und die Eisenbahnen Mitteleuropas. Versagte nur einer dieser Faktoren den Dienst, wir hätten diesen milden Weg der Rache nicht wählen können; aber keiner dieser drei versagte, und deshalb waren wir der allerdings wahrhaft imponiren- den Leistung der Franzosen — die Verproviantirung von Paris — überlegen: wir konnten warten, und wenn nicht alle Zeichen trügen, werden wir bald aus- gewartet haben. Ich will aber doch hoffen, daß die Pariser sich Eins überlegen. Wenn heute Paris fällt, so gehören wohl wenigstens noch 14 Tage dazu, ehe wir unseren eisernen Ning öffnen können. Ehe alle Forts von uns besetzt sind, alle Waffen abgeliefert, alle Minen entladen, die Kasernen — die Waffenplätze de- Inneren — besetzt, die Gefangenen sortlransportirt, die Straßen geräumt, — vorher können wir bei dem tückischen Charakter, den die Verzweiflung im Einzelnen zur Geltung bringt, eS nicht wagen, unseren Einzug mit klingendem Spiel zu halten; denn die Erfahrung hat uns Vorsicht gelehrt. Erst dann wird Paris von unserer eisernen Umarmung befreit werden, also auch dann erst von uns die Mittel zu seinem Unterhalt erhalten können. Bis dahin muß dle Bevölkerung noch auf ihre Ernährung bedacht sein."
Nach einer Mittheilung der Wiener „Presse" hatte die Pforte^beschlossen, vor Beginn einer Action gegen die arabischen Aufständischen den Scheik Emir Elgendi als außerordentlichen Commissär an dieselben zu senden, um einen friedlichen Ausgleich zu versuchen. Inzwischen fand, nach einem Telegramm desselben Blattes, bei Suleimanie im Irak ein großer Kampf zwischen den Aufständischen und zwei Brigaden Infanterie statt. Erstere sollen geschlagen sein. Auf beiden Seiten werden große Verluste beklagt.
Die „Straßburger Ztg." schreibt: „Wenn das neue deutsche Reich noch während seines Entstehens auf den Suprematie-Anspruch Frankreichs stößt, so wird es zur Existenzfrage für da-Reich, diesen übermüthigen Anspruch mit voller Wucht für immer zu vernichten. Zu diesem Zwecke aber muß nicht nur das zweihundert- jährige Machtbewußtsein Frankreichs von Grund aus erschüttert, sondern auch die materielle Macht Frankreichs soweit verkürzt und unsere militärische Stellung zu diesem Lande derart verbessert werden, daß unsere Sicherheit gegen den franzö> fischen Uebermuth von dem Willen und den wechselnden Regierungssormen des schlimmen Nachbar- unabhängig ist. '
Der „Moniteur universel" vom 5. Januar äußert sich also: „Je mehr wir die militärischen Berichte lesen, die uns von Paris zugegawgen, um so mehr wer- den wir von der Aufrichtigkeit überrascht, wodurch sie sich^auSzeichnen: keine Verkleinerung unserer Verluste, keine Uebertreibungen derjenigen des Feindes, nichts als Wahrheit in der ganzen strengen Einfachheit." Man lügt, daß es kracht, und dann kommt das officielle Organ Gambetta'S und preist d e Einfachheit und Lauterkeit dieser Berichte! Diese „Einfachheit' schließt natürlich nicht aus, daß der Moniteur betheuert, die französischen Kanonen seien besser als die preußischen und die Provinz werde Paris schon retten, nur müsse man cö an Opfern auf dem Altar des Vaterlandes nicht fehlen lassen.
Der „Moniteur" veröffentlicht folgenden Brief Garibaldi'S:
„Autun, 30. December 1870. Ich habe nie so sehr, tote jetzt gewünscht, dreißig Jahre jünger zu sein. Ich betrachte diesen Krieg als den wichtigsten meines Lebens und bin wahrhaft vergnügt, zu sehen, daß die Sache der Republik eine so günstige Wendung nimmt. Am schließlichen Erfolge habe ich n e gezweifelt und heute zweifle ich weniger als je. Der Geist der Bevölkerung lebt wieder auf und Leute jeden Alters eilen mit bewundernswürdiger Begeisterung zu den Waffen. Wie Sie sehen, ist meine Hand schwach; aber wenn ich ruhe, bin ich doch recht kräftig und ich kann selbst zu Pferde sitzen."
Kriegsnachrichten.
Hauptquartier Versailles, 6. Jan. In der vergangenen Nacht gaben die Fort-, insbesondere der Valerien, ein so heftiges Feuer, wie ich es in der 31/2- monatlichen Belagerung noch nicht stärker gehört habe. Man schien von dem Beginn des Bombardements an feindlicher Seite unterrichtet zu sein, denn als am 5. gegen 7 Uhr Morgcn- unsere Pionntere die letzten Reste der Bäume ein- hauen wollten und im Begriff standen, unsere unter den Augen des Finde- in St. Cloud errichtete Batterie zu demaskiren, eröffneten die cur der S.ine liegen- den 2 Kanonenboote ein lebhaftes Feuer. Gleichzeitig schwärmten mehrere Bataillone Linientruppen hervor und wollten den Versuch machen, unsere Regimenter zu durchbrechen, al- unsere Batterien eine so heftige Kanonade eröffneten, daß sich die feindlichen Bataillone in wilder Flucht zurückzogen. Um 8 Uhr 15 Minuten wurde das Signal zum Beginn des Bombardements gegeben, und sofort sandte unsere Artillerie, die auf den längst ersehnten Augenblick mit Ungeduld gewartet hatte, ihre Geschosse in die feindlichen Batterien, die das Feuer nur schwach erwiderten. Unsere Artillerie hatte bei Meudon und St. Cloud Aufstellung genommen, um von diesen Punkten aus die südlichen Forts Jssy, Vanvreü und Montrouqe beschießen zu können. Die Lafetten der Geschütze sind für ein Feuer bis auf 11,000 Schritt Distanz construirt, so daß es uns gelingen wird, die weittragenden Geschosse selbst in die Häuser von Paris hineinsenv.n zu können. Al- unsere Art llerie mit Erfolg gegen die feindlichen Batterien das Feuer zwei volle Stunden unterhalten hatte, sollte sich eine eigenthümliche Scene absp>elen. Um 10y2 Uhr Vorm. toutbe plötzlich auf der feindlichen Seite die weiße Par- lamentarflagge aufgehißt und in Folge dessen sofort auf beiden Seiten das Feuer eingestellt. Angestellte Nachforschungen ergaben, daß es ein in Pari- sich auf- haltender amerikanischer Oberst gewesen sei, der unbemerkt zu den äußersten Vor- posten gelangt sei und die weiße Fahne aufgehißt habe. Nach Beendigung dles.s Zwischenfalls wurde aus unserer Seite die Beschießung wieder ausgenommen. Un- serer Artillerie, welche mit großer Präciston schoß, gelang es, starke V.richanzungen bei den Forts Jssy und Montrouge einzuschießen, so baß die Schanzkörbe immer wie Spreu in der Luft zerstoben. Für den 4. war bereits die Befchießang der Südsorts in Aussicht genommen gewesen, dieselbe mußte ober des stark sich bemerkbar machenden Nebels halber an diesem Tage unterbleiben. Die Forts hören auf unsere Vorposten zu beunruhigen, da sie ihr Augenmerk nur aus unsere Batterien zu richten haben, nur der Mont Valerien laßt sich noch vernehmen, und hat gestern in Ville d'Avray eine Villa in Brand geschossen, die durch die von unseren Soldaten geleistete Hülfe vom Flammentode gerettet wurde. Der König wohnte den Operationen von Ville d'Avray aus bei. Der Verlust auf unserer Seite beträgt ungefähr 20 Mann, von denen leider 3 Osstztere tobt sind. (Schw. M.)
Versailles, 6. Jan. Gestern also, früh Morgen- um 8 Uhr, begann die Beschießung der Südfront von Paris und der vier vor derselben gelegenen Fort- von Jssy, Vanvres, Montrouge und Bicötre. Schon am Tage vorher war das Bombardement in Aussicht genommen, aber die nebelige Witterung verhinderte
am zielen, und so unterließ man das Unternehmen und verschob es auf den ersten schönen Tag. Dennoch hatte man schon in der vorhergehenden Nacht alle die kleinen Ortschaftm occupirt, welche wie Bas Meudon, Fleury u. s. w. zwar im Feuerbereich unserer Vorpostenkettcn lagen, aber der Fort- und ihrer Nähe wegen von den Unseren unbesetzt gehalten worden waren und die nicht selten von französischen Streifpatrouillen durchzogen wurden. Die Besetzung der genannten Ortschaften geschah indeß ohne Schwierigkeiten. Für den ersten Tag eines Bombardements ist dem Artilleristen schönes, klares Wetter durchaus vonnöthen. Hat derselbe jedoch erst einmal die Wirkungen seines Geschützes erprobt, hat er ihm darauf diejenige Richtung gegeben, welche für seine Zwecke erforderlich ist, so hindert ihn weder Nebel, noch Regenschauer und Schneegestöber, mögen sie ihm noch so sehr die Aussicht benehmen, seine Feuerarbeit mit dem besten Erfolge fortzu» setzen. Das Geschütz ist einmal gerichtet, die Zielpunkte sind gegeben, die Messungen sind genommen und dann geht es „comme sur des rouleltes“. Wie ich höre, hat man alle Ursache, mit den Resultaten dieses ersten Beschießungstages durchaus zufrieden zu sein. Die Fort- VanvreS und Bicetre erwiederten, scheint es, unser Feuer von Anbeginn nur mit sehr geringem Eifer, dem der geringe Erfolg entsprach. Fort Jssy allein blieb uns mit einiger Energie wenige Schüsse schuldig und wurde dabei von Montrouge wenigstens einigermaßen accompagnirt. Dem Vernehmen nach sollen schon die ersten Schüsse unserer Positionsgeschütze die Kasernementsgebäude in Jssy in Hellen Brand geschossen, refp. zerstört haben. Nähere Nachrichten über die anderweiten Erfolge fehlen noch. Es war ein schöner, frischer Wintermorgen, an dem man begonnen, aber es blieb nur ziemlich kurze Zeit völlig nebelfrei, so daß trotzdem das Emschießen seine besonderen Schwierigkeiten gehabt haben mag. Hier in Versailles hörte man den sonst Alles überdröhnenden Schall der Festungsgeschütze nicht in jener übcrwältig'Ndcn Weise, auf die wir uns gefaßt gemacht. Aber die Richtung des Windes war durchaus conträr und schon die letzte Nacht zeigte uns, was wir an Ohrenschmauß für die nächsten Wochen zu erwarten haben. Unsere Verluste an diesem ersten Beschie- ßungstage sind sehr gering. Sie belaufen sich auf der ganzen Linie an Todten und Verwundeten bis jetzt auf nicht mehr denn 12 Mann. Prinz Albrecht Vater, der bekanntlich zum Neujahrsfeste hierher kommen wollte, ist auf der Reise von Vendome nach V rsailles in Maintenon erkrankt. Der König sandte ihm sofort seinen Leibarzt, Dr. Lauer, der die Krankheit des Prinzen für ein ziemlich heftiges rheumatisches Fieber erklärte. Jetzt ist der Prinz, der als Führer der vierten Cavalleriedivision in diesem Feldzuge und namentlich an der Loire Vie ausgezeichnetsten Dienste geleistet, ganz außer Gefahr und beinahe wieder hergestellt. Der Kön'g hat ihm in Anerkennung seiner Unermüdlichkeit und der wiederholten Bravour, die er an der Spitze seiner Reiterdioision an den Tag gelegt, den Orden pour le mörite „mit Eichenlaub" verliehen. — Die Verpflegungscommission der Stadt Vrrsallles scheint sich noch nicht bemüssigt zu haben, auf die Zahlung des verfallenen Strafgeldes, für Nichttinrichtung des ihr vor acht Wochen in Auftrag gegebenen Provisionsmagazins aus freien Stücken einzugehen. Seit gestern ist daher die geforderte Summe um die Hälfte erhöht worden und den Mitgliedern oer betreffenden Commission zunächst eine Extra-Einquartirung mit voller 23er- pflegung in's Haus gelegt worden. Die Herren der Municipalverwaltung von Versailles scheinen durch die königliche Gnade, die ihnen anfänglich die Kriegs- contribulion von 40,000 Fr. erlassen, einigermaßen verwöhnt zu sein und es ver- geffen zu haben, daß sie nicht die unumschränkten Herren des Landes sind. Es war daher an der Zeit, mit Strenge gegen Leute vorzugehen, die so gar wenig Verständniß für die wahre Lage der Dinge bezeugten und denen möglicherweise sogar die Gambetta^'chkn Telegramme den Sinn etwas umnebelt hatten.
Straßburg, 8. Jan. Der Civilcommissär Regierungspräsident v. Kühlwetter macht Folgendes bekannt: „Der Unterpräfect zu Mölsheim, sowie die Vorsteher Der künftigen in der Bildung begriffenen Kreise nehmen fortan den Titel „KreiS- Director" als Amts-Bezeichnung an." Die Tragweite dieser kurzen Notiz brauchen wir wohl nicht erst in's Licht zu setzen; eS ist damit einfach gesagt, daß die Civil» Verwaltung des Elsasses bereits nach preußischem Muster und zwar dem KreiS- ordnungentwurfe entsprechend, der in Preußen erst noch Gesetzeskraft erlangen soll, eingerichtet wird.
Aus Lothringen, 7. Jan. Don den mit Preußen befreundeten Mächten haben sich in letzter Zett häufig Offiziere nach unseren vor Paris stehenden Cer- Nirungstruppen begeben, um Zeuge dcS großartigen militärischen Schauspieles der Heschitßung dieser Stadt zu sein. So weilen mindestens acht bis zehn russische Offiziere verschiedener Grade, dann auch mehrere englische Offiziere im Haupt- quartiere, während österreichische, italtensche und belgische daselbst nicht anwesend sind. Eigenthümliche Gäste waren aber neun japanische Offiziere, zum Theil sehr hohen Ranges, die der Kaiser von Japan eigens nach dem preußischen Heere ge- sandt hatte, um dort militärische Studien zu machen, und die daselbst sehr gut aufgenomnvn worden sind. Sie trugen Civtlkleidung und passirten auf der Rückkehr von Versailles jetzt Nancy. Ihr Begleiter und Dollmetscher war ein früherer englischer Offizier; die Japaner, sehr intelligent aussehende Männer, die ein richtiaes Verständntß zeigten, sprachen sich im höchsten Grade anerkennend über Die Wirkung der preußischen schweren Geschütze auS und meinten, daß deren Geschossen fe ne Festung widerstehen könne. Ungeheure Massen von Munition werden jetzt täglich von Preußen auf der Eisenbahn bis nach Lagny vor Paris gebracht und von Dort durch Artillerie-Fuhrwerke abgeholt. (K. Z.)
Es haben sich in Basel wohlthätige „internationale" Bureaux gebildet zu dem Zwecke, zwischen den im Feindeslande befindlichen verwundeten oder unver- wundettn Kriegsgefangenen Auskunft und Beziehungen zu vermitteln. Dieselben machen ihre Acress.n bekannt:
1. Zur Vermittlung der Correspondenz zwischen diesen Gefangenen und oeren Angehörigen, und zur Uebermachung von Geldsendungen erbietet sich: „DaS Jnsormationsbureau der internationalen Agentur in Basel (Casino)."
3. Zur Übersendung von Packeten erbietet sich: „Das Internationale Hülfs-Comttä für Kriegsgefangene in Basel (Kohlenberggasse 24)." Basel, 28. December ib70.
Für die Agentur: Für das Gefangenen-Comttö:
A. Vischer - Sarasin. Dr. H. Christ-Socin.
Brüssel, 10. Jan. Man versichert, daß die Belagerung von Givet bevor- stehe. Preußische Plänkler sind bereits in Vireux (etwa 1 */2 Meile südwestlich von Givet) erschienen. „Etoile beige" meldet, daß 80 Kanonen vor Longwp eingetroffen sind.
Brüssel, 10. Jan. Der „Etoile" meldet, daß 80 Kanonen vor Longwy eingetroffen sind.
Brüssel, 10. Jan. Die „Jndep." berichtet in ihrer Correspondenz aut Bordeaux vom 3. d.: „Zwischen den Generalen Trochu und Ducrot giebt sich


