reichöminister und vom Grafen Andraffy redig'rte Antwortsrescript auf die Adresse des böhmischen Landtags wird sowohl vom Ministerium Hohenwart wie von Den anwesenden Tschechenführern für unannehmbar erklärt. Seitens der Tschechenführer ist eine motivirte Erwioerung zu erwarten, welche die Nich^
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