DenSunterhandlungen zu Brüssel vertreten werden , meldet die V6rit6: Die erste derselben, Baron Baude, ist der Jüngste unter ihnen. Er war lange Zeit erster Secretär der Gesandtschaft in London unter dem Fürsten de Latour d'Auoergne. Er ist Weltmann und geistreich und stellt sehr gut den Typus eines vollendeten Diplomaten dar. Er ist kalt, correct, zurückhaltend und, wie man sagt, von großer Festigkeit und seltener Geradheit. Seine politischen Ansichten nähern ihn den Anhänqern der constitutionellen Monarchie. Der Genera! Caille ist für den Theil der Verhandlungen, welche sich auf die GränzreguUrung beziehen, auser- sehen. Seine Erfahrung in dieser Sache ist bewährt. Er ist mehrere Jahre lang Präsident der Commission gewesen, welche die Gränzen zwischen Frankreich und Spanien fcstaestellt und diese Arbeit vor etwa drei Jahren zu Ende gebrach« hat. Herr de Goulard ist ein persönlicher Freund des Herrn Thiers, Generalrath des Departements des Gard und den Legitimisten nicht abhold. Er hat über einige der schwierigsten Fragen, die zur Verhandlung kommen werden, eingehende Studien gemacht. Der vierte Vertreter endlich, Herr Declercq, ist allge- mein bekannt; seine Werke gelten in allen Kanzleien von Europa als Autoritäten.
Dem „Standard" wird von seinem Korrespondenten in Florenz geschrieben , daß die Nachricht von dem Friedensschluß und der theilweisen Occupation von Paris seitens der siegreichen deutschen Armee mit einer kühlen Gleichgültigkeit ausgenommen wurde, die in seltsamem Kontrast zu den Wehklagen steht, welche die ersten Niederlagen der Franzosen einem großen und einflußreichen Theile der italienischen Presse entrang. „D.e Leute" — sagt der Korrespondent — „fangen an, Vic ganze Sache leidenschaftslos und von einem stritten italienischen Gesichtspunkte aus zu betrachten, und je genauer ihr Studium des Gegen^ standes in seinem ganzen Wesen wird, desto peremptorischer wird die Schlußfolgerung, daß, sobald Italien es unternahm, die päpstliche Schwierigkeit beizu- legen, es ihm oblag, sich das Wohlwollen, und wenn möglich, den aktiven Beistand des protestantischen DeutjchlandS zu sichern."
lieber die Unruhen, Vie am 1. März in Algier ausbrachen, erfährt bas „Journal de Genese", daß nach einem Feste, bas die Eingeborenen hielten, ein? Schaar über den Posten am RegierungSgebäade mit Stöcken Herste! und nicht ohne Mühe von den Soldaten zurückg tcikben wurde. In anderen Straßen kam es gleichfalls zu unruhigen Scenen. Die Israeliten wurden beschimpft, geprügelt, ihre Läden geplündert; in anderen Läden wurde, was man nicht stahl, in Staub und Schmutz umhergeschleist. Endlich wurden die Truppen der Sache Meister und nahmen zahlreiche Verhaftungen vor. Viele dieser Araber waren bewaffnet- In der Straße Bab-Agun wurde auch geschossen und ein Araber dabei getödtet. Abends war es in der unteren Stabt zwar ruhig, aber alle Läden waren ge- schlossen. Man sprach von einigen Todtungen und vielen Verwundungen, die bei diesen Plünderungen und Raufereien erfolgten.
Die „Situation" ist auf manche der alten Freunde Napoleon's nicht gut zu sprechen. So erzählt sie allerlei von „ce bon Mr. Prim“ bei Gelegenheit der bekannten Mission des Herrn von Keratry nach Spanien. Die pikanteste Stelle lautet: „Als Entgelt für die Mitwirkung von 100,000 Mann hatte Herr von Keratry Spanien 50 Millionen baar, 50 Millionen in drei Monat.», die Anerkennung der Integrität von Cuba durch dle Vereinigten Staaten und 20 Panzerschiffe angeboten. Marschall Prim aber antwortete, er habe sich über Frankreich zu beklagen; und dies am Tage nach dem Tage, wo bas Geld Frankreichs sür ihn Alles gethan hatte; er habe einen Vertrag mit Preußen geschloffen, unb enblich sei der Narr Olozaga der einzige Mann in Spanien, der mit Freuden die Republik in Frankreich errichtet sähe."
Der Protest des Kaisers Napoleon wirb von dem alten Anhänger bes Kaiserreichs, dem „Daily Telegraph", sehr kühl kritisirt. Das genannte Blatt, welches Napoleon III. in den Tagen seiner Macht mit schmetternden Posaunen- tönen des Lobes zu begrüßen pflegte, findet diese letzte Aeußerung weder politisch noch würdig und bemerkt, der Gefangene auf Wilhelmshöye schade sich durch den Protest nur selber, indem er die allgemeine Aufmerksamkeit auf Die Tharsache lenke, baß Frankreich lhm und allen seinen Werken gründlich entsagt habe.
In Rom werden die Reibungen zwischen den Klerikalen unb Liberalen immer ernster. Die Straßenunruhen haben sich am Sonntag erneuert. Auch unter der Jesurtenparler herrscht große Aufregung; sie verargt bem Pupste Die kürzlich stattgehabte Abhaltung eines Konsistoriums unb Ernennung von Bischöfen; er hätte dieses Geschäft in der Eigenschaft eines Gefangenen, als Den man ihn vor Europa Darstellen will, gleich feinem Vorgänger unter Dem ersten Napoleon in Fontainebleau der Congregation dei brevi überlassen sollen.
Aus dem Felde.
Die Uedergabe Des Forts Jffy an die Franzosen schildert Der Korrespondent i Der „Daily-Telegraph" wie folgt: „Am Abend vor Der Uebergabe, Den 6. d., i zünDete Die aus Dem 87. Regiment bestehende deutsche Garnison aus den Kanonen- S löffelten, Artilleriematerial, Ladestöcken und anderen Gegenständen, die sich nicht des Transports verlohnten, den Franzosen aber von Nutzen fein konnten, ein großes ( Freubenfeuer an. Das Bataillon bildete ein Carrü um das Feuer und sang D>e f „Wacht am Rhein". Am Morgen zeigten Die Franzosen ihre Bereitschaft an, das Fort zu übernehmen, und Die Garnison zog mit Hinterlassung eines Piatz- ! majors, eines Artillerieoffiziers und eines P.quets ab. Genau in demselben Augen- l blick, als Der französische Officier sich nahte, wurde Die Deutsche Flagge eingezogen. . Auf Dem weißen Thctl trug sie die Inschrift „Fort Jssy, 1871". Sie wurde
sorgfältig eingepackt, um im Osficiercasino Des 87. Regiments aufgehängt zu wer- i Den. Da aber auch Das 88. Regiment in Jssy gelegen, machte dasselbe ebenfalls i seinen Anspruch auf die Flagge geltend. Dre beiden Regimenter streiten sich nun t um Die Reliquie, unD hoffentlich wird das Salomoni|che Urtheil Des Brigade- $ generalö acceptirt werden, Der cntschieDen Hut, baß die Flagge in zwei Stücke t zerschnitten werde und jedes Regiment Die Halste erhalten solle." >
Aus NheilNs wird uns gemeldet, daß am 6. v. auf Dem Dortigen Kirchhofe unter entsprechenden Feierlichkeiten em Denkmal für die in jener GegenD ge- 1 fallenen deutschen Soldaten eingeweiht wurve. Das Franctireurwesen erhält sich t in der Dortigen Gegend trotz des Friedensschlusses, Denn noch am 3. b. M. wurde f ganz in Der Nähe Der Stadt eine Abteilung von 2 Officieren und 32 Wehr- l leuten überfallen und dabei 1 Officier und 3 Wehilcute getödtet. Mehrere der t Mörder sind bereits gefänglich eingezog n.
Die französische Artilleriesch^e, die sich bisher in Metz befand, wirb nach c Bourges verlegt, wo bekanntlich die französischen Kanonengießereien sind.
Der Fürst von Lusignan hat, dem Beispiele Cremieux' folgend, oie Summe ji von 200,000 Franken für die Kriegskosten unterzeichnet c
Der „Frkf. Ztg." wirb aus Kaiserslautern vom 13. März gemeldet, daß der Kommandant von Bitsch sich abermals geweigert haben soll, die Festung zu übergeben. Wie man in militärischen Kreisen erzählt, will er die Befehle Der Republik nicht anerkennen, sondern sich nur einem Macbtgcbot Des Kaisers unterwerfen, von Dem er Den Auftrag zur Verteidigung des Platzes erhalten. Man darf auf Dieses Resultat Der noch schwebenden Verhandlungen gespannt sein; das Verhältniß ist das abnormste, was man sich nur denken kann.
1 Gießen, 11. März. Um einen kurzen Ueberblick von den Geschäften einer größeren Etappe in diesem Kriege zu bekommen, dienen am besten folgende Zahlen- angaben. Bis zum 4. b., wo die Züge nach Frankreich sistirt wurden, sind 1455 Mil'tär-Züge von hier nach Frankreich befördert worden und etwa 1070 Züge brachten aus Frankreich Kranke, Verwundete, Gefangene und Kriegsbeute, 427,900 Mann wurden bis heute auf Staats-Kosten in Der Militär-Speise-Halle auf hie- sigem Bahnhofe mit warmer Kost oder Kaffee verpflegt, außerdem nahm am 5. September Kaiser Napoleon mit seinem zahlreichen Gefolge in Den Fürstlichen Zimmern hiesigen Bahnhofs auf Staatskosten als Kriegsgefangener das erste Diner auf deutschem Boden ein; etwa 3800 Kranke nahmen Die zur Etappe Gießen gehörigen Lazarethe auf, 4540 Depeschen gingen bis jetzt bei hiesiger Etappen-Commandantur ein und 4610 Depeschen gingen von Derselben ab. Heute trafen die ersten Z ige mit unfern siegreichen Truppen hier ein und wurden in Der festlich geschmückten Halle gespeist, währenD die Militär-Musik mehrere Stücke vortrug.
Gießen. Das Generalpostamt macht Folgendes bekannt: Da die Heimkehr der auf französischem Gebiete un) in den neu erworbenen Landestheilen stehenden Landwehrbataillone, Reserve-Jägerbataillone, Reserve-Cavallerie-Regimenter, Re- seroe-Batterien und Der Ersatzbataillone derjenigen Regimenter, welche nicht zur Besetzung Der neuen Provinzen bestimmt sind, nahe bevorsteht und, während die Truppen sich aus dem Marsche befinden, die Möglichkeit regelmäßiger Auslieferung von Post-Sendungen an dieselben sehr beschränkt ist, so empfiehlt es sich, die Ad- ftndung besonders von Gelbbriefen an Oififtere uno Mannschaften Der gedachten Truppentheile so lange auszufetzen, bis dieselben wieber nach ihren Friedensorten zurückgekedrt sind. Das Publikum wird ersucht, bis dahin von Der Einlieferung von Geldbriefen Abstand zu nehmen.
Berlin. Für Ueberlassung der Fenster während Der bevorstehenDen Einzugsfeierlichkeiten werden Unter Den Linden so enorme Preise geboten, Daß Dieselben Die kühnsten Erwartungen Der Vermiether bei Weitem übertreffen. Uns sind Fälle bekannt, in Denen für je ein Fenster, an welchem kaum Drei Personen Platz haben, 200 Thaler bezahlt worden sind. — Wie hiesige Zeitungen erzählen, traf in Diesen Tagen in einem Hotel Unter Den LinDen eine englische Familie ein, welche mit Dem Bemerken, daß ihr Aufenthalt in Berlin zwei Monate Dauern würde, Die besten Zimmer in Der ersten Etage verlangte. Als der Hotelbesitzer hierauf Dic Erklärung adgad, daß für Die Tage Des Einzuges Der Truppen bereits feit October v. I. über die Zimmer verfügt fei, wurden ihm allein für diese Zeit 1000 Thaler geboten. Natürlich war Der Wirth an fein früher gegebenes Wort gebunDen.
M. Berlin, 14. März. Mit gesichertem Frieden unD scheinbar auch mit erwachendem Frühling beginnt Die Strikelust unter Den Berliner Arbeitern sich wieder gewaltig zu regen, gerade als hätten sie in Der kaum überstandenen Sturmund Drangperiode des Krieges massenhaft Reichthümer aufgespart, von Denen sie während Der freiwilligen Unthatigkeit zehren könnten. Die Weißgerber feiern wegen Lobndifferenzen feit Samstag, die Weber haben in mehreren größeren und kleineren Werkstätten heule Mittag das Schiff in Ruhestand versetzt, Zimmeileutc unD Schuhmacher treffen Anstalten, einen höheren Lohnsatz refp. kürzere Arbeitszeit zu erzwingen — Dem politischen FrirDen scheint Der sociale Krieg in allen Ge- werken folgen zu sollen. Zimmerer und Schuhmacher haben sich zwar das Wort gegeben, vorläufig auf friedlichem Wege das gesteckte Ziel anzustreben; wer aber den qewaltthätigen Character zu beobachten Gelegenheit hatte. Der diesen an und für sich berechtigten Bestrebungen durch Die socialistischen Umstürzler aufgedrückt wird, Der kann sich kein Hehl darüber machen, Daß wir wiederum massenhaften Arbeitseinstellungen entgegengehen. Die naturgemäß Das Elend Der arbeitenDen Klassen nur noch vergrößern. Welcher Art die friedlichen Bestrebungen sind, konnte man gestern Abend in der Versammlung Der Schuhmacher beobachten, wo Der Altmeister, als er einigen unberechtigten Ausführungen sachlich entgegentreten wollte, mit „schlagenden" Gründen zur Ruhe verwiesen wurde.
Zur Zeit des feierlichen Einzuges der Truppen in Berlin werden Mitglieder der russischen Kaiserfamilte Hierselbst anwesend sein.
Nach Dem Fiasco, welches der Magistrat in Betreff Des allgemeinen deutschen Ehr.nbürgerbrieses an Die Grafen Bismarck und Mvltke erlitten, geht jetzt Die gemischte Deputation Der hiesigen sta'Dtischen BehörDen mit Dem Plane um, Die Errichtung von Marmordenkmälern Der Grafen Bismarck und Moltke im Innern Des Berliner Rathyauses zu beantragen.
j Berlin. Der Kaiser wird, nach Den jetzt endgiltig festgesetzten Anordnungen, am Freitag ( 17.) Abends zwischen 8 unD 9 Uhr hier eintreffen. Die Kai- serin reist ihrem hohen Gemahl am Freitag Mittag bis Weimar entgegen.
‘v A" Abend Der Friedensfeier wurde das hiesige Rathhaus von zusammen 34,260 größeren und kleineren Flammen illuminirt, Die etwas über 210,000 Ku- bikfuß Gas confum'.rten und einen Kostenaufwand von 352 Thaler verursachten. Die bengalische Beleuchtung des Thurm.s kostete ungefähr ebenso viel.
Der Schießstandwächter Wilke auf dem Bürgerichießplatz in Schöneberg bei Berlin ist in Den Besitz eines Gewehrs unD 25 dazu gehörigen Patronen gekom- men, Die einem gefallenen Soldaten Der Bourbaki'schen Armee abgenommen worden sind. Beim Probiren hat sich nun als unzweifelhaft herausgestellt, daß Die Patronen Cxplvsionskugeln enthalten. Gewehr und Patronen sollen Dem Ministerium zur Unt rsuchung und Feststellung des ThatbestandeS eingereicht werden. Beide tragen englische Fabrikstempel.
>t Die Energie, welche Der Schweizer BunDeSrath in Der Unterdrückung Der Unruhen in Zurich an Den Tag legte, hat hier sehr befriedigt. Der Gesandte des Deutschen Re-.cheS in Bern, General v. Röder, dessen Schutz von den Deutschen angerufen wurde, hat Der eidgenössischen Regierung gegenüber Die zuverstcht- i'rdc Erwartung ausgesprochen, daß die Schweiz, wie in allen Stadien des letzten Krieges, so auch gegenwärtig die strengste Neutralität beobachten werde.
Wien. Dem „Vaterland" wird aus Bregenz, 8. März, telegraphisch gemeldet: „Gestern Abtnd halb 6 Uhr stürzte der Schloßberg bei Hohenems ein. D'e zwei Hauptstraßen des Dorfes, Die Kirche unD 900 bis 1000 Einwohner ÜnD mit Schutt unb Steinen bedeckt. Man arbeitet fleißig an Der Ausgrabung Der Verunglückten."
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