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gung von 5 Milliarden einen doppelten Zweck zu erfüllen bestimmt sei. Wenn einerseits durch die 5 Milliarden die unmittelbaren und mittelbaren Verluste so­weit möglich ersetzt werden sollen, welche in Folge des Krieges Deutschland er­litten, so soll andererseits jene Kriegsentschädigungssumme einen erst nach Ver­lauf längerer Zeit zu überwindenden finanziellen Druck auf Frankreich ausüben. Dem hirnlosen Schreien der französischen Presse nach Revanche gegenüber und Angesichts der Wuthausbrüche gegen Deutschland, wie sie auf der Tribüne der Nationalversammlung zu Bordeaux ein Louis Blanc, Victor Hugo u. s. w. zum Besten gab, erscheint es absolut nothwendig, nicht nur Frankreich strategisch, wie es durch die neue Grenzbestimmung geschehen, im Schach zu halten, sondern ihm auch durch entsprechende Belastung seiner finanziellen HülsSmittel die Lust und die Fähigkeit zur Verfolgung und Durchführung einer Kriegs- und Rachepoliuk auf lange Zeit hinaus zu benehmen."

Die Gewaltthätigkeiten, welche aus Anlaß einer deutschen Siegesfeier in Zürich gegen die Deutschen verübt worden sind, haben in den deutschen und deutsch­freundlichen Kreisen der Schweiz große Erbitterung hervorgerufen. Die Behörden in Zürich haben eine solche Schwache hierbei gezeigt, daß der Bundesrath in Bern einschreiten und Militär nach Zürich schicken mußte, um die Unruhen zu unter- drücken. Das Comite für die Festfeier, unter dem sich Wislicenus und Wesen­donk, der ehemalige Reichstagsabgeordnete, befinden, hat in einer öffentlichen Er­klärung nicht sowohl die Excesse als die völlige Schutzlosigkeit beklagt, in welcher sich die dortigen Deutschen befinden. Es ist in der That constatirt, daß di.-Polizei zwar den Deutschen den gehörigen Schatz zuzesagt, Viesen aber nicht geleistet hat, die Deutschen vielmehr sich selber haben schützen müssen. Interessant ist,, daß die Mitglieder der internationalen L ga, denen ganz allgemein die Anstiftung der Un­ruhe schuld gegeben wird, nachdem ihr Unternehmen gescheitert, überall die Erklä­rung abgegeben, daß sie dieselbe Entrüstung theilten über die Züricher Vorgänge als alle übrigen Schweizer. Die Neue Züricher Zeitung wälzt die Schuld aus die Züricher Centralbehördcn, die alle Übeln Triebe hätschelten, um für sich Gewinn daraus zu ziehen. Jene im Jahre 1868 eingesetzten Behörden sind bekanntlich sehr demokratisch und haben während des letzten Krieges den Deutschenhaß ge­schürt, dessen Früchte sie nun jetzt ernten. Im Allgemeinen läßt sich aus ter Er- örterung der Züricher Vorgänge in der schweizer Presse erkennen, daß unter einem Theile der Deutschen in der Schweiz ein deutsches Nationalbewußtsein sich zu regen beginnt, das mit der erstarkenden Consolidirung des deutschen Reiches bald Dimen- sionen annehmen dürfte, die auf die Beziehungen der, Schweiz gegen Deutschland nicht ohne Einfluß bleiben dürfte.

Die Erklärung, welche dec österreichische Ministerpräsident G.af Hohenwart auf die Interpellation bezüglich des Verbots der deutschen Siegesfeier abgegeben, liefert den vollgültigsten Beweis, daß der gegenwärtigen Regierung in Oesterreich das Verständniß für die Voraussetzungen, unter denen alletn die Fortexistenz Oesterreichs gesichert ist, völlig abgeht. Die Deutschen in dem zum ehemaligen deutschen Bunde gehörenden Provinzen, die die meisten Verdienste um Oesterreich sich erworben, können nur dann ein überwiegendes Interesse an der Erhaltung Oesterreichs haben, wenn rhrer Nationalität eine gewisse Bevorzugung vor den übrigen Nationalitäten gesichert bleibt, die ihnen auch vollständig gebührt. Wird dagegen ras Deutschthum unterdrückt, so würden die Deutschen naturgemäß zu einer Verbindung mit dem deutschen Reiche gedrängt, was dann natürlich die Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie zur Folge haben würde. Es scheint, daß Graf Hohenwart auf dieses Ziel energisch lossteuert, denn er will verhindern, daß die öffentliche Meinung künstlich in eine entgegengesetzte Richtung geleitet wird, als diejenige ist, welche dem Grafen Hohenwart genehm ist. Also die Deutschen in Oesterreich sollen ihr nationales Bewußtsein unterdrücken und nurwahrhaft österreichisch" denken. Wenn sie dazu selbst nicht im Stande sind, dann sollen sie durch polizeiltche Mittel dazu angehalten werden. Auf diese Weise wird das österreichische Bewußtsein, soweit solches noch vorhanden, sehr bald ver­schwinden, und den Deutschen der Vergleich mit der Stellung nahe gelegt werden, welche die Deutschen in dem benachbarten deutschen Reiche einnehmen.

Die vier ältesten Jahrgänge der Landwehr, welche zum Landsturm über­treten sollen, sind die Jahrgänge von 18541857.

Was es mit dem österr. Siegesfeier-Verbot eigentlich auf sich hat, ist I schwer zu sag<n, denn trotz des Verbots laufen von allen Ecken und Enden

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Nachrichten über deutsche Stegesfeste ein. In Villach erregte bei der Illumi­nation der Napoleons-Kopf mit der Unterschrift:Er kraucht nicht mehr im Busch herum!" viel Heiterkeit. Auch in Pesth ging das Fest ohne jede Störung von Statten. Es waren 400 Personen versammelt und auf das Festmahl folgte eia Ball.

In der retrospektiven, ziemlich vergeblichen Untersuchung, wer an dem Kriege von 1870 die meiste Schuld trage, Louis Napoleon oder Frankreich - denn schuldig sind sie beide werden gewöhnlich zwei Punkte übersehen. Der Kaiser hatte jedenfalls, angeblich um seine Dynastie zu retten, einen Krieg be­gonnen, von welchem er berechnen konnte, daß er einer halben Million Menschen das Leben kosten würde, was der historisch bewährten Gleichgültigkett der Bona­parten gegen die Existenz ihrer Mitmenschen ganz entspricht. Hat Napoleon an- dererseits, wie behauptet wird, nur gezwungen sich in den Krieg gestürzt, so hätten doch die ihm ergebenen Organe fett 1866 die Gemüther in Frankreich zu beruhigen einige Anstrengung machen müssen. Es waren jedoch im Gegentheil gemäßigte Oppositionsblättex wieTempS",Journal des Debüts" uno großen- thüls auch Revue des deux Mondes", die sich friedlich äußerten, während das Pays" , dessen direkte Subvention durch die Tuilerieen die geheimen Papiere ent^üUt haben, Tag für Tag Deutschland provoctrte. Zum Kriege hetzten ferner Girardin'sLiberty", oie mir oem Prinzen Napoleon in Verbindung stand, und der officioseConstitutionnel", dec mit hämischen Insinuationen gegen Deutsch­land täglich secundirte. Solche actenmäßig feststehende Thatsachen ignortren zu wollen, wäre doch kindisch, ganz zu schweigen von dem, was durch preußische und sranzosttche Quellen über Napoleon's fortgesetzte Conspiratronen gegen die Rhein- granze <mhüllt wurde. Die Wahrheit ist, daß Frankreich das persönliche Reaf. ment nicht mehr ertragen wollte uno der Kaiser zur Beschwichtigung des Landes dessen ichleHt sten Leidenschaften durch die Ablenkung nach außen zu schmeicheln i füctte. Dieses Verbrechen hat ihm den Thron gekostet, welchen keine vhnmächtiae i Jnttigue lhn wieder gewinnen lassen wird. 9

lieber die zukünftige Finanz- und Zollpolitik Frankreichs sagt der parisr» ,,(^oir", man habe sich in Bordeaux im Principe für Annahme des amerikani­schen Finanzsystems entschieden, Rohstoffe mit bedeutenden Abgaben zu belegen Man berechnet, daß die Baumwolle allein jährlich 6080 Millionen Francs < einbringen werde. Die importirten Fabricate sollen verhältmßmaßig mit noch höheren Zöllen als die Rohstoffe belegt werden. .

Frankfurt, 16. März. Heute Morgen hatte sich schon früh eine zahlreiche Menschenmenge vor dem Großherzoglich Hessischen Palais eingefunden. Die Reisedispositionen des Kaisers hatten insofern eine Aenderung erfahren, als er niebt, wie es anfangs hieß, über Gießen, sondern mit der Hanauer Bahn nach Weimar weiter fuhr. Die Stunde der Abreise war auf 10 Uhr festgesetzt. Aus dem Perron des Hanauer Bahnhofs hatten sich die städtischen Behörden, die Spitzen der Vereine zur Verpflegung Der Truppen und für freiwillige Kranken- pflege, die Damen der verschiedenen in gleichem Sinne wirkenden Comit^'s, das Offiziercorps, die Vertreter der Landgemeinden u. s. w. aufgestellt. Gegen halb zehn Uhr kamen JI. ff. HH. die Prinzen Karl und Adalbert, die Generale v. Moltke, v. Treskow rc., der Herr Oderpräsident v. Möller, der Herr Reg.-Präs. Graf Eulenburg, der Herr Po-.-Präs. v. Madai, bald darauf auch, von stürmi- ichen Hochs empfangen, Se. Mas. der Kaiser und Se. kaiserl. Hoheit der Kron­prinz. Se. Majestät ließ sich die Damen persönlich vorfteüen und hatte für Jede em freundliches Wort. Nachdem die hohen Herrschaften die Waggon; bestiegen unterhielten sich Se. Maj. der Kaiser und Se. kais. Hobeit Der Kronprinz noch üiß zap Abfahrt Des Zuges aufs Leutseligste mit den Umstehenden. Karz nach 10 Uhr fuhr, unter nicht endenwollenden Hochs, der Zug mit den allverehrten hohen Gästen fort.

_ ^erlitt, 15. März. Seit Bendigung des Krieges hat der Gefangene auf Wilhelmshöhe sich wieder ganz A la fran<;aise eingerichtet, sein französisches Küchen- perional in Function gesetzt und den föniglich preußischen Küchenmeister Bernhard, welcher bis dahin für Vie cullinarische Nothdurst desarmen Gefangenen" sorgte mit sammt seinem Personale nach Berlin zurückgesch'ckt. Frau Bernhard, eine geborene Französin, erhielt vom Exkaiser Napoleon ein werthvolles goldenes, mit Edelsteinen besetztes Medaillon an goldener Kelte, und Vas übrige Küchenpersonal bedeutende" Geschenke, nämlich durchschnittlich Jeder 100 Francs.

(Heftern kamen ca. 300 Landwehrmänner vom Werber'schen Corps, die vor Belfort in französische Gefangenschaft geriethen, hier an. Der miserable Zustand der Leute, die nicht genug von ihrer erbärmlichen Behandlung berichten konnten, stach traurig ab gegen die zu gleicher Zeit eingeschifften französischen Kriegs- gefangenen. ö

M. Berlin, 16. Marz. Zur Bewillkommung des Deutschen RichstagkS |oll nach dem Anträge der für diesen Punkt eingesetzten gemischten Deputation Der Ltavtbehörben von Berlin eine Festlichkeit im Rathhause stattfinden, Vas durchaus den Character eines zwangslosen gemüthlichen Bcisammense.ns tragen soll. An emem näher zu bestimmenden Tage Abends 8% Ubr würben sich die Eingeladenen, die Mitglieder des Reichstages, Die Bevollmächtigten zum Bundesrathe, die Mit­glieder des Magistrats und Der Stadtverordnetenversammlung, die Ehrenbürger Dtadtaltesten rc., ca. 800 Personen, in dem Festsaal und den anstoßenden Räum^ lchketten versammeln. Die Festlichkeit soll ohne Festmahl, doch mit Verabreichung leichter Erfrischungen stattfinden, so daß Die gegenseitige zwangslose Unterhaltung nicht beeinträchtigt wird. Darnach wird auch die Musik eingerichtet werden. Die Kosten für das projectirte Fest sind auf ca. 12,000 Thaler veranschlagt.

Jöetm Emzuge der Truppen übernimmt die städtische Behörde Die Ausschmückung Der via triumphalis, Die Erleuchtung Der öffentlichen städtischen Gebäude und Der Denkmäler am AbenD Des Tages, Die Stadt begrüßt ferner Die Truppen, gibt Den solDahn einen Quartierzuschuß von 1 Thlr. pro Mann, den Unteroffizieren etwas mehr und setzt für die zurückkeyrenben Londwehrmänner und Reservisten behufs ihrer Unterstützung zur Wiedereinnchtung in ihren bürgerlichen und Erwerbsver­hältnissen eine Summe von 100,000 Thaler aus.

J Der goldene Lor'oeerkranz, welchen 3000 Gemeinden der Rhemprovinz dem Kaiser bei seinem Wiederbetreten des deutschen Bodens überreichten, ist ein künst­lerisches Prachtstück. Derselbe besteht aus zwei Lorbeerzweigen mit 60 Blättern, Durd) welche sich ein weißes Platinband schlingt, auf dem tn schwarz emaillirter Fracturschrift Die NamenWeißenburg, Wörth, Saarbrücken, Metz, Sedan unD Straßburg" prangen. Der Hauptzweig, Die Beeren uno die Stiele Der Blätter Üno von rothem Goloe, die theilweise von grünem, thcilweise von dunkelgelbem Golde getriebenen Blätter sind auf der Rückseite blendend polirt und die Haupt- abern polirtes Gold. Beide Zweige werben durch Den Knoten eines Platinbandes zusammengehalten, dessen Innenseite aus gelbpolirtem Golde besteht; auf vieler laüen reiche Ciselirungen Vas Platin wieder in gefälligen Arabesken hervortreten. In der Mitte des Knotens steht Vas WortParis", während die beiden End- schleifen desselben in mattgelber und erhabener Fracturschrift die Widmung Ihrem Kaiser und Heldenkönige die dankbare Rheinprovinz 187071" tragen" Der Sfranj, welch» auf einem Kiffen von dunkelroihem Scidensammt ruht, wirv durch weißem Atlas mit einem fein und kunstreich gestickten, heraldische,! preußischen Adler geschützt. Das Ganze ruht in einem reich ausacstattcten Eben­holzkasten.

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TiieOpinione" will die Mittheilung ei^alten haben, Gurvinai Anroncui habe, als er sich zu einigen bei dem heiligen Stuhle accreditirten Diplomaten über die Verhältnisse des seiner territorialen Soiioeränetät beraubten Papstes äußerte, die Antwort vernommen, daß sämmtliche Mächte sich für den Papst unD feine Lage interessiren, was aber Die weltliche Macht anbelange, so sei dies eine andere Sache. Der Cardinal habe in diesen Besprechungen Die Ueberzeugung erlangt, daß der Papst von den Menschen für die Wiederherstellung seiner weit- lichen Macht nichts mehr zu erhoffen habe und daß Religionskriege nicht mehr möglich seien.

Die kürzlich von mehreren Blättern colportirte Notiz, daß französische Kriegs- gefangene tn deutsche Uniformen gesteckt seien, dürste sich auf die Thatsache reDu* ciren, Daß bereits eine größere Anzahl von französischen Kriegsgefangenen, welche dem Gouvernement Elsaß angehören, sich zum Eintritt in die deutsche Armee gemeldet haben. '

Berlin. Die von Frankreich beliebte veutschseinbliche Handelssperre scheint von Belgien nachgeafft werden zu sollen. Bei der kolossalen Nachfrage nach Lor- beerkranzen haben sich nämlich die hiesigen Gärtner und Blumenhändler aushilfs­weise nach Belgien gewandt, sind aber mit dem Bemerken abgewiesen worben baß bie Gesinnungen Der Belgier mit Frankreich svmpathisiren, ihnen also nicht gestatten, Den Deutschen für Friedens- und Siegesoemonstrationen die erforderlichen Lorbeer- zweige zu liefern.

Telegraphische Depeschen.

+ Darmstadt, 17. März. Prinz Ludwig von Hessen wird demnächst hier eintreffen, naacem ihm Der Kaiser mit Rücksicht auf Die Länge Der Zeit, welche bie zur Heimkehr Der Division verstreichen wird, einen sofortigen Urlaub ange­boten hat. ö